Wollläuse an Orchideen: woher kommen Sie? Anleitung zum Bekämpfen

Wenn sich die Knospen einer Orchidee öffnen, kommen filigrane Blüten in den leuchtendsten Farben hervor. Wie von einem Künstler für die Ewigkeit geformt. Und tatsächlich beglückt uns jeder Blütenstiel gleich mehrere Wochen am Stück. Leider sind Orchideen nicht nur bei uns Menschen beliebt. Auch Wollläuse wissen diese Köstlichkeiten zu schätzen. Sie saugen fleißig vom Pflanzensaft, bis nichts mehr davon übrig ist. Gibt es eine sanfte Möglichkeit sie wirksam zu bekämpfen?

Wollläuse

Müssen Wollläuse gezielt bekämpft werden?

Zunächst einmal, die Wolllaus ist unter verschiedenen Namen bekannt:

  • eigentliche Bezeichnung ist Schmierlaus
  • wegen der wolligen Behaarung trägt sie den Namen Wolllaus
  • sie ist eine Schildlausart
  • Schildlaus, Schmierlaus oder Wolllaus: drei Bezeichnungen, ein Schädling

Das Saugen an Pflanzen haben Schmierläuse bis zur Perfektion entwickelt. Es dauert nicht lange, und der ganze Pflanzensaft ist geflossen. Dabei macht es die Masse, denn je mehr Wollläuse sich über die Orchidee hermachen, umso schneller vollenden sie ihr vernichtendes Werk. Die einzige Lösung ist es, die explosionsartige Vermehrung dieser Schädlinge zu bekämpfen und die schon existierenden Exemplare schnellstens loszuwerden. Dann, und nur dann, lassen sich Orchideen noch retten. Sie sind zwar geschwächt, aber mit der Zeit und richtiger Pflege erholen sie sich wieder.

Wollläuse sind auch als Schild- oder Schmierläuse bekannt

Wolllausbefall erkennen

Woran erkennt man einen Wolllausbefall?

Wenn beim beiläufigen Betrachten der Orchideen eine Wolllaus nicht zu übersehen ist, ist es meist schon zu spät. Diese Schädlinge müssen weit früher entdeckt und erkannt werden, damit Bekämpfungsmaßnahmen überhaupt eine Chance auf Erfolg haben. Schildläuse hinterlassen sichtbare Fährten, die es zu lesen gilt.

  • kleine weiße Wattebäusche auf und unter den Blättern
  • in den Blattachseln zeigen sich zarte weiße Gespinste
  • Austrieb von Knospen und Blättern wirkt verkrüppelt
  • bräunliche Flecken
  • vorzeitig welkende Blätter und Blüten
  • klebrige Blätter vom ausgeschiedenen Honigtau
  • Rußpilze mögen den Honigtau
  • erkennbar an schwarzen Verfärbungen der Blätter

Wo kommen Wollläuse überhaupt her?

Wollläuse kommen oft als ungebetene Begleiter einer neu gekauften Pflanze in unsere Wohnräume oder in den Garten. Sie vermehren sich dort weiter und schwächen die befallene Pflanze immer mehr. Doch damit nicht genug, sie entdecken auch schon bald die gesunden Pflanzen in der Nachbarschaft. Man muss sie schnellstens bekämpfen, sonst befallen und vernichten sie eine Pflanze nach der anderen. Insbesondere lichtarme Standorte, trockene und warme Heizungsluft sowie falsches Düngen machen die Orchideen zu einladenden Leckerbissen für die Wollläuse, die sich unter diesen Bedingungen besonders wohl fühlen und entsprechend fleißig vermehren.

Wollläuse/Schmierläuse bekämpfen

Wollläuse loswerden

Quarantäne: der erste sinnvolle Schritt

Egal ob nur die Anzeichen des Befalls erkennbar sind, oder schon die Wolllaus mit bloßem Auge an den Orchideen wahrgenommen werden kann, die befallene Pflanze muss sofort von gesunden Pflanzen isoliert werden. Damit ist die hohe Ansteckungsgefahr gebannt. An ihrem neuen Standort kann dann das eigentliche Bekämpfen beginnen.

