Zitronenbaum richtig schneiden – so entwickelt er mehr Blüten & Früchte

Zitronenbaum richtig schneiden

amit sich Ihr Zitronenbäumchen als immergrünes, blühendes Kunstwerk mit gold-gelben Früchten in Szene setzt, kommt es auf einen gekonnten Schnitt an. Langsames Wachstum und bedingte Schnittverträglichkeit erfordern eine besondere Schnittführung, jenseits einheimischer Obstgehölze. Diese Anleitung erläutert detailliert, wie Sie Ihre Zitrone richtig schneiden. Die sachkundige Kombination aus Erhaltungs- und Erziehungsschnitt bleibt hier für Neulinge im mediterranen Garten kein Buch mit sieben Siegeln. So entlocken Sie Ihrem Zitronenbaum mehr Blüten und Früchte.

Grundlagen für Rückschnitt

Grundkenntnisse weisen den Weg

Ein kurzer Ausflug in die Grundlagen für den Rückschnitt mediterraner Gehölze, räumt Zweifel bei der Schnittführung aus dem Weg. Charakteristisch für den Zitronenbaum sind ein gemächliches Wachstum und ein immergrünes Blätterkleid. Aufgrund einer langen Reifezeit der Zitronen, trägt ein Citrus limon nicht selten weiße Blüten und gold-gelbe Früchte zur gleichen Zeit. Beheimatet am Mittelmeer, fällt der Austrieb im kühlen Frühling unserer Regionen deutlich geringer aus, als bei einheimischen Obstbäumen. Während bei Kirsch-, Pflaumen- und Apfelbäumen ein umfangreicher Rückschnitt die Bildung von Fruchtholz unterstützt, bleibt Ihnen am Zitronenbaum diese Strategie verwehrt.

Um Zitrusgewächse so zu verschneiden, dass sie mehr Blüten und Früchte entwickeln, ist somit ein Umdenken erforderlich. Oberste Prämisse ist eine vorsichtige, moderate Vorgehensweise. Schneiden Sie Ihren Zitronenbaum nur bei tatsächlichem Bedarf. Die Erziehung verfolgt das Ziel einer formschönen, dicht beblätterten Krone mit zahlreichen Blüten und Früchten. Der Erhaltungsschnitt befreit die Krone von unnötigem Ballast, wie abgestorbene oder kranke Pflanzenteile. Nur im äußersten Notfall kommt der Verjüngungsschnitt zur Anwendung.

Der beste Zeitpunkt

Da jede Schnittmaßnahme für Ihr Zitronenbäumchen Stress pur bedeutet, will der Zeitpunkt mit Bedacht gewählt sein. Die folgenden Termine und Zeitfenster haben sich in der Praxis gut bewährt.

Erziehungsschnitt

  • im zeitigen Frühjahr während der Monate Februar, März oder April

Erhaltungsschnitt

  • ganzjährig bei Bedarf

Verjüngungsschnitt

  • im Spätwinter während der Monate Januar und Februar

Zitronenbaum mit dem richtigen Werkzeug verschneiden

Da der Erhaltungsschnitt Ihre Zitrone entlastet, ist er an keinen speziellen Zeitpunkt gebunden und sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden. Das gilt nicht für den Erziehungs- und Aufbauschnitt. Hier liegt der Fokus auf einer üppigen Blütenpracht, vielen Zitronen sowie einer reich verzweigten Krone ohne überflüssige Wasserschosser. Daher sollte der Formschnitt kurz vor Beginn der neuen Vegetationsperiode stattfinden. Um eine Zitrone zu verjüngen, ist hingegen ein Termin im späten Winter zu empfehlen, wenn sich ihr Wachstum nahezu in Saftruhe befindet.

Anleitung Erziehungsschnitt

Tipps für die Kronenform

Damit ein Zitronenbaum ein Optimum an Blüten und Früchten entwickelt, sollte die gewählte Kronenform den natürlichen Habitus simulieren. Im Gegensatz zu anderen Zitrusgewächsen gedeiht ein Citrus limon ungleichmäßiger, weniger kompakt und verzweigt nur zögerlich. Die Kugelkrone ist somit nicht die ideale Lösung, wie sie unter anderem für Orangenbäume bevorzugt wird. Vielversprechender ist eine Erziehung zu einer halbrunden Krone, die sich von einem niedrigen Stamm her nach oben verbreitert. Diese Silhouette ist trotz der bedingten Schnittverträglichkeit einer Zitrone im Rahmen eines Erziehungsschnitts problemlos zu gestalten und über viele Jahre aufrecht zu erhalten.

