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Unten kahle Ligusterhecke radikal schneiden

Verkahlte Ligusterhecke schneiden

Der Liguster (Ligustrum) bildet aufgrund zahlreicher Blätter einen dichten Sichtschutz. Wirft er jedoch seine unteren Blätter ab, ist dieser dahin. Mit unserer Anleitung schneiden Sie die verkahlte Ligusterhecke optimal und hauchen ihr so neues Leben ein.

Auf den Punkt gebracht

  • Ligusterhecken verkahlen meist durch Nachlässigkeit beim Schneiden
  • Ursache: mangelhafte Lichtverhältnisse
  • Liguster beginnt unten Blätter abzuwerfen
  • Radikalschnitt regt Neuaustrieb an

Geeignetes Schnittwerkzeug

Bevor Sie beginnen, die verkahlte Ligusterhecke zu schneiden, ist für geeignetes Schnittwerkzeug zu sorgen. Um ausgefranste, schlecht verheilende Schnittwunden sowie die Übertragung von Krankheitserregern zu vermeiden, sollte es deshalb folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • scharf
  • sauber, zuvor desinfiziert
  • gerade Schnittführung möglich
  • ideal geeignet: Garten-, Rosen- und Astscheren, elektrische Heckenscheren

Tipp: Für die Desinfektion sind Desinfektionssprays oder -tücher mit mindestens 70 prozentigem Isopropanol am einfachsten und zuverlässigsten zu verwenden. Alternativ wirkt auch Spiritus desinfizierend.

Bester Zeitpunkt

Damit die Ligusterhecke nach dem Schneiden kräftig ausschlägt, ist der beste Zeitpunkt für den Radikalschnitt im zeitigen Frühjahr gegeben. Dann steht die Vegetationsperiode bevor und das Ölbaumgewächs produziert reichlich benötigte Energie für den Austrieb. Zudem sollte für den Rückschnitt ein Tag gewählt, der bestimmte Eigenschaften mit sich bringt:

  • Trockenheit, um Infektionsrisiko zu minimieren
  • Bewölkung, weil Sonne zu Verbrennungen und gelben Blättern führen kann
  • frostfrei, aufgrund erhöhtem Risiko von Kälteschäden
Ligusterhecke mit elektrischer Heckenschere schneiden

Hinweis: Ein Radikalschnitt, bei dem der Liguster viel an Volumen und Höhe verliert, ist zwischen dem 1. März und 30. September gesetzlich verboten. Deshalb sollte der Schnitt frühzeitig vorgenommen werden.

Zwei Schnittvarianten

Der Rückschnitt zur Anregung des Neuaustriebs ist in zwei verschiedenen Variationen durchführbar, die auch in Kombination zur Anwendung kommen können.

Radikalschnitt oberer Triebe

Verkahlt eine Ligusterhecke, gelangt in der Regel nicht ausreichend Licht ins Pflanzeninnere und den unteren Pflanzenbereich. Damit kann keine Photosynthese erfolgen und das Gewächs wirft „unnützes“ Blattwerk ab. Die Lösung ist ein Rückschnitt, durch den wieder Licht an unten liegende Pflanzenteile scheint. Dazu müssen die oberen Triebe entfernt werden.

Diese Rückschnitttechnik geht bei Bedarf der zweiten Schnitttechnik voraus. Ist eine Ligusterhecke unten nur minimal verkahlt, reicht meist auch nur die Entfernung der oberen Triebe. Die folgende Anleitung beschreibt die Vorgehensweise:

  • obere Triebe um mindestens ein Drittel kürzen
  • bei hoch reichender Verkahlung bis zu zwei Drittel im alten Holz abschneiden
  • vertrocknete Triebe dicht am Ansatz entfernen (vor allem im Heckeninneren)
Ligusterhecke mit oben geschnittenen Trieben

