Avocado pflegen - Titel

Die Avocado wird hierzulande immer beliebter, wäre da nicht ihr ökologischer Fußabdruck. Die Früchte sind zweifellos gesund, aber rechtfertigt das lange Transportwege? Warum die Pflanze nicht einfach selbst anbauen? Bei uns erhalten Sie hilfreiche Tipps zur Pflege Ihrer Avocado.

Auf den Punkt gebracht

  • Anbau im heimischen Garten nicht ganz einfach, aber mit Einschränkungen möglich
  • unter bestimmten Umständen auch Fruchtbildung
  • durch fehlende Winterhärte nur im Kübel zu kultivieren
  • optimale Standortbeschaffenheit, Wasser- und Nährstoffversorgung essenziell
  • Fruchtbildung bei aus Kernen gezogenen Pflanzen eher selten im Gegensatz zu veredelten

Anzucht einer Avocado-Pflanze

Vor der Pflege kommt die Anzucht der Avocado Pflanze aus dem Kern. Der wird aus der Frucht gelöst, gereinigt und dann direkt in Erde gesetzt, im Wasserglas oder auf Küchenpapier zum Keimen gebracht. Bis zur Keimung bzw. bis der Kern aufbricht, kann es mehrere Wochen bis Monate dauern. Die Keimtemperatur sollte mindestens 25° C betragen. Wichtig ist, die Erde gleichmäßig feucht zu halten bzw. das Wasser im Wasserglas regelmäßig zu wechseln. Kerne, die im Glas oder Küchenpapier keimen werden, können eingepflanzt werden, sobald sie Wurzeln gebildet haben.

Avocadobaum ziehen

Tipp: Es ist ratsam, das verwendete Substrat vor der Pflanzung keimfrei zu machen, beispielsweise im Backofen.

Standort & Boden

Aufgrund der klimatischen Verhältnisse wird die Avocado in unseren Breitengraden meist nur strauchgroß. Sie benötigt ganzjährig einen dauerhaft hellen und warmen Platz ohne Zugluft. Der prallen Mittagssonne sollte man sie nicht aussetzen, vor allem Jungpflanzen nicht. Sie sollten generell ganzjährig im Haus in einem lichtdurchfluteten Raum gehalten werden. Ältere Exemplare sollten im Frühjahr Sommer, sofern das möglich ist, im Freien stehen. Nachts sollte es nicht kälter als fünf Grad sein und tagsüber wieder ausreichend warm. Neben Wärme und Helligkeit spielt auch die Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle. Die muss entsprechend ihrer tropischen Herkunft hoch sein.

Tipp: Ist der Standort zu dunkel, kommt es häufig zu sogenanntem Geilwuchs. Die Pflanze schießt in die Höhe und bildet lange, kraftlose Triebe.

Die Avocado liebt lockere, gut dränierte, nährstoff- und humusreiche, nicht zu salzige Substrate. Gut geeignet ist ein Gemisch aus hochwertiger Blumenerde und Sand zu gleichen Teilen sowie ein niedriger pH-Wert. Der sollte für optimale Resultate zwischen fünf und sieben liegen. Ist er höher, erschwert das die Aufnahme von Nährstoffen wie Zink und Eisen. Das wiederum würde das Pflanzenwachstum hemmen. Senken lässt sich der pH-Wert, indem man organische Materialien wie Spezialkompost aus säurebildenden Pflanzenmaterialien, Nadelerde oder Mulch aus Nadelholz und Eichenlaub untermischt.

Tipp: Der Kübel für die Avocado sollte vor allem tief sein, denn die Pflanze bildet tief reichende Pfahlwurzeln.

Optimale Pflege

Zur optimalen Pflege ihrer Avocado gehören mehrere Faktoren.

Gießen

Diese Pflanze benötigt reichlich Wasser, überwässern sollte man sie aber nicht. Sie verträgt dauerhaft feuchte Böden ebenso wenig wie Trockenheit. Von April bis September gießt man regelmäßig. Je wärmer die Pflanze steht, desto mehr Wasser benötigt sie. Meist reicht es aus, einmal wöchentlich zu gießen, bestenfalls mit kalkarmem Wasser. Ansonsten besteht die Gefahr von Chlorosen aufgrund von Eisenmangel.

