Sind Flieder und Fliederblüten giftig für Menschen, Katzen oder Hunde?

Fliederblüte mit vielen kleinen Fliederblüten

Im Verlauf seiner Evolution hat Flieder darauf verzichtet, typische Verteidigungsmechanismen zu entwickeln, wie Dornen, Brennhaare oder scharfe Blattkanten. Stattdessen setzt der Fliederbaum auf eine aggressive Ausbreitung über Ausläufer, die ihm einen Platz auf der Schwarzen Liste invasiver Pflanzen einbrachte. Somit liegt die Frage auf der Hand, inwiefern sich ein Syringa vulgaris mit Giftstoffen seiner Feinde erwehrt. Möchten Sie wissen, ob Flieder und Fliederblüten giftig sind? Dann lesen Sie hier fundierte Antworten.

Spezieller Inhaltsstoff im Flieder

Bedenklicher Inhaltsstoff mahnt zur Vorsicht

Bereits in 1841 isolierten Wissenschaftler aus Rinde, Blättern und Blüten ein spezielles Glykosid, das vornehmlich im Syringa vulgaris vorkommt. In Anlehnung an den botanischen Namen des Flieders, wurde dieser Stoff als Syringin bezeichnet. In der Pflanzenwelt sind Glykoside weit verbreitet. Die organischen Verbindungen sind zumeist ein zweischneidiges Schwert, denn sie vereinen auf sich sowohl eine toxische Wirkung als die Eignung zur Arznei.

Flieder in Heilkunde

Flieder in der mittelalterlichen Heilkunde

Wie den Überlieferungen zu entnehmen ist, fanden im Mittelalter alle Pflanzenteile Anwendung in der Heilkunde. In der richtigen Dosierung verabreicht, wurde der Pflanze eine fiebersenkende, entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung nachgesagt.

Bei diesen Beschwerden kamen Pflanzenteile des Flieders zu Anwendung:

  • Blätter vom Fliederbaum als Tee zur Senkung von Fieber
  • Tee aus Fliederblüten zur Linderung von Verdauungsbeschwerden
  • zerstoßene Rinde mit siedendem Wasser übergossen zur Heilung von Schluckauf
  • zerriebene Fliederbaum-Blätter zur Stillung blutender Wunden

Flieder diente früher auch als Heilpflanze

Bei Krankheiten, wie Rheuma und Gicht, zogen die Heilkundler einen Ölauszug aus getrockneten Blüten heran. Empfohlen wurde fernerhin ein Bad aus Blättern und Blüten, um Gliederschmerzen zu lindern.

Riskante Eigenmedikation

In der modernen Medizin und Homöopathie hat sich Syringin als Wirkstoff nicht durchgesetzt, da es an wissenschaftlichen Beweisen hinsichtlich seiner Heilwirkung mangelt. Von einer Eigenmedikation ist dringend abzuraten. Wenngleich das fliederspezifische Glykosid nicht explizit als Giftstoff deklariert wird, sind die Auswirkungen im Rahmen einer oralen Aufnahme nicht abzusehen.

Fatalerweise werden Glykoside häufig als nicht toxische Stoffe in der Pflanze gespeichert. Kommt es zu einer Zerstörung der Pflanzenzellen, wenn Sie Rinde, Blätter oder Fliederblüten ernten, kann Syringin durch Kontakt mit anderen Pflanzenstoffen toxisch werden.

Gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe

Neben Syringin ist Flieder durchströmt von weiteren Säften, die der menschlichen Gesundheit nicht zuträglich sind. Wenngleich hier nicht von Toxinen die Rede ist, erfordern die folgenden Inhaltsstoffe dennoch einen achtsamen Umgang mit dem Fliederbaum.

