Rosmarin durch Stecklinge vermehren | Anleitung in 10 Schritten

Rosmarin vermehren mit Stecklingen

Rosmarin gehört neben Thymian, Majoran, Oregano, Basilikum und Lavendel zu den wohl beliebtesten mediterranen Küchenkräutern und betört mit seinem charakteristischen Duft. Rosmarinus officinalis lässt sich problemlos in Mitteleuropa pflanzen, solange Wärme, Licht, Standort und Substrat stimmen. Wenn Sie stolzer Besitzer der Lippenblütler sind und noch mehr Exemplare wünschen, sollten Sie diese aus eigener Hand vermehren. Dafür eignen sich Stecklinge der Gewürzpflanze sehr gut, da diese schnell und effektiv Wurzeln ausbilden.

Rosmarin vermehren

Sorten

Falls Sie noch keinen Rosmarin Ihr Eigen nennen, können Sie sich zuvor über die einzelnen Sorten erkunden. Es ist komplett egal, für welche Sorte Sie sich entscheiden, denn sie werden alle auf die gleiche Art vermehrt. Jedoch haben die Sorten unterschiedliche Eigenschaften, die Sie sich zu Nutzen machen können. Es gibt winterharte, dekorative oder äußerst aromatische Sorten, die für viel Variation sorgen. Hier ein kleiner Überblick über einige der Sorten, die am häufigsten angeboten werden:

  • ‚Salem‘: Rosmarinklassiker schlechthin, helles, dekoratives Grün, nicht winterfest
  • ‚Gorizia‘: Sorte mit sehr langen, aromatischen Blättern, bedingt winterfest bis -10 °C
  • ‚Santa Barbara‘: bekannt für die hübschen Blüten, wächst kriechend, nicht winterfest
  • ‚Rex‘: robust, bietet hohe Ernteerträge, nicht winterfest
  • ‚Boule‘: wächst kugelig, sehr dekorativ im Topf, nicht winterfest
  • ‚Prostratus‘: wächst kriechend, ideal geeignet für hängende Pflanzenampeln, nicht winterfest
  • ‚Majorcan Pink: begeistert durch eine rosafarbene Blütenpracht, nicht winterfest
  • ‚Veitshöchheim‘: winterhart bis -20 °C mit Winterschutz
  • ‚Blue Winter‘: winterhart bis -20 °C
  • ‚Hill Hardy‘: winterhart bis -22 °C mit Winterschutz
  • ‚Arp‘: unempfindlich gegen Frost, winterhärteste Rosmarin-Sorte bis zu -23 °C ohne Winterschutz

Neben diesen Sorten von Rosmarinus officinalis steht Ihnen noch der Pinien-Rosmarin (bot. Rosmarinus angustifolia), dessen Blätter im Aroma Pinienkernen ähneln, zur Verfügung Diese frostempfindliche Art sorgt für Abwechslung in der Küche.

Rosmarin ist ein beliebtes Küchenkraut

Tipp: Niemals sollten Sie Rosmarinpflanzen aus dem Supermarkt oder vom Floristen versuchen in den Garten zu pflanzen. Bei diesen handelt es sich im Normalfall um frostempfindliche Sorten, die Ihre ganze Arbeit nach der Vermehrung zunichtemachen würden.

Zeitpunkt

Der Zeitpunkt der Vermehrung ist komplett unabhängig von der ausgewählten Sorte, da sie alle zur gleichen Zeit die malerischen weißen bis blauen Blüten präsentieren. Sie sollten daher die Vermehrung ab Mai vornehmen, nachdem der Lippenblütler verblüht ist. Das ist der ideale Zeitpunkt, denn ab da benötigt sie eh einen Schnitt, um wieder kräftig über den Sommer austreiben zu können, um so im nächsten Jahr erneut zu blühen. Niemals sollten Sie über den Winter größere Triebe abschneiden, da der Rosmarin sonst unter dem Schnitt leidet. Da über die Winterzeit das Wachstum der Pflanze auf Sparflamme läuft, sollten nur Blätter abgezupft werden.

Tipp: Sie sollten unbedingt einmal die Blüten ernten und in einem Salat zubereiten oder über ein Dessert streuen. Die Blüten sind essbar und verfügen über einen süßen Geschmack, der für ein Highlight in der Küche sorgen wird.

Utensilien und Materialien

Wenn Sie die Stecklinge zum Vermehren der Pflanze nutzen wollen, benötigen Sie geeignete Utensilien und Materialien, damit dies gelingt. Diese helfen Ihnen nicht nur dabei, die einzelnen Stecklinge vorzubereiten, sondern diese effektiv zu bewurzeln und somit bereit für die Pflanzung in die endgültigen Töpfe zu machen. Die folgende Liste gibt Ihnen einen Überblick über die notwendigen Utensilien und Materialien:

  • Anzuchtsubstrat
  • Anzuchttöpfe (Anzahl abhängig von der Menge der Stecklinge)
  • 3 Holzstäbe pro Topf, zum Beispiel Schaschlikspieße
  • transparente Folienbeutel
  • alternativ hohes Zimmergewächsaus

benötigtes Material zum Vermehren von Rosmarin mittels Stecklingen

Achten Sie bei der Auswahl der Holzstäbe darauf, dass diese nicht zu dick sind und eine Länge von mindestens 15 Zentimetern haben. Sie sorgen dafür, dass die Folienbeutel nicht auf den Trieb fallen und so die Position im Topf verändern. Bei der Topfmenge gilt: pro Steckling ein Topf. Jeder Steckling benötigt seinen eigenen Topf, um effektiv Wurzeln zu schlagen.