Auf Stock setzen

Ist die Ligusterhecke schon stark verkahlt, sind weitere Triebe radikal abzuschneiden. Hiervon sind die Seitentriebe betroffen, die nach der Entfernung der oberen Triebe an der Reihe sind. Weil sie stark und fast bis zum Stock eingekürzt werden, wird diese Rückschnitttechnik als „auf Stock schneiden“ bezeichnet. Wie das funktioniert, zeigt die Anleitung:

  • alle Seitentriebe etwa drei Zentimeter vorm Stamm abschneiden (dient der Verzweigung)
  • auch nicht verkahlte Triebe entfernen
  • erster Neuaustrieb bei höheren Temperaturen
  • dann oberen Triebteil in der Breite so lange schmal halten bis Seitentriebe gleiche Breite erreicht haben
  • Wuchshöhe bis zum regulären Nachschnitt nicht korrigieren

Düngen und wässern

Wurde eine Ligusterhecke radikal gekürzt, steigen der Nährstoff- und Wasserbedarf deutlich. Vor allem für ein dichtes Blattwerk ist nun Hilfe mittels Düngung angebracht. Folgendes sollte dabei Berücksichtigung finden:

  • Grünpflanzendünger unverzüglich nach Rückschnitt verabreichen
  • bis August alle zwei Wochen wiederholen
  • hoher Stickstoffgehalt fördert Blattwachstum
  • alternativ mit reifen Kompost oder Hornspänen düngen
  • nach Rückschnitt und Düngung großzügig gießen
  • im weiteren Verlauf Bodenaustrocknung vermeiden
Hand voller Hornspäne
Hornspäne versorgen die Ligusterhecke mit wichtigen Nährstoffen.

Vorbeugung

Damit Ligusterhecken nicht häufiger radikal zu kürzen sind, sollte dem Verkahlen intelligent vorgebeugt werden. Das ist auf folgende Weise zu erreichen:

  • zweimal jährlich leichte Rück- und/oder Formschnitte durchführen
  • beste Zeitpunkte zwischen Februar und Mai sowie im August
  • quadratische oder rechteckige Formen vermeiden (Schattenbildung im unteren Bereich)
  • Seitentriebe von unten nach oben schräg schneiden

Häufig gestellte Fragen

Kann eine Ligusterhecke radikal bis zum Boden zurückgeschnitten werden?

Ja, aber normalerweise verkahlen sie nicht bis in den obersten Bereich, sodass ein bodennaher Rückschnitt nicht erforderlich wird. Das wird in der Regel nur gemacht, wenn Ligusterhecken sehr geschwächt sind. Erkrankungen und Schädlingsbefälle sind meist Ursachen für eine starke Schwächung. Aber auch Pflegefehler können Gründe für einen Radikal-Rückschnitt bis auf den Boden sein.

Sind Ligusterhecken mit Kugelform besonders gefährdet zu verkahlen?

Das kommt darauf auf den Standort und vor allem auf die jeweiligen Pflanzabstände ab. Grundsätzlich neigen Kugelformen tatsächlich mehr zum Verkahlen, weil mittig der breiteste Umfang besteht und sich das Blattwerk nach unten hin „verjüngt“. Hier ist es wichtig, dass seitlich aus allen Richtungen Licht und Sonne an die Blätter gelangen. Dazu ist eine Einzelpflanzung erforderlich. Als dichte Hecke sind kugelige Liguster deshalb weniger bis gar nicht geeignet.

Können verkahlte Ligusterhecken auch im Herbst stark geschnitten werden?

Theoretisch ja, aber die Witterungsbedingungen im Herbst bergen ein erhöhtes Risiko für Infektionen und Kälteschäden durch möglichen Frost nach einem Rückschnitt. Zudem kommt es zu einem verzögerten Neuaustrieb. Es ist deshalb empfehlenswert, sie verkahlt durch den Winter gehen zu lassen und frühestens im Februar zurückzuschneiden.

Mirko ist zwar studierter Anglist, beherrscht aber auch die Sprache der Pflanzen perfekt. Er wuchs quasi im Schrebergarten seiner Großeltern auf und verbringt den Großteil seiner Freizeit in der Natur, wenn er nicht gerade schreibt.

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