Raupe mit Horn

Wo adulte Falter meist recht einfach zu bestimmen sind, wird es bei ihren Raupen schon schwieriger. Zum Glück helfen markante „Abzeichen“ bei der Identifikation. Wir zeigen bekannte Raupen mit Horn.

Auf den Punkt gebracht

  • Horn sitzt nicht am Kopf, sondern am hintersten Segment der Raupen
  • sogenanntes „Analhorn“ ist typisch für die Artenfamilie der Schwärmer (Sphingidae)
  • je nach Alter der Raupen können Größe und Färbung des Horns stark variieren

Welche Raupen haben ein Horn?

Raupen mit Horn sind ein charakteristisches Merkmal der sogenannten Phingidae, zu deutsch der „Schwärmer“. Diese Artenfamilie der Schmetterlinge ist nahezu weltweit verbreitet und sehr bekannt. Viele der im Folgenden genannten Arten werden Ihnen sicherlich bekannt vorkommen.

In Deutschland heimisch sind 20 Arten der Familie, aber lediglich 8 Arten erfahren eine weite Verbreitung und kommen häufig vor. Weltweit dagegen sind rund 1.200 Varianten der Schwärmer bekannt.

Was ist das?

Entgegen der landläufigen Vermutung, der Auswuchs befände sich dem sagenumwobenen Einhorn gleich am Kopf, handelt es sich bei den Raupen tatsächlich um Auswüchse am hintersten, dem achten Segment des Körpers. Man spricht daher auch vom so genannten Analhorn. Eine echte Funktion des Horns ist bis heute wenig erforscht und damit nicht bekannt.

Hinweis: Obwohl jede Schmetterlingsart eine eigene Ausprägung dieses Horns besitzt, variieren Größe, Form und Farbe auch innerhalb einer Art in Abhängigkeit vom Alter der Raupe.

Raupenarten mit Horn von A bis K

Abendpfauenauge (Smerinthus ocellatus)

Abendpfauenauge, Raupe mit Stachel
Quelle: Simon A. Eugster, Smerinthus ocellatus caterpillar on apple tree, bearbeitet von Plantopedia, CC BY 3.0
  • blaugrüne bis gelbgrüne Färbung
  • weiße Punkten am ganzen Körper
  • gelbe, schräg verlaufende Seitenstreifen
  • hellere Oberseite
  • Größe: bis 80 Millimeter
  • Horn: hellblau
  • Auftreten: Juli bis September
  • Umgebung: Weiden, Pappeln, Birken, Apfel- und andere Obstbäume

Hummelschwärmer (Hemaris fuciformis)

Hummelschwärmer, Raupe mit Horn
Quelle: Harald Süpfle, Hemaris fuciformis – Larva 02 (HS), bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0
  • erst hellgelb, später kräftig grün
  • helle Längslinien an den Seiten
  • unzählige helle Punktwarzen am ganzen Körper
  • seitlich rote Flecken
  • Größe: 35 bis 40 Millimeter
  • Horn: zunächst dunkel, später rote Basis mit brauner Spitze
  • Auftreten: Juni bis Anfang August
  • Umgebung: Heckenkirschen, Waldgeißblatt, Labkräuter, Deutzien, Schneebeeren, Witwenblumen

Kiefernschwärmer (Sphinx pinastri)

Kiefernschwärmer, Raupen im Juli
Quelle: Heigeheige, Raupe Sphinx Pinastri, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 4.0
  • zunächst gelbe, später grüne Grundfärbung
  • sechs hellgelbe Längslinien ab der ersten Häutung
  • beiger bis grau-brauner Kopf
  • Größe: 75 bis 80 Millimeter
  • Horn: dunkel bis schwarz, am Ende gespalten
  • Auftreten: Juli bis September
  • Umgebung: Kiefern, Fichten, Zedern, Lärchen, Douglasien

Kleiner Weinschwärmer (Deilephila porcellus)

Kleiner Weinschwärmer (Deilephila porcellus),
Quelle: Fiver, der Hellseher, Raupe des Kleinen Weinschwärmers (3), Bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0
  • grüne, später braune Grundfärbung
  • helle Augenflecken auf dem zweiten und dritten Segment
  • Größe: bis 70 Millimeter
  • Horn: schwach ausgeprägt als kleiner Höcker
  • Auftreten: Juli bis August
  • Umgebung: Trockenrasen, Straßenränder, Bahndämme, an Labkräutern und Weidenröschen

