Rasensamen einfach auf Rasen streuen? | Nachsaat aber richtig!

Rasen nachsäen

Eine Rasenfläche muss während ihrer langen Lebenszeit viele Herausforderungen meistern. Zum Beispiel die brennende Sonne, den Druck der Unkräuter, einen verdichteten Boden. Zu Beginn drängen sich die sattgrünen Grashalme noch dicht aneinander. Mit der Zeit zeigen sich hier und da Lücken. Diese werden immer zahlreicher und immer größer. Irgendwann können sie weder übersehen noch geduldet werden. Am einfachsten lassen sich Lücken im Rasen durch das Nachsäen schließen. Doch das muss richtig erfolgen.

Rasen nachsäen

Lücken im Rasen entstehen oft während der Sommerzeit. Denn an warmen Tagen halten wir uns im Garten gern und häufig auf. Einige Stellen werden dabei stärker beansprucht als andere. Sei es, dass darauf der Gartenstuhl steht oder Kinder mit dem Ball spielen. Der dunkle Boden wird sichtbar und stört das Gesamterscheinungsbild. Deswegen sind kahle Stellen ein Ärgernis. Der Wunsch, dass sie schnell wieder von Gras bedeckt werden, ist daher nur zu verständlich.

Nicht immer müssen im Rasen große sichtbare Lücken entstehen. Mit der Zeit kann auch die Dichte der Grashalme abnehmen, sodass die ganze Rasenfläche unschön ausschaut. Auch in diesem Fall kann das Nachsäen sinnvoll sein.

Kahle Stellen zeitnah schließen

Kleinere Stellen werden zu Beginn der neuen Vegetationsperiode oder schon im Herbst von allein durch das Graswachstum begrünt. Doch nicht immer ist das der Fall. Oder zumindest nicht so, wie wir uns das wünschen. Statt dass dort wieder frische, grüne Grashalme sprießen, breiten sich sogenannte Unkräuter aus. Viele Unkrautarten sind in ihrem Eroberungszug nicht wählerisch und nutzen zum Keimen jede noch so kleine Lücke. Gegen diesen Konkurrenzdruck hat das Rasengras keine Chance mehr. Allein aus diesem Grund sollte mit der Nachsaat nur so lange gewartet werden, bis die beste Zeit dafür gekommen ist.

Löcher im Rasen

Zeitpunkt

Zwei Jahreszeiten eignen sich gut, Rasensamen in die Lücken zu streuen: der Herbst und der Frühling.

  • außerhalb der „Hauptsaison“ wird die Fläche weniger beansprucht
  • die heißen Temperaturen sind vorüber oder noch nicht da
  • es gibt dennoch genügend warme Tage
  • es drohen keine großen Fröste
  • die Samen können deswegen keimen und wachsen
  • dennoch muss die Saat nicht ständig gewässert werden

Obwohl sich beide Zeiten gut eignen, sollten Sie zum Nachsäen den Herbstmonat September bevorzugen. So verhindern Sie, dass kahle Stellen in der Zwischenzeit von Unkräutern besetzt werden. Manche Unkrautarten, wie zum Beispiel das unerwünschte Gras Poa annua, auch Einjähriges Rispengras genannt, kann sogar im Herbst noch keimen.

Rasensamen

Die Lücken sollen nach dem Nachsäen so geschlossen werden, dass diese Stellen sich später von Rest des Rasens nicht mehr unterscheiden. Deswegen ist es wichtig, dass Sie für die Nachsaat die Rasensamenmischung richtig wählen. Idealerweise haben Sie sich schon bei der Anlage der Rasenfläche eine kleinere Menge Rasensaat zurückgelegt, die Sie jetzt für die Nachsaat nutzen können. Falls nicht, wäre es zumindest gut, wenn Sie sich diese notiert haben oder anhand alter Rechnungen herausfinden können.

Tipp: Falls Sie keinen Anhaltspunkt haben, welche Samenmischung Sie benötigen, lassen Sie sich im Fachhandel beraten. Es ist bestimmt hilfreich, wenn Sie die Rasenfläche von nah und fern abfotografieren und diese Bilder dort vorzeigen.

Rasen mähen

Bevor Sie die Samen auf die Rasenfläche streuen, sollten Sie im allerersten Schritt das Gras mähen.

  • Rasenmäher auf die niedrigste Stufe einstellen
  • die komplette Rasenfläche abmähen
  • danach sollte das Gras nicht länger als 2 cm sein

An den kahlen Stellen selbst ändert das natürlich nichts. Doch sie werden besser zugänglich, was das Streuen der Samen erleichtert. Zudem werden sie nicht durch hohe Grashalme beschattet. Auch wird in der nahen Zukunft das Rasenmähen nicht so schnell notwendig sein. So kann die Nachsaat ungestört keimen und wachsen.

Grasschnitt einsammeln

Prinzipiell darf Grasschnitt auf dem gemähten Rasen großflächig liegen bleiben. Die dünnen Grashalme trocknen und verrotten im Nu. Bei deren Zersetzung werden viele Nährstoffe frei, die so den Rasen auf natürliche Art und Weise düngen. Wenn jedoch die Nachsaat unmittelbar bevorsteht, muss der Grasschnitt sofort nach dem Mähen eingesammelt und von der Rasenfläche entfernt werden. Sie können natürlich auch gleich einen Auffangbehälter verwenden.

