Tanne schneiden

Wenn eine frisch gepflanzte Tanne zu wachsen beginnt, fügen sich die neuen Triebe meist harmonisch ein. Kaum ein Besitzer wird das Verlangen verspüren, nach der Schere zu greifen. Doch mit den Jahren erobert sie immer mehr Raum im Garten. So kann es unumgänglich werden, einige Zweige zu kürzen. Doch wenn der Schnitt nicht an der richtigen Stelle erfolgt, treibt die Tanne nicht neu aus. Deswegen sollten Sie folgende Infos beachten.

Tanne schneiden

Die Äste ragen über den Zaun oder ein Sturm hat die Tanne entstellt? Es gibt zahlreiche Gründe, die einen Tannenschnitt notwendig machen.

Jungtanne nicht schneiden

Bei der Pflanzung und in den darauffolgenden zwei Jahren sollten Sie eine Jungtanne nicht schneiden. Tannen, botanisch Abies, bilden gleichmäßig geformte, optisch ansprechende Kronen aus. Ein Schnitt raubt ihnen lediglich ihren wertvollen Austrieb und wirft sie in ihrer Entwicklung zurück.

Erziehungsschnitte

Auch nach dem dritten Lebensjahr sind selten Erziehungsschnitte notwendig. Nur wenn die Wuchsform in einigen Punkten von der Norm bzw. der Erwartung des Besitzers abweicht, kann mit der Schere korrigierend eingegriffen werden. Das Schneiden sollte sich auch dann auf ein Minimum beschränken. Nachfolgend werden vier Situationen näher beschrieben, in denen erzieherisch gehandelt werden sollte.

Verzweigung fördern

Wächst der Baum nicht dicht genug, kann ein regelmäßiger Schnitt die Verzweigung fördern. Eine Abies treibt alljährlich nur an den Enden der Zweige aus. Dieser Umstand macht es dem Besitzer einfach, den Schnitt auszuführen.

  • im Frühjahr handeln
  • kurz bevor das frische Grün austreibt
  • Spitzen gleichmäßig schneiden
  • keine Zweige auslassen

Korea-Tanne, Abies koreana

Gerade Mitte

Aufrecht wachsende Tannensorten haben in der Regel eine typische Form: An einem durchgehenden Mitteltrieb befinden sich viele waagerechte Seitenzweige. Insbesondere bei veredelten Tannen ist gelegentlich zu beobachten, dass der Mitteltrieb nicht kerzengerade nach oben wächst, sich stattdessen zu Seite neigt. Greifen Sie jedoch nicht voreilig zur Schere, denn danach kann sich die Tannenspitze unvorteilhaft verzweigen.

  • Mitteltrieb geradebiegen
  • einen stabilen, langen Pfahl anlegen
  • beide fest miteinander verbinden
  • stützenden Pfahl längere Zeit dran lassen
  • bis der Mitteltrieb stabil gerade steht

Mitteltriebe auslichten

Es kommt vor, dass eine Abies gleichzeitig mehrere senkrechte Mitteltriebe ausbildet. Für die typische Tannenform wird jedoch nur ein Mitteltrieb benötigt. Hinzu kommt, dass die Mitteltriebe den Baum zu kopflastig werden lassen. Folglich können Baumteile abbrechen.

  • einen Mitteltrieb auswählen
  • andere Mitteltriebe abschneiden
  • am besten noch im ersten Jahr
  • der Sommer eignet sich dafür ideal

Abgebrochene Tannenspitze ersetzen

Wenn bei einem Jungbaum die Spitze abgebrochen ist, zum Beispiel beim Transport, muss ein Seitentrieb so erzogen werden, dass er zukünftig die Funktion der Tannenspitze übernimmt. Dafür ist Schneiden notwendig.

