Starkzehrer

Dass Pflanzen zum Überleben neben Wasser und Licht auch verschiedene Nährstoffe brauchen, ist allgemein bekannt. Deshalb gehört zur Pflanzenpflege nicht nur eine ausreichende Versorgung mit Wasser, sondern auch eine mit Nährstoffen, damit sich die Pflanzen gut entwickeln können. Wie reichlich die verschiedenen Blumen, Gemüsesorten oder Zierpflanzen mit Nahrung versorgt werden müssen, hängt dabei von der jeweiligen Pflanze ab. So gibt es Exemplare, die äußerst genügsam sind und andere, die hingegen umgangssprachlich als „Vielesser“ bezeichnet werden. Diese sogenannten Starkzehrer brauchen ein nährstoffreiches Erdreich, das regelmäßig erneuert bzw. gedüngt werden muss, damit sie sich gut entwickeln.

Starkzehrer

Geht es bei Pflanzen um den Bedarf an Nährstoffen, dann wird oft von Schwach-, Mittel- und Starkzehrern gesprochen. Konkret geht es bei dieser Einteilung um den Verbrauch von Stickstoff (N), den die Pflanzen dabei für ihre Entwicklung brauchen. So ist der Bedarf an Stickstoff bei Starkzehrern hoch und bei Schwachzehrern dagegen gering. Die Gruppe der Mittelzehrer umfasst dann Pflanzenarten, deren Stickstoffverbrauch zwischen den beiden anderen Gruppen liegt. Starkzehrende Pflanzen werden dabei oft ausschließlich mit Nutzpflanzen gleichgesetzt. Es gibt aber auch viele Zierpflanzen, die zu dieser Gruppe gehören. So finden sich beispielsweise auch unter Teichpflanzen und Kakteen starkzehrende Arten. Außerdem muss zwischen ein- und mehrjährigen Starkzehrern unterschieden werden. Zudem müssen Starkzehrer nicht ausschließlich im Garten ausgepflanzt werden, sie lassen sich, bei entsprechendem Substrat, auch auf Balkon, Terrasse oder als Zimmerpflanzen kultivieren.

Tipp: Da starkzehrende Pflanzen einen hohen Nährstoffbedarf haben, sollten v.a. Zierpflanzen und Blumen, die auf Balkon oder Terrasse im Kübel oder Topf gehalten werden, dementsprechend regelmäßig gedüngt werden.

Nutzpflanzen

Wer im Garten Gemüse anbaut, wird vielleicht schon bemerkt haben, dass die Erträge verschiedener Gemüsesorten im zweiten Erntejahr deutlich geringer ausfallen, obwohl im Vorjahr noch stattliche Ernteerfolge erzielt werden konnten. Können Witterung, Schädlinge und Krankheiten ausgeschlossen werden, dann liegt dies wahrscheinlich daran, dass der Boden im Vorjahr von starkzehrenden Gemüsesorten ausgelaugt ist, und die neuen Starkzehrer nicht mehr genug Stickstoff im Boden vorfinden. Mit anderen Worten, es geht um die Fruchtfolge im Gemüsegarten. D.h., ist das Gemüse starkzehrend, muss sein Platz im Gemüsegarten jährlich wechseln, damit

  • die Pflanzen genügend Stickstoff vorfinden
  • sich der Boden dennoch erholen kann

Dies gilt dabei für viele Gemüsesorten aus den Pflanzenfamilien der Kreuzblütler (Brassicaceae), Nachtschattengewächse (Solanaceae), Kürbisgewächse (Curbitaceae), Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae), Korbblütler (Asteraceae), Lauchgewächse (Allioideae), Doldenblütler (Apiaceae), Mittagsblumengewächse (Aizoacea) und Süßgräser (Poaceae). Folglich sind dies:

Kreuzblütler

  • Blumenkohl
  • Brokkoli
  • Chinakohl
  • Romanesco
  • Rotkohl
  • Rosenkohl
  • Spitzkohl
  • Weißkohl
  • Wirsing
  • Speiserüben (Mai- und Herbstrüben)
  • Radieschen und Rettich
  • Rucola
starkzehrende Kreuzblütler
Romanesco, Radieschen, Rosenkohl

Kürbisgewächse

  • Gurken
  • Kürbis
  • Melonen (Wasser- und Zuckermelonen)
  • Zucchini

Fuchsschwanzgewächse

  • Echter Spinat
  • Mangold
  • Rote Bete
  • Zuckerrübe
starkzehrende Fuchsschwanzgewächse
Mangold. Rote Bete

Korbblütler

  • Artischocke
  • Endivie

Lauchgewächse

  • Lauch (Porree)

Doldenblütler

  • Möhren
  • Sellerie
  • Fenchel

Mittagsblumengewächse

  • Neuseeländer Spinat

Nachtschattengewächse

  • Aubergine
  • Kartoffel
  • Paprika (auch Peperoni und Chili)
  • Tomate
starkzehrende Nachtschattengewächse
Tomaten, Aubergine

Süßgräser

  • Zuckermais

Neben diesen Gemüsen, gibt es aber auch Nutzpflanzen, die starkzehrend und standorttreu sind. Das meint, dass sie über mehrere Jahre am selben Standort kultiviert werden können. Dies setzt jedoch voraus, dass der Boden jährlich entsprechend aufbereitet, also mit Nährstoffen versorgt wird. Dazu empfiehlt sich Kompost, pflanzliche Jauche oder aber Hornmehl. Zu den standorttreuen Nutzpflanzen gehören:

  • Knöterichgewächse (Polygonaceae): Rhabarber
  • Spargelgewächse (Asparagaceae): Spargel
  • Rosengewächse (Rosaceae): Erdbeeren

Tipp: Bei Erdbeeren sollten Sie nach drei Jahren den Standort wechseln.

