Sind Zypressen giftig

Nahezu in fast jedem Garten sind Zypressen zu finden, entweder als Solitärpflanze, im Kübel oder auch als dichte Hecke. Sie sind vielseitig einsetzbar. Es handelt sich hierbei um immergrüne Nadelgehölze. Der Markt bietet dabei zahlreiche Zuchtformen an, welche sich in ihrer Wuchsform und Farbe unterscheiden. Allerdings sollte eine Anpflanzung auch immer gut durchdacht werden, denn Zypressen so schön sie auch aussehen, können gesundheitliche Schäden verursachen.

Zypresse oder Scheinzypresse?

Optisch gesehen gibt es zwischen beiden kaum einen Unterschied. Die Echte Zypresse (Cupressus) hat ihren Ursprung im Mittelmeerraum und Scheinzypressen (Chamaeocyparis) stammen hauptsächlich aus dem Nordwesten Amerikas, Nordwestafrika und Ostasien. Daneben gibt es auch zahlreiche Zuchtformen, die Bastardzypressen (Cupressocyparis). Alle Arten sind jedoch:

  • immergrün
  • bedingt winterhart
  • äußerst robust mit schnellem und dichtem Wuchs
  • pflegeleicht und langlebig

Typische Merkmale unterscheiden die Zypressen von den anderen immergrünen Nadelgehölzen wie beispielsweise

  • die Wuchsform von schmal-oder breitkegelförmig bis schmal säulenförmig, pyramidal, straff aufrecht, dicht geschlossen, einstämmig gut verzweigt und leicht überhängende Spitzen
  • schuppenförmig, kleines, gefiedertes Laub
  • nadelförmig, dichtes Laub steht kreuzgegenständig vom Ast ab
  • unterschiedliche Farben von Grün über Gelb bis Blau
  • eiförmige Zapfen, Größe von der Art abhängig
  • Zapfen öffnen sich erst nach Jahren bei großer Hitze
  • im Alter stark verholzter Stamm

Die Scheinzypresse hat im Vergleich zur Echten Zypresse etwas abgeflachte Zweige, kleinere Zapfen und eine frühere Samenreife.

Scheinzypresse
Scheinzypresse

Tipp: Zerriebene Nadeln der Scheinzypresse verströmen einen leichten Zitronenduft.

Giftigkeit

Sowohl bei der Echten Zypresse und auch Scheinzypresse sind alle Pflanzenteile giftig, hauptsächlich jedoch

  • die Blattspitzen
  • das Holz
  • der Zypressensaft und
  • die Fruchtkörper

Die darin enthaltenen ätherischen Öle können unter anderem Hautirritationen bis hin zu Vergiftungserscheinungen verursachen. Es reicht dabei mitunter schon der einfache Hautkontakt durch Berührungen. Hingegen können der Verzehr von Blattspitzen und Trieben, sowie der Saft der Zypresse zu schweren Vergiftungen führen.

Die wichtigsten giftigen Bestandteile in der Zypresse sind

  • Thujene
  • Pinene
  • Terpene
  • Camphen
  • Cedrol
  • Furfural
  • Semperviral
  • Sylvestren
  • Flavonoide und
  • diverse Gerbstoffe

Tipp: Trotz Giftigkeit wird dennoch aus den Früchten und jungen Blättern durch Destillation Zypressenöl (Oleum cupressi) hergestellt. Dieses wird in der Homöopathie gern als Heilmittel bei Gicht, Rheuma, Magenkatarrh, Augen- und Ohrentzündungen in geringen Dosen eingesetzt. Es wirkt desinfizierend und gefäßverengend.

Risikogruppen

Kinder und Schwangere

Die in der Zypresse vorhandenen ätherischen Öle sind im Allgemeinen mehr oder weniger gesundheitsschädigend. Allerdings können sie bei Kindern durchaus größere Schäden anrichten als bei Erwachsenen. Der kindliche Organismus ist noch nicht vollentwickelt und ist daher bei weitem anfälliger. Bei vorhandenen Zypressenpflanzungen im Garten oder bei Kübelhaltung auf Balkon und Terrasse ist es dabei ratsam immer ein waches Auge auf die Kinder zu haben. Natürlich sollten sie je nach Alter auch über die Giftigkeit des Nadelgehölzes aufgeklärt werden.