Vorbereitungsarbeiten

Stellen Sie die Zitrone bitte zunächst vor einen hellen Hintergrund und treten einige Schritte zurück. Indem Sie die Schnittführung gedanklich oder schriftlich planen, beugen Sie Schnittfehlern wirksam vor. Weist die Kontur später Löcher auf, ziehen bis zu 2 Jahre ins Land, bis sie wieder geschlossen sind.

Daraufhin schenken Sie dem Werkzeug Ihre besondere Aufmerksamkeit. Frisch geschliffen sollte die Schere sein und mit Spiritus desinfiziert. Handelt es sich um einen adulten Zitronenbaum mit kräftigen Zweigen, legen Sie zusätzlich eine Ast- oder Baumschere griffbereit. Ist Ihr Zitronenbäumchen mit spitzen Dornen bewehrt, ziehen Sie noch stabile Leder-Handschuhe an, bevor Sie die Schnittarbeiten in Angriff nehmen.

Möchten Sie den Rückschnitt draußen durchführen, weil Sie dort über mehr Bewegungsfreiheit verfügen? Dann wählen Sie einen frostfreien Tag mit bedeckter, trockener Witterung. Auf frische Schnittwunden sollten keine Sonnenstrahlen einwirken, um die Heilung nicht zu beeinträchtigen.

Schnittführung

Ein junger Zitronenbaum aus dem Fachhandel verfügt über 2 bis 3 kräftige Leittriebe, die das Grundgerüst der Krone bilden. Dieser Pflanzschnitt stammt aus der Hand des Gärtnermeisters und bietet Einsteigern in die Zitruspflege eine wertvolle Orientierungshilfe. Die folgende Anleitung setzt an im ersten Frühjahr nach dem Erwerb.

Zitronenbaum mit scharfem Werkzeug verschneiden

So erziehen Sie die Zitrone zu einem blüten- und ertragreichen Baum:

  • die Leitäste um maximal ein Viertel ihrer Länge verschneiden
  • Seitentriebe soweit schneiden, dass sie 10 bis 15 cm kürzer sind als ihr Leittrieb
  • die Schere kurz oberhalb einer Blatt- oder Blütenknospe ansetzen in vertikaler Ausrichtung
  • unterhalb der gewünschten Kronenhöhe alle Zweige bis kurz vor der Stammrinde abschneiden
  • größere Schnittwunden mit Holzkohleasche oder Gesteinsmehl bestäuben

Die 2 bis 3 eingekürzten Leitäste verzweigen nunmehr bis zum nächsten Frühjahr mit jeweils 3 oder 4 neuen Trieben. Wählen Sie daraus die beiden kräftigsten Zweige als Teil des Grundgerüstes aus. Diese verschneiden Sie wiederum um ein Viertel, damit sie ebenfalls verzweigen. Alle übrigen Seitenzweige schneiden Sie 10 bis 15 cm kürzer als den tragenden Ast. In diesem Rhythmus verfahren Sie in den folgenden Jahren, bis sich die gewünschte Kronenform entwickelt hat.

In der Folgezeit beschränkt sich die Erziehung darauf, im Frühjahr alle aus der Form wachsenden Äste zurückzuschneiden. Zweige, die im Vorjahr Früchte getragen haben, kürzen Sie unterhalb der Fruchtstelle ein. Bitte bedenken Sie bei der Schnittführung, dass Ihr Zitronenbaum die Knospen für seine diesjährige Blüte bereits im Vorjahr angelegt hat. Schneiden Sie daher nicht mehr, als unbedingt nötig.

