Knöterichgewächse, Polygonaceae – Steckbrief, Merkmale und Arten

wachsende Rhabarberstaude im Beet

Bei den Knöterichgewächsen (bot. Polygonaceae) handelt es sich um eine Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Nelkenartigen (bot. Caryophyllales) in der Gruppe der Kerneudikotyledonen. Sie umfasst über 1.200 Arten, die sich auf etwa 43 bis 53 Gattungen verteilen und aufgrund ihres natürlichen Verbreitungsgebiets bekannt in Deutschland ist. Dieses erstreckt sich nämlich zum größten Teil auf die gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel, mit nur einigen Ausnahmen in den Tropen oder Gebieten mit Permafrostböden. Sie werden seit Jahrhunderten als Gemüsepflanze genutzt.

Knöterichgewächse

Niedrigere Klassifizierungen

Die Knöterichgewächse waren früher eine viel kleinere Familie. Dies war der Fall, bis die Arten der folgenden Gattung komplett in die Polygonaceae übernommen wurden.

  • Calligonaceae
  • Coccolobaceae
  • Eriogonaceae
  • Persicariaceae
  • Rumicaceae

Diese haben den Umfang der Familie erweitert und bis heute wird die Anzahl der Gattungen entweder mit 43 oder 53 angegeben. Einige Quellen sprechen von 48 Gattungen. Das liegt an der Gattung der Vogelknöteriche (bot. Polygonum), die bei Brandbyge im Jahr 1993 in mehrere zusätzliche Gattungen unterteilt wurde, die jedoch einen guten Einblick in die Vielfalt der Familie geben.

Diese unterteilt sich primär in zwei Unterfamilien:

  1. Polygonoideae: 15 – 28 Gattungen, zwischen 590 – 850 Arten
  2. Eriogonoideae: 20 – 28 Gattungen, zwischen 325 – 520 Arten

In Europa ist vor allem der Tribus Polygonoideae wichtig, da die Eriogonoideae fast ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent vorkommen. 65 der Arten aus dem Tribus Polygonoideae kommen endemisch in China und nur etwa 16 Gattungen auf den nordamerikanischen Kontinent vor.

Zu den bekanntesten Gattungen innerhalb der Unterfamilie gehören:

  • Berg-Knöteriche (bot. Aconogonon): 25 Arten
  • Wiesenknöteriche (bot. Bistorta): 50 Arten
  • Bocksweizen (bot. Atraphaxis): 25 Arten
  • Stechampfer (bot. Emex): 2 Arten
  • Buchweizen (bot. Fagopyrum): 15 – 23 Arten
  • Koenigia: 6 Arten
  • Säuerlinge (bot. Oxyria): 1 – 4 Arten
  • Knöteriche (bot. Persicaria): 100  – 150 Arten
  • Vogelknöteriche (bot. Polygonum): 65 Arten
  • Rhabarber (bot. Rheum): 60 Arten
  • Ampfer (bot. Rumex): 190 – 200 Arten

Vegetative Merkmale

Knöterichgewächse sind sofort an ihren morphologischen Eigenschaften zu erkennen. Die vegetativen Merkmale sind sich bei jeder Art sehr ähnlich und unterscheiden sich kaum, was die Bestimmung erleichtert.

Die Merkmale:

  • Wuchsform: krautig, Sträucher, seltener Liane, Baum, Rutenstrauch
  • Lebenszyklus: verholzend mehrjährig, ausdauernd
  • Höhe: bis 12 m
  • Sprossachsen: niederliegend, aufrecht, kletternd, windend, gerillt, gestreift, Nodien, stachelig
  • Nodien: multilakunär, vielspurig
  • Laubblätter: entwickelt, reduziert, wechselständig, seltener wirtelig, gegenständig, nur wenig gestielt, wirken aufsitzend
  • Blattspreiten: einfach
  • Nebenblätter sind je nach Art vorhanden oder fehlend
  • Unterfamilie Polygonoideae verfügen über Ochrea
  • Ochrea: Scheide, röhrig, häutig, sitzt am Blattstielgrund
  • Ochrea-Nebenblätter: verwachsen
  • Ochrea wird während der Vegetationsperiode durchbrochen
  • viele Arten enthalten hohe Anteile an Oxalsäure
  • Nutzen: Heilpflanze, Nahrungsmittel, Holzlieferant

Generative Merkmale

Die generativen Merkmale der Polygonaceae  sind einzigartig vielfältig und präsentieren sich in zahlreichen Formen.

