Nelkengewächse, Caryophyllaceae – Steckbrief, Merkmale und Arten

Dianthus barbatus mit dichten, aparten Blüten

Die Nelkengewächse (bot. Caryophyllaceae) sind eine Pflanzenfamilie innerhalb der Nelkenartigen (bot. Caryophyllales), die zur Gruppe der Kerneudikotyledonen gehören. Sie wird in etwa 89 Gattungen mit über 2.200 bis 3.000 Arten unterteilt, die sich in ihrem Verbreitungsgebiet bis auf wenige Ausnahmen überall finden lassen. Ausnahmen sind das Kongo- und Amazonasbecken und das westliche Australien. Sie werden vom Menschen für zahlreiche Verwendungszwecke genutzt, einige Arten zählen jedoch zu den weit verbreiteten Unkräutern.

Nelkengewächse

Niedrigere Klassifizierungen

Die niedrigeren Klassifizierungen der Nelkengewächse sind einzigartig innerhalb der gesamten Ordnung. So wie die Mollugogewächse (bot. Molluginaceae) enthalten diese nicht die für die Nelkenartigen typischen Betalaine und dafür über Anthocyane verfügen. Die Caryophyllaceae sind zudem am nächsten verwandt mit den Molluginaceae. Innerhalb der Familie, die erst seit dem Jahr 2006 phylogenetisch erschlossen wurde, finden sich bis zu 89 Gattungen, die in die folgenden Unterfamilien eingeteilt werden.

  • Paronychioideae: 3 Triben, 33 Gattungen
  • Alsinoideae: 5 Triben, 29 Gattungen
  • Caryophylloideae: 3 Triben, 27 Gattungen

Als größte Gattung der Nelkengewächse gilt die Gattung Silene, die bis zu 700 Arten beinhaltet. Die für den Menschen wichtigste Gattung stellen die folgenden dar.

  • Nelken (bot. Dianthus): 320 – 600 Arten
  • Sandkräuter (bot. Arenaria): 150 – 300 Arten
  • Seifenkräuter (bot. Saponaria): 43 Arten

Insgesamt sind 61 der Familie auf der ganzen Welt ausgestorben. In Deutschland gelten die folgenden vier Arten als ausgestorben.

  • Silene linicola
  • Klebrige Lichtnelke (bot. Silene viscosa)
  • Saat-Schuppenmiere (bot. Spergularia segetalis)
  • Minuartia stricta

Vegetative Merkmale

Einzigartig an den Nelkengewächsen ist die Unterteilung der drei Unterfamilien in ihre vegetativen Merkmale.

Diese unterscheiden sich klar in einem Merkmal:

  • Paronychioideae: bildet als einzige Unterfamilie Nebenblätter aus
  • Alsinoideae: freie Kelchblätter
  • Caryophylloideae: verwachsene Kelchblätter, selten werden Nebenblätter ausgebildet

Dadurch ist es schon auf den ersten Blick leicht erkennbar, um welche Gattung es sich bei der Art handelt.

Die Merkmale:

  • Wuchsform: krautig, Halbsträucher, Sträucher, seltener Lianen, polsterbildend
  • Lebenszyklus: einjährig, zweijährig, seltener verholzend mehrjährig
  • bleiben recht klein
  • Dickenwachstum: Kambiumring, seltener Kambien in konzentrischer Form
  • Verzweigung: dichasial
  • Sprossknoten: geschwollen, unilakunär
  • Laubblätter: hauptsächlich kreuzgegenständig, länglich, ungeteilt, stiellos, Gamophyllie
  • Blattrand: ganzrandig
  • Inhaltsstoffe: Anthocyane, Saponine, Sapogenine, Flavone, O-Glykoside, seltener Alkaloide
  • Blausäure, Ellagsäure und Iridoide werden nicht ausgebildet
  • anstelle von Stärke wird Lactosin in den unterirdischen Organen gespeichert
  • Saponine wirken als Schutz vor Infektionen durch Pilze
  • Anthocyane sind die Blütenfarbstoffe
  • wenige Arten sind in allen Pflanzenteilen stark giftig
  • Nutzung: Zierpflanze, Heilpflanze, Nahrungsmittel, Seifenherstellung

Generative Merkmale

Bekannt sind die Nelkengewächse nicht nur aufgrund ihrer Wirkung als Heil- und Nahrungspflanze, sondern vor allem durch ihre Blüten. Die beliebten Zierpflanzen sind ein gern gesehener Gast und sind an den folgenden Merkmalen zu erkennen.

