Wasserader finden: wie finde ich Grundwasser im Garten?

Wer das Wort Wasserader hört oder liest, denkt meist sofort auch an Wünschelrutengänger. Diese werden tatsächlich auch heute noch bemüht, um Wasser zu finden. Dabei gibt es nicht den geringsten wissenschaftlichen Beweis dafür, dass das auch funktioniert. Mehr noch: Es gibt noch nicht einmal so etwas wie eine Wasserader in unseren Breiten. Grundwasser tritt bei uns flächenmäßig auf. Um es zu erschließen, braucht es definitiv keine Wünschelrute, sondern etwas Wissen.

Wasserader

Wenn man sich unter einer Wasserader eine Art Kanal vorstellt, der unterirdisch verläuft und angebohrt werden muss, um Wasser über einen Brunnen fördern zu können, liegt man komplett falsch. Grundwasser verläuft nicht in Kanälen oder Adern. Es ist vielmehr flächig vorhanden und fließt auch nicht, sondern bewegt sich allenfalls sehr, sehr langsam. Grundwasser ist in Europa mehr oder weniger überall vorhanden. Man muss nur tief genug bohren, um es anzuzapfen. Allerdings gibt es bestimmte geologische Formationen, bei denen das Wasser relativ nahe an der Oberfläche anzutreffen ist.

Scharlatanerie

Zieht man die Erkenntnisse der Geologie und der Hydrogeologie in Betracht, dann kann von Wasseradern keine Rede mehr sein. In den Bereich der Scharlatanerie gehört zudem die Behauptung, diese angeblichen Adern würden dann auch noch eine Strahlung aussenden. Und ein noch viel größerer Quatsch ist, dass besonders befähigte Personen diese Strahlung mittels einer Wünschelrute wahrnehmen können. Um es noch einmal deutlich zu sagen: Es gibt dafür bis heute nicht den geringsten wissenschaftlichen Beweis. Wer sich in seinem Garten also einen Brunnen bohren möchte, kann getrost auf den Einsatz eines Wünschelrutengängers verzichten.

Wasser finden

Es gibt Hydrogeologen, die sich darauf festlegen, dass man in Europa überall Wasser finden wird, wenn man nur tief genug bohrt. Da das Gerede von der Wasserader wissenschaftlich gesehen schlicht Unsinn ist, muss ein solch wasserhaltiger Kanal auch nicht erst aufgespürt werden. Im Prinzip lässt sich in jedem Garten flächenmäßiges Grundwasser aufspüren und dann auch fördern. Allerdings kann der Aufwand dafür unterschiedlich groß sein. Effektiver und in der Regel auch kostengünstiger als die Wünschelrute sind deshalb hydrogeologische Übersichtskarten.

Übersichtskarten

Diese hydrogeologischen Übersichtskarten geben relativ detailliert Auskunft darüber, wie ergiebig die wasserhaltige Schicht in der Erde ist. Diese Karten können beispielsweise bei Landratsämtern, Stadt- und Gemeindeverwaltungen und den Wasserwirtschaftsämtern eingesehen werden. Mit ihrer Hilfe lässt sich zunächst einmal grundsätzlich abschätzen, ob eine Bohrung im eigenen Garten wirklich Sinn macht. Die Einsicht ist meist kostenlos. Ausdrucke gibt es für eine geringe Gebühr.

Klüftiges Gestein

Maßgeblich für die Ergiebigkeit eines möglichen Brunnens ist das Gestein einer wasserundurchlässigen Bodenschicht. Ganz allgemein lässt sich sagen: Je klüftiger dieses Gestein ist, desto größer ist die Chance auf einen ergiebigen, nachhaltigen Brunnen. Die Gesteinsklüfte sorgen nämlich dafür, dass immer genug Grundwasser nachfließen kann, wenn aus dem gebohrten Brunnen Wasser entnommen wird. Letztlich wird also durch sie eine zuverlässige Wasserversorgung gewährleistet.

