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Wie lange bleiben Wanderratten?

Wie lange bleiben Wanderratten?

Die Wanderratte (Rattus norvegicus) ist ein gefürchteter Schädling, der in Haus und Garten große Schäden anrichten und gefährliche Krankheiten übertragen kann. Wie lange bleiben Wanderratten, wenn sie sich einmal angesiedelt haben, und wie wird man sie wieder los?

Video-Tipp

Auf den Punkt gebracht

  • Wanderratten trotz ihres Namens sehr standorttreu
  • „wandern“ lediglich auf Futtersuche
  • verlassen Bau nur bei Nahrungs- oder Platzmangel
  • vermehren sich rasant
  • bei Verdacht auf Befall sofort Gegenmaßnahmen einleiten

Wanderratten bleiben länger

Der Name „Wanderratte“ täuscht, denn die in großen Familien lebenden, nachtaktiven Nagetiere sind überaus standorttreu. Wie lange Wanderratten tatsächlich bleiben, lässt sich pauschal jedoch nicht genau sagen. Fakt ist: Gefällt es ihnen erst einmal an einem Platz, bleiben sie und vermehren sich rasant. Pro Jahr bringt ein Rattenweibchen bis zu sechs Würfe mit durchschnittlich sieben Jungen zur Welt. Diese wiederum sind nach nur 12 Wochen selbst geschlechtsreif. Ergo sollten Sie beim ersten Verdacht auf einen Rattenbefall so schnell wie möglich handeln.

Stattdessen verweist das Wort „Wanderratte“ auf die Tatsache hin, dass die Tiere sich über die ganze Welt ausgebreitet haben. Mangelt es etwa an Futter oder Platz, sucht sich das Rudel bzw. einzelne Exemplare eine neue Heimat. Achten Sie daher darauf, Fressbares – Ratten sind Vegetarier und ernähren sich vornehmlich von Getreide, Sämereien, Obst und Gemüse – nicht offen aufzubewahren. Verschließen Sie daher Getreidesäcke, Mülltonnen und den Kompost fest und füttern Sie beispielsweise Hühner nicht im Freien. So entziehen Sie Wanderratten die Nahrungsgrundlage und halten sie davon ab, länger zu bleiben.

Wanderratte (links), Hausratte (rechts)
Wanderratte (links), Hausratte (rechts)

Hinweis: In Deutschland leben zwei verschiedene Rattenarten, wobei Wanderratten etwas häufiger vorkommen als die etwas kleineren Hausratten (Rattus rattus).

Bevorzugte Lebensräume

Als ursprünglicher Bewohner von Erdbauten besiedelt die Wanderratte in menschlicher Nähe besonders unterirdische, feuchte Hohlräume wie beispielsweise Abwasserkanäle. Aus diesem Grund wird die Art gelegentlich auch als „Kanalratte“ bezeichnet. Darüber hinaus kommen sie in Kellern, Ställen und Scheunen vor, zudem legen sie gern unterirdische Bauten in Gärten und Parks an. Dabei bleiben Wanderratten immer in Wassernähe, denn sie können hervorragend schwimmen, tauchen und auch klettern.

Weitere Charakteristika:

  • leben in großen Familien
  • beanspruchen ein bestimmtes Territorium für sich
  • Rudelmitglieder erkennen sich am Geruch
  • fremde Wanderratten werden angegriffen
  • ursprünglich in Asien beheimatet
Farbratte als Haustier im Käfig

Hinweis: Die überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Wanderratte ist übrigens die Stammform der gern als Haustier gehaltenen Farbratte. Auch Laborratten stammen von Rattus norvegicus ab.

Rattenbau erkennen

Lebende Ratten bekommt man nur selten zu Gesicht: Die Tiere sind meist im Schutz der Dunkelheit unterwegs und zudem sehr scheu. Folgende Hinweise deuten jedoch auf einen Rattenbefall hin:

  • Rattenkot: spindelförmiger, an bestimmten Plätzen sich sammelnder Kot; frischer Kot weich und glänzend, deutlicher Hinweis auf aktuellen Befall
  • Nagespuren: helle, scharf konturierte, etwa vier Millimeter auseinanderliegende und parallel verlaufende Rillen an allen möglichen Gegenständen oder Vorratsbehältern; Ratten nagen sogar Elektrokabel, Aluminium und Mörtel an
  • Geruch: unangenehmer, ammoniakähnlicher Geruch, vor allem in geschlossenen Räumen oder Hallen
  • Laufspuren: schmale „Wege“ im Rasen, vor allem in der Nähe von Sträuchern und Böschungen, die zu einem meist versteckten Erdloch führen

Im Gegensatz zu den gern auf Dachböden hausenden Hausratten bauen Wanderratten ihre Nester häufig als Erdbauten im Garten. Die ca. fünf bis zehn Zentimeter im Durchmesser messenden Eingänge sind meist gut versteckt und befinden sich vorzugsweise in Gebüschen, in oder an Komposthaufen oder unter Gartenbauten, z. B. der Gartenlaube.

