Tomatenblätter rollen sich ein - Titel

Tomatenblätter rollen sich ein. Das ist ein häufiges und wiederkehrendes Problem. Solange Krankheiten und Schädlinge nicht die Ursache sind, hat das in den meisten Fällen kaum Auswirkungen auf den Ertrag.

Auf den Punkt gebracht

  • eingerollte Blätter an Tomatenpflanzen werden als Löffelblättrigkeit bezeichnet
  • sogenannte Löffelblättrigkeit immer ein Anzeichen für Stress
  • Symptom kann pflege-, krankheits- oder witterungsbedingt auftreten
  • stark von der Sorte abhängig, einige stark betroffen, andere gar nicht
  • Früchte werden in den meisten Fällen nicht geschädigt

Pflegefehler als Hauptursachen

Wenn Sie feststellen, dass sich die Tomatenblätter einrollen, sollten Sie zu aller erst die angewandte Pflege überprüfen.

Starke Schwankungen im Wasserhaushalt

Rollen Tomatenpflanzen ihre Blätter ein, können sie damit einen Wassermangel signalisieren. Um sich in derartigen Phasen vor zu starker Verdunstung zu schützen, rollen sie ihre Blätter ein. Bei älteren Pflanzen sind vorwiegend die Gipfelblätter betroffen. Junge Pflanzen weisen eher verkrüppelte Blätter auf. Sie können dauerhaft geschädigt werden. Als Sofortmaßnahme sollte man ausgiebig wässern und künftig darauf achten, dass der Boden immer leicht feucht ist.

Tomaten gießen
Durch Wassermangel können sich die Tomatenblätter einrollen.

Tipp: Zu Trockenstress kann es u. a. kommen, wenn die Tomatenpflanzen unter einer Überdachung stehen und praktisch vor Regen geschützt sind. Dann sollte regelmäßig gegossen werden.

Übermäßiges Reduzieren der Blattmasse

Ein weiterer Grund für derartige Blattveränderungen kann zu starkes Ausgeizen bzw. Entfernen von zu viel Blattmasse sein. Beim Ausgeizen werden Triebe entfernt, die sich in den Blattachseln gebildet haben. Häufig werden zudem die untersten Tomatenblätter entfernt, um zu verhindern, dass Wasser vom Boden an die Tomatenblätter spritzt, was wiederum die gefürchtete Braunfäule hervorrufen kann. Trennt man aber zu viel Blattmasse ab, kann es zu einem Nährstoffstau kommen. Die aufgenommenen Nährstoffe können aufgrund der fehlenden Blattmasse nicht verwertet werden.

Überdüngung

Nicht selten ist ein lokaler Nährstoffüberschuss Ursache für eingerollte Tomatenblätter. Der kann durch übermäßiges Düngen aber auch plötzliches Freisetzen der Nährstoffe aufgrund von Wärme und Feuchtigkeit entstehen. Auf den Ertrag hat das meist keinen Einfluss. Erwähnenswert sind insbesondere ein Überschuss an Mangan, Stickstoff und Zink.

  • Überschuss an Zink nur schwer zu erkennen
  • Manganüberschuss insbesondere auf sauren Böden
  • Abhilfe schafft Regulierung des pH-Wertes
  • Bei Stickstoffüberschuss, Bildung von viel Blattmasse
  • Tomatenpflanzen wachsen besonders schnell
  • Blätter rollen sich nach unten ein

Wird der Nährstoffüberschuss beseitigt, können die Pflanzen die Blattschäden überwachsen. Dazu sollte man zunächst komplett auf Düngen und Ausgeizen verzichten. Wurden mineralische Dünger verwendet, können diese durch durchdringendes Wässern größtenteils heraus gespült und in tiefere Bodenschichten verlagert werden.

Tipp: Bei der Verwendung langsam wirkender Natur- oder Depotdünger wird das Risiko einer Überdüngung deutlich minimiert.

Tomaten düngen
Beim Düngen muss auf die richtige Dosis geachtet werden.

Nährstoffmangel

Tomatenpflanzen können auch auf einen Mangel mit Einrollen der Blätter reagieren. Exemplare im Topf oder Kübel sind wesentlich häufiger betroffen als im Beet Ausgepflanzte. Aus diesem Grunde ist es ratsam, bei Topfpflanzen auf ausreichend große Pflanzgefäße zu achten, um den Pflanzen einen ausreichenden Wasser- und Nährstoffpuffer zu bieten. Eingerollte Blätter können ein Anzeichen für Schwefel-, Kalzium- oder Stickstoffmangel sein.

