Schilfgras im Garten – Sorten und alles über die Pflege von Schilf

Schilfgras im Garten

Eine dekorative Wirkung geht dem Schilfgras aus, das in Gärten immer beliebter wird. Bei der richtigen Pflege kommt es überwiegend auf die Ansprüche der jeweiligen Sorte an, von denen nicht jede für den heimischen Garten eine optimale Wahl ist. Alles, was Sie darüber und die richtige Pflege von Schilf wissen sollten, erfahren Sie hier beim Pflanzenexperte.

Schilf

Schilf gibt es in den verschiedensten Sorten, aber alle haben vor allem eines gemeinsam: einen Hauch von Meeresidylle, welche den heimischen Garten erfüllt. Das botanisch genannte Röhricht ist in der Regel eine sehr genügsame Pflanze, benötigt aber dennoch eine fachgerechte Pflege, die sich in vielen Punkten von anderen Gräsern/Pflanzen unterscheidet. Die wichtigsten Punkte rund um das Thema Pflege sowie mögliche Schilfgras-Sorten sind beim Pflanzenexperte für Sie zusammengefasst.

Definition

„Schilf“ wird meist als Oberbegriff für Röhrenpflanzen in Feuchtgebieten sowie vor allem für Schilfgräser verwendet, die für die Gartenbepflanzung angeboten werden. Insbesondere bei Schilfgras entspricht die Bezeichnung allerdings nicht immer der tatsächlichen Definition.

„Schilf“ steht in der Botanik für Röhricht, bei dem es sich um hochwüchsige sowie krautige Vegetationsbestände handelt. Diese sind an Gewässerrändern sowie in flachen Gewässern zu finden. Es bildet in Verbindung mit bestimmten anderen Pflanzen einen eigenen Biotoptyp. Diese setzen sich zusammen aus Schilfrohr „Phragmites“, das weltweit eine weit verbreitete Art der Gattung von Süßgräsern (Poaceae) darstellt.

Schilfgras gibt es in verschiedensten Sorten

Schilfartig

Vor allem für die Gartenbepflanzung sind ähnliche Gräser erhältlich, die über ein schilfartiges Wachstum verfügen und als Ziergräser genutzt werden. Diese zählen entweder zu den Süßgräsern oder gehören der Pflanzenfamilie der Sauer- oder Riedgräser an. Dennoch werden sie vielfach als Schilfgräser angeboten, was sie tatsächlich aber nicht sind. Optisch sind sie manchmal nur schwer auseinander zu halten. Ein Hauptunterschied liegt vor allem darin, dass diese „Schilfgräser“ nicht unbedingt an feuchten Standorten gedeihen, sondern vielfach deutlich trockenere Bodenverhältnisse bevorzugen. Botaniker differenzieren deshalb zwischen „Echtem Schilfgras“ und „Unechtem Schildgras“ und zählen auch einige Sauergräser zum Schilf.

Schilfsorten

Echtes Schilfgras (Phragmites australis)

Echtes oder auch „Gemeines Schilfrohr“ genannt, eignet sich als Gartenpflanze insbesondere, wenn auf Authentizität gelegt wird sowie Gewässerufer eine dekorative Bepflanzung benötigen, die im Sommer grünt. Sie eignen sich optimal als Teichumrandung. Zu der Phragmites australis zählen zahlreiche Unterarten sowie Sorten. Die bekanntesten in Deutschland sind unter anderem die Folgenden.

  • Phragmites australis – das am häufigsten zu findende „Gemeine Schilfrohr“
  • Phragmites australis „Aurea“ Schilfrohr, das mit grün-gelben Blättern auffällig leuchtet und bis zu zwei Meter hoch wird
  • Phragmites australis subspecies „humilis“ Zwergschilf mit einer Höhe von bis zu einem Meter, wächst aber sehr breit
  • Phragmites karka – ist in Europa nur selten als „Candy Stripe“-Sorte erhältlich, markant grün-gelb gestreiftes Laub, Höhe bis zu zwei Meter
  • Phragmites australis ‚Pseudodonax‘ – Schilfgras mit einer Höhe von bis zu fünf Metern
  • Phragmites australis „Variegatus“  Schilfrohr mit Laubkleid in gelb-grün und einer Höhe von bis zu 1.5 Metern
Echtes Schilfgras ist optimal zur Teichumrandung
Echtes Schilfgras

