Säulenobst schneiden: Anleitung | Wann ist der beste Zeitpunkt?

Mit Säulenobst erfüllen Sie sich selbst in kleinen Gärten und Grundstücken mit wenig Platz den Traum vom eigenen, Früchte tragenden Obstbaum. Die Säulenbäume sind aufgrund ihrer Form äußerst platzsparend, bilden dennoch saftige Früchte von Äpfeln bis Zwetschgen aus, die in ihrem Geschmack den klassischen Baumformen in Nichts nachstehen. Wichtig für eine reiche Ernte bei Säulenbäumen ist dabei natürlich der Schnitt. Das Schneiden sorgt dafür, dass die Bäume vital und gesund bleiben.

Bester Zeitpunkt

Der Zeitpunkt für den Schnitt der Obstbäume ist abhängig von der jeweiligen Art der Pflanze. Da es sich bei Säulenobst nicht nur um Birnen oder Kirschen, sondern eine große Vielfalt unterschiedlicher Taxa handelt, müssen Sie unbedingt die einzelnen Schnittzeitpunkte beachten. Wann zum Beispiel ein Apfel geschnitten werden muss unterscheidet sich deutlich von Säulenbrombeeren oder Himbeeren. Dabei ist es egal, ob Sie das Säulenobst im Freien angepflanzt haben oder die Pflanzen im Kübel halten. Wann Sie schneiden, entnehmen Sie der folgenden Liste:

  • Äpfel (bot. Malus domestica): Mitte Juni – Ende Juni
  • Brombeeren (bot. Rubus sectio Rubus): Oktober (direkt nach der Ernte schneiden)
  • Kirschen (bot. Prunus avium und Prunus cerasus): Mitte Juli – Ende Juli
  • Birnen (bot. Pyrus communis): Mitte Juni – Ende Juni
  • Aprikosen (bot. Prunus armeniaca): Juni
  • Himbeeren (bot. Rubus idaeus): März – Mitte April
  • Stachelbeeren (bot. Ribes uva-crispa): gesamtes Jahr über
  • Nektarinen (bot. Prunus persica var. nucipersica): über die Sommerzeit zweimal, seltener dreimal
  • Zwetschgen (bot. Prunus domestica subsp. domestica): Juni
  • Holunder (bot. Sambucus): gesamtes Jahr über
  • Kiwi (bot. Actinidia): Oktober – November (direkt nach der Ernte schneiden)
  • Pfirsich (bot. Prunus persica): Frühjahr, kurz vor der Blüte

Äpfel als Säulenobst

Säulenobst Wachstumsgruppen

All diese Obstarten gehören zu einer der zwei Wachstumsgruppen des Säulenobstes. Bei diesen handelt es sich um die klassischen Obstbäume, die jedoch als Sorte zu einer Säule erzogen werden. Im Gegensatz dazu steht eine weitere Gruppe, die nur spezielle Apfelsorten enthält, die auf natürliche Weise gerade in die Höhe wachsen und über kurze Seitenäste verfügen. Bei diesen handelt es sich um die „wahren“ Säulenäpfel, zu denen beispielsweise einige der folgenden Sorten gehören, häufig in England kultiviert werden und auf der Sorte ‚McIntosh‘ basieren:

  • ‚Golden Gate‘
  • ‚Arbat‘
  • ‚Red River‘

Im Schnittzeitpunkt gibt es einen großen Unterschied zwischen Äpfeln und Säulenäpfeln. Während Äpfel, die als Säule erzogen werden, im Sommer Schnittleistungen erfahren, müssen Säulenäpfel das gesamte Jahr über nur mit einem Pflegeschnitt behandelt werden. Da diese keine wirklich langen Seitenzweige ausbilden, ist die jährliche Pflege der Säulenäpfel besonders einfach und kann selbst von unerfahrenen Gärtnern problemlos umgesetzt werden.

