Sind Lilien winterhart? So winterfest sind Lilium-Arten wirklich

Wenn sich das Laub der Bäume allmählich bunt färbt, naht der Herbst mit großen Schritten heran. Nun wird es Zeit, den Garten winterfest zu machen. Viele typische Gartenpflanzen überstehen die kalte Jahreszeit problemlos im Freien. Doch was ist mit den verschiedenen Lilien-Arten? Überstehen diese Frost und Feuchtigkeit oder müssen sie ausgegraben und frostfrei überwintert werden? Wie winterhart sind die gängigen Lilium-Arten tatsächlich?

Lilien und Liliengewächse

Verwechslungsgefahr: Nicht jede Lilie ist tatsächlich ein Liliengewächs

Nicht überall, wo sich eine „Lilie“ im Namen versteckt, handelt es sich tatsächlich um ein Liliengewächs. Sowohl die Taglilie (Hemerocallis), die Belladonna-Lilie (Amaryllis belladonna) sowie die Jakobslilien (Sprekelia formosissima) zählen nicht zu den Liliengewächsen. Echte Lilien erkennen Sie an ihrem botanischen Namen „Lilium“. Nichtsdestotrotz klären wir Sie an dieser Stelle auch über die tatsächliche Winterhärte der „falschen“ Lilien auf:

  •  Taglilien: winterhart bis – 15 °C oder – 20 °C, je nach Sorte
  •  Belladonna-Lilie / Echte Amaryllis: frostempfindlich, frostfrei bei 10 bis 15 °C überwintern
  •  Jakobslilie: frostempfindlich, frostfrei, trocken und dunkel bei etwa 15 °C überwintern
  •  Krötenlilie / Tigerstern: Tricyrtis hirta, kurzzeitig winterhart bis – 20 °C, dicke Mulchschicht schützt vor Erfrierungen
gelbrote Taglilie
gelbrote Taglilie

Winterharte Lilium-Hybriden

Noch vor wenigen Jahrzehnten galten echte Lilien als ausgesprochen kapriziös. Viele Arten, obwohl mehrheitlich auf der Nordhalbkugel beheimatet, waren für die meisten Regionen in Deutschland nicht ausreichend winterhart. Sie mussten im Herbst ausgegraben und frostfrei überwintert werden.

Heutzutage sind in den Gartencentern sowie im Fachhandel dagegen robuste, einfach zu pflegende und winterharte Hybriden erhältlich. Dabei handelt es sich um Kreuzungen verschiedener Lilienarten, die anschließend nicht nur auf Schönheit, sondern auch auf weitere erwünschte Eigenschaften wie etwa  Winterhärte selektiert wurden. Deshalb können Sie moderne Liliensorten, bis auf wenige Ausnahmen, unbesorgt im Garten lassen und sie mit wenigen Schutzmaßnahmen über den Winter bringen.

 

Diese Lilien können im Winter draußen bleiben

Besonders gut für den Winter gerüstet sind die folgenden Lilienarten:

  • Asiatische Lilie: häufigste Hybrid-Sortengruppe, in der Regel frostfest, benötigen jedoch leichten Winterschutz
  • Orientalische Lilie: überwiegend aus Japan stammende Hybridzüchtungen, in der Regel frostfest, benötigen jedoch leichten Winterschutz
  • Türkenbundlilie: einheimische Art, winterhart, kein besonderer Winterschutz notwendig
  • Chinesische Berglilie: gehört zu den chinesischen Türkenbundlilien, frost- und winterfest, leichter Winterschutz sinnvoll
  • Trompetenlilie: Lilium longiflorum-Hybriden, frost- und winterfest mit leichtem Schutz
  •  Königslilie / Weiße Lilie: Lilium regale, eine der bekanntesten Trompetenlilien, zuverlässig frosthart, leichter Schutz notwendig
  • Nepal-Lilie: Hybridzüchtung aus Lilium nepalense x oriental, winterhart, benötigt leichten Winterschutz
  • Kanada-Lilie / Kanadische Wasserlilie / Kanadische Wiesenlilie: Lilium canadense, in vielen Provinzen Kanadas heimische und verbreitete Art, gut winterfest, frosthart
  • Baumlilien: gut winterhart, allerdings leichter Winterschutz (Mulchschicht) sinnvoll
  • Feuerlilie: Lilium bulbiferum, heimische Art, kommt wild auf Wiesen vornehmlich in den Voralpen und im Harz vor, kein Frostschutz notwendig
  • Tigerlilie: Lilium lancifolium, heimisch in Ostasien, zuverlässig frosthart, verträgt jedoch keine winterliche Nässe
  • Pantherlilie: Lilium pardalinum, heimisch im westlichen Nordamerika, Winterschutz (Mulchschicht, z. B. Pinienrinde) sinnvoll
  • Prachtlilie: Lilium spec. rubrum, ausreichende Winterhärte
Königslilie
Königslilie

Nicht winterharte Lilien

Diese Lilien sind empfindlich

Im Gegensatz zu den oben aufgeführten Lilienarten und -hybriden sind sowohl die exotische Inkalilie als auch die Madonnenlilie nicht ausreichend winterhart und benötigen daher während der kalten Jahreszeit eine spezielle Pflege.

