Sind Tausendfüßler und Hundertfüßer giftig? | Das ist zu beachten

Sind Tausendfüßler giftig?

In den Medien tauchen mit schöner Regelmäßigkeit Horrorberichte von giftigen Tausend- und Hundertfüßern auf. Gerne wird dann auch kolportiert, dass der Biss der Tiere tödlich für den Menschen enden kann. In der Regel ist hierzulande an solchen Berichten allerdings wenig dran. Zwar sind die Tausendfüßler zumindest theoretisch tatsächlich giftig, jedoch können sie einen gesunden Menschen kaum umbringen. Ganz abgesehen davon, dass die gefährlichen Arten hier bei uns nicht vorkommen.

Sind Tausendfüßler giftig?

Tausendfüßler, deren lateinische Bezeichnung Myriapoda lautet, sind ein Unterstamm der sogenannten Gliederfüßer. Sie sind in unterschiedlichen Ausprägungen nahezu auf der ganzen Welt zu finden. Insgesamt existieren etwa 10.000 verschiedene Arten in zum Teil sehr unterschiedlichen Größen. Es gibt sie sowohl als reine Pflanzenfresser als auch als Jäger, die sich tierische Beute einverleiben. Einige Arten sind giftig, die überwiegende Zahl ist es aber nicht. Im nördlichen Europa sind im Prinzip überhaupt keine giftigen Tausendfüßler heimisch.

In Südeuropa wie etwa in Spanien sieht das hingegen schon ganz anders aus. Dort existieren tatsächlich Arten, die Gift über ein Sekret absondern können. Kommen kleinere Tiere damit in Kontakt, kann das tödlich für sie enden. Für gesunde Menschen besteht hingegen keine Lebensgefahr. Allerdings kann der Kontakt äußerst schmerzhafte Hautreizungen auslösen.

Hinweis: Auch wenn bei diesen Tieren von 1.000 Füßen die Rede ist haben sie in der Regel nur eine maximal dreistellige Anzahl von Beinen. Am häufigsten sind die Arten mit einer zweistelligen Anzahl.

Tausendfüßler, Myriapoda

Sind Hundertfüßer giftig?

Der lateinische Ausdruck Chilopoda bezeichnet die sogenannten Hundertfüßer. In der zoologischen Systematik sind sie Teil der Tausendfüßler. Von ihnen gibt es weltweit etwa 3.000 Arten. Sie weisen eine Körperlänge auf, die sich in einem Bereich zwischen einem und zehn Zentimetern bewegt. Der ausschließlich in den Tropen beheimatete Skolopender kann allerdings auch eine Länge von bis zu 30 Zentimetern erreichen. Praktisch alle Hundertfüßer sind giftig. Sie gehen nachts auf Beutefang. Dabei verfolgen sie das ausgespähte Tier und verbeißen sich bei Gelegenheit blitzschnell in ihm. Mit dem Biss wird ein Gift injiziert, das über kurz oder lang zum Tod des Beutetiers führt. Die Körpergröße der möglichen Beutetiere kann dabei die der Hundertfüßer um ein vielfaches übersteigen.

Hinweis: Auch wenn man es ihnen zunächst nicht ansieht können Hundertfüßer eine außerordentlich hohe Geschwindigkeit erreichen. Sie sind zudem in der Lage, sich blitzschnell zu drehen.

Skolopender

Wenn in den Medien von tödlichen Begegnungen mit einem Hundertfüßer berichtet wird, dann handelt es sich dabei meist um den Kontakt mit einem Skolopender. Zwar sind weltweit bislang nur zwei Fälle dokumentiert, bei denen Menschen durch einen Skolopender-Biss zu Tode kamen, sie zählen aber tatsächlich mit zu den giftigsten Tieren überhaupt. Das Gift kann je nach Art folgende Inhaltsstoffe haben:

  • Acetylcholi
  • Serotonin
  • Histamin
  • Blausäure

Mit dieser Mischung tötet der Skolopender beispielsweise auch Mäuse, Ratten, kleinere Affen und andere Säugetiere. Bei gesunden Menschen besteht normalerweise keine Lebensgefahr. Wir man gebissen, ist das allerdings eine äußerst schmerzhafte Angelegenheit, die zudem ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen kann. Typische Körperreaktionen sind:

  • Anschwellen der Bissstellen
  • starke Schmerzen, die auf den gesamten Körper ausstrahlen
  • Übelkeit
  • Schwindelgefühle
  • Taubheitsgefühl an der Bissstelle
  • Atemprobleme
  • Herzrhythmusstörungen

Skolopender

Skolopender-Arten sind ausgesprochen aggressiv. Sie reagieren auf Störungen geradezu wütend und gehen unmittelbar in den Angriff über. Jeglicher Kontakt mit ihnen sollte deshalb auch vermieden werden. Nach einem Biss muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Zum Glück gibt es mittlerweile eine Reihe von Gegenmitteln, die die Wirkung des Giftes neutralisieren.

Verhalten

Noch einmal: Giftige Tausendfüßler kommen in unseren Breiten in der Natur nicht vor. Der gefürchtete Skolopender könnte unter den nordeuropäischen Witterungsbedingungen auch kaum überleben. Allerdings sind gerade Hundertfüßer relativ beliebte Terrarientiere. Gelingt einem von ihnen im Sommer die Flucht, geht zumindest theoretisch von ihnen auch eine Gefahr für Menschen aus. Stößt man irgendwo auf einen von ihnen, sollte man nach Möglichkeit einen relativ großen Sicherheitsabstand einhalten. Auf gar keinen Fall darf so ein Tier berührt werden. Es ist auch keine gute Idee, das Tier mit einem Stock oder ähnlichem zu traktieren. Bei größeren Exemplaren sollte die Feuerwehr verständigt werden, um das Lebewesen sicher einzufangen. Von eigenen Fangversuchen ist dringen abzuraten.

Gefahrenlage

Da Tausendfüßler, die giftig sind, bei uns in der Natur nicht vorkommen, besteht auch keine akute Gefahr. Die meisten von ihnen, denen wir begegnen sind vollkommen harmlos und überaus nützlich für das biologische Gleichgewicht. Folglich besteht absolut kein Grund zur Panik. Von Medienberichten, in denen von Angriffen insbesondere eines Skolopenders die Rede ist, darf man sich deshalb auch nicht einschüchtern lassen. In Nordeuropa tatsächlich von einem Skolopender gebissen zu werden, ist noch unwahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto.

Etwas anders sieht das hingegen bei Reisen ins südliche Europa und vor allem in die Tropen aus. Hier können die Tiere tatsächlich eine reale Gefahr darstellen. Auch wenn es dabei nicht immer um Leben und Tod geht, kann einem der Körperkontakt mit ihnen die Reise ganz erheblich vermiesen. Darum müssen unbedingt die Sicherheitshinweise des Reiseveranstalters beachtet werden. Am besten, man geht diesen faszinierenden Tieren aus dem Weg. Sie könnten ja tatsächlich giftig sein.

Tausendfßer, Myriapoda

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