Aufbau Wespennest - Titel

Jeder kennt Wespen – als Störenfried, als vermeintlich „gefährliche“ Insekten oder in ähnlicher Sichtweise. Aber wussten Sie, dass jedes Volk dieser faszinierenden Tiere eine hochkomplexe, technisch ausgereifte Behausung errichtet? Wir geben Auskunft über den allgemeinen Aufbau eines Wespennests.

Auf den Punkt gebracht

  • Standort, Größe und Bauweise variiert von Wespenart zu Wespenart
  • ein Wespennest wird nur ein Jahr lang genutzt
  • als Baumaterial dient zerkautes Totholz, das mit Speichel vermengt wird
  • Wespennester verfügen über Lufttaschen, eine Art natürlicher Klimaanlage

Der Standort

Noch vor dem eigentlichen „Wie“ stellt sich bei Wespennestern zuallererst die Frage nach dem „Wo“. Denn der Standort beeinflusst die Bauweise und die damit beabsichtigten Funktionen der Wespenbehausung unmittelbar. Im Allgemeinen bevorzugen Wespenarten zwei verschiedene Standorte:

Wespennest

Deutsche Wespe und Gemeinde Wespe – Standorte mit folgenden Eigenschaften:

Hier wird ein besonders hoher Schutz der Brut sowohl vor Witterungseinflüssen, aber genauso vor Fressfeinden erreicht.

sonstige Arten – Standorte mit folgenden Eigenschaften:

  • begrenzter Witterungsschutz
  • gut belüftet
  • meist frei hängend bzw. nur „angelehnt“
  • z.B. an Baumstämmen, unter Ästen etc.

Diese Positionierung ermöglicht den Wespen einen besonders einfachen Zugang zum Nest. Zugleich wird eine mögliche Aufheizung durch die gute Belüftung verhindert. Zudem führt die gute Umlüftung Feuchtigkeit rasch ab und hilft, die Ansiedlung von Pilzen, Keimen oder anderen Erregern zu vermieden.

Das Baumaterial

Wer einmal ein Wespennest oder seine Reste aus der Nähe betrachten oder gar anfassen konnte, dem fällt zuallererst die extreme Leichtigkeit des Materials auf. Sowohl optisch als auch haptisch erinnert es sehr stark an das Pappmaché, das wir als Kinder alle zu Laternen oder anderen Gebilden geformt haben. Und in der Tat handelt es sich um einen eng verwandten Baustoff. Denn die Wespen nutzen totes, teilweise verrottetes Holz und vermengen die zerkauten Fasern mit ihrem Speichel zu einer formbaren, nach dem Trocknen sehr zähen und zugleich leichten Masse. Rein technisch betrachtet erzeugen die Tiere letztlich einen Verbundstoff aus einem natürlichen Klebstoff und Zellulosefasern – dem Holz. Je nach Wespenart und auch vorgefundenem Holz kann die Farbe dabei zwischen Hellgrau, Dunkelgrau und sogar Brauntönen variieren.

Hornissen-Nest

Hinweis: Da die Wespennester aus einem organischen Material erstellt werden, sind sie vergleichsweise anfällig für Pilze, Parasiten und andere schädliche Erreger. Daher nutzen Wespen ein Nest immer nur eine Saison lang, bis der Wespenstaat im Herbst ohnehin abstirbt. Jede Jungkönigin beginnt mit der Staatengründung im Frühjahr den Bau einer neuen Behausung.

Die Bauweise

Bei der Konstruktion ihrer Behausung erweisen sich Wespenvölker als versierte Baumeister und innovative Konstrukteure. Unabhängig von der genauen Ausprägung je nach Standort und Wespenart weist ein Wespennest immer einige grundlegende Konstruktionsprinzipien auf:

Aufbau Wespennest
  • kugel- bis tropfenförmige Grundform
  • stark variierende, organische Ausprägung dieser Grundform
  • Innenraum bis auf Gänge komplett mit Waben gefüllt
  • innen sehr regelmäßige, gleichförmige Anordnung der Waben
  • Waben als Brutplätze und für hohe konstruktive Stabilität
  • Aufbau und Wachstum meist vom Frühjahr bis zur Endgröße im Frühsommer

Konstruktive Details

Neben dem allgemeinen Aufbau weist ein Wespennest einige konstruktive Eigenheiten auf, die sich trotz ihrer augenscheinlichen Einfachheit als echte Glanzleistungen konstruktiver Leistungsfähigkeit herausstellen:

Das Ein- und Ausflugloch

Die Ein- und Ausflugsöffnung eines jeden Nests befindet sich an der Unterseite. So kann kein Regen eindringen und die Belastung mit Feuchtigkeit wird auf ein Minimum reduziert. Ergänzend werden die äußeren Schichten der Nesthütte als Tropfrand über die Einflugöffnung hinausgezogen. So bleibt auch das kapillare Aufsteigen von Regenwasser an der Innenseite des Nests an das empfindliche Innenleben aus.

Wespennest
Wespennest mit Ausflugsloch und Lufttaschen

Lufttaschen

Die Nestbauten der Gemeinen Wespe und der Deutschen Wespe weisen an der Außenhülle halbkreisförmige, nach unten offene Lufttaschen auf. Sie werden in die Schichten der Hülle integriert und dienen als Temperaturpuffer. So wird sowohl die sommerliche Überhitzung, als auch das zu starke Auskühlen trotz einfachster Maßnahmen wirkungsvoll verhindert. Der Aufbau eines Wespennests scheint beim näheren Hinsehen also so einfach wie genial.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist ein Wespennest trotz Pappmaché wasserfest?

Obwohl das Baumaterial der Wespen organisch ist und einen hohen Anteil an Pflanzenfasern beinhaltet, macht es der Speichel der Wespen und die vergleichsweise dichte Oberfläche sehr unempfindlich gegenüber Wasser. Eine dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit macht dem Nest aber trotzdem mit der Zeit zu schaffen. Deshalb suchen viele Arten Standorte mit zumindest mäßigem Wetterschutz.

Lässt sich am Wespennest die Wespenart erkennen?

Ja. Die typischen großen Nester, die vor allem dunkel und versteckt gebaut werden, entstammen häufig den besonders lästigen Arten Deutsche Wespe und Gemeinde Wespe. Kleine, höchstens faustgroße Nester, die immer wieder an verschiedensten Stellen an Haus und Garten angetroffen werden können, gehören dagegen in aller Regel anderen, harmlosen Arten.

Darf ich Wespennester entfernen?

Nein. Wespen unterliegen dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Daher dürfen sie nicht getötet oder auch „nur“ gestört werden. Dazu zählt auch das Entfernen des Nests. Muss ein Nest beseitigt werden, kann es von Fachleuten unter strengen Auflagen an einen anderen Standort verlegt werden.