Säulenobst schneiden

Wenn Sie sich für Säulenobst in Ihrem Garten entscheiden, finden sich drei verschiedene Schnittarten, die Sie anwenden müssen. Diese sind nicht vom Alter oder der Gesundheit der Säulenbäume abhängig, sondern von der Art. Auf einen Formschnitt können Sie zum Beispiel komplett verzichten, da die Seitentriebe der Bäume kurz gehalten werden, damit das Gewächs nicht zu stark austreibt. Zugleich wird der Baum dazu verleitet, stärker nach oben zu wachsen, was weiterhin Platz spart. Die benötigen Werkzeuge für alle Schnittmaßnahmen sind:

  • Astschere
  • Gartenschere
  • Handschuhe

Achten Sie bei der Verwendung der Scheren darauf, diese vor der Nutzung zu säubern und zu schärfen. Sie wollen ja nicht Gefahr laufen, das Holz zu verletzen und dadurch die Säulenbäume zu schwächen. Das ist besonders wichtig, wenn Sie zuvor erkrankte Pflanzen geschnitten haben, deren Krankheitserreger auf der Klinge verbleiben und das Säulenobst infizieren kann.

Säulenobst schneiden

Tipp: Falls sich nach der Blüte keine Früchte ausbilden, sondern diese nur verwelken, weist das immer auf ein Problem hin, zum Beispiel eine Pilzinfektion oder ein Schädlingsbefall. Informieren Sie sich sofort über die typischen Krankheitsbilder der einzelnen Obstarten und wenden Sie entsprechende Gegenmaßnahmen an, um Ihre Säulenbäume zu schützen.

Regelmäßiger Pflege-Schnitt: Anleitung

Dieser Schnitt für die drei folgenden Obstarten angewandt:

  • Säulenäpfel (genetisch nach Säulenform wachsend)
  • Stachelbeeren
  • Holunder

Die Pflegemaßnahme dient dazu, das Säulenobst von Zweigen zu entfernen, die das Wachstum einschränken und somit die Ausbildung von Blüten und Früchten negativ beeinflussen. Ausgeführt wird dieser wie oben beschrieben über das ganze Jahr, außer im Winter. Denn würden Sie das Säulenobst im Winter schneiden, würde das die Pflanzen deutlich schwächen und die Gefahr auf Infektionen und Schädlingsbefall erhöhen. Der Rest des Jahres, vom frostfreien Frühling bis in den frostfreien Herbst, ist der perfekte Zeitpunkt für diese Schnittmaßnahme. Folgen Sie dabei dieser Anleitung:

1. Vertrocknete Zweige suchen

Betrachten Sie den Säulenbaum und suchen Sie nach allen Zweigen, die abgestorben, vertrocknet oder abgeknickt sind. Vertrocknetes und abgestorbene Zweige erkennen sie an dunklen Färbung, die sich deutlich von den gesunden abhebt. Hierbei müssen Sie so gründlich wie möglich vorgehen, vor allem wenn Sie Holunder und Stachelbeeren haben. Säulenäpfel müssen im Vergleich recht selten gepflegt werden.

2. Vertrocknete Zweige entfernen

Schneiden Sie mit einer Schere die entsprechenden Zweige zurück. Seitenzweige sind bei diesen Arten eher seltener, sollten aber dennoch entfernt werden.

3. Wuchs anregen

Bei Stachelbeeren und Holunder werden die Triebe komplett bis zum Stamm oder den nächsten stärkeren Zweig gekürzt. Säulenäpfel schneiden Sie dagegen um zwei, maximal drei, Augen zurück. Das regt den Wuchs an und somit die Ausbildung von Blüten und Früchten.

4. Abgeschnittenes entsorgen

Entsorgen Sie anschließend die abgeschnittenen Pflanzenteile.

Diesen Schnitt können Sie ruhig mehrmals über das Jahr ausführen. Die Gewächse leiden nicht unter diesem und erholen sich sehr schnell. Das erleichtert die Erhaltung der Vitalität der Pflanze, was sich positiv auf Ihren Ernteertrag auswirken wird.