Hausmittel oder doch lieber Chemie?

In der frühen Phase des Befalls können Schmierläuse mit vielen Hausmitteln wirksam bekämpft werden. Ein Hausmittel ist umweltfreundlicher als ein chemisches Insektizid und sollte vorrangig Anwendung finden. Hausmittel sind bei sachgemäßer Anwendung zudem sanfter zu Orchideen und meistens viel günstiger als Insektizide. Allerdings ist auch der damit verbundene Arbeitsaufwand größer als bei einem chemischen Mittel. Arbeitsersparnis wäre auch der einzige Grund gleich zur Chemieflasche zu greifen. Wenn der Befall weit fortgeschritten ist, helfen die Hausmittel kaum. Chemie aber auch nicht.

Wenn die Orchidee nicht mehr zu retten ist, sollte sie unverzüglich über den Restmüll entsorgt werden.

geeignete Hausmittel

Abbrausen

Wasser spült die Wollläuse fort

Die kostengünstigste und für die Orchideen unschädlichste Methode ist das Fortspülen der Läuse mit dem harten Wasserstrahl. Um die Orchidee nicht unter Wasser zu setzen, sollten Sie dabei wie folgt vorgehen

  • Topf der befallenen Orchidee wasserdicht in eine Plastiktüte verpacken
  • freie Pflanzenteile mit lauwarmem Leitungswasser abbrausen, Je hartlaubiger die Orchideensorte, umso härteren Wasserstrahl kann sie vertragen
  • Orchidee kopfüber drehen und nochmals gründlich abspülen
  • mit weichen Tuch die Blätter abtupfen, damit sich nach dem Trocknen keine Kalkflecken bilden
  • anschließend die Plastiktüte vom Orchideentopf entfernen

Dieses Hausmittel ist besonders wirksam gegen die junge Brut der Schädlinge. Ausgewachsene Schmierläuse umhüllen sich mit einer schützenden Wachsschicht, an der das Wasser gut abperlt. Sie haben sich zudem an der Pflanze festgebissen, sodass auch ein harter Wasserstrahl seine Wirkung verfehlt. Bleiben Sie also nicht bei dieser Maßnahme stehen, allein reicht sie nicht aus, um die Schmierläuse restlos zu bekämpfen.

Besonders junge Wollläuse können gut abgebraust werden

Tipp: Wenn Ihr Leitungswasser stark kalkhaltig ist, verwenden Sie lieber einen Drucksprüher mit entkalktem Leitungswasser oder Regenwasser.

Alkohol

Alkohol greift ausgewachsene Wollläuse an

Alkoholische Lösungen verfügen über Wirkstoffe, die die Wachsschicht der Wollläuse auflösen können. Ohne diese Schicht wirkt der Alkohol sogar noch weiter und schädigt auch die „freigelegten“ Wollläuse.

  • Tuch mit Alkohol befeuchten und damit alle Blätter abwischen
  • Unterseiten nicht vergessen
  • schwer erreichbare Stellen dürfen nicht ausgelassen werden
  • in Alkohol getauchte Wattestäbchen sind hier hilfreich
  • Anwendung alle 2-3 Tage wiederholen
  • bis alle Symptome verschwunden sind

Schmetterlingsorchideen verfügen über robuste Blätter und überstehen mehrfaches Alkoholbad gut. Doch auch andere hartlaubige Arten sind für dieses Hausmittel prädestiniert. Bei Orchideen, die über weichere Blätter verfügen, ist dagegen Vorsicht geboten. Bestehen Zweifel, ob sie die Prozedur gut überstehen, sollte lieber auf ein anderes Hausmittel ausgewichen werden.