Rohrkolbengewächse (Typhaceae)

Zur Familie der Rohrkolbengewächse zählen als Röhricht-Schilfe vor allem der Rohr- sowie der Igelkolben. Auffällig sind bei Ihnen die braunen Fruchtkolben. Manche Exemplare vertragen sogar trockene Bodenverhältnisse. Zahlreiche Arten und Sorten sind von ihnen erhältlich, wie zum Beispiel die folgend Aufgeführten.

  • RohrkolbenTypha angustifolia – ist ein Rohrkolben mit schmalen Blättern
  • Typha laxmannii – zählt zu den lockeren Rohrkolben
  • Typha latifolia – als ein mit breiten Blätter ausgestatteter Rohrkolben
  • Typha latifolia ‚Variegata‘ – ein Rohrkolben mit bunten Blättern
  • Typha minima – als kleinwüchsiger Rohrkolben
Schilfgras als Rohrkolbengewächs
Rohrkolbengewächs

Süßgrasgewächs

Zu den bekanntestem Süßgrasarten und damit Unechtem Schilfgras, gehört das Chinaschilf (Miscanthus) mit verschiedenen Arten/Sorten: Chinaschilf wächst auch noch außerhalb von Teichrändern und braucht feuchten, aber nicht unbedingt sumpfigen Boden. Es fühlt sich sowohl außerhalb als auch am Rand von Teichen wohl.

  • Chinaschilf, Miscanthus sinensis – mit bis zu 2,50 Meter Höhe und schöner Herbstfärbung
  • Riesen-Chinaschilf, Miscanthus × giganteus – mit bis zu vier Metern Höhe, schnelles, dichtes Wachstum, optimaler Sichtschutz
  • Zebra-/ Stachelschweingras, Miscanthus sinensis „Strictus“ – mit einer Höhe bis 1,75 Meter, grün-gelbes, gestreiftes Laub
  • Chinaschilf „Ferner Osten“ – Miscanthus sinensis „Ferner Osten“ – wird rund 1.60 Meter hoch rötliche Färbung im Herbst
  • Chinaschilf „Malepartus“, Miscanthus sinensis „Malepartus“ – mit einer Höhe bis zu 1,75 Meter, goldene, rotbraune Herbstfärbung
Schilfgras in der Sorte Zebragras
Zebragras

Sauergrasgewächse

Zu den „unechten“ Schilfgräsern (Cyperaceae) zählen circa 5500 verschiedene Arten inklusive Unterfamilien. Bei ihnen handelt es sich meist um ausdauernde krautige Pflanzen beziehungsweise Stauden mit einem Habitus, der Gras ähnelt. Rhizome sind keine Seltenheit. Ein massiver und/oder markiger Stängel, der nicht hohl ist, wie bei Echtem Schilfgras, ist ein weiterer Unterschied zu den Süßgräsern beziehungsweise Echten Schilfgräsern. Sie lieben überwiegend feuchte Böden, die nicht dauerhaft durchnässt sein sollten. Zu den beliebtesten Arten/Sorten zählen die Folgenden.

  • Kugelbinse (Scirpoides holoschoenus) – Wuchshöhe zwischen 30 Zentimeter und einem Meter, selten bis zu 2.50 Meter
  • Knollige Zypergras (Cyperus rotundus) – Wuchshöhe zwischen 15 und 90 Zentimeter
  • Gewöhnliche Strandsimse (Bolboschoenus maritimus) –  Sumpfpflanze mit Wuchshöhen von 30 Zentimeter bis 1.50 Meter
Schilfgras in der Sorte Zyperngras
Zyperngras

Pflege

Standort

In der Regel stellen die Schilfgras-Arten alle die gleichen Ansprüche an einen Standort. Eine Ausnahme bilden hier lediglich einige Unechte Schilfe, die es nicht ganz so feucht mögen, wie ein echtes Schilfgras. Ansonsten können Sie mit den folgenden Standorteigenschaften in der Regel keinen Fehler machen.

