Was ist Rhabarber: Obst oder Gemüse?

Rhabarber aus dem Gartenbeet

Im Frühling finden sich Genüsse wieder auf dem Teller, die über den Winter schon halb vergessen schienen. Spargel, Radieschen und Spinat sind hier die Dauerbrenner, doch wäre ein Mai nichts ohne ein saures Kompott aus Rhabarber. Das rot-grüne Knöterichgewächs wird gerne eingekocht oder zu Sirup verarbeitet und als Süßspeise angeboten. Hier stellt sich nun die Frage, ob Rheum rhabarbarum ein Obst, wie so oft angenommen, oder doch ein Gemüse ist?

Was ist Rhabarber?

Bei Rhabarber handelt es sich um eine Nutzpflanze aus der gleichnamigen Gattung Rheum und der Familie der Knöterichgewächse. Rhabarber wächst als eine Staude, die aus verdickten Wurzeln austreibt und neben kräftigen Stielen, hier auch Rhabarberstangen genannt, große Blätter und Blüten bildet.

Die Antwort vorweg: Rhabarber ist ein Blattstielgemüse. Erfahren Sie mehr …

Viele Menschen wissen nicht, dass die Pflanze sogar über einen Fruchtstand verfügt, da nur die Stiele vom Menschen genutzt werden. Dieser ist jedoch häufig nur im natürlichen Verbreitungsgebiet im Himalaja-Gebirge zu sehen. Aus den Stielen der Pflanze, die vorher geschält und gekocht werden, werden traditionell folgende kulinarischen Erzeugnisse hergestellt:

  • Marmelade
  • Kompott
  • Gebäck, allen voran Kuchen
  • Sirup
  • Saft
  • Eiscreme
  • seltener in herben Gerichten

Rhabarber mit BlattstielAufgrund des hohen Gehalts an Oxalsäure, auch Kleesäure genannt, wird Rheum rhabarbarum vor dem Verzehr gekocht und verarbeitet. Nachdem das Gewächs gekocht wurde, lässt es sich problemlos genießen, selbst von Menschen, die empfindlich auf die Kleesäure reagieren, da diese das körpereigene Kalzium bindet und bei einem geschwächten Körper und einer unausgewogenen Ernährung zu Nierensteinen führen kann.

Gegessen wird Rhabarber von April bis zum 24. Juni, dem Johannistag, da sich die Wurzeln ab dieser Zeit schon in Winterruhe begeben und die Produktion der Kleesäure verstärkt wird. Vier Zuchtsorten werden in Deutschland hauptsächlich vertrieben:

  • Holsteiner Blut
  • Holsteiner Edelblut
  • Goliath
  • Himbeerrhabarber (Frambozen Rood)

Die einzelnen Sorten verfügen über unterschiedliche Stangen- und Blattfärbungen, Aromen und Oxalsäurengehalt. Eines haben Sie jedoch gemeinsam: sie sind alle ein Gemüse. Ja, der Rhabarber ist ein sogenanntes Blattgemüse, das zudem unter die Gruppe der Stielgemüse geführt wird, da ja nicht die Blätter, sondern nur die Stiele der Staude genutzt werden. Die entstehende Frucht wird nicht genutzt, was eine Voraussetzung für die Bezeichnung als Obst wenigstens Fruchtgemüse wäre. Dennoch gehört aus botanischer Sicht der Rheum rhabarbarum nicht in die Gruppe der Früchte und somit auch nicht zum Obst.

Unterschied Obst und Gemüse

Der größte Grund für die Verwechslung des Knöterichgewächses als Obst ist die Tatsache, dass in Deutschland und anderen westlichen Ländern nur die Stiele für Süßwaren und Desserts genutzt werden. Das bedeutet, die Pflanze gehört in den Sammelbegriff der Obstsorten, ebenso wie Melonen, obwohl diese keine sind. Als Gemüse werden nämlich die essbaren Teile der Pflanze bezeichnet, die nicht die Frucht sind, also:

  • Wurzeln
  • Stiele
  • Blätter
  • Samen

Die Unterscheidung ist nicht schwierig beim Rhabarber, denn hier werden ausschließlich die Stiele benutzt und die Frucht wird überhaupt nicht genutzt. Das Einzige, was die Pflanze etwas mehr auf die Seite des Obstes befördert, ist ihre Wuchsform. Mehrjährige Pflanzen wie alle Obstbäume zum Beispiel zählen dazu und Rheum rhabarbarum ist eine mehrjährige Staude, die jedes Jahr aufs Neue austreibt. Das würde wiederum für ein Obst sprechen, doch werden bei einem Apfelbaum nicht die Rinde oder die Äste verzehrt. In der Heimat des Knöterichgewächses sind ausschließlich die Wurzeln für die chinesische Heilkunde wertvoll, was für die Einteilung als Gemüse spricht.