Schwefelmangel

  • Schwefel innerhalb der Pflanze weniger mobil als Stickstoff
  • Mangelerscheinungen deshalb zuerst an jüngeren Blättern
  • Setzen sich dann an älteren Blättern fort
  • Blätter steif und nach unten gerollt
  • Weniger gestauchtes Wachstum als bei Stickstoffmangel

Kalziummangel

  • Tomatenblätter rollen sich nach oben auf, bekommen braune Ränder
  • Kalziummangel vorwiegend bei Topfkulturen
  • Vor allem an jungen Blättern
  • Auf sauren Böden mit einem pH-Wert unter 5
  • Tomatenpflanzen verbrauchen mehr Kalium als Phosphor
  • Demzufolge bei jeder Düngung zufügen
  • Hilfe bei ausgeprägtem Mangel bringt chlorfreier Kalidünger
  • Kaliumnitrat gut geeignet, enthält auch etwas Stickstoff

Stickstoffmangel

  • Tomatenblätter färben sich gelblich und verblassen
  • Rollen sich bei zunehmendem Mangel ein
  • Pflanze zieht nun Nährstoffe aus den untersten Blättern
  • Leitet sie an jüngste Blätter und in die Krone weiter
  • Oberste Blätter weisen Wachstumsrückstand auf
  • Mangel durch Böden mit hohem oder niedrigem pH-Wert verschlimmert
  • Sowie durch Auswaschung und geringe organische Substanz im Boden
  • Stickstoffmangel an älteren Pflanzen leichter zu beheben
Stickstoffmangel bei Tomaten

Tipp: Um einen Nährstoffmangel generell zu beheben, sollte dem vorherrschenden Mangel entsprechend nachgedüngt werden.

Witterungsbedingtes Einrollen der Blätter

Im Frühjahr

Dass sich Tomatenblätter einrollen, kommt gehäuft im Frühjahr und Sommer vor. Tritt es im Frühjahr auf, kann es daran liegen, dass die Blätter schneller wachsen als die Wurzeln. Mit dem Krümmen der Blätter versucht die Pflanze das Blattwachstum zu hemmen und das der Wurzeln zu unterstützen. Nach etwa zwei bis vier Wochen sind die Wurzeln kräftig genug, die Pflanze erholt sich.

Im Sommer

Im Sommer rollen Pflanzen die Blätter ein, um weniger Wasser über die Blätter zu verdunsten. Die Pflanze selbst nimmt dabei keinen Schaden. Auch hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht können Ursache für Blattrollen sein. Im Gewächshaus tritt dieses Schadbild weitaus häufiger auf. Verantwortlich sind hohe Temperaturen und mangelnde Bewässerung. Die Blätter werden brüchig und können leicht beschädigt werden.
Abhilfe schafft man durch ausreichende und regelmäßige Belüftung sowie bedarfsgerechtes Gießen. Bei Pflanzen im Freien stellt das Ganze einen rein optischen Mängel dar. Der lässt sich zwar nicht beheben, ist aber auch kein Grund zur Sorge, solange nicht gleichzeitig weitere Symptome auftreten.

Einrollen der Blätter aufgrund eines Schädlingsbefalls

Blattläuse (Aphidoidae)

Ein Blattlausbefall an Tomatenpflanzen tritt vor allem bei warmer und trockener Witterung auf. Begünstigt wird er durch einen ungünstigen Standort und unangepasste Wasserversorgung. Betroffen sind vorwiegend die jungen Blätter. Es bilden sich Blattblasen, gelbe Flecken und die Tomatenblätter beginnen sich einzurollen. Zur Bekämpfung bieten sich Hausmittel wie Brennnesselsud, Schafgarbenbrühe oder Neemöl- Produkte an. Hilfreich können auch natürliche Fressfeinde wie Marienkäfer und Ohrwürmer sein.

Spinnmilbe (Tetranychus urticae)

Ab dem Frühsommer kann es zu einem Befall mit Spinnmilben kommen. Sprüht man die Pflanze mit einem feinen Sprühnebel ein, kann man an den Blatträndern und Blattachseln feine weiße Gespinste erkennen.

