Veganen Dünger selber machen: Anleitung | Was steckt drin?

veganen Dünger selber machen

Wer sich veganer Ernährung oder einem Lebensstil abseits der Verwendung tierischer Produkte verschrieben hat, wird vegan düngen wollen. Da Düngemittel häufig viele Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs enthalten, wie zum Beispiel Knochenmehl, ist das natürlich keine Option für Menschen, die Ihre Pflanzen mit Nährstoffen versorgen wollen, vor allem wenn es sich um Gemüse, Obst oder Kräuter handelt. Wer keine horrenden Preise für teure, vegane Dünger zahlen will, kann diesen problemlos selbst machen.

Warum „veganer Dünger“?

Egal ob Sie Selbstversorger, Rosenliebhaber oder Besitzer eines prächtigen Rasens sind, Nährstoffe erhalten kultivierte Gewächse hauptsächlich über Düngezugaben. Wer sich selbst vegan ernährt oder seinen gesamten Alltag auf diese Lebensweise ausrichtet, fragt sich häufig, was veganer Dünger überhaupt ist und ob dieser sich lohnt.

Bei diesen Düngern handelt es sich um Nährstoffzugaben, die komplett frei von tierischen Bestandteilen sind. Die Inhaltsstoffe entstammen rein pflanzen oder mineralischen Ursprungs und sind deshalb für die Anzucht eigener Nahrungsmittel geeignet. Fertige Düngemittel, selbst auf organischer Basis, werden jedoch häufig aus den folgenden tierischen Produkten gewonnen:

  • Mist
  • Knochen
  • Schlachtabfälle
  • Harnstoff
  • Kot, zum Beispiel Guano
  • Haare
  • Federn

Zwar könnten Kot, Mist und Harnstoff als Ausscheidungen zum Düngen in Frage kommen, jedoch stammen die Produkte immer aus der Viehhaltung und sind dadurch auf jeden Fall nicht für Veganer in Ordnung. Selbst vegane Selbstversorger müssten Tiere wie Kühe oder Pferde dann mit dem Ziel, Mist zu produzieren, halten. Das kann der eigenen Auslegung des Veganismus widersprechen, da es sich hier um eine Form von Ausbeutung handeln kann.

Aus diesem Grund bietet es sich für Sie an, veganen Dünger selbst herzustellen. Mineraldünger dagegen ist anorganischen Ursprungs, zum Beispiel Urgesteinsmehl, und ist aus diesem Grund problemlos nutzbar.

Tipp: Die Nutzung von Kunstdünger ist für den Veganer, Pflanzenbesitzer oder Gärtner nicht wirklich zu empfehlen, da diese tierischen Ursprungs sein können. Zudem können sich diese auf Dauer negativ auf Ihren Gartenboden auswirken, was in keiner Form zu empfehlen ist und sich sogar schädlich auf die Umwelt auswirken kann, allen voran wichtigen Mikroorganismen und Insekten.

7 vegane Dünger

Wenn Sie mit veganen Mitteln düngen wollen, bieten sich zahlreiche Methoden an, diese selbst herzustellen. Das Beste: Ein Großteil dieser Erzeugnisse kann von Grund auf selbstgemacht werden, was vor allem für den eigenen Nutzgarten zu empfehlen ist. Die folgenden Düngemittel sind problemlos von alleine umzusetzen und einige sind sogar nach wenigen Minuten einsatzbereit, was sie besonders effektiv macht. Von klassischer Kompostierung über die Herstellung von Holzasche finden sich für den Veganer zahlreiche Methoden, um eigene Düngemittel einfach herzustellen.

Vegankompost

Kompost ist der Klassiker im Garten schlechthin. Er eignet sich für eine Vielzahl von Pflanzen und lässt sich selbst in kleinen Mengen herstellen. Für den veganen Gärtner ist es an sich sehr einfach, veganen Dünger herzustellen und dabei Küchen- und Gartenabfälle effektiv zu verwerten.

für den Kompost geeignete Materialien

Solange Sie ausschließlich pflanzliche Abfälle nutzen, ist der Vegankompost ideal umzusetzen. Wichtig bei diesem sind nur eine erhöhte Wasserzufuhr und die Verwendung roher Früchte- und Gemüseabfälle. Gekochte Lebensmittel zersetzen sich zu schnell und verhindern dadurch die Ansammlung von Mikroorganismen und anderen Nützlingen, die den Naturdünger überhaupt erst ermöglichen. Angewandt wird der Vegankompost auf die gleiche Weise wie herkömmliche Varianten und lässt sich aufgrund der feinen Struktur ideal mit Erde mischen. Aus diesem Grund können sie effektiv für Kübelpflanzen angewandt werden. Da Sie durch den Dünger ausreichend Ihr Gemüse und Obst düngen können, haben Sie immer ausreichend Abfälle zur Kompostierung verfügbar.

