Wie giftig ist Blauregen/Glyzinie für Menschen, Hunde oder Katzen?

Blauregen, Glyzinie

Blauregen ist ein majestätischer Kletterstrauch, der Wuchshöhen von bis zu 20 Metern erreichen kann. Sein sommergrünes Laubkleid besteht aus dekorativen Fiederblättern. Im Frühling begeistert er mit hängenden, blauen Blütentrauben, die sich im Spätsommer in bis zu 15 cm lange Hülsenfrüchte verwandeln. Angesichts so viel floraler Prachtentfaltung stellt sich zu Recht die Frage, wie giftig die Glyzinie ist für Mensch und Tier. Lesen Sie hier wie es um die Toxizität bestellt ist.

Gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe

Ein Blauregen ist durchströmt von verschiedenartigen Inhaltsstoffen, die bei Menschen eine Vergiftung auslösen können. Da sich diese Toxine unterscheiden hinsichtlich ihrer Art, Konzentration und Auswirkung auf den Organismus, werden sie im Folgenden detailliert geschildert.

Lektin

Lektin in Samen und Hülsen

Lektine sind in nahezu allen Hülsenfrüchten enthalten und lösen in rohem Zustand oder höherer Konzentration gesundheitliche Beschwerden aus. So können Gartenbohnen erst dann unbesorgt verzehrt werden, wenn sie durchgegart sind.

In den Früchten des Wunderbaums sind Lektine in Form von Ricin in einer so hohen Dosierung enthalten, dass bereits wenige Gramm tödlich sind. Somit sind die Hülsenfrüchte einer Wisteria ebenfalls mit Vorsicht zu behandeln. Bei Kindern löst der Verzehr von 2 Samen, bei Erwachsenen ab 3 Samen die folgenden Vergiftungssymptome aus.

Vergiftungssymptome:

  • geweitete Pupillen
  • Gesichtsblässe
  • heftige Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Magenkrämpfe und Durchfall

Blauregen, Glyzinie enthält einige schädliche Stoffe

Der Verzehr größerer Mengen an Hülsen und Samen verursacht schlimmstenfalls einen Kreislaufkollaps, der mit anschließendem Herzstillstand tödlich endet. Fatalerweise üben die Hülsenfrüchte auf Kinder einen unwiderstehlichen Reiz aus, weil sie bei Reife mit einem lauten Knall zerplatzen, um die Samen heraus zu schleudern.

Wistarin

Wistarin in Rinde und Wurzeln

Sie schaffen die toxische Gefahr nicht aus der Welt, indem Sie die verwelkten Blüten einer Glyzinie rechtzeitig vor dem Wachstum der Hülsenfrüchte schneiden. In der Rinde und den Wurzeln befinden sich weitere Giftstoffe. Dabei handelt es sich um Wistarin, ein ausschließlich im Blauregen vorkommendes Glykosid.

Eine definitive Einstufung der Gefährlichkeit haben Wissenschaftler bislang noch nicht vorgenommen. Tatsache ist, dass dieses Pflanzengift über Hautkontakt oder Verzehr aufgenommen wird. Ab einer unbekannten Menge schädigt Wistarin das zentrale Nervensystem und verursacht Erbrechen bis hin zu einer akuten Atemlähmung.

Ein Verzehr in gesundheitsschädlicher Menge von Rinde und Wurzeln ist wenig wahrscheinlich, da Wistarin einen sehr unangenehmen, bitteren Geschmack hat. Die Aufnahme mittels Hautkontakt liegt schon eher im Bereich des Möglichen. Das gilt insbesondere dann, wenn sich Gärtner beim Rückschnitt nicht gegen eine Berührung mit dem Pflanzensaft schützen, indem sie Handschuhe tragen.

Blauregen mit einer Blütenrispe

Alkaloide

Alkaloide in allen Pflanzenteilen

In der Pflanzenwelt haben Wissenschaftler mehr als 10.000 Alkaloide ausfindig gemacht. Diese organischen Verbindungen sind allesamt giftig und signalisieren ihre Anwesenheit durch einen bitteren Geschmack.

Gelangen Alkaloide mittels Verzehr oder Berührung in den Organismus, üben sie – je nach Art – eine charakteristische, zumeist gesundheitsbedrohende Wirkung aus. Wenngleich die im Blauregen nachgewiesenen Alkaloide vergleichsweise harmlos sind, können sie dennoch bei empfindlich veranlagten Menschen infolge Hautkontakt Dermatitis und andere schmerzhafte Hautirritationen auslösen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Vergiftung

Treten die typischen Symptome für eine Vergiftung durch Blauregen bei Erwachsenen oder Kindern auf, besteht unmittelbarer Handlungsbedarf. Betätigen Sie zuerst den Notruf. Während Sie auf ärztliche Hilfe warten, nehmen Sie diese Erste-Hilfe-Maßnahmen vor.

