Tomaten – welche Temperatur benötigen sie nachts mindestens?

Sie entstammen den warmen, sonnendurchfluteten Regionen Süd- und Mittelamerikas. Tomaten haben aufgrund ihrer Herkunft nicht gelernt, winterlicher Kälte zu trotzen. Primär im Frühjahr und Herbst kann Bodenfrost Tomatenpflanzen extrem zusetzen und schlimmstenfalls die Hoffnung auf eine reiche Ernte zunichtemachen. Warum das so ist und welche Temperatur sie nachts mindestens benötigen, erfahren Sie hier. Nutzen Sie unsere praxiserprobten Tipps für die besten Vorkehrungen, damit die köstlichen Paradiesäpfel nicht erfrieren.

Temperatur ist wichtig

Temperatur hat hohen Stellenwert im Tomatenanbau

Im Zusammenwirken der Wachstumsfaktoren einer Tomatenpflanze übernehmen die Temperaturen eine Schlüsselfunktion. Sämtliche Stoffwechselvorgänge verlaufen nur dann reibungslos, wenn das Temperaturoptimum von 18 bis 25 Grad Celsius eingehalten wird, mit einer akzeptablen Toleranz nach oben und unten.

Die obere Temperaturgrenze von 45 Grad Celsius ist für das subtropische Nachtschattengewächs im mitteleuropäischen Klima nicht relevant. Kälte stellt hingegen ein erhebliches Problem für das Wachstum von Tomatenpflanzen dar. Während sich einheimische Stauden im Laufe der Evolution auf Frost einstellen konnten, wird es für Tomaten bereits deutlich über dem Gefrierpunkt heikel.

Tomatenpflanzen im Kübel

Temperaturminimum

Temperaturminimum definiert untere Toleranzgrenze

In einer Kombination aus Erfahrungswerten und wissenschaftlichen Erkenntnissen hat sich für Tomaten ein Temperaturminimum von 13 Grad Celsius herauskristallisiert. Diese Grenze darf auch des Nachts nicht unterschritten werden. Fällt die Quecksilbersäule unter dieses Limit, reagiert die Pflanze mit folgenden Thermomorphosen.

So gehen Sie dabei vor:

  • Einrollen der Blätter
  • Wachstumsdepression mit verkürzten Internodien (Blattabständen)
  • Blätter verfärben sich zunächst rötlich und sterben dann ab
  • geringe bis keine Blütenbildung

Fatal wirkt sich Kälte auf die Pollen und deren Lebensfähigkeit aus. Bei Temperaturen unter 13 Grad Celsius erfolgt keine vollständige Bestäubung mehr. In der Folge entstehen lediglich kleine, kernlose Früchte mit hartem Fruchtfleisch und matter Schale. An Fleischtomaten reißen daraufhin die Früchte von der Spitze her auf.

Bei Temperaturen unter 10 Grad Celsius bis unter den Gefrierpunkt findet überhaupt keine Befruchtung mehr statt, sodass die betroffenen Blüten im Frühjahr abfallen und ein vollständiger Ernteausfall droht. Die rötliche Färbung der Blätter ist auf eine Stoffwechselstörung infolge von Frost zurückzuführen, da die Bildung von Zucker und Stärke zum Erliegen kommt. Infolge des Energiemangels stirbt die gesamte Pflanze ab, sollte diese Kältephase über längere Zeit anhalten.

Schutz bei Bodenfrost

Tipps für Schutzvorkehrungen bei Bodenfrost im Frühjahr

Spätestens Mitte bis Ende Mai werden Tomatenpflanzen in Beet gesetzt. Für einen späteren Termin ist die sommerliche Vegetationsphase zu kurz, damit sich reife Früchte entwickeln können. Obschon der Auszug der Eisheiligen bis 15. Mai die Hoffnung schürt, dass es nicht mehr zu verspäteten Bodenfrösten kommen kann, passt sich die Witterung nicht immer an den Kalender an. Bis nach der Schafskälte Anfang/Mitte Juni drohen nach wie vor Beeinträchtigungen des Wachstums infolge zu niedriger Temperaturen. Mit diesen Vorkehrungen können Sie verhindern, dass die jungen Tomatenpflanzen erfrieren.

So gehen Sie dabei vor:

  • bei drohendem Bodenfrost das Beet überziehen mit Gartenvlies
  • idealerweise auspflanzen unter einem Folientunnel oder ein Tomatenhaus
  • während der Anzucht wiederholt mit Schachtelhalmbrühe oder Lebermooserextrakt stärken

Für kurzzeitigen Kältestress zwischen 1 und 12 Grad Celsius sind Ihre Paradiesäpfel besser gewappnet, wenn Sie die Jungpflanzen zunächst für 8 bis 10 Tage am halbschattigen Standort auf dem Balkon abhärten. Steht ein unbeheiztes Treibhaus für den Tomatenanbau zur Verfügung, halten Sie hier mit einer Mistheizung die Temperatur über dem Minimum von 13 Grad Celsius.

reife, rote Tomaten

Zu diesem Zweck heben Sie den Boden etwa 70 Zentimeter tief aus und verfüllen die Grube mit Pferdedung oder Stallmist. Darüber breiten Sie eine 25 bis 30 Zentimeter starke Schicht aus Komposterde aus, um darin zu pflanzen. Indem der Mist verrottet, entsteht eine angenehme Wärme, die auch in der Nacht nicht unter die Schmerzgrenze von 13 Grad Celsius fällt.

Ernte nach Kälte retten

So retten Sie die Ernte bei herbstlichem Kälteeinbruch

Fällt im Herbst schon im September das Thermometer auch des Nachts unter 15 Grad Celsius, reifen die letzten, noch grünen Tomaten nicht mehr aus. Vorkehrungen, die im Frühjahr Ihre Tomatenpflanzen vor Kältestress bewahrten, laufen am Ende der Saison ins Leere. Die mühevoll gezogenen Tomaten müssen dennoch nicht dem Frost zum Opfer fallen, denn sie zählen zu den klimakterischen Früchten und verfügen somit über die Fähigkeit der Nachreife.

Bevor die grünen Paradiesäpfel erfrieren, gehen Sie so vor:

  • eine unreife Tomate pflücken und waschen
  • in Zeitungspapier oder Schwarzfolie wickeln
  • auf einem Holzregal im dunklen Raum bei 18 bis 20 Grad Celsius täglich lüften
  • alternativ eine Kiste mit trockenem Torf füllen und die Tomaten hineinlegen, ohne dass sie sich berühren

Tomaten reifen auch unreif geerntet noch nach

Legen Sie neben eine unreife Tomate einen vollreifen Apfel, beschleunigt das abgesonderte Ethylen-Gas den Reifeprozess. Statt jede Frucht einzeln zu lagern, können Sie die gesamte Pflanze ausreißen und kopfüber im Heizungskeller aufhängen, bis die Früchte reif sind. Die Blätter dürfen nicht entfernt werden, da sie weiterhin für die Versorgung der Tomatenpflanzen zuständig sind.

Rating: 5.0/5. From 2 votes.
Please wait...