Hinweis: Um optimale Bedingungen zu schaffen, besprüht man die Pflanze regelmäßig mit kalkarmem Wasser. Zudem kann es sinnvoll sein, in dem betreffenden Raum zusätzliche Luftbefeuchter aufzustellen.

Avocadobaum ziehen

Düngen

Die Nährstoffversorgung ist ein wichtiger Teil der Pflege, denn hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Dünger sollte am besten nur sehr sparsam zum Einsatz kommen und nicht zu früh.

  • sehr junge Pflanzen gar nicht düngen
  • übermäßige Düngergaben könnten sie verbrennen
  • frühestens nach einem Jahr das erste Mal düngen
  • beispielsweise mit Düngern für Zitrus- und mediterrane Pflanzen
  • direkt nach der Düngung gießen
  • Dünger soll tief in die Erde eindringen
  • Avocadopflanze reagiert sehr empfindlich auf Salzablagerungen

Welke Blätter mit braunen Blattspitzen können ein Hinweis auf zu hohen Salzgehalt des Bodens sein. Sollte das der Fall sein, muss das Gießverhalten angepasst werden. Der Boden wird einmal wöchentlich mit Wasser durchtränkt, wodurch die Salzablagerungen unter die Wurzeln und teilweise auch aus dem Kübel heraus gespült werden.

Überwinterung

Diese Pflanzen mögen weder kalten Wind und abrupte Temperaturabfälle noch Schnee und Frost, sie sind nicht winterhart. Bereits bei Temperaturen um die fünf Grad wird es kritisch.

  • Pflanze rechtzeitig ins Haus holen
  • sofern sie im Sommer draußen stand
  • zu große Temperaturunterschiede beim Wechsel möglichst vermeiden
  • deshalb schon bei etwas milderen Temperaturen reinholen
  • Überwinterung in einem hellen, konstant warmen Raum
  • während des Überwinterns für ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit sorgen
  • gegossen wird nur mäßig, je nach Raumtemperatur
  • auch die Düngergaben deutlich reduzieren
  • an kühlerem Standort kein zusätzlicher Dünger notwendig

Zum Winterende schneiden

Voraussetzungen

  • Avocado muss mindestens drei Monate alt sein
  • und ausreichend Wurzeln entwickelt haben
  • Haupttrieb muss Wuchshöhe von 30 cm deutlich überschritten haben
  • jeder zu schneidende Trieb mindestens vier Blätter besitzen
  • vor dem Schnitt Wachstumsgesetz zur Spitzenförderung beachten
  • nach Kappen des Hauttriebes kein Höhenwachstum mehr
  • Folge ist massiver Saftstau unterhalb der Schnittstelle
  • bis dato passive Augen treiben aus
Avocado schneiden

Verzweigung anregen

Die Avocado wächst als einziger unverzweigter Trieb, sofern man nicht durch einen Schnitt in das Wachstum eingreift. In der Regel ist jedoch ein verzweigter strauchiger Wuchs gewünscht, auch aus optischen Gründen. Sollte bereits eine Verzweigung vorhanden sein, kann ein entsprechender Schnitt diese noch verstärken.

  • Haupttrieb oberhalb des vierten Blattes kappen
  • vom Wurzelhals an gerechnet
  • bereits vorhandene Seitentriebe auch bis zum vierten Blatt einkürzen
  • neue Triebe für starke Verzweigung immer wieder schneiden
  • Pflanze bleibt buschig und in der Größe kontrollierbar
  • je mehr Spitzen eingekürzt werden, desto mehr Seitentriebe kommen nach
  • nach dem Schnitt Flüssigdünger verabreichen
  • bei veredelten Pflanzen Wildtriebe regelmäßig herausschneiden
  • die sprießen unterhalb der Veredlungsstelle
  • entziehen dem Edelteil wertvolle Nährstoffe

Tipp: Befinden sich an der Pflanze blattlose Triebe, kann man diese kurz über einem schlafenden Auge abschneiden und so versuchen, auch diese Augen wieder zum Austrieb zu bewegen.