  • Blütenstand: endständig, Dichasien, seltener reduziertes Dichasium als Wickel, Einzelblüte oder Wickel
  • Blüten: radiärsymmetrisch, fünfzählig, meist zwittrig, selten eingeschlechtlich, diözisch, gynodiözisch, andromonözisch
  • Kelchblätter: frei, verwachsen
  • Kronblätter: frei, genagelt, Nebenkrone vorhanden, zweilappig, wirkt dadurch zehnzählig, selten einfach
  • Staubblätter: ein- bis zehnzählig in 2 Kreisen, frei, seltener an Kelch oder Boden verwachsen, fertil
  • mit Längsschnitz geöffnete Pollensäcke
  • drüsiges Tapetum
  • Fruchtblätter: 5, seltener 2 oder 3
  • Fruchtknoten: verwachsen, oberständig, 2 – 5 Griffel, ebenso viele Narben, Samenanlagen
  • Samenanlagen: lysikarp aufgrund auflösender Scheidewände, seltener noch Scheidewände zu erkenne
  • Samen: Endosperm, Perisperm, enthalten Stärke
  • Frucht: Kapselfrüchte, Beerenfrüchte, Nussfrüchte
  • Bestäubung durch Insekten, besonders durch Schmetterlinge, Selbstbefruchtung, Kleistogamie

Arten

  • Ufer-Hirschsprung (bot. Corrigiola litoralis
  • Nacktfrucht (bot. Gymnocarpos decandrus)
  • Knorpelkraut (bot. Illecebrum verticillatum)
  • Antarktische Perlwurz (bot. Colobanthus quitensis)
  • Dolden-Spurre (bot. Holosteum umbellatum)
  • Salzmiere (bot. Honckenya peploides)
  • Wasserdarm (bot. Myosoton aquaticum)
  • Kuhnelke (bot. Vaccaria hispanica)
  • Kornrade (bot. Agrostemma githago)
  • Himmelsröschen (bot. Eudianthe coeli-rosa)
  • Gewöhnliche Vogelmiere (bot. Stellaria media)
  • Edel-Nelke (bot. Dianthus caryophyllus)
  • Gewöhnliches Seifenkraut (bot. Saponaria officinalis)
  • Büscheliges Gipskraut (bot. Gypsophila fastigiata)
  • Acker-Gipskraut (bot. Gypsophila muralis)
  • Wald-Sanikel (bot. Sanicula europaea)
  • Kahles Bruchkraut (bot. Herniaria glabra)
  • Quendel-Sandkraut (bot. Arenaria serpyllifolia)
  • Gewöhnliches Seifenkraut (bot. Saponaria officinalis)
  • Prachtnelke (bot. Dianthus superbus)
  • Sternmoos, Sagina subulata – Anzucht aus Samen und Pflege

    Das Sternmoos ist ein beliebter Bodendecker, der in zahlreichen Farbvariationen angeboten wird. Dabei handelt es sich bei dem Gewächs, das gerne wahre Teppiche bildet, nicht um ein Moos, sondern um ein Mastkraut. Es ist ebenfalls unter dem Namen Pfriemen-Mastkraut bekannt, wirkt aber aufgrund seines kompakten und niedrigen Wuchs auf den ersten Blick wie ein dichtes Moos. Über den Sommer begeistert Sagina subulata mit einer wahren Fülle an zarten, weißen Blüten.

  • Schleierkraut, Gypsophila, Rispiges Gipskraut – Pflege-Anleitung

    Mit seiner zierlichen Erscheinung gehört das Schleierkraut neben Rosen wohl zu den charmantesten Gewächsen. Sie zieren nicht nur den Blumenstrauß auf außergewöhnliche Art, sondern auch das Blumenbeet. Großflächig verwandelt das Schleierkraut kahle Stellen und kann mit fast jeder Blume kombiniert werden. Der Hobbygärtner hat hier die Wahl zwischen einem aufrecht wachsendem und einem kriechenden Schleierkraut, das auch als das Rispige Gipskraut bekannt ist.

  • Bartnelken, Dianthus barbatus – Aussaat und Pflege im Garten

    Lange Zeit galt die Bartnelke als altmodisch und wurde nur noch in Bauerngärten kultiviert. Doch jetzt erlebt die hübsche Blume eine Renaissance. Liebhaber und Blumenfreunde haben sie nicht nur für den Garten wiederentdeckt, sondern kreieren mit dem duftenden Dauerblüher auch wunderschöne Blumenarrangements in Kübeln auf dem Balkon und der Terrasse. Hier erfahren Sie alles, was Sie zur Aussaat, Anzucht und Pflege der Bartnelke wissen sollten.

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