Wespen gehören für viele Menschen trotz ihrer Wichtigkeit für die Natur zu den größten Störenfrieden. Die Insektenjäger machen vor allem gegen Sommerende auf sich aufmerksam, wenn sie sich immer näher an die Nahrungsmittel der Menschen wagen, weil die eigenen Nahrungsquellen schwinden. Wird dazu noch ein Wespennest gefunden, ist es mit der Ruhe meist vorbei. Wer dieses entfernen will, frägt sich, ob die Wespen wie Bienen im Nest überwintern oder nicht.

Überleben Wespen den Winter?

Ein großer Unterschied zwischen Bienen und den Arten der Unterfamilie Vespinae ist die Art der Überwinterung. Während Bienen über die kalte Jahreszeit ihren Bienenstock als Winterquartier nutzen, löst sich der Staat bei den Wespen komplett auf. Bienenvölker bilden sogenannte Wintertrauben mit der Königin in der Mitte. Wohingegen junge Wespenköniginnen das Wespennest vor dem Winter verlassen und sich einen Unterschlupf bis ins neue Jahr suchen. Der Rest des Stamms und die alte Königin sterben und das Nest kann vom Menschen über die Wintermonate ohne Genehmigung entfernt werden. Das Auflösen des Staats wird von allen Wespenarten durchgeführt, die in Deutschland vorkommen.

Ja, selbst Hornissen folgen dem gleichen Jahresverlauf wie die anderen Wespenarten. Da es sich bei den Vespa um größere, friedliche Varianten handelt, vergessen viele Menschen, dass es sich hier um die gleiche Familie handelt. Das heißt, egal ob Sie ein Hornissen- oder Wespennest finden, diese haben sich alle bis zum Wintereintritt aufgelöst. Je nach Art kann es jedoch vorkommen, dass die Jungköniginnen im nächsten Jahr wieder zum gleichen Nistplatz zurückkehren, da sie bestimmte Standorte bevorzugen. Das ist vor allem der Fall bei Feldwespen. Wann sich ein Wespenstaat auflöst, hängt jedoch mit vielen Faktoren zusammen, die weiter unten ausführlich erklärt werden.

Wespennest mit Wespen daran

Tipp: Selbst die Kuckuckswespen, darunter die Berg-Feldwespen-Kuckuckswespe (Polistes atrimandibularis), Falsche Kuckuckswespe (Dolichovespula adulterina) und Österreichische Kuckuckswespe (Vespula austriaca) lösen sich spätestens im Herbst auf. Durchschnittlich ist die Lebensdauer dieser Kolonien sogar noch kürzer.

Überwintern: Ablauf

Das Überwintern und gleichzeitige Auflösen des Wespenstaats geschieht nicht von heute auf morgen. Wenn sich der Sommer dem Ende zuneigt, tritt ein genau geplanter Ablauf ein, der mit dem natürlichen Lebenslauf der Tiere zusammenhängt. Die folgenden Schritte erläutern diesen Ablauf im Detail:

1. Junge Königinnen verlassen das Nest

Die Auflösung des Wespenstaats vor der Winterzeit beginnt je nach Wespenart schon Mitte August und reicht bis Anfang Mitte Oktober. Das ist abhängig von der Außentemperatur, denn diese bestimmt den Zeitpunkt der Paarung der Jungköniginnen, deren Auszug den „Untergang“ des Nests einläutet. Dabei verlassen bis auf die folgenden vier Wespenarten die jungen Königinnen schon Mitte bis Ende August ihre Kolonien:

  • Deutsche Wespe (Vespula germanica)
  • Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)
  • Hornisse (Vespa crabro)
  • Asiatische Hornisse (Vespa velutina var. nigrithorax)

Bei diesen beginnt der Auszug erst Mitte bis Ende September.

2. Befruchtung und Winterquartier

Den Jungköniginnen folgen unmittelbar nach dem Auszug die Drohnen, also die männlichen Tiere, da diese für die Befruchtung notwendig sind. Im Staat selbst verbleiben nur noch die Arbeiterinnen und die alte Königin, die nicht überwintern, sondern über den Winter sterben.