Hinweis: Als im 18. Jahrhundert die ersten Rhabarberpflanzen in England als Nahrungsmittel genutzt wurden, waren dies ebenfalls nur die Stiele. Diese wurden aber wie Staudensellerie zu Fleisch und anderen Gerichten gereicht und nicht mit Zucker serviert, was zeigt, Rhabarber war schon immer ein Gemüse.Rhabarber zur rechten Zeit ernten und nicht mehr nach Ende Juni

Gründe für die Verwechslung

Trotz der klaren Abgrenzung zu anderen Obstsorten, bis auf den Wuchs natürlich, ist der Grund für die Einteilung in den Sammelbegriff des Obstes die Nutzung für Süßspeisen. In Deutschland ist der Sprachgebrauch so strukturiert, dass alle „süßen“ Pflanzenteile in diese Gruppe eingeteilt werden, selbst wenn es sich hierbei biologisch nicht um eine Obstsorte handelt. Das macht die Einteilung vieler Pflanzensorten äußerst schwierig, wie bei folgenden anderen Pflanzen zu sehen ist:

  • Tomaten: Fruchtgemüse, keine Gemüsepflanze
  • Erdbeeren: keine Beeren, sondern Nüsse
  • Melonen: keine Obstpflanze, sondern Fruchtgemüse
  • Cashew: keine Nuss, sondern Steinfrucht, also ein Kern

Das sind nur einige Beispiele, wie die eigentliche Bezeichnung der Lebensmittel verdreht wird, was tief in der Sprache verankert ist. Das lässt sich auch in anderen Kulturen beobachten, zum Beispiel in der westlichen, englischsprachigen Welt. Rhabarber ist in den USA seit dem Jahr 1947 sogar gesetzlich als Obstpflanze aufgeführt und muss unter dieser Bezeichnung vertrieben werden. Hier ist zu beachten, dass das englische Wort für Frucht „fruit“ die gleiche Bedeutung wie Obst in Deutschland hat. Das heißt, trotz der Nutzung der Stiele wird sie als Frucht vertrieben, was natürlich nicht stimmt. Rhabarber gehört eindeutig zum Blattgemüse, genauer gesagt dem Blattstielgemüse.

Was ist Blattstielgemüse?

Blattstielgemüse ist ein spezieller Begriff für Blatt- und Stielgemüse, das sich nicht direkt in eine der beiden Kategorien einteilen lässt. Ein anderer Begriff wäre „Stängelgemüse“, der jedoch nicht aus der Botanik stammt, sondern wieder im Wortschatz verankert ist. Unter dem Stängelgemüse werden folgende Pflanzen aufgeführt:

  • Rhabarber
  • Mangold
  • Spargel
  • Stangensellerie

Rhabarber, Rheum rhabarbarumSie sehen, all diese Pflanzen verfügen über Blätter, die jedoch nicht vom Menschen verzehrt werden. Im Gegensatz dazu werden die Stiele genutzt, die aber die Blätter, Blüten und möglichen Früchte tragen, die aber für den Menschen ungenießbar sind oder nur als Nebenprodukt verzehrt werden. Das heißt, Rheum rhabarbarum ist ein Gemüse, genauer ein Blattgemüse, das umgangssprachlich zu den Stängel- oder Blattstielgemüsen gezählt wird. Mit Obst hat das Gewächs nur die Bezeichnung gemein und das sie im westlichen Kulturraum für süße Speisen genutzt wird. Im östlichen Kulturraum dagegen ist sie ein klassisches Gemüse.

Hinweis: Wird die Blüte des Rhabarbers gekocht, kann diese ebenfalls verzehrt werden. Blüten werden dagegen, falls diese keine Frucht bilden, in keine der beiden Sammelgruppen integriert, was noch stärker für die Einteilung als Gemüsepflanze trotz ihrer Verwendung spricht.

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