Spinnmilben an Tomaten
Spinnmilben an Tomatenblättern
  • Untere Tomatenblätter rollen sich ein und vertrocknen
  • Blätter hell gesprenkelt
  • Befall durch ungeeignete Standorte, zu trockene Böden und unausgewogene Düngung begünstigt
  • Im Gewächshaus zudem fehlende oder unzureichende Belüftung
  • Alle mit Milbeneiern übersäte Pflanzenteile entfernen
  • Befall mit starkem Wasserstrahl dezimieren
  • Strahl von unten nach oben führen
  • Pflanzen müssen danach schnell trocknen, ansonsten Pilzbefall
  • Hilfe versprechen auch Raubmilben (Phytoseiulus persimilis)

Tipp: Spinnmilben treten selten allein auf. Sie können auch schädliche Viren übertragen, die nur schwer zu bekämpfen sind.

Tomatenrostmilbe (Aculops lycopersici)

Ein Befall mit der Tomatenrostmilbe ist meist erst relativ spät zu erkennen. Die Schäden sind dann bereits so gravierend, dass Sie betroffene Pflanzen entsorgen müssen. Anfangs verfärben sich Stängel und Blattstiele braun, später auch das Laub. Die Tomatenblätter rollen sich nach oben ein und vertrocknen. Bei einem starken Befall sind auch die Früchte betroffen, die Pflanze stirbt ab. Eine wirksame Bekämpfung mit biologischen Mitteln ist nicht möglich.

Krankheiten als Auslöser

Dürrfleckenkrankheit

Etwa ab Ende Juni kann die Dürrfleckenkrankheit auftreten, begünstigt durch ausgeprägte Wechsel zwischen Regen- und Trockenperioden. Auf den Blättern, teilweise auch auf Stängeln und Früchten, zeigen sich bräunliche oder graubraune Flecken. Dabei sind die Früchte ausschließlich im Kelchbereich befallen. Bei fortgeschrittenem Befall rollen sich die Blätter ein und fallen ab. Eine Bekämpfung erfolgt mit Fungiziden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Betroffene Pflanzen müssen Sie samt Früchten entsorgen.

Tomatenmosaikvirus

Eine Infektion kann über kontaminierte Samen, Gartengeräte oder Pflanzgefäße sowie abgestorbenes Pflanzenmaterial und Blattläuse übertragen werden. Indiz für einen Befall ist ein charakteristisches Mosaikmuster, dass sich etwa zwei Wochen nach einer Infektion bildet. Die Tomatenblätter rollen sich ein, die Pflanzen neigen zu Zwergenwuchs. Einzige Möglichkeit der Bekämpfung ist Vorbeugung. Betroffene Pflanzen müssen Sie entsorgen.

Tomatenmosaikvirus

Tipp: Der Tomatenmosaikvirus kann in abgestorbenen, vertrockneten Pflanzenresten mehr als 50 Jahre überleben und aus dem Boden heraus Pflanzen immer wieder anstecken bzw. infizieren.

Häufig gestellte Fragen

Können Tomaten trotz eingerollter Blätter noch gegessen werden?

Wenn feststeht, dass sich die Blätter nicht aufgrund einer Krankheit oder eines Schädlingsbefalls eingerollt haben, können die Tomaten gefahrlos gegessen werden.

Wie kann man einem Nährstoffmangel oder -überschuss vorbeugen?

Als Grundversorgung sind drei bis fünf Liter Kompost pro Quadratmeter Fläche ausreichend. Beim Pflanzen arbeitet man zusätzlich einen organischen Dünger, beispielsweise Hornspäne in den Boden ein. Mit Fruchtbildung kann man etwa alle vier Wochen mit einem flüssigen Biodünger oder entsprechend verdünnter Brennnesseljauche nachdüngen.

Müssen Tomaten unbedingt ausgegeizt werden?

Ausgeizen ist kein Muss, aber bei eintriebig gezogenen Sorten empfehlenswert, vornehmlich Stabtomaten. Nach dem Ausgeizen sind die Früchte wesentlich größer und aromatischer. Die Pflanzen benötigen weniger Platz und man kann Pilzkrankheiten vorbeugen. Bei Busch-, Strauch- und Wildtomaten sind derartige Eingriffe nicht notwendig, da sie auch an den Seitentrieben qualitativ gute Früchte bilden.