Wie viele Apfelsorten gibt es in Deutschland und weltweit?

reife Äpfel am Baum

Der Apfel war und ist des Deutschen liebstes Obst. Und voraussichtlich wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern. Obwohl im Handel meist nur eine Handvoll Sorten zu finden sind, umfasst die Zahl der vorhandenen und auch in der einen oder anderen Form kultivierten Ausprägungen eine weit größere Spanne. Wie viele Apfelsorten gibt es in Deutschland und weltweit?.

Apfelsorten

Eine genaue Bestimmung der weltweit existierenden Arten ist schlicht unmöglich. Grund hierfür sind die unzähligen, jedes Jahr hinzukommenden Zuchtformen. Sie sollen den Apfel in der einen oder anderen Form „verbessern“, also den Geschmack, die Konsistenz oder auch die Haltbarkeit vorteilhaft verändern. Außerdem spielt das Thema der Resistenz gegen Krankheitserreger im heute gängigen Monokulturanbau eine immer größere Rolle. Einige der neuen Zuchtsorten etablieren sich, während andere schnell wieder verschwinden. Zusätzlich geraten alte Traditionssorten immer wieder in Vergessenheit und verschwinden mitunter ganz. Zuletzt fehlt eine zentrale Stelle, die alle weltweit gezüchteten und angebauten Apfelsorten erfasst und archiviert.

Wie viele Äpfel gibt es weltweit?

Möchte man wissen, wie vielfältig die Welt der Äpfel tatsächlich ist, muss man sich daher auf Schätzungen verlassen. Die in Deutschland zuständige Stelle, die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung schätzt die weltweit existierenden Apfelsorten auf etwa 20.000. Andere Stellen korrigieren diese Zahl dagegen nochmals nach oben und kommen auf ungefähr 30.000.

Apfelsorte Goldparmäne

Apfelsorten in Deutschland

Wirft man nun einen Blick nach Deutschland, relativiert sich diese Zahl allerdings schnell. Man geht davon aus, dass in den verschiedenen Nutzgärten rund 1.600 bis 2.000 Apfelsorten angebaut werden. Noch erschreckender erscheint der Schwund, wenn man den Fokus nun auf die wirtschaftlich relevanten Züchtungen richtet:

  • Nur 70 Sorten im gewerblichen Obstanbau
  • Mengenmäßig bedeutsam nur ungefähr 20 davon
  • Das Gros der verkauften Äpfel nur 4 Arten entstammend

Mangel der Sortenvielfalt

Erinnert man sich an seinen letzten Besuch im Supermarkt oder beim Obst- und Gemüsehändler zurück, fällt auf, wie groß zwar das Angebot insgesamt ist, wie wenige Sorten jedoch das Sortiment ausmachen. Mehr als die Hälfte der verkauften Menge wurde laut einer Erhebung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung aus den Jahren 2015 / 2016 aus folgenden Zuchtsorten gewonnen:

  • Elstar (Marktanteil 17,9 Prozent)
  • Red Prince (14,7 Prozent)
  • Jonagored (14,5 Prozent)
  • Braeburn (11,5 Prozent)

Darüber hinaus lagen Jonagold mit 8,2 Prozent und Gala mit 7,1 Prozent noch vergleichsweise knapp an der 10 Prozent-Marke. Alle anderen Marktanteile von Äpfeln lagen deutlich niedriger im mittleren bis unteren einstelligen Bereich.

Ursachen für den Sortenschwund

Wer von den Großeltern oder sogar von der eigenen Streuobstwiese noch ältere, bis vor wenigen Jahrzehnten weit verbreitete Apfelsorten kennt, dem werden Namen wie

  • Boskoop
  • Cox Orange
  • Goldparmäne
  • Weißer Klarapfel

und andere immer noch geläufig sein. Diese alten Sorten wurden teils über Jahrhunderte hinweg angebaut und hatten auch jederzeit ihre Daseinsberechtigung. Die Äpfel unterschieden sich hinsichtlich ihrer Reife (z.B. Klarapfel im späten Frühjahr), ihrer Lagerfähigkeit (z.B. Boskoop im kalten Keller bis Ende Februar) oder auch ihrer Verwendung (z.B. Cox Orange früher als typischer Kuchenapfel). Diese Kriterien spielen zu Zeiten der abnehmenden Selbstversorgung und immer besserer, technisch perfektionierter Lagermöglichkeiten kaum noch eine Rolle. So kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass die gesellschaftlichen wie technischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte durchaus ihren Beitrag zur sinkenden Zahl der in Deutschland beheimateten Apfelsorten beigetragen haben.

'Roter Boskoop'