Wassertriebe

Wassertriebe erkennen und schneiden

Sie treiben primär zur Wachstumszeit aus und sind nicht willkommen. Wassertriebe entsprießen schlafenden Augen älterer, waagerechter Zweige und streben steil aufwärts gerichtet gen Himmel. Diese Äste sind unproduktiv, da sie nicht fruchten. Im Gegenteil werden ihre größeren Blätter die wertvollen Edelzweige beschatten und somit die Blütenfülle beeinträchtigen. Fallen Ihnen diese Wasserreiser ins Auge, werden sie sogleich entfernt.

Handelt es sich bei Ihrer Zitrone um eine Veredelung auf einer robusten Wildunterlage, schießen Wasserschosser auch aus dem Stamm- und Wurzelbereich senkrecht nach oben. Bleiben Sie diesen vergleichsweise rasch wachsenden Wildtrieben auf den Fersen, damit sie nicht die prächtige Krone überwuchern. An der Wurzelscheibe dürfen die naseweisen Wassertriebe auch mit einem beherzten Ruck abgerissen werden, da sie selbst aus kleinsten Geweberesten erneut austreiben.

Zitronenbaum mit dunkelgrünen und glänzenden Blättern

Anleitung Erhaltungsschnitt

Anleitung für den Erhaltungsschnitt

Der Erhaltungsschnitt dient vornehmlich als unterstützende Maßnahme der Erziehung. Zudem beugt er einer Vergreisung der Krone vor, sodass die Blühfreudigkeit bewahrt wird und zahlreiche Früchte gedeihen. Nicht zuletzt werden bei diesem Schnitt Schäden durch Pflegefehler, Krankheiten oder Schädlinge behoben.

So gehen Sie fachgerecht vor:

  • abgestorbene Äste bis ins gesunde Holz zurückschneiden
  • an der Basis abgebrochene Zweige mit einem glatten Schnitt vom nächst größeren Ast abschneiden
  • ins Kroneninnere gerichtete Triebe entfernen
  • von sich kreuzenden Ästen lediglich den kräftigeren stehen lassen
  • von 2 sehr eng stehenden Zweigen den schwächeren auf Astring schneiden
  • Blätter mit Pilzbelag oder Schädlingsbefall aus der Krone herausschneiden

Braune, vertrocknete und blattlose Zweige sind in der Regel abgestorben. Sofern Sie Zweifel hegen, bringt ein Vitalitätstest Klarheit. Kratzen Sie ein wenig Rinde ab und es erscheint grünes Gewebe, muss der Trieb nicht entfernt werden. Braunes Gewebe zeigt an, dass der Zweig abgestorben ist und sich nicht mehr erholen wird.

Am Ende sollte sich Ihr Zitronenbaum mit einer lichtdurchfluteten Krone präsentieren. Nur dort, wo das Sonnenlicht die Zweige mit schlafenden Augen erreicht, können sich Blüten und Früchte entwickeln.

Anleitung Verjüngungsschnitt

Ein Zitronenbaum vergreist vollständig, wenn er über mehrere Jahre weder geschnitten noch ausgelichtet wird. Am Ende trägt er lediglich ein spärliches Blätterkleid, nur wenige Blüten und zumeist keine Früchte mehr. Indem Sie die Krone radikal zurückschneiden, hauchen Sie der Pflanze neues Leben ein und vitalisieren die Blühfreudigkeit. Dieser Plan gelingt, weil sich auch bei älteren Zitronenbäumen unter der Rinde immer noch schlafende Augen befinden, die frische Triebe hervorbringen können.

Zitronenbaum mit gelber Zitronenfrucht

So gehen Sie vor:

  • im ersten Schritt alles Totholz auslichten
  • gesunde, kräftige Gerüstäste um die Hälfte bis zwei Drittel zurückschneiden
  • an jedem Leittrieb mindestens eine Verzweigung mit schlafenden Augen stehen lassen
  • alle schwachen, kümmerlichen Zweige auf Astring schneiden

Die radikale Schnittführung bedeutet, dass in den beiden folgenden Jahren die Blütezeit ausfällt. Nutzen Sie diese Phase, um eine neue Kronenform gemäß dieser Anleitung zu erziehen. Indem Sie den Zitronenbaum anschließend umtopfen in frisches Substrat, bringen die darin enthaltenen Nährstoffe das Wachstum zusätzlich in Schwung.

No votes yet.
Please wait...