Rettich schießt ins Kraut und blüht: was tun?

Rettich schießt ins Kraut

Das grüne Laub beim Rettich soll dafür sorgen, dass sich in der Erde eine große, schmackhafte Wurzel bildet. Doch viel Laub bringt noch lange keine gute Ernte ein. Im Gegenteil: Wenn Rettich ins Kraut schießt und vielleicht sogar schon blüht, ist es mit dem Wurzelwachstum abrupt vorbei. Statt stetig an Umfang zuzunehmen, bleibt die Rübe spindeldürr. Woran liegt es, wenn sich Rettich derart entwickelt? Und was kann man dagegen tun?

Rettich schießt ins Kraut

Wenn bei der Rettichpflanze, bot. Raphanus, eine übermäßige Laubentwicklung festgestellt wird, ist es nicht mehr möglich, das Wachstum rückgängig zu machen. Das Ausgraben eines Exemplars offenbart das, was uns eigentlich stört: das Fehlen einer essbaren Wurzel. Kann die Rettichpflanze jetzt noch dazu angeregt werden, ihre Energie fortan für den unterirdischen Teil zu verwenden? Wird sie uns doch noch mit einer leckeren Rübe erfreuen? Leider nein. Essbare Rettiche können jetzt nur noch durch Neuaussaat zum gegebenen Zeitpunkt gewonnen werden. Werden jedoch die Ursachen für das übertriebene Wachstum nicht entdeckt und beseitigt, kann sich das Problem wiederholen.

Ein häufiges Problem

Dass Raphanus, und dazu gehört auch die Unterart Radieschen, kräftig in die Höhe schießt und dabei die Entwicklung der Wurzel vernachlässigt, kommt gar nicht so selten vor. Vor allem unerfahrene Gärtner berichten enttäuscht über dieses Phänomen. Da liegt es nahe, die Gründe im Anbau zu suchen. Auch das unberechenbare Wetter könnte dafür verantwortlich sein. Schauen wir uns genauer an, wo etwas schiefgegangen sein könnte bzw. wie es zukünftig optimal verlaufen kann.

Sortenwahl

Rettiche können zweimal im Jahr gesät werden: im Frühjahr und im Spätsommer. Dabei darf jedoch nicht wahllos nach einer im Handel erhältlichen Sorten gegriffen werden. Denn nicht alle Rettichsorten sind gleichzeitig für beide Aussaattermine geeignet. Wenn Sorte und Anbauzeitpunkt nicht harmonieren, kann der Rettich schon mal ins Kraut schießen. Rettichsorten werden in diese zwei Kategorien eingeteilt:

  • Frühlings- und Sommerrettiche
  • Herbst- und Winterrettiche

Rettich im Beet

Tipp: Wenn der Rettich ins Kraut schießt und blüht, bildet er bald danach Samen aus. Werden diese Samen für eine spätere Aussaat verwendet, klagen Hobbygärtner häufig über das Ergebnis. Gehen Sie auf Nummer sicher, kaufen Sie in so einem Fall lieber frisches Saatgut aus dem Gartencenter.

Kälte

Der erste Zeitraum für die Aussaat erstreckt sich von April bis Anfang August. Viele Rettichliebhaber säen diese scharfe Wurzel jedoch schon im März oder gar Februar aus. Oft sind die treibenden Kräfte dahinter Ungeduld, Unwissenheit oder einfach die Hoffnung, dass es schon irgendwie klappen wird. Es kann tatsächlich klappen, wenn das Wetter mitspielt. Dafür muss es mild sein, mit konstanten Temperaturen über 10 °C. Doch in unseren Breitengraden ist eher das Gegenteil der Fall. Bis Mitte Mai kann es unverhofft zu Nachtfrösten kommen.