  • halbschattig bis sonnig, ohne direkte Mittagssonne
  • feuchter bis nasser Boden – Ausnahmen beachten!!
  • windgeschützter Standort

Pflanzen

Ob Echtes Schilfgras oder schilfartiges, es wächst sehr dominant und kräftig, so dass es nicht selten benachbarte Pflanzen verdrängt. Deshalb sollte es entweder als Monokultur gehalten werden, oder aber eine Wachstumskontrolle beim Pflanzen integriert werden. Im Gartenfachhandel sind spezielle Angebote aus PP, PET, Vlies oder Geotextil erhältlich, welche das Wurzelwachstum nicht ausarten lassen. Da die meisten Schilfgras-Arten auch trotz Wurzelkontrolle sehr in die Breite wachsen, ist auf einen entsprechend großen Pflanzabstand zu achten. Optimal ist dieser in der Regel, wenn er dreimal so groß ist, wie die Schilfwurzel.

Pflanzzeit

Der optimale Zeitpunkt zum Pflanzen ist das Frühjahr, bevor das Wachstum einsetzt. Bei manchen Schilfarten ist dies bereits im Februar/März, andere sollten erst im April eingepflanzt werden, wie zum Beispiel das Chinaschilf. Kaufen Sie vorgezogenes Schilf, ist im Mai nach den Eisheiligen der richtige Zeitpunkt gekommen, um diese einzupflanzen.

Schilfgras als Chinaschilf im Garten
Chinaschilf

Gießen

Während die Echten Schilfarten eine gewisse Dauerfeuchte benötigen und diese insbesondere an Uferrändern und in Gewässern erhalten, kommt zum Beispiel das Chinaschilf im trockeneren Boden vor allem im Sommer, ohne Wasser aus der Gießkanne nicht aus. Staunässe vertragen Nicht-Wasserpflanzen wie das Chinaschilf, nicht.

Düngen

Schilfgras sowie trockener stehendes Chinaschilf sind in Puncto Nährstoffe sehr genügsam. Dennoch lohnt sich ein Düngen, das aber erst ab dem zweiten Jahr begonnen werden sollte. Halten Sie sich beim Düngen von Schilfen an folgende Punkte.

  • nur einmal im Jahr, idealerweise im Frühjahr nach dem Rückschnitt und vor Wachstumsbeginn düngen
  • im „Notfall“ kann auch im Sommer gedüngt werden, aber danach nicht mehr
  • Kompost in die Erde einarbeiten oder mit flüssigem Volldünger gießen
  • Überdüngung schadet der Pflanze – also lieber gering dosieren
  • Wassergräser, wie der Rohrkolben, werden nicht gedüngt

Schneiden

Echtes sowie Chinaschilfgras sollte einmal im Jahr geschnitten werden. Der beste Zeitpunkt ist dafür das Frühjahr, je nach Art/Sorte zwischen Ende Februar und April, bevor sich die ersten Triebe zeigen. Mit der Profi-Anleitung gelingt es problemlos.

  • Schilfgras in einzelne Bündel aufteilen
  • Bündel der Reihe nach schneiden
  • Schnitttiefe circa eine Handbreit über der Erd- beziehungsweise Wasseroberfläche
  • haben sich bereits Triebe gebildet, nur äußere Halme abschneiden oder auf Rückschnitt verzichten
  • nie im Herbst oder Winter schneiden, da erhöhte Gefahr für Fäulnis und Erfrierungen

TIPP: Vor dem Schneiden sollten Sie das Gras auf eventuelle Tiere untersuchen, die in diesem ihr Winterquartier eingerichtet haben. Hierbei handelt es sich oft um nützliche Tierchen, denen Sie eine ungestörte Winterruhe gönnen und mit dem Schneiden so lange warten sollten.