Daneben sollten auch Schwangere Abstand zu diesen Pflanzen halten und so den Kontakt vermeiden. Zypressen sind nicht nur für die werdende Mutter giftig, sondern das Gift kann auch dem Ungeborenen schaden. Es kann dabei sogar zu Fehlgeburten kommen.

Kleinkinder auf Wiese

Tiere

Nicht nur für den Menschen sind die Inhaltsstoffe der Zypressen und Scheinzypressen gefährlich, sondern auch für Hund, Katze, Nager (Meerschweinchen, Hamster) und ebenso für Weidetiere, beispielsweise Pferde.

Durch den ausgeprägten Spiel- und Jagdtrieb bei Hunden und die Neugierde der Katzen kann es schnell passieren, dass diese Tiere in Kontakt mit Pflanzenteilen kommen. Durch die Aufnahme von beispielsweise Blättern und anschließendem Kauen können durch die Speichelbildung leicht die ätherischen Öle aufgenommen werden und es zu Vergiftungserscheinungen wie

  • Magen- und Darm-Beschwerden
  • Krämpfe
  • Veränderungen an Leber und Nieren
  • erhöhtem Harnvolumen bei gleichzeitiger geringer Ausscheidung
  • bis hin zum Tod

    kommen.

Auch Pferde können bei einem erhöhten Verzehr von Blättern, sie mögen den Geruch, in eine lebensbedrohliche Gefahr kommen. Dabei können Bewusstseinsstörungen auftreten. Daneben besteht dann auch eine erhöhte Gefahr gegenüber Infektionen.

Vorsicht ist auch bei Rückschnitt von Zypressen geboten, wenn sich in der Nähe ein Gartenteich mit Fischen befindet. Sollte dabei Schnittgut in den Teich fallen, können Fische ebenfalls gesundheitliche Probleme bekommen. Diese können sogar je nach Höhe der Konzentration an ätherischen Ölen bis zum Tod führen.

Tipp: Beim Vorhandensein von Kleinkindern und Haustieren sollte nach Möglichkeit auf die Anpflanzung von Zypressen verzichtet werden.

Symptome

Erste Anzeichen einer Vergiftung

Normal sollte stets dafür gesorgt werden, dass es nicht zu einer Vergiftung durch Pflanzenteile der Zypresse kommen kann, egal ob durch Berührung oder Verzehr. Sollte es dennoch einmal passieren, muss schnellstens gehandelt werden. Dazu ist es auch notwendig, Symptome einer Vergiftung zu erkennen. Erste Anzeichen können sein

  • durch Berührungen starke Reizungen der Haut bis zur Blasenbildung
  • starke dunkelrote, schmerzhaft juckende Hautausschläge
  • Auftreten ausgeprägter Gewebeschäden
  • bei oraler Aufnahme starke Schleimhautreizungen
  • Übelkeit
  • starkes Erbrechen (grünlich eventuell blutig, typischer Geruch nach ätherischen Ölen)
  • Krampfanfälle
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Durchfall
  • Blähungen
  • Nierenschäden mit Absonderung von blutigem Urin möglich
  • Reizung der ableitenden Harnwege
  • Lähmungserscheinungen, eventuell auftretende Atemlähmung
  • Fehlgeburt bei Schwangeren
  • bei starker Vergiftung Tod möglich

Tipp: Zypressen können die Giftstoffe auch an die Luft abgeben. Diese Tatsache ist bei einer Anpflanzung zu bedenken. Sensible Personen können hierdurch bereits gesundheitlich geschädigt werden.