Tipp: Anzuchtgefäße wie Sie für Saatgut genutzt werden, bieten sich für die Vermehrung über Stecklinge nicht wirklich an. Da die Rosmarinstecklinge so lang sind, würde der untere Teil, der essentiell für die Bewurzelung ist, in einem klassischen Anzuchtgefäß nicht ausreichend bedeckt sein und somit nicht ausreichend Feuchtigkeit aufnehmen können.

Rosmarinus officinalis vermehren: Anleitung in 10 Schritten

Sobald Sie das notwendige Werkzeug und die Utensilien zusammen haben, können Sie mit dem Vermehren des Rosmarins beginnen. Die folgende Anleitung hilft Ihnen dabei und erklärt im Detail, wie Sie dabei vorgehen müssen:

1. Mutterpflanze aussuchen

Sie beginnen mit dem Entfernen der Rosmarinstecklinge, die für die Vermehrung genutzt werden. Suchen Sie sich als Mutterpflanzen ausschließlich gesunde Exemplare aus, die nicht schwach, krank oder von Schädlingen befallen sind. Ebenso sollten Sie unter Trockenstress leidende Rosmarinpflanzen nicht als Grundlage nutzen, da diese nur vorsichtig beschnitten werden sollten.

2. Stecklinge schneiden

Nehmen Sie eine scharfe Schere und schneiden Sie Triebe mit einer Länge von acht bis zehn Zentimetern ab. Achten Sie beim Schneiden darauf, nicht in das alte Holz zu schneiden. Dieses bildet in den meisten Fällen keine oder nur wenig Blätter aus und ist ebenfalls an dem etwas dickeren Durchmesser zu erkennen. Überprüfen Sie mit Ihren Fingern, welcher Teil des Triebs weich oder hart ist und schneiden Sie die Triebe am Übergang, also einer leicht verholzten Stelle ab. Diese werden für die Wurzelbildung genutzt, während aus dem unverholzten Teil neue Triebe und Blätter sprießen.

Steckling schneiden

3. Wurzelbereich freilegen

Entfernen Sie die Blätter im unteren Bereich des Stecklings. Dieser muss freiliegen, um in der Anzuchterde Wurzeln ausbilden zu können. Zupfen Sie die Blätter einfach und schon ist der Steckling bereit, um ins Substrat gepflanzt zu werden.

untere Blätter des Stecklings entfernen

4. Stecklinge einpflanzen

Füllen Sie die Töpfe mit ausreichend Anzuchtsubstrat. Wie oben beschrieben, nur ein Trieb pro Topf, damit die Stecklinge ausreichend Platz für die Wurzelbildung zur Verfügung haben. Stecken Sie die Triebe direkt in die Mitte des Gefäßes, bis der entblätterte Teil vollkommen verschwunden ist.

Steckling einpflanzen

5. Holzstäbe platzieren

Nun stecken Sie in jeden Topf drei Holzstäbe. Platzieren Sie diese am besten als ein Dreieck um die Pflanze. Platzieren Sie diese so, dass sie auf jeden Fall fest in der Erde stecken und nicht umfallen können.

Holzstäbe in den Blumentopf stecken

6. Gießen

Gießen Sie kräftig an, damit das Substrat feucht, aber nicht nass ist. Schütten Sie überschüssiges Wasser im Untersetzer einfach ab, um den zukünftigen Rosmarin nicht unter Wasser zu setzen.

Rosmarinstecklinge kräftig angießen

7. Luftfeuchtigkeit erhöhen

Als Nächstes stülpen Sie die transparenten Folienbeutel über den Topf, damit diese auf dem Dreieck aus Holzstäben liegen. Die Folie sorgt für eine hohe Luftfeuchtigkeit, die der Rosmarin benötigt, um Wurzeln auszubilden.

Luftfeuchtigkeit durch eine Folie erhöhen

8. Standort

Platzieren Sie die Töpfe an einem Standort mit den folgenden Eigenschaften:

  • Lichtbedarf: hell
  • direkte Sonne über längere Zeit vermeiden
  • warm

Am besten eignen sich als Standort entweder Zimmergewächshäuser, Wintergärten, Gewächshäuser oder Gärten, die ausreichend warm sind.

9. Pflege

Gießen Sie über die nächste Zeit regelmäßig, denn die Stecklinge dürfen nicht austrocknen. Dünger benötigen Sie zu diesem Zeitpunkt der Pflege noch nicht.

10. Umtopfen

Werden neue Triebspitzen ausgebildet, dann ist es an der Zeit, den Rosmarin in Töpfe mit passendem Substrat für adulte Rosmarin zu setzen. Zu diesem Punkt in der Entwicklung der Stecklinge haben sie mit der entsprechenden Pflege Wurzeln ausgebildet, die das Umtopfen ermöglichen.

Nachdem Sie die Stecklinge umgetopft haben, fahren Sie mit der bekannten Pflege der Pflanze fort. Sie können die Exemplare nach zwei Jahren in wärmeren Regionen und nach drei Jahren im restlichen Deutschland in den Garten pflanzen, wenn Sie eine winterharte Sorte gewählt haben.

Tipp: Die Stecklingsvermehrung ist ideal, um Rosmarin vor der Vergreisung zu schützen. Wenn Sie die Pflanze regelmäßig auslichten, verringert sich die Menge des alten Holzes und die Pflanze bleibt jung und vital, was sich ebenfalls in der Küche über das Aroma bemerkbar macht.

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