Nach der Befruchtung der Jungköniginnen sterben die Drohnen über einen Verlauf von mehreren Wochen, kehren aber nicht mehr zum Wespennest zurück. Die Königinnen können sogar mehrmals befruchtet werden und suchen sich daraufhin ein geschütztes Quartier für den Winter. Das können zum Beispiel Rindenstücke, Holzstapel oder Erdlöcher sein, die über ein stabiles Mikroklima verfügen, welches nur geringfügigen Schwankungen ausgesetzt ist. Dachböden und Rollladenkästen sind ebenfalls gerne gesehen.

3. Winterstarre

Über die kalte Jahreszeit verbleiben die Jungköniginnen der Wespen in der Winterstarre. Sie legen sich dabei mit der Unterseite auf den Boden, klappen ihre Fühler, Beine und Flügel eng an den Körper an, um nicht zu erfrieren. Gleichzeitig wird eine Art „Frostschutzmittel“ (Glyzerol) von ihr erzeugt, durch das sie die kühlen Temperaturen überstehen kann.

4. Alte Königin & Absterben der Kolonie

Nach dem Auszug der Jungköniginnen verbleiben die Arbeiterinnen weiterhin im Wespennest und kümmern sich weiter um junge Arbeiterinnen, aber nicht mehr um die alte Königin. Diese verlässt daraufhin den Staat und stirbt nach wenigen Wochen. Die typische Lebensdauer von Königinnen beträgt etwa ein Jahr.

Da die alte Königin den Staat verlassen hat, werden keine neuen Arbeiterinnen mehr zur Welt gebracht. Das führt über die nächsten Wochen zum kompletten Absterben der Kolonie. Der Zeitraum für den Großteil der Wespenarten liegt dabei zwischen der letzten Augustwoche und Mitte September, also schon recht früh. Nur die unter Schritt 1 genannten Arten halten bis November durch.

Die Arbeiterinnen der Wespen halten solange durch, bis keine Larven mehr vorhanden sind, um die sich gekümmert werden muss oder keine Nahrung mehr auffindbar ist. Diese Wespen sterben aber nicht in den verlassenen Nestern, sondern beim Versuch, Nahrung zu finden. Dadurch stehen die Nester im Hochwinter komplett leer und können ohne Probleme mit dem Naturschutz auf eigene Faust entfernt werden.

5. Neugründung Wespenstaat

Sobald es im Frühling, meist gegen Mai, wärmer wird, wachen die jungen Königinnen aus ihrer Starre auf und beginnen, einen neuen Staat zu gründen. Dabei suchen die Wespen nur selten Plätze aus dem Vorjahr auf.

Im Durchschnitt schaffen es acht bis zehn von 10.000 Jungköniginnen, einen Staat im nächsten Jahr zu gründen. Die anderen werden von Vögeln oder anderen Tieren gefressen oder fallen Bakterien und Pilzen zum Opfer, wenn es zu Temperaturschwankungen kommt. Der wirkliche Zeitpunkt der Nestauflösung kann sich deutlich verzögern, je nachdem wo Sie wohnen. Die Außentemperatur spielt dabei eine entscheidende Rolle, denn in wärmeren Regionen Deutschlands verlassen die Jungköniginnen manchmal bis zu zwei oder drei Wochen später ihr Nest. Das ist vor allem der Fall im warmen Süden und Westen Deutschlands und den Weinbaugebieten, in denen höhere Temperaturen als im Rest des Landes herrschen. Das heißt, wenn Sie ein Wespennest in der Nähe haben, sollten Sie besonders vorsichtig sein, wenn es im Herbst noch recht warm ist. Denn dann könnten sich noch zahlreiche Arbeiterinnen in diesem befinden.

Wespen an Wespennest

Tipp: Falls Sie über den Winter ein oder zwei größere Wespen in Ihren Wohnräumen  sehen, handelt es sich wahrscheinlich um Jungköniginnen, die ihr Winterquartier in Ihren vier Wänden bezogen haben und durch die Wärme plötzlich aufgewacht sind. Ist das der Fall, sollten Sie diese vorsichtig einsammeln und ihnen etwas Zuckerwasser zum Trinken reichen. Danach werden sie langsam an die kühlen Außentemperaturen gewöhnt, damit diese wieder in ihre Winterstarre zurückfallen können.

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