  • Leittrieb sofort glatt einkürzen
  • bis zum nächsten Zweigquirl schneiden
  • einen kräftigen Seitentrieb auswählen
  • senkrecht hochleiten
  • vorübergehend mit einem Bambusstab fixieren

Erhaltungsschnitte

Im Grunde sind Tannen angenehme Gartenbewohner. Während bei anderen Bäumen in keinem Jahr der Schnitt ausbleiben darf, können Tannen gut und gerne darauf verzichten. Nicht nur weil sie der Verlust ihrer Äste schmerzen würde, sondern weil kaum Anlass dazu besteht. Deswegen wird die Schere nur dann in die Hand genommen, wenn wirklich etwas geschnitten werden muss.

  • trockene Äste entfernen
  • abgebrochene Äste zurückschneiden
  • zu lange Seitentriebe einkürzen
  • dabei maßvoll vorgehen
  • auf kürzeren Seitentrieb umleiten
  • die Spitze des Seitentriebs verschlanken

Achten Sie bei allen Schnittmaßnahmen darauf, die pyramidale Form des Nadelbaumes zu erhalten. Diese Form ist nicht nur unter optischen Gesichtspunkten optimal. Sie stellt sicher, dass auch untere Zweige genügend Licht bekommen und der Baum nicht verkahlt.

Aufasten

Die untersten Seitenäste befinden sich oft knapp über dem Boden. Ein schattiger Sitzplatz unter einer großen Abies ist damit unmöglich. Doch Sie können mit der Astschere bedenkenlos freien Raum schaffen.
Schneiden Sie rundherum und nah am Stamm ab. Sie dürfen so viele Äste schneiden, wie es Ihnen notwendig erscheint. Die Tanne wird aus dem Stamm nicht neu austreiben, sodass der neu geschaffene Platz für die Dauer ist. Durch das Abschneiden kompletter Äste wird die Gesamtproportion der Tanne nicht gestört.

Verjüngung

Wenn bei einem alten Tannenbaum der Neuaustrieb im Verhältnis zur Baumgröße eher bescheiden ausfällt und er immer mehr verkahlt, sollen Schnittmaßnahmen den „alten Greis“ zu neuem Leben erwecken. Doch dieser Baum lässt sich nicht so einfach verjüngen. Zumindest nicht mit einem Radikalschnitt. Wer das dennoch versucht, wird mit einem kahlen, verstümmelten Baum belohnt. Das wird kaum so beabsichtigt sein. Der Grund für das unerfreuliche Ergebnis liegt darin, dass die Tanne aus altem Holz nicht mehr neu austreibt. Als gerade noch machbar gelten Rückschnitte ins 3 bis 4-jährige Holz. Doch auch dann kann der Neuaustrieb ausbleiben oder verzögert erfolgen.

Da nur Rückschnitte im benadelten Bereich zu neuem Austrieb führen, darf mit einem verjüngenden Rückschnitt nicht gewartet werden. Lenken Sie in regelmäßigen Abständen waagerechten Triebe rechtzeitig auf kürzere Seitentriebe um, deren Spitze Sie anschließend verschlanken.

grieschiche Tanne schneiden
grieschiche Tanne, Abies cephalonica

Die Breite begrenzen

Bei der Pflanzung wird der zukünftige Raumbedarf von Tannen oft unterschätzt. Deswegen wird so manche Sorte in einem zu kleinen Garten gepflanzt oder mit einem zu geringen Abstand zu anderen Bäumen bzw. Gebäuden. Erst wenn die Abies auslandend breit geworden ist, kommen trotz ihrer Schönheit und womöglich noch sehr dichtem Nadelkleid Überlegungen, sie zu verschlanken. Auch hier gilt, was zur Verjüngung bereits geschrieben wurde. Schneidet man ins alte Holz, treibt die Tanne nicht mehr aus. Deswegen sollte man die Breite des Baumes beizeiten im Auge behalten und durch regelmäßiges, maßvolles Kürzen der Seitenzweige begrenzen.

Tannenspitze abschneiden

Wenn eine Tanne zu hoch ist, stellt sich die Frage, ob einfach die Tannenspitze gekappt werden kann. Doch ist die Lösung wirklich so einfach? Hier scheiden sich die Geister sowohl der Hobbygärtner als auch der Experten. Denn mit der Zeit zeigen sich einige Nachteile dieser Methode, die Sie vorher wissen sollten.