Die Schmetterlingsorchidee hat robuste Blätter
Phalaenopsis, Schmetterlingsorchidee

Lösungen mit Schmierseife

Wissenschaftliche Studien belegen, dass Schmierseifenlösungen effektiver gegen Wollläuse wirken als so manches Insektizid. Doch anders als Chemie birgt dieses Mittel für den Anwender keinerlei gesundheitliche Risiken.

  • etwa 30 Gramm Kern- oder Schmierseife in einem Liter Wasser auflösen (Warmes, entkalktes Wasser ist am besten geeignet)
  • einige Spritzer Spiritus hinzugeben
  • erkaltete Mischung in eine Handsprühflasche füllen
  •  Orchidee gründlich einsprühen, lassen Sie kein Fleckchen aus
  • durchsichtige Plastiktüte über die Orchidee stülpen und  fest verschließen, fehlende Frischluftzufuhr verstärkt die Wirkung der Seifenlösung
  •  Behandlung alle 2-3 Tage wiederholen, bis eindeutig sicher ist, dass keine Wollläuse mehr am Leben sind
  • nach 14 Tagen erneut besprühen, da die Eier dieser Schädlinge von der Seifenlösung nicht vernichtet werden, und neue Wollläuse schlüpfen können

Tipp: Mit einer Haushaltsreibe fein geriebene Kernseife löst sich leichter in Wasser auf. Je nach Seifenart kann die Konsistenz der Lösung zu dickflüssig zum Sprühen sein. Geben Sie zur Verdünnung einfach etwas warmes Wasser hinzu.

Rapsöl-Wasser-Emulsion

Umhüllen Sie die lästigen Schädlinge mit einem Nebel aus Rapsöl und Wasser im Verhältnis 7:3. Für die Wollläuse gibt es daraus kein Entkommen mehr. Folgendes sollten Sie beim Bekämpfen beachten:

  • 1-prozetige Schmierseifenlösung als Emulgator hinzufügen
  • nur hartlaubige Orchideen damit behandeln
  • Ober- und Unterseiten der Blätter besprühen
  • Sonneneinstrahlung ist ungünstig
  • daher am Abend sprühen
  • Orchidee an einen schattigen Platz stellen
  • Rapsöllösung nicht mehr als 3 Mal sprühen

Tipp: Statt Rapsöl kann auch Paraffinöl zum Einsatz kommen. Die ideale Zusammensetzung liegt bei 12 Gramm pro Liter Wasser.

Wollläuse/Schmierläuse mit Hausmitteln bekämpfen
Wollläuse/Schmierläuse an der Rückseite einer Orchideenblüte

Neemöl

Neemöl stoppt die Entwicklung der Larven

Das Öl wird aus Samen des Niembaumes gepresst und ist ein rein natürliches Mittel. Trotzdem ist im Umgang damit besondere Sorgfalt angebracht, denn ein direkter Hautkontakt kann zu allergischen Reaktionen führen. Das Öl kann im Fachhandel gekauft werden. Halten Sie sich bei der Nutzung an die Vorgaben des Herstellers. Bleiben Sie konsequent in der Anwendung, damit der Vermehrungskreislauf der Wollläuse wirksam unterbrochen wird.

Ökologische Mittel aus dem Handel

Wer keine Zeit für die eigene Herstellung der Sprühlösungen hat, kann inzwischen auch im Handel einige ökologische Mittel gegen Wollläuse entdecken. Denn auch in diesen sind Hausmittel wie Rapsöl, Schmierseife und Co. enthalten. Lassen Sie sich beraten, welches davon für Sie am besten geeignet ist.

Fressfeinde als fleißige Helfer

Schlupfwespen, Marienkäfer und Florfliegenlarven sind keine gern gesehenen Gäste in Wohnräumen. Dabei bekämpfen diese Nützlinge Wollläuse, wann immer ihnen welche den Weg kreuzen. Wenn die Orchideen jedoch in einem Gewächshaus gedeihen, ist diese Art der biologischen Bekämpfung durchaus erwägenswert. Im Internet finden Sie einige Bezugsadressen für diese fleißigen Helfer.

Marienkäfer als biologisches Mittel gegen Wollläuse

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