Säulenapfel

Formschnitt: Anleitung

Der Formschnitt wird im Vergleich zur regelmäßigen Auffrischung nur einmal im Jahr durchgeführt und ist wichtig, um Beerenobst in Form zu halten. Daher wird der Schnitt vor allem bei Brombeeren und Himbeeren angewandt, die Sie als Säulenobst halten. Da diese Gewächse häufig einen Anreiz zur Verzweigung benötigen, ist der Rückschnitt notwendig. Brom- und Himbeeren müssen gut verzweigt sein, um einen großen Ertrag zu ermöglichen, was dann durch den Schnitt gelingt. Tragen Sie bei dieser Arbeit unbedingt Handschuhe und folgen Sie dieser Anleitung:

1. Zeitpunkt

Der Schnitt erfolgt bei den Himbeeren im zweiten Jahr nach der Pflanzung, bei Brombeeren im ersten Jahr.

2. Brombeeren

Schneiden Sie bei den Brombeeren die Seitenzweige bis auf eine Länge von zehn Zentimeter zurück. Gehen Sie dabei ruhig gründlich vor, denn je mehr Sie abschneiden, desto schneller treibt sie neu aus, was zu einer guten Verzweigung führt. Falls Sie schwache Brombeertriebe finden, diese einfach komplett entfernen.

3. Himbeeren

Bei Himbeeren kürzen Sie alle Zweige, die aus dem Vorjahr stammen, egal ob es sich um senkrecht oder seitlich wachsende Triebe handelt. Kürzen Sie diese stark auf unter zehn Zentimeter, jedoch nicht auf den Stamm oder einen größeren Ast zurück.

Am besten geben Sie der Himbeere eine Form beim Schnitt. Sie kann stark in merkwürdige Formen austreiben, was nicht unbedingt ansprechend wirkt. Kürzen Sie aus diesem Grund die Seiten stärker als die nach oben ragenden Äste.

4. Schnitt entsorgen

Abschließend die Pflanzenreste auf dem Kompost entsorgen.

Tipp: Wenn Sie moderne Himbeer- oder Brombeersorten ohne Stacheln als Säulenobst wählen, können Sie ruhig auf die Handschuhe verzichten. Diese Bäume sind völlig harmlos und fügen Ihnen keine Verletzungen zu.

Birne als Säulenobst
Birne als Säulenobst

Rückschnitt: Anleitung

Der Rückschnitt ist vor allem für die Steinobstsorten zu nutzen, da diese zusammen mit den klassischen Äpfeln und Kiwis die stärksten Zweige ausbilden. Das heißt, für diese benötigen Sie häufig sogar eine Astschere. Die folgenden Obstsorten erfahren den Rückschnitt:

  • Kiwi
  • Pfirsiche
  • Äpfel
  • Aprikosen
  • Birnen
  • Kirschen
  • Zwetschgen
  • Nektarinen

Wichtig beim Rückschnitt ist vor allem die Erhaltung der klassischen Säulenform der Gewächse, die häufig an die Wuchsform von Tannen erinnert. Erreicht wird die Säulenform von den Gewächsen dann meist im dritten Jahr nach der Pflanzung. Durch den Rückschnitt bleibt das Gewächs jung und vital, was zu einer reichen Ernte führen wird. Zudem wird die kompakte Form ermöglicht. Gehen Sie beim Rückschnitt wie folgt vor:

1. Seitentriebe kürzen

Kürzen Sie ausschließlich die Seitentriebe. Diese geben dem Säulenobst die bevorzugte Form.

2. Wildwuchs eingrenzen

Zurückgeschnitten werden diese auf zwei bis drei Augen, außer bei Nektarinen. Dort sind es drei bis vier Blattansätze, was Prunus persica var. nucipersica vor dem Wildwuchs bewahrt. Mehr Arbeit wird für den Pflegeschnitt nicht benötigt.

3. Pflanzenreste entsorgen

Gehen Sie bei dem Entfernen der Seitentriebe so gründlich wie möglich vor. Entsorgen Sie danach die Pflanzenreste und kümmern Sie sich gut um die Gewächse.

Falls Ihnen Ihre Säulenbäume zu hoch werden, können Sie diese beim Rückschnitt problemlos kürzen. Dafür schneiden Sie die obersten Zweige auf die in der Anleitung genannte Augenzahl zurück und wiederholen dies im Folgejahr. So halten Sie Ihr Säulenobst auf Ihrer gewünschten Höhe.

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