  • lange Kälteperioden während der Keimung sind ungünstig
  • die Bodentemperatur ist entscheidend
  • sie sollte nicht länger als zehn Tage unter 10 °C fallen
  • ansonsten werden spätere Wachstumsstörungen gefördert
  • der „unterkühlte“ Rettich schießt in die Höhe und blüht
  • die erhofften Rüben werden dagegen nicht gebildet

Wärme

Auch Wärme kann den Raphanus anspornen, oberirdisch üppig zu wachsen. Das bindet seine gesamte Energie, folglich bleibt die Rübe in der Entwicklung zurück. Das Wetter wird zwar immer auch Glückssache bleiben, doch wir müssen das Glück nicht herausfordern.

  • im Frühjahr nicht zu spät säen
  • ist es schon zu warm, lieber verzichten
  • im Sommer von Anfang Juli bis Ende August säen
  • jedoch auf die aktuelle Witterung achten
  • ggf. Aussaattermin nach hinten verschieben

Tipp: Zu spät darf der Rettich jedoch auch nicht gesät werden, sonst verbleibt den Rüben nicht genügend Zeit auszureifen. Frühe Fröste setzen hier eine Zeitgrenze.

Lichtverhältnisse

Wenn der Rettich im Frühjahr spät bzw. im Herbst früh gesät wird, werden ihn lange, helle Tage erwarten. Diese hohe Lichtintensität wird jedoch den oberirdischen Austrieb beschleunigen. Was ist zu tun, um diese Situation zu vermeiden, außer den Aussaattermin noch sorgfältiger abzustimmen? Sie könnten den Rettich auch etwas schattiger pflanzen. Vollkommen schattig darf er nicht stehen, doch Halbschatten ist durchaus akzeptabel.

Nährstoffversorgung

Der Rettich gehört zu den Mittelzehrern. Viele Nährstoffe benötigt er nicht. Und wenn er sie dennoch in Übermaß bekommt, nützt er sie, um stark auszutreiben. Wenn erst nachträglich festgestellt wird, dass der Boden zu nährstoffreich ist, ist der Handlungsspielraum klein. Noch kleine Rettiche könnten an einen günstigeren Platz verpflanzt werden. Ansonsten bleibt nur übrig, zukünftig diesem Aspekt rechtzeitig Beachtung zu schenken. Eine bescheidene Düngung vier Wochen vor der Saat genügt vollkommen.

Erntezeitpunkt

Im Frühjahr ausgesäter Raphanus benötigt etwa 8 bis 10 Wochen, bis er erntereif ist. Winterrettich benötigt etwas länger, nämlich 13 bis 15 Wochen. Dann aber muss es schnell gehen. Gerade im Sommer beträgt das Zeitfenster für die Ernte oft nicht mehr als eine Woche. Danach schießt der Rettich ins Kraut und blüht. In diesem Fall haben sich zwar kräftige Rettiche entwickelt, doch sie sind inzwischen pelzig und holzig geworden. Was tun, um diesen Qualitätsverlust zu verhindern? Folgendes ist möglich:

  • schon vor dem errechneten Erntetermin handeln
  • regelmäßig die Reife der Rettiche in Augenschein nehmen
  • Genussreife durch Probieren feststellen
  • lieber etwas früher ernten
  • unverbrauchte Rüben einlagern
  • Frühjahrsrettiche bleiben im Kühlschrank drei Tage frisch
  • Herbst- und Winterrettiche sind wochenlang lagerfähig

Rettich ernten bevor er schießt

Tipp: Graben oder legen Sie eine Rettichrübe frei. Beim Zusammendrücken zwischen Daumen und Zeigefinger darf die Rübe nicht nachgeben, ansonsten ist sie schon überreif.

Unbrauchbare Rettichpflanzen entsorgen

Ins Kraut geschossene Rettichpflanzen, bei denen klar ist, dass die Ernte unwiederbringlich verloren ist, können aus dem Beet entfernt werden. So werden dem Boden keine weiteren Nährstoffe entzogen. Zudem wird die unnütze Samenbildung verhindert. Der frei gewordene Platz kann noch in derselben Saison für den Anbau anderer Gemüsesorten genutzt werden.