Thuja-Hecke radikal schneiden: wie sollte man vorgehen?

Thuja-Hecke zu stark geschnitten

Der Abendländische Lebensbaum, nach seinem botanischen Namen Thuja occidentalis auch einfach Thuja genannt, ist ein robuster und schnell wachsender Nadelbaum, der als Solitär viele hundert Jahre alt und dutzende Meter hoch werden kann. Auch eine Thuja-Hecke erreicht innerhalb weniger Jahre problemlos eine Höhe von zehn Metern und kann bis zu drei Meter breit werden – kein Wunder, dass so mancher Gärtner sich nur mit einem Radikalschnitt zu helfen weiß.

Thuja-Hecke radikal schneiden

Thujen sind perfekte Gehölze für eine Verwendung als Sichtschutzhecke: Sie sind sehr anpassungsfähig, kommen an fast jedem Standort zurecht und wachsen sehr schnell und dicht. Je nach Art und Sorte bilden die Nadelbäume pro Jahr zwischen 30 und 50 Zentimeter Neutriebe aus und erreichen so innerhalb weniger Jahre beachtliche Wuchshöhen. Auch, wenn die Art grundsätzlich einen eher schlanken Wuchs aufweist, wachsen Thujen trotzdem unaufhörlich in die Breite. Aus diesem Grund ist von Anfang an ein regelmäßiger Rückschnitt zu empfehlen, da Ihnen die Hecke sonst rasch über den Kopf wächst – und die Bäume radikal zu schneiden absolut nicht zu empfehlen ist.

In ihrem Inneren sind Thujen kahl und braun, da die dort befindlichen dicken Äste und Zweige aufgrund mangelnden Sonnenlichts kein Grün mehr ausbilden. Wie so viele Nadelgewächse treiben Lebensbäume nicht mehr oder nur noch sehr schwer wieder aus, sobald Sie einmal ins alte Holz geschnitten haben. Schneiden Sie daher niemals in das braune Innere, sondern lassen Sie immer noch weiche, grüne Triebe stehen! Einen Radikalschnitt hat schon so mancher Gärtner schwer bereut, da die einst so üppig grüne und dichte Hecke kahl und unansehnlich blieb. In manchen Fällen trieb sie zwar trotzdem wieder aus, allerdings dauert es erfahrungsgemäß mehrere Jahre bis die Kahlstellen nicht mehr zu sehen sind.

Thujahecke wird braun

Gute Gründe für Radikalschnitt

Auch wenn aus gärtnerischer Sicht ein radikaler Rückschnitt der Thuja-Hecke keine so gute Idee ist, gibt es gute Gründe dafür, es trotzdem zu tun. Sei es, weil sie deutlich höher und/ oder breiter geworden ist als erlaubt (und sich deshalb die Nachbarn beschweren, weil das mehrere Meter hohe Gehölz ihnen das Sonnenlicht raubt) oder weil die Pflanzen selbst an einer Krankheit leiden und nur durch einen kräftigen Rückschnitt gerettet werden können. Pilzinfektionen etwa treten häufiger auf und verlangen oft einen starken Beschnitt bis tief ins noch gesunde Holz. Deshalb liefern wir Ihnen mit diesem Artikel eine Anleitung dafür, wie Sie Ihre Thuja-Hecke doch noch retten können.

Tipp: Sofern Ihre Thuja-Hecke noch nicht länger als vier oder fünf Jahre an ihrem Standort steht, können Sie versuchen, sie durch ein Umpflanzen zu retten. Dieses Vorgehen empfiehlt sich, wenn der gesetzliche Abstand zur Grundstücksgrenze zu gering geworden ist oder sich die Nachbarn beschweren.

Thuja-Hecke radikal schneiden: Anleitung

Sollten Sie sich nach Abwägung aller Gründe für einen radikalen Rückschnitt entscheiden, so müssen Sie immer auch das Absterben der Thujen mit einrechnen – die Wahrscheinlichkeit, dass die Lebensbäume aus dem braunen Holz wieder austreiben, ist recht gering. Die im folgenden Abschnitt beschriebenen Tipps und Methoden erhöhen die Chance, dass Ihre Hecke schön bleibt – und deutlich kleiner.

Zeitpunkt und Häufigkeit

Damit der drastische Rückschnitt von Erfolg gekrönt ist und die Hecke rasch wieder austreibt, muss zunächst einmal zum richtigen Zeitpunkt zu Gartenschere und Astsäge gegriffen werden. Beschneiden Sie die Gehölze zur falschen Jahreszeit, erfolgt mit hoher Wahrscheinlichkeit kein weiterer Neuaustrieb. Um die schlafenden Augen – die eigentlich jedes Gehölz besitzt und die dazu da sind, einen größeren Masseverlust auszugleichen – zu wecken, sollten Sie die Thuja-Hecke direkt vor dem Frühjahrsaustrieb bis Ende Februar zurückschneiden.

Frühjahrschnitt regt Wachstum an

Einerseits ist ein starker Rückschnitt ab Anfang März gesetzlich nicht mehr gestattet, da Singvögel, die ihre Nester mit Vorliebe in den dichten Lebensbäumen anlegen, während der Brutzeit geschützt werden sollen. Andererseits verfügen die Pflanzen im Spätwinter über einen großen Vorrat an Reservestoffen, die eigens für die neue Vegetationsperiode angelegt wurden. Die Thujen sind also von vornherein auf einen Austrieb vorbereitet und werden durch einen spätwinterlichen Neuaustrieb noch mehr zur Ausbildung frischer Triebe angeregt als ohnehin schon.