Rattenloch im Garten

Tipp: Befinden sich Spinnweben an einem solchen Eingangsloch, wird der dazu gehörige Bau nicht mehr genutzt. Sichten Sie hingegen tagsüber Ratten, dann ist der Befallsdruck wahrscheinlich schon sehr hoch und die Tiere finden nicht mehr ausreichend Futter.

Wanderratten loswerden

Im Internet kursieren eine Menge Tipps, wie man Wanderratten angeblich vertreiben könnte. Gerüche wie Minze, Terpentin und Co. helfen jedoch nicht. Der Rattenplage gebieten Sie nur dann Einhalt, wenn Sie

  • Kompost, Mülltonnen und Futtervorräte gut verschlossen halten
  • Tierställe regelmäßig ausmisten
  • undichte Stellen und Löcher in Kanalisation, Haus und Schuppen verschließen
  • Essensreste nicht im Freien sowie in der Toilette entsorgen

Zudem sollten Sie sich eine oder mehrere Katzen anschaffen, wobei Sie möglichst auf Rattenjagd-erprobte Tiere vom Bauernhof setzen sollten – Rassekatzen sind für die Jagd auf die Plagegeister meist zu bequem. Auch Rattenfallen sollten aufgestellt werden, wobei es diese Tipps zu beherzigen gilt:

  • Laufwege ausfindig machen und dort Fallen platzieren
  • auch direkt an Nesteingängen
  • mit Wurst, Käse oder Nussnougatcreme präparieren
  • Stellplätze regelmäßig wechseln
  • Fallen regelmäßig leeren
  • anschließend gründlich reinigen
Kammerjäger jagt Ratten in Küche

Tipp: Am besten kontaktieren Sie schon bei Verdacht auf Rattenbefall einen professionellen Schädlingsbekämpfer.

Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich Wanderratten?

Wanderratten werden häufig mit Hausratten oder anderen Nagern wie Mäusen verwechselt. Allerdings ist Rattus norvegicus mit einer Körperlänge von bis zu 30 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 500 Gramm deutlich größer als Hausratten, zudem unterscheiden sich Wanderratten durch die kleineren Ohren und den nur knapp körperlangen Schwanz. Außerdem halten sich Haus- oder Schiffsratten vorzugsweise in menschlichen Behausungen auf, während Wanderratten eher im Freien zu finden sind.

Muss man einen Rattenbefall melden? Wenn ja, wo?

Eine bundesweit einheitliche Meldepflicht bei vermutetem Rattenbefall gibt es nicht, die Regelungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Dennoch sollten Sie auf Nummer sicher gehen und gesichtete Tiere oder Spuren beim für Sie zuständigen Gesundheitsamt melden. Hierzu genügt ein Anruf oder eine E-Mail. Bei einem Rattenbefall im öffentlichen Raum (z. B. im Park) entscheidet das Gesundheitsamt schließlich über weitere Maßnahmen.

Darf ich Giftköder gegen Ratten einsetzen?

Seit 2013 ist es privaten Nutzern gemäß EU-Verordnung nicht mehr erlaubt, Rattengift – egal welcher Art – selbst auszulegen. Dies darf nur noch durch zertifiziertes Fachpersonal in Form von professionellen Schädlingsbekämpfern erfolgen. Dadurch soll eine unsachgemäße Anwendung sowie die Gewöhnung der intelligenten Ratten an die Gifte verhindert werden. Sie selbst dürfen lediglich Rattenfallen aufstellen. Doch Vorsicht: In manchen Regionen ist das Aufstellen von Schlagfallen bei Androhung eines hohen Bußgeldes verboten.

Autor
Mirko ist zwar studierter Anglist, beherrscht aber auch die Sprache der Pflanzen perfekt. Er wuchs quasi im Schrebergarten seiner Großeltern auf und verbringt den Großteil seiner Freizeit in der Natur, wenn er nicht gerade schreibt.

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