Maßnahmen:

  • dem Kind oder Erwachsenen Wasser oder Tee in kleinen Schlucken zu trinken geben
  • auf keinen Fall Milch trinken lassen oder auf irgendeine Weise Erbrechen auslösen
  • medizinische Kohle einzig nach Anweisung eines Arztes verabreichen
  • nach einem Hautkontakt die betreffenden Hautpartien unter fließendem Wasser säubern
  • bei Bewusstlosigkeit die Atmung kontrollieren und notfalls Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen
  • atmet die Person selbständig, in die stabile Seitenlage bringen

Blauregen kann Vergiftungssymptome auslösen

Bewahren Sie bitte Ruhe, denn Panik verschlimmert die Symptome bei dem Betroffenen zusätzlich. Decken Sie die Person warm zu und bleiben bei ihr. Behalten Sie möglichst bei allen Handlungen Augenkontakt.

Giftig für Tiere

Giftig für Hunde und Katzen

Die in Glyzinien lauernden Giftstoffe stellen auch für Hunde und Katzen eine lebensbedrohende Gefahr dar. Angesichts der geringeren Körpergröße, genügen schon kleine Mengen, um Erbrechen, Durchfall, Kreislaufkollaps und Herzstillstand hervorzurufen. Handeln Sie daher sofort, wenn Ihr Haustier von einem Blauregen gefressen hat.

Maßnahmen:

  • alle Pflanzenreste aus dem Maul holen und in einer Tüte sichern
  • die Zunge auslagern und die Atemwege frei machen
  • unverzüglich den Tierarzt aufsuchen
  • außerhalb der Sprechstunden eine der Giftnotrufzentralen anrufen

Nehmen Sie bitte keine Selbstmedikation vor, wie die Verabreichung von Flüssigkeiten oder das Auslösen von Erbrechen. Nehmen Sie Pflanzenteile oder Erbrochenes mit zum Tierarzt. Je konkreter die Ursache für die Vergiftung zu identifizieren ist, desto effektivere Maßnahmen kann der Veterinär einleiten.

Blauregen ist ein majestätischer Kletterstrauch

Übrigens ist die Glyzine nicht nur giftig für Hunde und Katzen. Ebenso können die verschiedenen Pflanzenteile tödlich sein für Meerschweinchen, Kaninchen, Hamster oder Vögel. Selbst große Pferde sind nicht gefeit vor den Giftstoffen. Verwenden Sie Blätter, Blüten, Hülsen oder Wurzeln von Blauregen daher niemals als Grünfutter oder entsorgen Schnittgut auf einer Weide.

Alternative Kletterpflanzen

Alternative Kletterpflanzen für den Familiengarten

Mit Blick auf den Giftgehalt, ist ein Japanischer oder Chinesischer Blauregen nicht für jeden Ziergarten geeignet. Wo sich kleine Kinder, Hunde und Katzen aufhalten, ist das Interesse groß an schnell wachsenden, winterharten Kletterpflanzen, die nicht schon bei einer Berührung gefährlich sind. Wir haben uns im Reich von Mutter Natur umgeschaut und die folgenden Alternativen für Sie zusammengestellt.

Weinreben (Vitis)

Mit ihren lianenartigen Ranken bewegen sich Weinreben hinsichtlich Wuchskraft auf Augenhöhe mit Blauregen. Sorten, wie die Weintraube ‚Vanessa‘ oder ‚Birstaler Muskat‘, begrünen Rankhilfen im Handumdrehen mit einem jährlichen Zuwachs von bis zu 300 cm. Vorteilhaft für den Familiengarten ist, dass Weinreben nicht nur vollkommen ungiftig sind, sondern zugleich im Herbst saftig-süße Tafeltrauben hervorbringen.

Kletterhortensien (Hydrangea anomala)

Im Gegensatz zur windenden Glyzinie, verfügt eine Kletterhortensie über Haftorgane. Somit ist sie für die Begrünung von Fassaden, Lauben und Pergolen nicht zwingend auf eine Rankhilfe angewiesen. An den prachtvollen Blüten zur Sommerzeit können Sie sich uneingeschränkt erfreuen, denn dieser Kletterstrauch ist in keiner Hinsicht giftig.

Blauregen, Glyzinie ist in all seinen Pflanzenbestandteilen toxisch

Kletterrosen (Rosa)

Sie lassen sich Zeit mit dem Wachstum und sind häufig mit Dornen bewehrt. Dennoch sind Kletterrosen eine geeignete Alternative zu Blauregen. Je nach Sorte erzielen Sie eine Klimmhöhe von 2 bis 15 Metern und blühen mehrmals im Jahr. Wichtig für den Garten mit Kindern und Haustieren ist, dass sie keine gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe mit sich führen.

Die meisten anderen Kletterkünstler sind leider keine geeignete Alternative, da sie ebenfalls Giftstoffe enthalten. Das gilt beispielsweise für die Waldrebe (Clematis), das Geißblatt (Lonicera), den Spindelstrauch (Euonymus fortunei), den Wilden Wein (Parthenocissus quinquefolia) oder die Klettertrompete (Campsis).

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