Raupenarten mit Horn von L bis P

Ligusterschwärmer (Sphinx ligustri)

Ligusterschwärmer, Raupen im Juli
  • leuchtend-grüne Färbung
  • sieben weiß-rosa bis weiß-violett gefärbte Seitenstreifen
  • unzählige gelbe Punkte am ganzen Körper
  • Größe: bis 100 Millimeter
  • Horn: an der Basis hell, zur Spitze dunkler
  • Auftreten: Juli bis Anfang September
  • Umgebung: Liguster, Flieder, Eschen, Beerengehölze, Heckenkirschen, Schneebeeren, Spiersträucher

Hinweis: Obwohl von vielen Gärtnern gefürchtet, tritt der Ligusterschwärmer in der Regel nur in so kleiner Zahl auf, dass er keine Gefahr für die befallenen Sträucher darstellt.

Lindenschwärmer (Mimas tiliae)

Lindenschwärmer (Mimas tiliae)
Quelle: Ilia Ustyantsev from Russia, Mimas tiliae (larva) – Lime hawk-moth (caterpillar) – Бражник липовый (гусеница) (40341341545), Bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 2.0
  • zunächst hellgrüne, später grüne bis blaugrüne Färbung
  • deutliche gelbe Schrägstreifen an den Seiten
  • nahezu dreieckige Kopfkapsel
  • unzählige gelbe Tuberkel am ganzen Körper
  • kurz vor Verpuppung: Oberseite graubraun, Unterseite blass grün-violett
  • Größe: 55 bis 65 Millimeter
  • Horn: Blau oder violett, Analplatte rot bis rötlich-gelb
  • Auftreten: Juni bis August
  • Umgebung: Linden, Birken, Kirschen

Mittlerer Weinschwärmer (Deilephila elpenor)

Mittlerer Weinschwärmer (Deilephila elpenor), Raupen mit Horn
Quelle: OhWeh, Mittlerer Weinschwärmer Deilephila elpenor-003, Bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 2.5
  • zunächst grün, später braun bis braunschwarz
  • zwei markante Augenflecken im vorderen Drittel
  • Größe: bis 80 Millimeter
  • Horn: dunkel, lang und spitz zulaufend
  • Auftreten: Mitte Juni bis August
  • Umgebung: Weidenröschen, Springkräuter, Fuchsien, Blutweiderich, Nachtkerze

Pappelschwärmer (Laothoe populi)

Pappelschwärmer, Laothoe populi Schmetterlingsraupe,
  • leuchtend grüne Grundfärbung
  • dunklere Schrägstreifen an den Seiten
  • am ganzen Körper winzige helle Tuberkel
  • seitliche Linie aus dunklen Punkten
  • Größe: um 80 Millimeter
  • Horn: gelb und eher unscheinbar, an der Basis bläuliche Färbung
  • Auftreten: Juli und August
  • Umgebung: Pappeln, Weiden, Obstgehölze

Häufig gestellte Fragen

Sind Raupen mit Horn giftig?

Obwohl Signalfarben und markante Abzeichen häufig auf Giftigkeit hindeuten, sind die Raupen völlig ungefährlich. Als sehr weit verbreitete Arten stehen Sie beispielsweise bei unzähligen heimischen Singvögeln auf dem Speiseplan.

Was weiß man heute über die Aufgabe des Horns?

Es wird vermutet, dass die Signalwirkung des Horns Fressfeinde abschrecken sollen und beispielsweise als Signal für Gift interpretiert werden können. Man spricht von „Mimikry“, da eine nicht vorhandene Eigenschaft vorgegaukelt wird. Weitere Funktionen sind bisher nicht bekannt oder erforscht.

Können die Raupen ihr Horn verwenden?

Bisher ist nicht bekannt, dass Raupen das Horn auf irgendeine Art und Weise einer Funktion zugeführt haben. Auch ein Stechen mit dem oft spitzen Anhängsel ist nicht möglich. Die Hauptfunktion ist vermutlich tatsächlich die Signalwirkung