  • ätherische Öle lösen bei Duft-Allergikern Atembeschwerden aus
  • Anisaldehyde stehen in Verdacht, bei Kontakt Hautallergien und bei Verzehr Kopfschmerzen zu verursachen
  • Alpha-Pinene in sehr geringer Konzentration enthalten, dennoch mit der GHS-Kennzeichnung ‚Achtung‘ versehen

Flieder ist in seinen Pflanzenteilen giftig

Die im Fliederstrauch befindlichen Bitterstoffe sind hingegen nicht giftig. Vielmehr dienen sie hier als Schutz vor einem übermäßigen Verzehr, der bei Menschen zu Vergiftungserscheinungen führen kann. Blätter und Blüten schmecken extrem bitter, sodass Erwachsene kaum gefährdet sind. Bei Kindern ist hingegen der Geschmackssinn noch nicht vollkommen entwickelt, sodass die Bitterstoffe als Schutzmechanismus bei Kleinkindern ins Leere laufen.

GIZ Nord warnt vor Verzehr

GIZ Nord rät von einem Verzehr ab

Auch ohne bislang erfolgte GHS-Gefahrenstoffkennzeichnung, bestätigen die Experten des Gift-Informations-Zentrums Nord eine gesundheitsgefährdende Wirkung von Flieder. Diese Warnung beruht auf 62 gemeldeten Fällen eines Verzehrs in der Zeit von 1996 bis 2010. Dabei kam es in 8 Fällen zu teils heftigen Bauchkrämpfen, Übelkeit und Durchfall. Betroffen waren ausschließlich Kinder.

Mit Blick auf diese Erkenntnisse aus der Praxis, sollte auch davon abgesehen werden, kandierte Fliederblüten zu sich zu nehmen, obschon sie mitunter als Delikatesse gepriesen werden. Der Zucker überdeckt den bitteren Geschmack, sodass der erläuterte Schutzmechanismus dann auch bei Erwachsenen nicht greift.

Produkte des Fachhandels ungefährlich

Produkte aus dem Fachhandel sind unbedenklich

Die Kosmetikindustrie hat den verführerischen Fliederduft für sich entdeckt. Nachdem es bislang problematisch war, den natürlichen Blütenduft zu extrahieren, ebnete die moderne CO2-Gewinnung den Weg zu einem Fliederextrakt. Aus der Hand von Fachleuten und mit einer Konzentration von 0,1 bis 0,5 Prozent in der Aromakosmetik, können Sie sich unbesorgt am vitalisierenden Fliederduft als Parfüm oder Hautcreme erfreuen.

Flieder enthält gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe

Schwach giftig für Hunde und Katzen

Auf Hunde und Katzen wirken Syringin und andere Inhaltsstoffe im Flieder ähnlich, wie auf Menschen. Angesichts ihrer geringeren Körpergröße, können auf die Haustiere schon kleinere Mengen nach einem Verzehr giftig wirken. Lassen Sie daher Ihre vierbeinigen Hausgenossen nicht ständig an Blättern, Blüten und Zweigen herumknabbern. Freilich besteht kein Grund zur Beunruhigung, wenn einige wenige Pflanzenteile verspeist werden. Typische Vergiftungssymptome, wie Speicheln, Kreislaufprobleme und Erbrechen treten erst auf, wenn Syringa vulgaris in großen Mengen vertilgt wird.

Hasen und Kaninchen rühren Flieder nicht an

Im Gegensatz zu Hunden und Katzen, ist der Geschmackssinn von Hasen und Kaninchen feiner ausgeprägt. Wie zahlreiche Besitzer und Züchter berichten, lassen die kleinen Nager Zweige, Blätter und Blüten links liegen. Die enthaltenen Bitterstoffe und ätherischen Öle verderben ihnen offensichtlich den Appetit. Daher wird der Fliederstrauch als geeignete Bepflanzung von Gehegen empfohlen.

Flieder hat bedenkliche Inhaltsstoffe

Unbedenklich für Pferde

An Pferdekoppeln und Paddocks grenzen häufig Bäume und Sträucher, an denen Pferde gerne herumknabbern, wenn ihnen langweilig ist. Handelt es sich um einen Fliederbaum, können Sie Ihr Pferd unbesorgt gewähren lassen. In zahlreichen Pferdepensionen und Reitställen werden den Reitpferden Fliederzweige gezielt als Knabberäste angeboten.

Das sorgt nicht nur für Abwechslung im Alltag, sondern deckt zugleich teilweise den Bedarf an faserhaltiger Nahrung ab. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung schließt sich dieser Auffassung an und nennt den Fliederbaum als unproblematische Begrenzungspflanzung von Pferdeweiden.

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