Rasen vertikulieren

Wenn Sie die gesamte Rasenfläche nachsäen möchten, sollten Sie zusätzlich den kompletten Rasen 3 bis 5 mm tief vertikulieren. Am besten längs und quer.

  • der Boden wird aufgelockert und angeritzt
  • der Rasensamen bekommt so besseren Bodenkontakt
  • zahlreiche flachwurzelnde Unkräuter werden dabei rausgerissen
  • an ihrer Stelle kann Rasensamen keimen
  • das alte Gras wird etwas geschwächt
  • neue Saat kann sich so besser durchsetzen
  • ausgekämmte Pflanzenmaterial einsammeln und entfernen

Sie können zusätzlich die Rasenfläche nach weiteren Unkräutern absuchen und sie per Handarbeit daraus entfernen. Löwenzahn ist beispielsweise so ein Wildkraut, welches über eine sehr lange Pfahlwurzel verfügt. Kleine Reste davon genügen, damit das Kraut neu austreibt. Es muss daher tief ausgestochen werden. Natürlich nur, wenn sein Verbleiben nicht erwünscht ist. Immerhin ist das Wildkraut essbar und blüht wunderschön.

Rasen aerifizieren

Das Aerifizieren dient dazu, die Grassoden zu belüften. Das ist insbesondere bei einem stark verdichteten Boden zu empfehlen. Dieser kann ebenso für die Entstehung kahler Stellen verantwortlich sein. Entsprechende Gerätschaften sind im Baumarkt erhältlich. Die Arbeit nimmt zwar Zeit in Anspruch, sie verbessert aber auch die Erfolgsaussichten der Nachsaat. Der Rasen sollte jedoch vor dem Nachsäen gesandet werden.

  • pro Quadratmeter einen halben Eimer feinen Quarzsand verteilen
  • mit Besen oder Rechen in die Löcher verteilen
  • das sorgt für gute Drainage
  • beugt erneuter Verdichtung vor

Rasen lüften

Einzelne Lücken vorbereiten

Wenn nur einzelne Lücken nachgesät werden, wird der Rasen ebenfalls kurz gemäht. Für das Nachsäen der Lücken ist das Vertikulieren und Aerifizieren der Rasenfläche aber nicht notwendig. Einzelne kahle Stelle bereiten Sie wie folgt vor:

  • Fläche von abgestorbenem Gras befreien
  • alle Wurzelreste entfernen
  • Boden auflockern bzw. mit einem Rechen aufrauen
  • schwere Böden mit Sand auflockern
  • sandige Böden mit Tonmehl vermischen

Tipp: Wenn Sie nicht wissen, wie die Bodenbeschaffenheit ist, kann Ihnen eine Bodenanalyse nähere Informationen liefern.

Düngen oder nicht?

Einige Ratgeber empfehlen, die Nachsaatfläche vor dem Streuen der Saat mit Dünger zu versorgen. Doch das sind zumeist Experten, die Düngemittel produzieren oder vertreiben. Hobbygärtner wissen, dass ein magerer Boden die Saat besser aufgehen lässt. Sie vertrauen auch bei den Rasensamen darauf. Tatsächlich zeigt sich in der Praxis, dass der Austrieb auf ungedüngtem Boden erwartungsgemäßer ausfällt. Natürlich brauchen die neuen Gräser zukünftig eine ausreichende Nährstoffversorgung wie jedes andere Gewächs auch.

Wenn auf der gesamten Rasenfläche nachgesät wird, könnte unter Umständen eine zeitnahe Düngung erwogen werden. Dann nämlich, wenn der Rasen lange nicht gedüngt wurde und dringend neue Nährstoffe benötigt.

Rasensamen aussäen: Anleitung

Auf kleinen Flächen können Sie den Rasensamen leicht mit der Hand streuen. Für größere Flächen sollte besser ein Streuwagen zum Einsatz kommen. Er bringt das Saatgut gleichmäßiger aus. Beachten Sie bezüglich der Saatstärke die Angaben auf der Samenverpackung.

Treten Sie die nachgesäte Stelle vorsichtig an. Gießen Sie die Saat mit einem sanften Wasserstrahl an, da sonst die Rasensamen weggeschwemmt werden können. Sie können danach die Saat dünn mit Blumenerde oder Torf bedecken. Das sorgt dafür, dass die Rasensamen nicht so schnell austrocknen.

Rasensamen ausbringen

Nach dem Streuen

Bis die Rasensamen richtig gekeimt sind, sollten alle ausgebesserten Stellen gleichmäßig feucht gehalten werden. Sie dürfen während dieser Zeit auch nicht betreten werden. Sobald die Halmlänge acht Zentimeter beträgt, darf die Stelle wieder gemäht werden. Doch Achtung: Mähen Sie nicht mehr als ein Drittel des Neuaustriebs.

Tipp: Versperren Sie ggf. den Zugang zur nachgesäten Fläche, damit sie nicht aus Versehen betreten wird.

Alternativen für das Nachsäen

Wenn an ungünstigen Stellen die Erde durchschimmert, ist das geduldige Warten auf die Nachsaat nicht die bevorzugte Lösung. Solche für jedermann gut sichtbaren Lücken lassen sich alternativ wie folgt wieder begrünen:

  • Stelle mit Rasensoden flicken
  • diese zuvor an unauffälligen Stellen ausstechen
  • ggf. Rollrasenrolle bestellen
  • daraus passende Stücke zuschneiden und verlegen

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