Umtopfen

Nach der Überwinterung ist auch der richtige Zeitpunkt, die wuchsfreudige Avocado umzutopfen. Sobald diese Pflanzen gut gedeihen und über die schwierige Anfangsphase hinaus sind, ist jährliches Umtopfen empfehlenswert. Spätestens wenn der Topf völlig durchwurzelt ist, ist der richtige Zeitpunkt gekommen.

  • dazu die Pflanze vorsichtig aus dem alten Topf nehmen
  • dazu unten am Stamm anpacken
  • alte Erdreste vom Ballen lösen
  • neuen, etwas größeren Topf mit Drainage ausstatten
  • darauf etwas frische Erde
  • Pflanze mittig einsetzen
  • genauso tief wie im alten Topf
  • mit Erde auffüllen
  • durch mehrmaliges Schütteln Hohlräume im Wurzelbereich schließen
  • Substrat andrücken und angießen
Avocado im Zimmer überwintern
Sobald die Avocado ihren Topf komplett durchwurzelt hat, ist es Zeit sie umzutopfen.

Krankheiten & Schädlinge

Bei optimalen Bedingungen und guter Pflege sind Krankheiten an der Avocado kaum zu befürchten. Allerdings kann es bei einer Überwässerung zu Wurzelfäule kommen. Erste Anzeichen sind gelbe, welkende Blätter. In diesem Fall sollte die Pflanze schnellstens in trockenes Substrat umgetopft und erst einmal nicht gegossen werden. Verfaulte und beschädigte Wurzelteile werden dabei entfernt. Unternimmt man nichts, wird die Pflanze vermutlich eingehen.

Schnecken

So lange die Pflanze im Freien steht, kann es passieren, dass sie von Schnecken heimgesucht wird. In der Regel ist aber nur bei kühler und feuchter Witterung zu befürchten. Sie machen sich vor allem frühmorgens und nach Einbruch der Dunkelheit an den Pflanzen zu schaffen. Dann ist auch der beste Zeitpunkt, die Tiere abzusammeln. Ansonsten bieten sich verschiedene Hausmittel zur Bekämpfung oder Vertreibung an.

Schildläuse und Spinnmilben

Schildläuse oder Spinnmilben können vor allem während der Überwinterung auftreten, wenn es zu warm und die Luft zu trocken ist. Die Läuse erkennt man an kleinen braunen Schildchen und Spinnmilben an feinen weißen Gespinsten. Zur Bekämpfung beider Arten bieten sich Spritzungen mit rapsölhaltigen Präparaten an. Hilfreich kann auch der Einsatz von Nützlingen sein. Zudem sollten die Bedingungen und die Pflege optimiert werden, denn ein wiederholter Befall kann die Avocado stark schwächen.

Häufig gestellte Fragen

Können selbst gezogene Pflanzen Früchte ausbilden?

Aus Kernen gezogene Pflanzen tragen nur selten Früchte, was vor allem an der komplizierten Bestäubung liegt. Wer sich eine Pflanze ausschließlich wegen der Früchte zulegen möchte, sollte sich eine veredelte vom Fachhändler holen und sich dort beraten lassen.

Warum bekommt die Avocado braune Blätter?

Braune Blätter können die Folge von Wassermangel oder -überschuss, zu viel oder zu wenig Dünger, eines falschen Düngers oder Substrats sowie eines zu kleinen Kübels sein. Umso wichtiger ist es, auf eine bedarfsgerechte Pflege zu achten.

Ist die Avocado giftig für Haustiere?

Für Haustiere wie Katzen und Hunde sind Pflanze und Frucht stark giftig. Leben Tiere im Haushalt, sollte man besser auf derartige Pflanzen verzichten.