Die in den Subtropen beheimatete Inkalilie (Alstroemeria) übersteht einen Winter mit länger anhaltendem Frost nicht, auch wenn das Gewächs mit zunehmendem Alter an Winterfestigkeit gewinnt. In wintermilden Regionen (beispielsweise in Weinanbaugebieten) können die Zwiebeln in der Erde verbleiben, müssen aber mit einer dicken Mulchschicht abgedeckt werden. In Regionen mit wahrscheinlichen Frostperioden sind dagegen ein herbstliches Ausgraben sowie eine frostfreie Überwinterung zu empfehlen.

Die Madonnenlilie (Lilium candidum) zählt zu den ältesten Lilienarten überhaupt. Sie stammt aus der Mittelmeerregion, benötigt einen vollsonnigen und geschützten Standort – sowie einen ausreichenden Winterschutz. Gut mit Reisig und einer dicken Mulchschicht bedeckt, können die Blumenzwiebeln jedoch während der kalten Jahreszeit im Boden bleiben.

Inkalilien, Alstroemeria
Inkalilien, Alstroemeria

Lilien im Garten richtig überwintern

Ganz gleich, ob orientalische, asiatische oder andere winterharte Lilienarten: Bei den meisten ist während der Wintermonate ein leichter Schutz notwendig. Dieser besteht idealerweise aus einer Abdeckung mit Reisig, beispielsweise Tannen- oder Fichtenzweigen, die in erster Linie nicht vor Frost, sondern vor Nässe schützen sollen. Problematisch sind in vielen Fällen nicht unter Null fallende Temperaturen, sondern feuchte Winter. Nässe vertragen die meisten Lilien überhaupt nicht und faulen. Auch Feuchtigkeit in Kombination mit anhaltendem Frost kann für die Blumen tödlich werden: Die mit Wasser vollgesogenen Zwiebeln können aufplatzen und so zerstört werden. Der ideale Winterschutz für Lilium ist daher in erster Linie ein Schutz vor Nässe und erfolgt auf diese Weise:

  •  gelbe und braune Blätter bodentief herunterschneiden
  •  verwelkte Blüten ebenfalls
  •  Abdecken des Wurzelbereichs mit Kompost / Humus
  •  weitere Abdeckung mit Reisig

 

Lilien im Topf richtig überwintern

Werden die Blumen dagegen in Töpfen kultiviert, empfiehlt sich ein umfassenderer Schutz. Da sich in Pflanzgefäßen naturgemäß nur wenig Erde befindet, kann diese keinen ausreichenden Frostschutz bieten. Bestenfalls helfen Sie mit einem Vliesmantel nach, den Sie um den Topf wickeln. Das Gefäß wird wiederum auf eine isolierende Unterlage aus Holz oder Styropor gestellt und an eine Wand gerückt. Schneiden Sie zum Schluss die oberirdischen Pflanzenteile herunter und bedecken Sie den Wurzelbereich mit einer dicken Schicht Reisig.

Lilie im Topf überwintern

Frostfreies Überwintern der Lilienzwiebeln

Lilienarten, die nicht ausreichend winterfest sind, sollten dagegen im Herbst ausgegraben und frostfrei überwintert werden. Dabei gehen Sie wie folgt vor:

  •  Herunterschneiden verwelkter Blütenstände bzw. Samenstände
  •  Herunterschneiden gelber oder brauner Blätter
  •  Ausgraben der Zwiebeln, Abputzen anhaftender Erde
  •  Zwiebeln für zwei Tage an der Luft trocknen
  •  Holzkiste oder Korb mit Sägespänen füllen
  •  Zwiebeln luftig darin lagern
  •  Zwiebeln dunkel, trocken und frostfrei bei 10 bis 15 °C überwintern
  •  mögliche Überwinterungsorte: Keller, Garage, Gartenschuppen, Dachboden

Es ist unbedingt notwendig, erst die vergilbten bzw. verwelkten Blätter abzuschneiden, da die im grünen Laub enthaltenen Nährstoffe von der Zwiebel aufgenommen und für den erneuten Austrieb im Frühjahr benötigt werden.

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