Wie viele Wespen leben in einem Nest - Titel

Wer Wespen oder sogar ein Nest im Garten oder am Haus findet, gerät leicht in Panik. Denn unzählige Tiere tummeln sich in und um die Behausung. Doch wie wie viele Wespen leben tatsächlich in einem Nest?

Auf den Punkt gebracht

  • die Tierzahlen je Wespenvolk unterscheiden sich von Art zu Art stark
  • sozialparasitäre Wespenarten errichten gar keine Nester, sondern lassen ihre Brut von anderen Arten in deren Nestern großziehen
  • Standort, Futterangebot und Jahreszeit haben direkten Einfluss auf Nestgröße und Tierzahl

Von der Art zur Größe

Jede Wespenart weist in Sachen Entwicklung und Größe des Volkes ganz eigene Charakteristika auf. Das wirkt sich natürlich auch direkt darauf aus, wie viele Wespen sich im Nest befinden. Das können Sie an der Dimension der errichteten Behausung mit bloßem Auge erkennen, aber auch nachweislich an bekannten Zahlen ablesen. Diese bekannten Wespenarten entwickeln Völker folgender Größenordnung:

Gattung Hornissen (Vespa)

  • Hornisse (Vespa crabro): durchschnittlich unter 200 Tiere
Hornissen-Nest, wie viele Wespen leben in einem Nest
Hornissen-Nest

Gattung Kurzkopfwespen (Vespula)

  • Gemeine Wespe (Vespula vulgaris): ca. 3.000 bis 4.000 Tiere
  • Deutsche Wespe (Vespula germanica) : ca. 3.000 bis 4.000 Tiere
  • Rote Wespe (Vespula rufa): ca. 150 bis 350 Tiere
  • Österreichische Kuckuckswespe (Vespula austriaca): kein Nestbau, sondern sozialparasitäres Aufziehen der Brut in Nestern der Roten Wespe

Gattung Langkopfwespen (Dolichovespula)

Wespennest von innen
  • Mittlere Wespe (Dolichovespula media): ca. 900 bis 1.700 Tiere
  • Waldwespe (Dolichovespula sylvestris): ca. 800 Tiere
  • Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica): ca. 1.000 Tiere
  • Falsche Kuckuckswespe (Dolichovespula adulterina): kein eigener Nestbau, sondern sozialparasitäres Einnisten in Nester der sächsischen Wespe
  • Waldkuckuckswespe (Dolichovespula omissa): Sozialparasit der Waldwespe, daher nur sehr geringe Individuenzahlen im fremden Nest herangezogen
  • Norwegische Wespe (Dolichovespula norwegica): durchschnittlich 200 bis 300 Tiere

Hinweis: Aktuell sind immer wieder invasive Arten, wie etwa die Nordamerikanische Hornisse, anzutreffen. Sie sind aber noch so selten, dass Rückschlüsse auf ihr Verhalten und erreichbare Nestgrößen im neuen Habitat kaum möglich sind.

Das Nest im Jahresverlauf

Unabhängig von der genauen Art verläuft die Entwicklung der Völker bei Wespen immer gleich: Im Frühjahr beginnt die überwinterte Jungkönigin alleine mit dem Nestbau und der Ablage erster Eier. Ab diesem Moment wächst das Volk stetig, bis es im Spätsommer seine maximale Größe erreicht. Mit dem Volk wächst auch das Nest an, bis es im Herbst erst verwaist und später von Wetter und Mikroorganismen zersetzt wird.

verlassenes Wespennest

Hinweis: Die angegebenen Individuenzahlen beziehen sich auf die maximale Entwicklung zum Ende des Sommers hin.

Standortunterschiede

Nicht jedes Volk einer Wespenart erreicht dieselbe Größe. Sowohl regionale, als auch individuelle Standortfaktoren können die Obergrenze der Tiere verschieben. So bleiben die Völker der Gemeinen Wespe in Japan rund 20 Prozent kleiner als in Europa.
Besonders vorteilhafte Standorte lassen Völker und ihre Behausungen deutlich stärker anwachsen, während bei anderen Völkern mit schlechteren Umgebungsbedingungen deutlich weniger Wespen in einem Nest leben und es auch kleiner ist.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein größeres Wespennest gefährlicher für den Menschen?

Nein. Die Nestgröße hängt von der Wespenart und dem Entwicklungsstand des Volks ab. Überhaupt lästig oder gar gefährlich für den Menschen werden in aller Regel nur die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Treffen Sie ein besonders großes Nest an, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um eine der beiden Arten handelt.

Ist die Nestgröße gleichbedeutend mit der Zahl der Wespen?

Generell wächst ein Nestbau mit der Zahl seiner Bewohner. Erst zum Herbst hin sterben die Tiere ab, so dass die Behausung letztlich überdimensioniert oder unterbevölkert ist.

Werden Wespennester immer hängend errichtet?

Nein. Die bekannte Nestform unter Dachvorsprüngen, an Ästen etc. hängend wird vor allem von der Deutschen und der Gemeinen Wespe praktiziert. Die kleineren Nester der anderen Arten werden häufig in Felsspalten, Erdhöhlen oder an anderen geeigneten Stellen gebaut.