  • Blütenstand: endständig, seitenständig, traubig, ährig, rispig, kopfig, reich an Blüten
  • Blattstiel: gegliedert
  • Blüte: eingeschlechtlich, zwittrig, dreizählig, radiärsymmetrisch
  • Größe: klein
  • Blütenhüllblätter: 3 in jeweils 1 – 2 Kreisen, häutig, vergrößern sich zur Bildung der Frucht
  • Blütenhüllblätter bleiben an der Frucht, sind dabei bestachelt, geflügelt oder warzig
  • Staubblätter: 3 in 2 – 3 Kreisen
  • Staubfäden: frei, an Basis verwachsen
  • Staubbeutel: 2 Theken, Längsschlitze
  • Diskus: ringförmig, gelappt
  • Fruchtblätter: 2 – 4
  • Fruchtknoten: oberständig, einkammerig
  • Griffel: 2 – 4, frei, an Basis verwachsen
  • Frucht: Nussfrüchte, Endosperm, Achänen, bikonvex, bikonkav, dreieckig

Arten

  • Schlangen-Knöterich (bot. Bistorta officinalis)
  • Knöllchen-Knöterich (bot. Bistorta vivipara)
  • Alpen-Knöterich (bot. Koenigia alpina)
  • Parapteropyrum tibeticum
  • Alpen-Säuerling (bot. Oxyria digyna)
  • Wiesen-Sauerampfer (bot. Rumex acetosa)
  • Kleiner Sauerampfer (bot. Rumex acetosella)
  • Berg-Sauerampfer (bot. Rumex alpestris)
  • Gemeiner Rhabarber (bot. Rheum rhabarbarum)
  • Sibirischer Rhabarber (bot. Rheum rhaponticum)
  • Schlingknöterich (bot. Fallopia baldschuanica)
  • Japanischer Staudenknöterich (bot. Fallopia japonica)
  • Sachalin-Staudenknöterich (bot. Fallopia sachalinensis)
  • Kleinstrauchiger Bocksweizen (bot. Atraphaxis frutescens)
  • Stechampfer (bot. Emex spinosa)
  • Gemeiner Buchweizen (bot. Fagopyrum esculentum)
  • Tatarischer Buchweizen (bot. Fagopyrum tataricum)
  • Schwarzfrüchtiger Drahtstrauch (bot. Muehlenbeckia axillaris)
  • Wasser-Knöterich (bot. Persicaria amphibia)
  • Wasserpfeffer (bot. Persicaria hydropiper)
  • Rhabarber pflanzen: Aussaat, Pflege und Düngen

    Rhabarber gehört zusammen mit Spargel, Spinat und Erdbeeren einfach zu jedem Frühling und die Stangen in den rot-grünlichen Farbtönen machen sich gut als Marmelade, Sirup und im Kuchen. Das ursprüngliche asiatische Knöterichgewächs gedeiht in deutschen Gärten problemlos und kann von Mai bis zum Johannistag am 24. Juni geerntet werden. Die "Barbarenwurzel", so wie die Römer Rheum rhabarbarum nannten, begeistert durch seinen leicht säuerlichen Geschmack, der typisch für das Stielgemüse ist.

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    Für alle Gärtner, die nach einer pflegeleichten und anpassungsfähigen Staude für den Garten suchen, die außerdem Farbe in die Beete bringt, ist der Kerzenknöterich (Bistorta amplexicaulis) genau das Richtige. Seine aufrecht stehenden Scheinähren zieren zwischen Juli und Oktober über üppig grünem Blattwerk Beete und Rabatten. Kerzenknöterich benötigt nur ein Minimum an Pflege. Ein unkontrolliertes Wachstum - wie dies bei vielen anderen Knötericharten der Fall ist - ist beim Kerzenknöterich nicht zu befürchten.

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