Weitere günstige Schnitttermine:

  • Mitte bis Ende Juni: Pflanzen legen Wachstumspause ein, guter Zeitpunkt für leichten Rückschnitt
  • Ende August: letzter Rückschnitt vor dem Winter

Grundsätzlich gilt die Regel, dass Sie zum Spätwinter- bzw. Frühjahrstermin deutlich kräftiger schneiden dürfen als zu späteren Zeitpunkten im Jahr. Insbesondere bei einem späten Rückschnitt im August dürfen Sie nur wenig wegnehmen. Denn die neuen Triebe müssen rechtzeitig vor dem Winter ausreifen, anderenfalls drohen Frostschäden.

Tipp: Wie oft Sie Ihre Lebensbaumhecke beschneiden können, hängt von der Wuchsfreudigkeit der ausgewählten Sorten ab. Manche – etwa die beliebte Varietät ‚Smaragd‘ – sind weniger wuchskräftig als andere und bedürfen daher seltener eines korrigierenden Schnittes.

Thuja-Hecke schneiden

Methoden

Für die Verjüngung der Thujenhecke stehen Ihnen drei Methoden zur Auswahl, die jedoch sehr unterschiedlich zu bewerten sind:

  • Komplettschnitt
  • Komplettschnitt, über mehrere Jahre verteilt
  • Begrenzung in der Höhe

Komplettschnitt

Hierbei schneiden Sie die Thuja-Hecke radikal so stark herunter, bis Sie sie auf die gewünschten Maße begrenzt haben. Dieser Radikalschnitt birgt die größten Risiken, denn die Wahrscheinlichkeit eines Neuaustriebs ist, wie bereits erläutert, sehr gering. In manchen Fällen haben Sie allerdings keine andere Wahl als einen drastischen Schritt wie diesen zu gehen. Mit den folgenden Hinweisen vergrößern Sie die Chance, dass Ihre Lebensbaum-Hecke anschließend wieder grün wird:

  • Erfolgswahrscheinlichkeit umso größer, je jünger die Bäume sind
  • unbedingt bis spätestens Ende Februar schneiden
  • vorrangig alte Äste herausschneiden, jüngere verschonen
  • pyramidale Form schneiden: Basis breiter als Spitze
  • nach dem Schneiden kräftig düngen
  • geeignet sind stickstoffreiche Düngemittel

Komplettschnitt, über mehrere Jahre verteilt

Schonender ist es für Ihre Thuja-Hecke, wenn Sie über mehrere Jahre verteilt radikal schneiden. Dabei entfernen Sie nicht alles Grün auf einmal, sondern kürzen die grünen Triebe so weit wie möglich zurück. Es sollten noch einige wenige Zentimeter frischer Blättchen stehenbleiben. Weiter geht es wie folgt:

  • Auslichten des Heckeninneren
  • Entfernen älterer und zu eng stehender Äste
  • weitest mögliches Einkürzen des oberen Drittels

Auf diese Weise ist die Thujenhecke zwar nicht mehr so dicht, dafür gelangt aber mehr Licht in ihr Inneres. So kann sich schließlich auch hier aus den schlafenden Augen frisches Grün ausbilden. Nehmen Sie in jedem Jahr immer mehr Masse zurück, bis Sie das Gehölz auf die gewünschte Höhe und Breite begrenzt haben. Dieser Schnitt schont die Hecke und sorgt dafür, dass sie immer grün bleibt. Der Nachteil ist allerdings, dass Sie sowohl Geduld als auch ein gutes Auge brauchen. Bis die Thujen so sind, wie Sie sie haben wollen, können mehrere Jahre vergehen.

Tipp: Unschöne, kleinere Lücken lassen sich übrigens schließen, wenn Sie frisches Grün von den Seiten über die kahle Stelle ziehen und mit Hilfe einer Schnur befestigen. Die jungen Zweige wachsen anschließend dort weiter.

Begrenzung in der Höhe

Sollte Ihre Thujenhecke lediglich zu hoch, aber in ihrer Breite völlig unproblematisch sein, belassen Sie die grünen Seiten so wie sie sind – und schneiden die Gehölze nur in der Höhe radikal zurück. Hier können Sie auch unbesorgt ins alte Holz schneiden, denn nach einigen Jahren werden sich die oberen Seitentriebe von ganz allein aufrichten und eine neue, grüne Krone ausbilden. Außerdem ist die kahle Oberseite zumindest von Boden aus nicht zu sehen, wenn die Hecke nach dem Schnitt immer noch höher als bis auf Augenhöhe bleibt.

Tipp: Umgekehrt – also erst die Seiten, dann die Höhe – funktioniert es aus mehreren Gründen nicht. Einerseits bleibt anschließend eine braune Seitenwand stehen und andererseits verhindert gemäß dem Prinzip der Apikaldominianz das obere Grün den Neuaustrieb an den Seiten.

Lebensbaum, Thuja
Lebensbaum, Thuja

Thuja regelmäßig zurückschneiden

Damit ein solcher Radikalschnitt gar nicht erst notwendig wird, sollten Sie Ihre Thuja von Anfang an regelmäßig zurückschneiden. Wählen Sie nach Möglichkeit schwachwüchsigere Sorten wie ‚Smaragd‘ oder ‚Brabant‘. Diese lediglich ein bis zwei Mal im Jahr beschnitten werden müssen. Diese sind außerdem deshalb besser für Heckenpflanzungen geeignet, da sie eine Höhe von maximal vier Metern erreichen und mit durchschnittlich 120 bis 150 Zentimetern auch in der Breite recht schmal bleiben.

Soll die Thujenhecke dagegen von vornherein niedriger bleiben, so stehen diverse Zwergsorten wie beispielsweise ‚Tiny Tim‘, ‚Teddy‘ oder ‚Danica‘ zur Auswahl. Diese Varietäten eignen sich allerdings nicht für eine Sichtschutzhecke, sondern dienen vornehmlich der Zierde.