Stachelbeeren schneiden – der beste Zeitpunkt und Anleitung

Stachelbeeren am Strauch

Leckere Stachelbeeren im eigenen Garten um diese direkt vom Strauch in den Mund zu naschen oder zu Marmelade und anderen schmackhaften Gerichten zu verarbeiten wünschen sich viele Hobbygärtner. Die Pflege ist relativ einfach doch für eine reichhaltige Ernte muss der  Stachelbeerstrauch regelmäßig zurückgeschnitten werden. Wann hierzu der passende Zeitpunkt ist, welches Werkzeug hierfür Idealerweise genutzt wird und wie in der Regel zurückgeschnitten werden sollte, wird im folgenden Artikel genau beschrieben.

Idealer Zeitpunkt

Der ideale Zeitpunkt, um Stachelbeeren zu schneiden, egal ob als Strauch, Hochstämmchen, Spalier oder Spindel ist das Frühjahr im März. Hier sollte für den Rückschnitt ein warmer, regenfreier und doch bedeckter Tag gewählt werden. So können sich die Schnittstellen besser erholen und schneller abtrocknen. Auf diese Weise wird der Strauch besser geschützt vor eindringenden Krankheiten oder einem Pilzbefall. In der Regel sollte darauf geachtet werden, dass sich am Tag des Schneidens noch keine Blüten gebildet haben.

Stachelbeerenstrauch im Gartenbeet

Richtig schneiden

Stachelbeeren wachsen, wie die meisten Beerensträucher, direkt aus der Wurzel mit einzelnen Trieben nach oben. Damit ein guter Ertrag in der Ernte gesichert wird, muss der Stachelbeerstrauch regelmäßig geschnitten werden, damit die Triebe sich nicht gegenseitig das Licht nehmen. Daher sollten auch nach Innen wachsende Triebe entfernt werden.

Denn sonst bleiben die Früchte klein und bei Sträuchern mit Stacheln sind diese dann auch bei zu eng stehenden Trieben kaum noch zu erreichen. Hinzu kommt, dass ein einzelner Trieb nur maximal fünf Jahre Beeren trägt. Sind die Triebe daher älter, müssen sie entfernt werden.

Beim Schnitt sollte daher wie folgt vorgegangen werden:

  • als Strauch kultiviert ist ein Schnitt in den ersten drei Jahren nicht nötig
  • acht bis zwölf Haupttriebe entwickeln lassen, den Rest schneiden
  • vor der Blüte Triebe direkt über dem Boden entfernen
  • jeder Trieb, der bestehen bleibt, benötigt genügend Licht
  • daher so entfernen, dass sich die restlichen Triebe gut verteilen
  • in den weiteren Jahren neue Triebe stehen lassen
  • Triebe, die älter als fünf Jahre sind, entfernen
  • diese bringen keine Erträge mehr
  • Neutriebe jedoch einkürzen
  • bis auf fünf bis sechs Augen zurückschneiden

Der Stachelbeerstrauch sollte in jedem Jahr einen Schnitt erhalten, bei dem die alten Triebe ganz entfernt und die verbleibenden, jüngeren Triebe wie oben beschrieben zurückgeschnitten werden. Damit der Hobbygärtner weiß, wie alt die einzelnen Triebe sind und wann sie geschnitten werden müssen, sollten in jedem Jahr die neuen Triebe, die gewachsen sind und stehenbleiben sollen, mit einem farbigen Band markiert werden.

nach innen wachsende Triebe an Stachelbeeren sollten verschnitten werden

So ist immer genau zu erkennen, wie alt die Triebe sind und wann diese zu alt für einen weiteren Ertrag geworden sind und ganz entfernt werden. So wird Idealerweise für jedes Jahr eine andere Farbe an Bändern genommen. Ein idealer Stachelbeerstrauch sollte in den nächsten Jahren über jeweils zwei einjährige, zweijährige, dreijährige und vierjährige Haupttriebe verfügen.

Als Hochstamm kultivieren

Als Hochstämmchen werden winterharte Sträucher bezeichnet, die so durch einen Schnitt kultiviert wurden, dass sie nur einen kurzen, geraden Stamm mit einer buschigen Krone besitzen. So können auch Stachelbeeren nicht nur als Strauch sondern auch als Hochstamm und somit als Stachelbeerbaum kultiviert und herangezogen werden. Wer keinen Baum direkt im Gartenhandel kaufen möchte, kann den Hochstamm auch selbst heranziehen, was jedoch nicht ganz einfach ist. Bei der Erziehung der Stachelbeere zum Bäumchen sollte daher wie folgt vorgegangen werden.

  • ein gerader, kräftiger Mitteltrieb ist wichtig für die Anzucht
  • dieser wird an einem Stab zur Stütze befestigt
  • alle weiteren Triebe werden direkt über der Wurzel entfernt
  • auch alle eventuellen sich am Haupttrieb bildenden Seitenzweige entfernen
  • ist die gewünschte Höhe erreicht, die Triebspitze bis auf drei bis vier Blätter entfernen
  • so wird die Stammhöhe festgelegt
  • hier oben bilden sich nun neue Seitentriebe, die ebenfalls gekürzt werden
  • auf diese Weise bildet sich eine dichte, runde Kugel
  • wächst der Stamm in die Breite, kann der Stab entfernt werden

Stachelbeeren als Hochstamm kultivieren

Nicht nur für den dekorativen Anblick eignen sich Stachelbeeren als Hochstämmchen kultiviert, die sogar in einem Kübel auf Balkon oder Terrasse ihren Platz finden können, auch die Ernte fällt bei einen Stachelbeerbaum häufig reichhaltiger aus, als bei einem Strauch.