Fruchtfolge und Fruchtwechsel

Obwohl die beiden Begriffe „Fruchtfolge“ und „Fruchtwechsel“ im Hobbygarten oft synonym verwendet werden, soll auf den kleinen Unterschied zwischen den beiden Begriffen aufmerksam gemacht werden. So wird unter „Fruchtfolge“ der Anbau von Nutzpflanzen, wie zum Beispiel von Gemüse, innerhalb eines Jahres verstanden, während sich „Fruchtwechsel“ auf den Anbau verschiedener Nutzpflanzen in unterschiedlichen Jahren bezieht.

Für eine üppige Ernte von Gemüse, das starkzehrend ist, sollten Sie, wie bereits erwähnt, auf den Fruchtwechsel achten. Für den optimalen Fruchtwechsel sollten Sie den Gemüsegarten deshalb in drei bis vier Zonen einteilen. So kann sich nicht nur der Boden erholen, sondern Sie haben auch eine breite Vielfalt an Gemüse. Damit sich der Kreislauf schließen kann, gehen Sie folgendermaßen vor:

  • 1. Jahr: Starkzehrer-Beet
  • 2. Jahr: Mittelzehrer-Beet
  • 3. Jahr: Schwachzehrer-Beet
  • 4. Jahr: Erholungsbeet (wenn genügend Platz ist)

Konkret bedeutet dies, dass im Folgejahr die Mittelzehrer ins Beet der Starkzehrer rücken, die Schwachzehrer ins Mittelzehrer-Beet und die Starkzehrer ins Erholungsbeet kommen, denn dieses wird am Ende des 4. Jahres wieder auf Gemüse vorbereitet, das starkzehrend ist. Wer dabei für zusätzliche Abwechslung im Nutzgarten sorgen will, kann bei der Fruchtfolge auch auf Blumen zurückgreifen. Dabei empfehlen sich für das 3. Jahr zum Beispiel verschiedene schwachzehrende Sommerblumen oder Ringelblumen für das 4. Jahr.

Fruchtwechsel

Weiter sollten Sie bei der Fruchtfolge beachten, dass Sie keine Gemüsesorten in den Folgejahren im selben Beet anbauen, dass zur gleichen Pflanzenfamilie gehört, da diese Pflanzen im Vergleich zu anderen Pflanzenfamilien oft einen sehr ähnlichen Nährstoffbedarf haben. Außerdem ist Gemüse aus der gleichen Pflanzenfamilie anfällig für die gleichen Krankheiten und Schädlinge, die gerne auch im Erdreich überwintern.

Tipp: Damit Sie nicht den Überblick verlieren, empfiehlt sich hierzu ein genauer Anbauplan für den Gemüsegarten. So kommt das Gemüse dann jedes Jahr an den richtigen Platz.

Kräuter

Ob wohl viele bekannte Kräuter, wie zum Beispiel Thymian, Koriander oder Currykraut, einen geringen Nährstoffbedarf haben, gibt es auch Küchenkräuter, die starkzehrend sind. Sie brauchen für ein kräftiges Wachstum einen humosen sowie nährstoffreichen Boden. Starkzehrer unter den Kräutern sind zum Beispiel:

Zierpflanzen

Zierpflanzen erfreuen uns mit ihrer üppigen Blütenpracht, wobei auch hier darauf geachtet werden muss, ob die Blumen starkzehrend sind oder nicht. Einen hohen Bedarf an Nährstoffen haben dabei:

  • Astern
  • Bambusse
  • Chrysanthemen
  • Dahlien
  • Echter Jasmin
  • Engelstrompete
  • Geranien
  • Montbretie
  • Oleander
  • Petunien
  • Phlox
  • Rittersporne
  • Sonnenblumen
  • Stechäpfel (Datura)
  • Steppenkerzen
  • Tagetes
  • Tulpen
  • Wasserdost
  • Zitrusbäumchen
  • Zweizähne (Bidens)
starkzehrende Zierpflanzen
Rittersporn, Dahlie, Montbretie

Zimmerpflanzen

Wie bei Gemüsesorten, Garten- und Balkonpflanzen gibt es ebenso auch bei Zimmerpflanzen Starkzehrer. Diese sollten dabei einmal pro Woche mit einem Flüssigdünger gedüngt werden. Zu den starkzehrenden Zimmerpflanzen gehören zum Beispiel:

  • Calla
  • Goldtrompete
  • Hibiskus

Teichpflanzen

Werden starkzehrende Pflanzen im Gartenteich oder an seinem Ufer gepflanzt, dann helfen sie auch gegen Algen im Teich. Zu den starkzehrenden Teichpflanzen gehören somit:

in der Uferzone

  • Binse und Zwerbinse
  • Igelkolben
  • Kleiner und Großer Rohrkolben
  • Sumpfiris

im Flachwasser

  • Kalmus
  • Pfennigkraut
  • Riesenvallisneria
  • Schwanenblume
  • Tannenwedel

im tiefen Wasser bzw. unter Wasser

  • Dichtblättrige Wasserpest
  • Hornkraut
  • Kanadische Wasserpest
  • Seerose
  • Tausendblatt
  • Schwimmpflanzen
  • Algenfarn
  • Dreifurchige Wasserlinse
  • Froschbiss
  • Schwimmfarn
  • Sternlebermoos
starkzehrende Teichpflanzen
Seerose, Brasilianisches Tausendblatt

Kakteen

Kakteen gelten mitunter als eher genügsame Pflanzen. Aber auch hier gibt es Starkzehrer, die sich für eine reichliche Ernährung bedanken. Zu den starkzehrenden Kakteen gehören schließlich:

  • Trichocereus
  • Opuntien
  • winterharte Kakteen

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