Überwinterung

Das Schilf ist in der Regel winterhart, sofern es nicht vor Wintereinbruch geschnitten wird. Bei extremen Minustemperaturen sollten Sie die Wurzel der Chinagraswurzeln mit Laub, Stroh oder Tannennadeln abdecken. Es empfiehlt sich, die die Gräser/Röhren zusammenzubinden. Dies schützt die Pflanzen vor der Kälte und verhindert zudem, dass sich abgetrocknete Gräser bei stärken Winden lösen und durch den Garten fliegen. Gefrorene Feuchte, in denen sich Ufer-, Sumpf- und Gewässerschilfe befinden, macht ihnen nichts aus.

Schilfgras ist in der Regel winterhart

Vermehrung

Schilfgräser eignen sich perfekt zur Vermehrung im heimischen Garten. Unkompliziert können Sie diese selbst durchführen.

Wurzelteilung

Ein optimaler Zeitpunkt dazu ist im Frühjahr gegeben, wenn der Rückschnitt fällig wird. Halten Sie sich dabei an folgende Anleitung, dann klappt es einfach.

  • nach dem Rückschnitt Wurzel freilegen
  • mit einem Spaten Wurzel teilen
  • abgeteilten Wurzelbereich in einen Wassereimer tauchen, bis keine Blasen mehr aufsteigen
  • an geeignetem Standort Pflanzloch ausheben
  • Pflanzloch sollte doppelt so groß sein, wie die Wurzel
  • bei Bedarf Wurzelkontrolle verwenden – bei Schilfrohr nahe an Teichen, zum Schutz der Folie immer verwenden
  • Wasserpflanzen in einen Pflanzkorb setzen
  • für Schilfe, die trockener stehen, Drainage aus Kies oder Quarzsand auf dem Pflanzboden auslegen
  • Pflanze mittig ausrichten
  • Erde auffüllen und stark antreten/zusammendrücken
  • gut gießen
  • im ersten Jahr nicht düngen

TIPP: Eine Teilung können Sie auch ohne Wurzel vornehmen. Mit einer Spitzhacke tragen Sie einfach ein Stück des zurück geschnittenen Pflanzenteils ab und pflanzen dieses an geeigneter Stelle wieder ein.

Schilfgras braucht die richtige Pflege

Aussaat

Für eine Aussaat können Sie sich „fertigen“ Samen aus dem Fachmarkt kaufen oder diesen im Spätsommer/Herbst aus ein den Kolben des Schilfs sammeln. Am besten eignet sich dafür das Phragmites-Schilfrohr, aber auch bei vielen anderen Arten/Sorten ist die Chance auf eine erfolgreiche Aussaat gegeben. Beachten Sie dabei diese wichtigen Details.

  • Samenreife zeigt sich, wenn Kolben aufgeplatzt sind
  • Aussaat muss sofort nach dem Sammeln erfolgen, spätestens zu Winterbeginn
  • Substrat für Feucht- und Wasserpflanzen verwenden, das schlammig und nährstoffreich ist

Vorgehensweise:

  • Anzuchttopf mit Substrat füllen
  • mit dem Finger Einbuchtungen in das Substrat drücken (circa ein bis zwei Zentimeter tief)
  • Saat darin auslegen
  • Saat locker mit Substrat bedecken
  • Substrat gut feucht halten, aber Staunässe vermeiden
  • Anzuchttopf mit lichtdurchlässiger Folie bespannen
  • Folie zum Gießen und Lüften alle zwei bis drei Tage anheben
  • Empfohlene Umgebungstemperatur zwischen 17 Grad Celsius und 21 Grad Celsius
  • Standort sonnig ohne direkte Sonnenstrahlung
  • sobald erstes Grün eine Höhe von circa zwei Zentimeter erreicht hat, in normalen Topf umpflanzen
  • Pflanzen ins Freie setzen ab Mai nach den Eisheiligen

TIPP: Samen von im Wasser stehendem Schilf keimt schneller und sicherer, wenn Sie diesen einfach in ein durchsichtiges, wassergefülltes Glas legen. Nach der Keimung kann dann bereits draußen eingepflanzt werden, da gekeimter Samen von Wasser-Schilf in der Regel frostfest ist.

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