Gibt es winterharte Olivenbäume? | 21 Arten für den Garten

Winterharte Olivenbäume

Olivenbäume werden in Deutschland zunehmend beliebter, weil sie ein mediterranes Flair auf Balkone und in den Garten zaubern. Sie sind in der Anschaffung verhältnismäßig teuer, sodass es ärgerlich ist, wenn sie nach der Gartensaison dem Ende entgegensehen und im Winter erfrieren, weil sie im Freien verblieben sind. Winterharte Olivenbäume würden die Lösung des Problems sein. Doch gibt es sie? Die Frage beantwortet der Pflanzenexperte.

Winterharte Olivenbäume?

Ja und nein lautet die Antwort auf die Frage, ob es winterharte Olivenbäume gibt. Es sind Sorten erhältlich, die sehr frostempfindlich sind. Diese stammen in der Regel aus tropischen Gebieten, in denen das ganze Jahr über sommerliche Temperaturen herrschen, wie zum Beispiel in der Dominikanischen Republik oder in weiten Teilen Tunesiens. Die Olivenbäume von dort würden mit dem mitteleuropäischen Klima im Winter nicht zurechtkommen.

Es gibt aber Olivenbäume, die bedingt eine Frosttoleranz aufweisen. Diese stammen überwiegend aus dem Mittelmeerraum, vornehmlich aus Spanien und den Pyrenäen. Dort schwanken die Temperaturen in einigen Regionen bis in niedrigere Bereiche. Aus diesen abstammende Olea europaea Arten akklimatisieren sich besser in Mitteleuropa und vertragen Minustemperaturen – allerdings nur mit einem isolierenden Kälteschutz.

Olea europaea

Geeignete Winterhärtezonen

In milden Regionen wie zum Beispiel in Weinanbaugebieten überstehen bedingt winterharte Ölbäume die kalte Jahreszeit im Garten oder auf dem Balkon problemlos. Erfahrungen zeigen, dass ihnen auch in anderen Regionen Temperaturen bis zu -10 °C mit Kälteschutz nichts ausmachen. Das bedeutet, dass „winterharte“ Arten für die Winterhärtezonen zwischen 8 und 13 geeignet sind, wenn sie mit einem Kälteschutz versehen sind. Wenige Exemplare sind als spezielle Züchtungen auch bis -20 °C oder mehr kälteverträglich. Das entspricht der maximalen Winterhärtezone 6b.

Hinweis: Bei der Winterhärtezone handelt es sich im eine internationale Gebietseinteilung, welche nach den niedrigsten Jahrestemperaturdurchschnitten erfolgt. Winterhärtezonen starten bei 1 mit bis zu -51.1 °C und enden bei 13 mit bis zu 21.1 °C.

Verwechslungsgefahr

Vorsicht ist beim Kauf von einem Olivenbaum geboten, wenn es um die Kennzeichnung der Frostresistenz geht, denn hier kann eine „Winterhärte“ oder „Winterfestigkeit“ Erwähnung finden. Das eine ist nicht mit dem anderen gleichzusetzen.

Winterfest

Wird ein Olivenbaum als winterfest bezeichnet, kommen dieser in der Regel nur mit leichten Frösten um die 0 °C zurecht. Minustemperaturen bis 5°C führen meist zu keinen Pflanzenschäden, solange es sich nur um einen kurzfristigen Temperaturabfall handelt. Hält die Kälte länger an, hilft aber auch kein Kälteschutz und die winterfesten Exemplare sind in ein frostfreies Winterquartier umzusiedeln. Nur in milden Regionen können sie an einem kälte- und windgeschützten Standort mit dicker Schutzisolierung im Freien verbleiben.

Winterhart

Winterharte Olivenbäume unterscheiden sich von winterfesten Exemplaren, indem sie stärkere und längere Frostperioden aushalten. Erfrierungsschäden sind zumindest nicht in dem Umfang zu erwarten, dass sie zum Absterben der Pflanze führen, wie das bei winterfesten Ölbäumen der Fall sein kann.

Kälteschutz

Ein Kälteschutz sollte selbst für winterharte Ölbäume heutzutage ein Muss sein, weil die mitteleuropäischen beziehungsweise deutschen Winter immer unberechenbarer werden. Schnell können Temperaturen über 0 °C weit in den Minusbereich über die maximale Frostverträglichkeit der winterharten Olea europaea Sorten sinken. Ein idealer Kälteschutz beziehungsweise optimale Vorbereitung für den Winter, ist wie folgend beschrieben, zu erreichen:

  • Am Ende der Wachstumsperiode Kalimagnesia düngen – beschleunigt die Verholzung, die für mehr Kälteresistenz sorgt
  • Erdoberfläche dickschichtig mit Tannennadeln, Laub oder Stroh abdecken
  • Rindenmulch unter der isolierenden Schicht entfernen, weil Schimmelgefahr
  • Olivenbaum mit Vlies ummanteln
  • Alternativ kann Reisig verwendet werden
  • Kübel großzügig mit Kunststofffolie umspannen, damit durch die Wände Kälte abgedämpft wird
  • Alternative: Gartenerde ausheben, Kübel hineinstellen und seitliche Hohlräume mit Bodenaushub ausfüllen
  • Kübel unbedingt auf isolierende Unterlage stellen – geeignet ist Pappe, Styropor oder Holz
  • Für Windschutz sorgen
  • Wenn möglich, hellen, sonnigen Standort wählen
  • Übermäßige Nässe vermeiden
  • Dafür sorgen, dass der Olea europaea gesund in den Winter geht (mehr Abwehrkräfte und Widerstandsfähigkeit)

Olivenbaum

Tipp: Es sollte nie der Fehler begangen werden, einen Olivenbaum zum Überwintern in das heimische Wohnzimmer umziehen zu lassen. Die Lichtverhältnisse sind dort zu dunkel, es fehlt meist an Luftfeuchtigkeit und die Wärme verträgt er gar nicht. Ein unbeheizter, lichtdurchfluteter Wintergarten ist ideal, wenn es für bedingt winterharte Arten zu kalt im Garten wird.

