Schwammspinner-Plage: Sind die Raupen giftig? | So bekämpft man sie

Schwammspinner Raupe, Lymantria dispar

Kahl gefressene Waldgebiete und Vorgärten, schwarze Häuserfassaden – das ist das Werk des Schwammspinners. Derzeit fällt die Raupe des Nachtfalters besonders im Süden und Osten Deutschlands ein. Und entwickelt sich dabei zu einer echten Plage. Wir klären die wichtigsten Fragen: Wie gefährlich ist Lymantria dispar – so der wissenschaftliche Name – für Mensch und Natur? Ist er vielleicht sogar giftig? Und vor allem: Wie werde ich ihn wieder los?

Der Schwammspinner

Die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL)spricht von einem „große[n] gesellschaftliche[n] Problem“ und tatsächlich zeigt sich seit ein paar Wochen in Franken, Thüringen und Teilen Nordsachsens ein Bild, das gut und gerne auch der Bibel entnommen sein könnte. Denn wie einstmals die Heuschrecken, so fallen jetzt in den betroffenen Gebieten Millionen von Schwammspinnerraupen über Häuser und Gärten her.
Dabei ist ein Befall mit den gefräßigen Schädlingen eigentlich kein neues Phänomen. Regelmäßig lassen warm-trockene Frühsommer die Population in die Höhe schießen. Das Ausmaß, das das Ganze in diesem Jahr annimmt ist dennoch außergewöhnlich. Und lässt dabei – gepaart mit der Aggressivität der Raupen – viele Garten- und Hausbesitzer verzweifeln. Denn: Es ist kein wirkliches Hilfsmittel in Sicht.

Doch der Reihe nach. Zunächst geben wir Ihnen kurz und bündig einige Informationen zur Bestimmung des Insekts und zu dessen Schadbild an die Hand.

Erkennen

  • Nachtfalter aus der Familie der Eulenfalter (Noctuidae)
  • Trägspinner (Lymantriinae)
  • Weibchen deutlich größer als Männchen
  • Eiablage bevorzugt an Laubbäumen
  • junge Raupen schwarz mit langer Behaarung
  • teilweise Ausbildung von Brennhaaren
  • rot und blau gefärbte Warzen bei älteren Exemplaren
  • weibliche Raupen 6 bis 8 cm lang
  • männliche Raupen 4 bis 5 cm

Schwammspinner Raupe, Lymantria dispar

Schadbild

  • ziehen nach Schlupf in Baumkronen
  • Lochfraß in junge Blätter
  • Verzehr ganzer Blätter mit zunehmendem Alter
  • völlige Entlaubung bei Massenbefall
  • Obstbäume, Eichen und Hainbuche besonders im Visier
  • Ende der Fraßzeit mit Beginn des kalendarischen Sommers
  • befallene Bäume ergrünen in der Regel wieder
  • Ausnahme: vorgeschädigte/geschwächte Eichen
  • Nachwanderung aus Waldgrundstücken in Wohnsiedlungen möglich
  • dort tagsüber versteckt vor Fressfeinden (an Hauswänden und Dachrinnen)
  • Nahrungsaufnahme im Schutz der Dämmerung
  • nicht giftig
  • geringes Allergiepotential (Hautrötungen empfindlicher Stellen bei Kontakt)

Schwammspinner bekämpfen

Leider gibt es nicht viel, was sie dagegen tun können. Denn der Einsatz von Insektiziden zur Bekämpfung des Insekts auf chemischer Basis ist in allen betroffenen Kommunen, Stand Juni 2019, vom Tisch.
Der Grund: Mögliche Schäden für andere Lebewesen seien dabei nicht hundertprozentig auszuschließen. Ein Pestizid-Einsatz schade so möglicherweise der Umwelt mehr, als dass er eigentlich nütze. „Das würde andere Insekten im Breitband hinwegraffen, weil es nicht spezifisch wirkt“ meint stellvertretend etwa Konrad Nickschick, Fachdienstleister Umwelt der Stadt Gera.

Auch die Tatsache, dass sich die Schädlingspopulation oft schneller von der Anwendung chemischer Mittel erholt als ihre Feinde, lässt die Verantwortlichen zögern. Außerdem befänden sich die Larven bereits im vierten Larvenstadium kurz vor der Verpuppung. „Wir hoffen, dass es in zwei bis drei Wochen vorbei ist“, so Nickschick weiter. Für das kommende Jahr wird jedoch ein vorbeugender Einsatz eines Schädlingsbekämpfungsmittels diskutiert, um die Massenvermehrung frühzeitig zu verhindern.

So bleiben den Betroffenen aktuell wenig bis keine Möglichkeiten, um die Raupen des Schwammspinners loszuwerden. In einigen Gegenden wurden Fliegengitter verteilt, um somit das Eindringen in Häuser und Wohnungen zu verhindern. Daneben sind vielerorts auch professionelle Schädlingsbekämpfer im Einsatz, um „erste Hilfe“ zu leisten. Kinder oder Menschen mit erhöhtem Allergiepotential sollten darüber hinaus den direkten Hautkontakt mit den Brennhaaren der Raupe unbedingt vermeiden.

Tipp: Halten Sie in betroffenen Gegenden unbedingt alle Fenster, insbesondere in den oberen Etagen, gut verschlossen.

Schwammspinner als Falter
Schwammspinner als Falter

Vorbeugen

Des Weiteren empfiehlt die WSL Privatgärtnern folgende Maßnahmen, um eine zukünftige massenhafte Vermehrung zu verhindern:

  • möglichst wenig Möglichkeiten zur Verpuppung geben
  • Raupen, Puppen, Falter, Gelege mechanisch zerstören (z.B. Abspülen mit Wasserstrahl/Hochdruckreiniger, Absammeln von Eigelegen)
  • Fangen der Raupen in Jutesäcken oder mit Klebefallen

Natürliche Feinde fördern

Die beste, weil natürlichste Lösung, um den Bestand des Schwammspinners auf ökologische Art und Weise zu regulieren, ist der Einsatz seiner Fressfeinde. Zu diesen gehören unter anderem:

  • Großer Puppenräuber (Calosoma sycophanta)
  • Raupenfliegen (Tachinidae)
  • Brackwespen (Braconidae)
  • Baumwanzen (Pentatomidae)
  • Pelzkäfer (Dermestidae)
  • Weichkäfer (Cantharidae)
  • Ameisen
  • Kröten
  • Eidechsen
  • Vögel (Meise, Goldhähnchen, Kuckuck)
  • Mäuse und Spitzmäuse

Schwammspinner Raupe, Lymantria dispar

Quellen

https://www.mdr.de/brisant/ratgeber/schwammspinner-invasion-was-tun-gegen-den-raupenbefall-100.html

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/schwammspinner-raupenplage-in-gunzenhausen-und-gera-a-1272945.html

https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl%3A9120/datastream/PDF/view

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