Nachteile des Kürzens

Ein Tannenbaum mag es nicht, wenn der obere Teil seiner Krone entfernt wird. Als Reaktion darauf treibt er gleich mehrere miteinander konkurrierende Triebe aus. Diese wachsen zudem rasend schnell in die Höhe, als gilt es etwas aufzuholen. Bald stehen diese Probleme ins Haus:

  • das Problem ist nur kurzfristig gelöst
  • das schnelle Wachstum macht bald neue Schnitte notwendig
  • aufgrund mehrerer Leittriebe werden Schnittmaßnahmen immer umfangreicher
  • durch mehrere Leittriebe wird der Baum zudem kopflastig
  • die Stabilität der Tanne ist gefährdet
  • sie kann bei stärkerem Sturm leicht umfallen
  • auch die Optik leidet unter der gekappten Tannenspitze

Für einen Teil der Experten gibt es daher nur zwei mögliche Wege: die Tanne unangetastet stehen lassen oder ganz fällen.

Mögliche Chancen

Wenn die einzige Alternative der Tod des Baumes ist, kann man das Kürzen der Tannenspitze zumindest wagen. Die Zeit zeigt schließlich, ob die Fürsprecher dieser Vorgehensweise im Recht sind und der Baum so zu retten ist. In diesen Fällen können Sie die Tannenspitze abschneiden:

  • die Höhe eines Baumes kann nicht geduldet werden
  • die Tannenspitze ist bereits abgebrochen

Es wird auch kontrovers diskutiert, ob das Kappen der Spitze einen erkrankten Baum vor Fällung retten kann. Befürworter führen an, dass dadurch das Nadelkleid reduziert wird und der Baum die „kleinere Herausforderung“ besser versorgen kann.

Rechtliche Situation klären

Das Kürzen der Spitze wird zumeist bei zu groß gewordenen Tannen erwogen. Alte Baumbestände sind aber häufig gesetzlich geschützt. Erkundigen Sie sich, ob Sie für die Kürzung eine Genehmigung brauchen. Falls ja, muss diese vor der Kürzung vorliegen. Anderenfalls riskieren Sie eine Geldstrafe, die nicht unerheblich sein kann.

Anleitung für das Kürzen der Spitze

Für das Kürzen einer hohen Tanne ist eine lange, standsichere Leiter notwendig. Als Schneidewerkzeug benötigen Sie eine Säge und eine Gartenschere, ggf. auch eine Hebelastschere mit einer Teleskopstange.

  1. Wählen Sie einen Schnitttermin im Winter, bis spätestens Ende März. Umfangreiche Schnittmaßnahmen sind zum späteren Zeitpunkt nicht gestattet, um brütende Vögel nicht zu stören.
  2. Bestimmen Sie die Höhe, bis zu der Sie die Spitze entfernern möchten. Wir empfehlen, nicht mehr als ein Drittel der Tanne zu entfernen. Das gilt sowohl für die Höhe als auch für die Breite.
  3. Schneiden Sie die Baumspitze mit einem geraden Schnitt ab.
  4. Damit die gekürzte Tanne eine Pyramidenform bekommt, scheiden Sie entsprechend die Seitenäste zurück. Achten Sie darauf, nur im benadelten Bereich zu schneiden, da sonst die Tanne nicht austreibt.
  5. Eine weitere Alternative ist, eine neue Tannenspitze zu bilden. Wählen Sie dafür zwei der obersten Seitenäste aus.
  6. Biegen Sie die Äste nach oben und binden Sie sie zu einer neuen Spitze zusammen.
  7. Warten Sie 1-2 Jahre ab, wie sich die Tannenspitze entwickelt und schneiden Sie dann den schwächeren Leitast ab.

Nordmanntanne, Abies nordmanniana

Tipp: Wenn es beim Schneiden der Tanne darum geht, dass der Baum nicht mehr so viel Schatten wirft, kann es auch eine Lösung sein, dass Sie nur die untersten Äste abschneiden und die Spitze unangetastet lassen.