Pflanzenjauchen

Pflanzenjauche ist eine der besten Methoden, um auf vegane Weise Ihre Pflanzen im Garten und Topf zu düngen. Die Flüssigdünger entstehen über einen längeren Zeitraum durch das Vergären von Pflanzenmaterialien in Wasser. Das Wasser wird mit Inhalts- und Nährstoffen angereichert, mit denen Sie Ihre Pflanzen düngen können. Zahlreiche Pflanzen haben sich als Grundlage für eine Jauche bewährt und können von Ihnen angebaut oder gesammelt und anschließend verarbeitet werden:

  • Brennnessel (bot. Urtica)
  • Zwiebeln (bot. Allium cepa)
  • Beinwell (bot. Symphytum)
  • Knoblauch (bot. Allium sativum)
  • Acker-Schachtelhalm (bot. Equisetum arvense)
  • Giersch
  • Löwenzahn
  • Kamille

Vor allem die Brennnessel-Arten und der Acker-Schachtelhalm werden häufig und gerne als Grundlage für eine Pflanzenjauche verwendet. Da Brennnesseln so einfach zu sammeln sind, liegt es nahe, diese zu nutzen. Die Herstellung der Jauche basiert bei allen Pflanzen auf der gleichen Methode:

  • Zutaten: 1 kg Pflanzenmaterial, 10 l Wasser
  • kalkarmes Wasser verwenden
  • Pflanzenmaterial in eine Tonne oder ein großes Behältnis füllen
  • Behälter sollte aus Plastik, Holz oder Ton sein
  • Metallgefäße stören die Gärung
  • Behälter zu 75 Prozent mit Wasser füllen
  • nun zwei bis drei Wochen gären lassen
  • während dieser Zeit so oft wie möglich umrühren

Wundern Sie sich nicht, die Jauche wird beim Umrühren unangenehm stinken. Das ist aber ganz normal. Tägliches Umrühren sorgt für einen schnellen Gärungsprozess. Sobald die Mischung nicht mehr schäumt, ist die Jauche fertig und muss nur noch abgesiebt und mit Wasser verdünnt werden. Auf einen Teil Jauche werden zehn Teile Wasser verwendet. Lagern Sie die Jauche in einem verschlossenen Behälter.

Brennnesseljauche herstellen
Brennesselsud

Tipp: Eine schwächere Variante von Pflanzenjauche ist Gemüsewasser, bei dem Gemüse gekocht und das Kochwasser (ohne Salz) aufgefangen und als Zusatzdünger verwendet wird. Für Gemüsewasser eignen sich besonders gut Kartoffeln, Brokkoli, verschiedene Typen Kohl, Blumenkohl und Spargel.

Holzasche

Holzasche ist neben Brennnessel-Jauche und Vegankompost ideal als veganer Dünger. Sie können dafür eigentlich jedes Holz nehmen, das Sie zur Hand haben. Jedoch muss es unbehandelt, unlackiert und ausschließlich mit schwarz-weißem Zeitungspapier oder natürlichen Zweigen angezündet werden. Alternativ können Sie Holzkohle verwenden, aber keine echte Kohle. Die Asche enthält die folgenden Inhaltsstoffe in hohen Mengen:

  • Kalium
  • Phosphor
  • Eisen
  • Kalk

Aus diesem Grund ist Asche gut für Gewächse geeignet, die nicht viel Stickstoff vertragen. Natürlich müssen Sie bei der Verwendung von Asche darauf achten, etwas Stickstoff mit in die Erde zugeben, da dies sonst zu einem Defizit führt. Besonders effektiv zeigt sich Holzasche bei der Verbesserung des Bodens. Sie verbessert übersäuerte Standorte und reichert den Boden mit Nährstoffen an. Sie können diese sogar in geringen Mengen auf dem Kompost verteilen, was für einen wahren Nährstoffschub sorgt. Ansonsten verwenden Sie die Asche wie folgt:

  • Dosis: 30 Gramm pro Quadratmeter
  • Häufigkeit: 4 bis 6 Wochen, abhängig von der Pflanze

Tipp: Als Alternative zu Holz- ist Vulkanasche zu nennen, die ebenfalls veganen Ursprungs ist, sich aber nicht herstellen lässt und nur käuflich erworben werden kann. Vulkanasche besteht zum größten Teil aus Tuff, der den Boden verbessert und zahlreiche Nährstoffe für Ihre Gewächse bereithält.