Winterharte Olivenbaum-Arten

Echter Olivenbaum

Der Echte Olivenbaum (Olea europaea subsp. europaea) ist das bekannteste und in Deutschland weit verbreitetste Ölbaumgewächs. Er gilt als einer der ältesten Gewächse unter den Ölbäumen. Ihm gehören zahlreiche verschiedene Sorten an, von denen dabei einige winterhart sind und Temperaturen bis zu -10 °C vertragen. Sie erreichen Wuchshöhen bis zu 20 Meter. Meist werden sie im Alter dann knorrig. Zu den gängigsten Sorten zählen:

  • „Lessini“ – sehr unanfällig für Krankheiten – bekannteste Sorte aus der italienischen Toskana
  • „Joven“ – aus Spanien – benötigt bis -5 °C keinen Kälteschutz
  • „Forma Toscana“ – aus Italien – limitiertes Angebot, da unter Kulturerbe fällt
  • „Plato“ – aus Spanien – kleinwüchsig – ideal für die Topf- und Kübelpflanzung
  •  „Cuenco Diam – aus Spanien – Winterschutz empfohlen ab -5 °C – meist als Hochstamm in Rundform angeboten

Weitere Olivenbäume

  • Arbequina – aus Spanien – silbrige Blätter – dunkelbraune Früchte mit hohem Ölgehalt
  • Cornicabra – aus Spanien – getestete Winterhärte bis zu -13 °C- zählt zu den winterhärtesten Ölbäumen
  • Empeltre – aus Spanien – Früchte bekannt für mildes Öl mit süßlichem Aroma
  • Frantoio – aus Italien – sehr unempfindlich gegen Krankheiten – geringer Ernteertrag – schlanke Wuchsform
  • Hojiblanca – aus Spanien – früher nur für Ölproduktion kultiviert, heute sehr beliebt als Tischolive
  • Manzanilla Cacerena – bedeutendste Tischolive Spaniens – hoher Ernteertrag – bis -8 °C winterhart
  • Nevadillo de Jaen – aus Spanien – dichtes Wachstum – winterhart bis -10 °C
  • Picual – aus Spanien – zählt zu den winterhärtesten Ölbäumen – wird überwiegend zur Ölproduktion gezogen

Tipp: Ölbäume in Kübeln gepflanzt, empfinden Kälte deutlich stärker, als die Exemplare, die in den Garten gepflanzt sind. Bei diesen ist es ratsam, sie bei Temperaturen kurz vor dem Gefrierpunkt bereits mit einem Kälteschutz zu versehen.

Winterhärteste Olivenbäume

Noch frostresistenter haben sich folgende Sorten und Arten gezeigt. Sie kommen mit Temperaturen von mindestens -20 °C und manchmal sogar noch kälteren Verhältnissen zurecht.

  • „Aglandau“: stammt aus Frankreich, Ukraine und Azerbaijan – trägt beliebte, sehr aromatische Öl- und Tischoliven
  • „Bouteillan“ – aus der französischen Provence – ist bekannt für ihre Kälteresistenz – sehr ertragsreich
  • „Moufla“ – stammt ursprünglich aus Südfrankreich – winterhart bis -24 °C
  • „Olivastra Seggianese“ – aus italienischer Toskana – sehr pflegeleicht und wuchsfreudig – Oliven zeichnen sich durch fruchtiges, leicht süßliches Aroma aus – heute auch in Deutschland beheimatet und vor allem für Olivenöl kultiviert
  • „Rougette de l’Ardèche'“ – aus südöstlichem Frankreich – ist bisher kälteverträglichster Olivenbaum unter französischen Arten – liefert schmackhafte, saftige Tafelfrüchte – eignet sich ideal zur Ölherstellung

Bedingt winterhart/winterfest

19. „Ascolana“ – stammt aus Mittelitalien – verträgt kurzfristig Temperaturen bis circa -4 °C (USDA Zone 9b)
Seltene Sorten
20. Kalinjot – aus Albanien – sehr bekannt für Olivenöl – winterhart zwischen -8 °C und -10 °C – Exemplare sind in Deutschland sehr schwer zu bekommen
21. Kokërrmadh Elbasani – aus Albanien – winterhart bis -15 °C- sehr anfällig für Krankheiten – Ernte von Tisch- und Öloliven

Winterharte Jungpflanzen

Junge Olivenbäume winterharter Sorten sollten den ersten und gegebenenfalls auch den zweiten Winter nicht bei niedrigen Minustemperaturen im Freien stehen. Denn sie sind noch deutlich empfindlicher und ihre Winterhärte ist noch nicht so ausgeprägt, als bei ihren erwachsenen Artgenossen.

Olivenbaum mit graugrünem Blattwerk

Art unbekannt

Es ist nicht immer einfach, die verschiedenen Olivenbaumarten auseinander zu halten. Wenn das Ölbaumgewächs im Garten oder auf dem Balkon nicht mit Namensvermerk gekauft wurde oder der Arten-/Sortenname in Vergessenheit geraten ist, können Pflanzenliebhaber auch nicht wissen, ob ihr heimisches Exemplar winterhart ist. Sie können natürlich einen Experten hinzuziehen, um die Pflanze eindeutig identifizieren zu lassen oder gehen auf Nummer sicher, und den Olivenbaum bei plus 5 °C überwintern lassen.