Taxodium distichum, Echte Sumpfzypresse
Taxodium distichum, Echte Sumpfzypresse

Erste Hilfe

Sollte eine Vergiftung durch Pflanzenteile der Zypresse erfolgt sein, ist unbedingtes Handeln notwendig, um schlimmere Folgen zu verhindern. Besonders Kleinkinder können diese in den Mund nehmen und dabei schnell verschlucken. Falls nicht genau feststeht, ob es sich wirklich um eine Vergiftung durch Zypressen handelt, muss umgehend die Giftnotrufzentrale angerufen werden. Hier können dann alle weiteren Maßnahmen abgeklärt werden. Folgende Angaben müssen dabei getätigt werden:

  • Schilderung der genauen Symptome
  • Vermutungen über die Ursache
  • welche Menge aufgenommen wurde
  • wie lange die Aufnahme zurückliegt
  • wer betroffen ist (Alter, Körpergewicht)

Gleichzeitig ist es auch notwendig entweder einen Arzt aufzusuchen oder den Notarzt zu rufen. Bis dahin sollte folgendes beachtet werden:

  • stets Ruhe bewahren
  • Empfehlungen vom Giftnotruf befolgen
  • entsprechende Pflanzenteile sicherstellen
  • ebenso Erbrochenes
  • vorschnelle oder gefährliche Hilfsmaßnahmen vermeiden
  • Erste Hilfe nur in Notfällen, wenn Arzt nicht schnell genug vor Ort ist
  • Arzt über alle Maßnahmen und Informationen des Giftnotrufs informieren

In den meisten Fällen erbrechen Betroffene nach der Aufnahme von giftigen Pflanzenteilen von selbst. Sollte dies nicht der Fall sein, dann kann etwas nachgeholfen werden, immer in Absprache mit dem Arzt oder Giftnotruf:

  • Finger tief in den Mund stecken und dabei kräftig auf den Zungengrund drücken
  • 1 bis 2 Gläser lauwarmen Himbeersaft oder lauwarmes Wasser verabreichen
  • stabile Seitenlage, wenn Geschädigter bewusstlos ist, Atmung beobachten, Vorsicht bei Erbrochenem – Erstickungsgefahr
  • bei Bewusstsein – Kind in Bauchlage über Oberschenkel legen
  • Kopf muss dabei etwas nach unten hängen, damit Erbrochenes nicht in Luftröhre gelangt
  • niemals Salzwasser geben (besonders für kleine Kinder gefährlich)
  • niemals Milch verabreichen (beschleunigt Giftstoffaufnahme aus dem Darm)
  • in Absprache mit Giftnotruf oder Arzt Gabe von Aktivkohletrunk möglich (1g medizinische Kohle pro kg Körpergewicht)
Leyland-Zypresse
Leyland-Zypresse

Tipp: Aktivkohle bindet Giftstoffe im Verdauungstrakt und verhindert somit die Aufnahme im Körper. Anwendung auch bei Vergiftungen beim Hund. Daher sollte Aktivkohle in keiner Notfallapotheke fehlen.

Zypressen-Vergiftung vorbeugen

Es muss aber nicht immer gleich zu einer Vergiftung kommen. Dazu sollten einige Maßnahmen beachtet werden:

  • beim Umgang mit Zypressen stets Hände waschen
  • mit Händen nicht Gesicht, Mund und Augen berühren
  • stets Handschuhe, langärmlige Kleidung und gegebenenfalls Augenschutz tragen (Resorption des Giftes über Haut möglich)
  • Rückschnitt nicht liegen lassen, sofort entsorgen
  • Kinder und Haustiere dabei im Auge behalten
  • ausreichend Abstand zum Nachbargrundstück einhalten
  • ebenfalls großen Abstand zum Zaun halten, falls eine Weidefläche angrenzt
  • vielleicht generell auf Anpflanzungen von Zypressen verzichten

Tipp: Alternativ lässt sich für eine Heckenpflanzung ebenso Hainbuche, Gemeine Buche oder Bambus verwenden.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag keinesfalls einen Arztbesuch ersetzt. Es besteht keine Gewährleistung auf Richtigkeit medizinischer Aussagen.
Ausführliche Informationen zur ersten Hilfe bei Vergiftungen und wichtige Angaben zu den Giftnotrufzentralen finden Sie hier.

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