Brunnen planen

Wer sich überlegt, in seinem Garten einen Brunnen zu bohren, um dadurch die Pflanzen mit Wasser versorgen zu können, tut also gut daran, sich zunächst einmal mit der Geologie seines Wohngebietes auseinanderzusetzen. Aussichtsreich sind dabei vor allem Gebiete, die in ihrem Untergrund folgendes aufweisen:

  • Sand
  • Kies
  • klüftiges Gestein: Kalksteine, Dolomite, Basalte, Sandsteine

Sind diese Formationen im eigenen Garten nicht zu finden, macht es in der Regel nur wenig Sinn, einen Brunnen bohren zu wollen – Wasserader hin oder her. Zur Planung eines Brunnens gehört es daher in einem ersten Schritt, sich möglichst intensiv mit der Hydrogeologie des Untergrunds zu beschäftigen.

Deutliche Hinweise

Um bestimmen zu können, ob eine Bohrung sinnvoll ist, braucht es freilich nicht zwingend vertiefte geologische Kenntnisse. Es gibt andere, zum Teil sehr deutliche Hinweise. Gab es auf dem Grundstück beispielsweise schon einmal einen Brunnen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich eine erneute Bohrung lohnt. Das gilt auch, wenn auf Nachbargrundstücken Brunnen vorhanden sind. Bodenformationen erstrecken sich meist über sehr große Flächen hinweg. Sie beschränken sich in den allermeisten Fällen jedenfalls nicht auf ein einziges Grundstück. Es ist daher mehr als wahrscheinlich, dass sich ein Brunnen auf dem eigenen Grundstück lohnt, wenn der Nachbar bereits einen Brunnen hat.

Grundwasserspiegel

Mit diesen Erkenntnissen ist allerdings noch nicht geklärt, wo genau auf dem eigenen Grundstück gebohrt werden soll. Gerade dadurch versuchen ja die Scharlatane mit der Wünschelrute zu punkten, indem sie angeblich ganz genau bestimmen können, wo gebohrt werden muss. Eine Reihe von unabhängigen Versuchen hat allerdings ergeben, dass es sich dabei zumeist um Zufallstreffer handelt. In der Regel kommt man deshalb um Probebohrungen nicht herum, wenn die grundsätzlichen Voraussetzungen stimmen. Diese Probebohrungen lassen sich wesentlich erleichtern, wenn man den Grundwasserspiegel in seiner Region kennt. Stößt man dann in einer bestimmten Tiefe nicht auf Wasser, kann man sich das Weiterbohren an dieser Stelle sparen. Auskünfte über den Grundwasserspiegel bekommt man von seinem Wasserversorger.

Negative Befunde

Fördert die Bohrung vor allem Sand und Kies sowie lockeres Gestein zutage, ist man grundsätzlich auf einem guten Weg. Daneben gibt es natürlich auch negative Befunde. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn hauptsächlich Ton und Lehm an die Oberfläche befördert werden. Beide Materialien sind beinahe wasserundurchlässlich. Das bedeutet dann auch, dass durch sie kein Wasser nachfließen könnte. Die Voraussetzungen für einen ergiebigen Brunnen sind damit nicht gegeben und man kann sich die weitere Arbeit sparen.

Geduld und Probebohrungen

Wasser im eigenen Garten zu finden, erfordert meist jede Menge Geduld. Ohne Probebohrungen geht es häufig nicht. Andererseits kommt es auch relativ häufig vor, dass schon beim ersten Versuch ein Treffer gelandet wird. Das gilt vor allem dann, wenn die hydrogeologischen Voraussetzungen grundsätzlich stimmen. Der Aufwand, der nötig ist, um Wasser zu finden und einen Brunnen zu etablieren, zahlt sich im Laufe der Zeit im wahrsten Sinne des Wortes aus – man spart nämlich schlicht Wassergebühren.

Grundwassermessung
Grundwassermessung

Wasserader ade

Es versteht sich beinahe von selbst, dass die Versuchung groß ist, sich bei all dem Aufwand dennoch auf den Mann oder die Frau mit der Wünschelrute einzulassen. Darum noch einmal: Es gibt keine Wasseradern. Es gibt folglich auch keine Strahlung, auf die die Wünschelrute reagieren könnte. Haben Wünschelrutengänger trotzdem Erfolg, liegt das meistens daran, dass sie genau jene hydrogeologischen Kenntnisse nutzen, die man sich überall holen kann. Eine Punktlandung ist aber auch bei ihnen sehr selten. Eine Wasserader ist grundsätzlich nicht zu finden. Auf das Grundwasser kommt es an.

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