Bananenschale

Selbst Bananenschalen können Sie nutzen, um vegan zu düngen. Dafür wird eine Bananenschale in kleine Stücke geschnitten und direkt in der Erde verteilt. Die Bananenschale enthält viel Kalium und Magnesium und wenig Stickstoff, was sie ideal für klassische Schwachzehrer macht. Achten Sie beim Kauf von Bananen unbedingt auf die Herkunft. Natürlich können Sie Bananenschalen direkt auf den Vegankompost geben.

Kaffee

Sie können Kaffee entweder direkt in flüssiger Form verwenden oder als Kaffeesatz direkt in die Erde einarbeiten. Kaffee verfügt über eine hohe Konzentration der folgenden Nährstoffe:

  • viel Stickstoff
  • Phosphor
  • Kalium
  • Mineralstoffe

Aus diesem Grund sollten Sie in regelmäßigen Abständen Kaffee anwenden. Dieser muss einfach nach dem Trocknen untergehoben werden. Flüssigen Kaffee verabreichen Sie im Rhythmus von zwei Wochen kalt.

Kaffeesatz als Dünger

Grüner und schwarzer Tee

Beim Tee ist es ähnlich wie mit dem Kaffeesatz. Beide enthalten viel Stickstoff und lassen sich daher gut als Stickstoffdünger im Garten verwenden. Hierfür verwenden Sie verbrauchte Teeblätter oder Beutel. Grüner und schwarzer Tee sind hier zu empfehlen, da Weißer oder Kräutertees recht schwach wirken. Jedoch bieten sich grüner und schwarzer Tee nur als Zusatzdünger an und lässt sich am besten zusammen mit Vegankompost verwenden. Die Verwendung erfolgt auf folgende Weise:

  • zusammen mit Vegankompost in Erde einarbeiten
  • dafür lose Teeblätter direkt unterheben
  • Teebeutel vorher öffnen
  • Inhalt mit Harke unterheben

Niemals den Tee auf der Erde verteilen, denn das lockt viel Ungeziefer an und kann zudem zur Bildung von Schimmel führen.

Dünger aus Bier

Bier ist ein guter Zusatzdünger. Wenn Sie zum Beispiel selbst Bier brauen oder veganes Bier zur Verfügung haben, können Sie Reste mit dem Gießwasser verdünnen und im Rhythmus von zwei Wochen verabreichen. Besonders gut ist diese Methode für Grünpflanzen geeignet. Blühende Gewächse sind nicht wirklich davon begeistert. Lassen Sie das Bier einfach eine Weile stehen, bevor Sie es anwenden. In Deutschland gebrautes Bier ist aufgrund des deutschen Reinheitsgebotes immer vegan. Aufpassen sollten Sie dabei mit importierten Bieren und Biermischgetränken. Diese könnten mit Gelatine oder Honig geklärt sein.

Tipp: Bier kann ebenfalls als Blattdünger zum Einsatz kommen, wenn Sie damit die Blätter einreiben. Das wirkt besonders gut gegen mögliche Schädlinge.

Alternativen

Als mögliche vegane Dünger könnten hier noch Algen und fossiler Muschelkalk erwähnt werden, nur handelt es sich bei diesen um Mittel, die Sie nicht wirklich selbst herstellen können. Den fossile Muschelkalk können Sie nur kaufen und das Sammeln von Algen ist ebenfalls nicht möglich. Diese beiden Produkte können Sie aber effektiv im Garten nutzen, denn gerade die Algen haben einen positiven Effekt auf zahlreiche Pflanzen, selbst bei der Kübelhaltung.

Tipp: Bitte achten Sie darauf, dass es für viele Zierpflanzen wie Orchideen spezielle Düngemittel gibt, die das Überleben der Pflanze in den heimischen Breitengraden ermöglichen. Diese sind häufig synthetischen oder tierischen Ursprungs und daher muss auf diese verzichtet werden, wenn Sie komplett auf veganes Düngen umsteigen wollen.

Wurmtee: vegan oder nicht?

Wurmtee ist ein beliebter Flüssigdünger für Pflanzen, die nicht zu viel Stickstoff erhalten sollen. Für diesen werden Kompostwürmer in einen Wurmkomposter gesetzt, der mit einer separaten Auffangschale versehen ist und mit Kompost gefüllt wird. Nun machen sich die Würmer daran, die Pflanzenreste zu zersetzen, was dazu führt, dass diese eine Flüssigkeit absondern, die als Wurmtee aufgefangen wird. Wurmtee kann als vegan bezeichnet werden, da normaler Kompost ebenfalls über die Hilfe von Würmern entsteht. Jedoch kaufen Sie für Wurmtee gezüchtete Würmer, was schon als nicht mehr veganes Verhalten gesehen werden kann. Die Entscheidung, Wurmtee zu nutzen, bleibt demnach Ihnen überlassen.

Würmer im Kompost

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