Stachelbeerbaum schneiden

Damit auch der Baum viele Stachelbeeren trägt, muss auch die Krone regelmäßig geschnitten werden. Dies erfolgt in der Regel zum selben Zeitpunkt im Frühling, wie auch bei den Sträuchern. Beim Schnitt des Stachelbeerbaums, ob selbst gezogen oder im Handel bereits fertig gekauft, sollte wie folgt vorgegangen werden.

  • einen Form- und Erhaltungsschnitt durchführen
  • hierzu auslichten
  • alle trockenen, reibenden und eng stehenden Triebe entfernen
  • die Richtung Boden wachsenden Äste abschneiden
  • hiervon nur etwa fünf bis sieben stehen lassen
  • je Ast etwa zwei bis drei Seitentriebe belassen
  • die weiteren bis auf zwei Augen einkürzen
  • auch hier darauf achten, wie alt die Triebe jeweils sind

An einem Hochstämmchen tragen die vorjährigen Triebe die Früchte, darauf muss bei einem Schnitt unbedingt geachtet werden. Die Krone sollte luftig und sonnen- und lichtdurchlässig sein, so ist eine reichhaltige Ernte gesichert.

Verkahltes Hochstämmchen retten

Im Gegensatz zu einem Strauch oder Spalierobst kann die Krone des Hochstammes verkahlen, wenn nur in einem Jahr der Rückschnitt versäumt wurde. Dann trägt der Baum nur noch wenige und kleine, unausgebildete Stachelbeeren. Um den Baum zur retten, hilft nur ein radikaler Schnitt, bei dem wie folgt vorgegangen werden sollte.

  • nur fünf Äste stehen lassen
  • alle anderen radikal schneiden
  • die verkahlten Triebe ebenfalls direkt am Stamm schneiden
  • die Äste, die stehenbleiben, bis auf zwei Augen kürzen
  • so werden in der Regel neue Schößlinge gebildet
  • es bildet sich oberhalb der alten Krone eine neue

Um einer weiteren Verkahlung vorzubeugen, sollte in den Folgejahren wieder ein regelmäßiger, jährlicher Schnitt im Frühling erfolgen.

Stachelbeeren sollten regelmäßig geschnitten werden

Spalierobst schneiden

Spalierost ist in vielen Hobbygärten beliebt, da es vielseitig einsetzbar und auch platzsparend ist.  So werden viele Bäume und Sträucher oft auch als natürlicher Zaun entlang der Gartengrenze zum Nachbarn gezogen.

Dies hat die Vorteile, dass der Hobbygärtner reichhaltig Obst ernten kann, die Obstpflanzen jedoch als schmale Begrenzung wenig Platz benötigen, Auch ein oder mehrere Stachelbeersträucher können so als Spalierobst gezogen werden. Der Schnitt hierbei ist im Grunde genommen gleich dem Schnitt eines Strauches, dennoch muss hier noch auch verschiedene weitere Dinge geachtet werden.

  • Raum zur Entfaltung bieten
  • es können mehr als acht bis zwölf Haupttriebe verbleiben
  • Ruten, die sich zu weit vom Stock entwickeln, entfernen
  • alle Basistriebe, die älter als vier Jahre sind, schneiden
  • Seitentriebe mit Früchten finden mehr Halt am Spalier
  • Leitast kann durchaus mehr als zwei bis drei Triebe tragen

Spindelstrauch bei wenig Platz

In letzter Zeit liegt es auch immer mehr im Trend, Sträucher als eine schlanke Spindel anzulegen. So geht dieses Verfahren durchaus auch mit einem Stachelbeerstrauch, vor allem, wenn nicht genügend Platz zur Verfügung steht. Durch gezieltes Beschneiden kann jeder Hobbygärtner seinen Stachelbeerbaum in die Form einer schlanken Spindel erziehen.

Dabei sollte wie folgt vorgegangen werden:

  • beim Einpflanzen einen Stab von 150 bis 200 cm Höhe mit einsetzen
  • hieran den kräftigsten Trieb anbinden
  • Seitentriebe zurückschneiden, es bleiben zwei Augen stehen
  • weitere Triebe bis auf den Boden zurückschneiden
  • den Haupttrieb während des Wachstums weiter am Stab befestigen
  • so werden in der Höhe einige Früchte gebildet

Dieses Verfahren ist natürlich nur sinnvoll, wenn wirklich kaum Platz vorhanden ist, etwa nur ein sehr kleiner Balkon, auf dem ein Strauch oder ein Hochstamm keinen Platz finden würde. Die Ernte fällt bei diesem Verfahren als Spindel weitaus geringer aus.

Werkzeug

Das richtige Werkzeug ist wichtig, damit der Stachelbeerstrauch oder -baum keinen Schaden nimmt, wenn er geschnitten wird. So ist es vor allem wichtig, dass das Schneidewerkzeug scharf ist und vor dem Rückschnitt desinfiziert wurde. Hierzu wird reiner Alkohol aus der Apotheke oder ein spezielles Desinfektionsmittel aus dem gut sortierten Gartenhandel verwendet.

Dies ist wichtig, damit keine Bakterien oder Krankheiten in die Schnittstelle eindringen können. Je nachdem, ob es sich bei den im eigenen Garten kultivierten Stachelbeeren um ein Exemplar mit Dornen handelt, sollten beim Arbeiten mit dem Strauch vorsichtshalber auch Gartenhandschuhe getragen werden, denn ansonsten ist die Verletzungsgefahr an den Dornen groß.

Stachelbeeren sollten korrekt geschnitten werden

Daneben wird folgendes Werkzeug für einen Rückschnitt empfohlen:

  • Rosenschere
  • scharfes Messer
  • um sich vor den Dornen zu schützen, hilft eine Astschere
  • diese ist im Schaft länger und die Dornen werden nicht von den Händen berührt
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