Glockenblumengewächse, Campanulaceae – Steckbrief, Merkmale und Arten

Ballonblume verträgt nur schlecht einen Standortwechsel

Die Pflanzenfamilie der Glockenblumengewächse (bot. Campanulaceae) gehören mit 85 oder 86 Arten zur Ordnung der Asternartige (bot. Asterales) innerhalb der Gruppe der Campanuliden (Euasteriden II) und unterteilen sich in bis zu 2.500 Arten. Das Verbreitungsgebiet der Familie bezieht sich auf den gesamten Erdball, nur fehlen sie in der Antarktis, der Sahara und dem nördlichen Grönland. Sie werden aufgrund ihrer ansprechenden Blüten häufig als Zierpflanzen gehalten. Es handelt sich um eine äußerst alte Familie.

Glockenblumengewächse

Niedrigere Klassifizierungen

Die Glockenblumengewächse sind seit ihrer Erfassung nur wenig erweitert worden, was an den deutlichen Merkmalen der einzelnen Gattungen liegt. Zudem überschneiden sie sich wenig mit anderen Pflanzenfamilien, was die Einteilung der Campanulaceae wirklich erleichtert. Unterteilt werden die Glockenblumengewächse in die folgenden Unterfamilien.

  • Campanuloideae: 45 – 50 Gattungen, 950 Arten
  • Lobelioideae: 29 – 32 Gattungen, 1.200 Arten
  • Cyphioideae: 1 Gattung, 65 Arten
  • Nemacladoideae: 3 Gattungen, 15 Arten
  • Cyphocarpoideae: 1 Gattung, 3 Arten

Die einstige Familie Lobeliaceae wurde in die Campanulaceae eingegliedert und zu den Lobelioideae umbenannt. Dabei wurden alle enthaltenen Arten und Gattungen übernommen, was die gesamte Familie der Glockenblumengewächse auf einmal stark erweitert hat. Die Typusgattung der gesamten Familie stellen die Glockenblumen (bot. Campanula) dar, die auch für die Namensgebung zuständig sind. In der Gattung, die zugleich die größte innerhalb der Pflanzenfamilie darstellt, sind je nach Botaniker zwischen 300 bis 500 Arten enthalten.

Die folgenden Arten wurden dabei aus den Glockenblumen entfernt:

  • Arten der Schellenblumen (bot. Adenophora)
  • Arten der  Hasenglocken (bot. Asyneuma)

Diese wurden in andere Gattungen verschoben und aus diesem Grund werden dieselben Arten dieser Gattungen häufig mit unterschiedlichen Gattungsbezeichnungen angeboten. Dies kann vor allem beim Erwerb eines Exemplars zu Verwirrung führen. Bei den Campanulaceae handelt es sich um eine relativ alte Familie, deren Ursprünge im Oligozän vor 33,9 Millionen bis 23,03 Millionen Jahren liegen. Aus dieser Zeit wurden Pollen gefunden. Erste Samen wurden in Polen gefunden.

Vegetative Merkmale

Die vegetativen Merkmale der Glockenblumengewächse sind eindeutig und deuten sofort auf die Familie hin.

  • Wuchsform: krautig, Sträucher, Halbsträucher, Wasserpflanzen, Xerophyten, seltener kleine Bäume, verankert, abgetaucht, emers
  • Lebenszyklus: einjährig, ausdauernd mehrjährig, es werden Überdauerungsorgane ausgebildet
  • Überdauerungsorgan: Rhizom
  • Arten bilden Milchsaft
  • Milchsaft: Sprossachsen, Blätter, weitere Pflanzenteile, ungiftig, klar
  • Laubblätter: grundständig, häufig wechselständig, seltener wirtelig, gegenständig, Blattstiel, Blattscheide, Blattspreite
  • Blattstiel: je nach Art unterschiedlich lang
  • Blattspreite: einfach, kreisförmig, linear, fiederteilig, handteilig, gefiedert, seltener zusammengesetzt
  • Blattrand: gezähnt, gesägt, gekerbt, ausgestattet mit weißen Drüsen
  • es werden keine Nebenblätter ausgebildet
  • Blattflächen können auf beiden Seiten mit Spaltöffnungen (Stomata) versehen sein, diese sind anomocytisch
  • Wurzeln: fleischig
  • Nutzen: Zierpflanzen
  • Inhaltsstoffe: Inulin, Alkaloide, Polyacetylene, Zystolithen

Generative Merkmale

Die generativen Merkmale der Glockenblumengewächse beschreiben vor allem die Blütenfülle der Arten.

Die Merkmale:

  • Blütenstand: Blütenstandsschaft, einfach, verzweigt, traubig, ährig, zymös, doldig
  • Tragblätter: reduziert, ähneln Laubblättern, bei wenigen Arten fehlen sie
  • Scheinblüte kommt vor
  • Blüten: zwittrig, mittelgroß, fünfzählig, zygomorph, radiärsymmetrisch, resupitan, selten wird ein Nebenkelch gebildet
  • Blütenhülle: doppelt
  • Kelchblätter: 5, verwachsen, 3 – 10 Kelchzähne
  • Kronblätter: 5, verwachsen, glockenförmig, zweilippig, 4 – 10 Kronlappen
  • Farbe: meist blau, weiß, rot, orange, purpur, gelb
  • Staubblätter: 5 in 1 Kreis, fertil, frei, verwachsen
  • Fruchtblätter: 2, 3, 5, verwachsener Fruchtknoten, zwischen 2 – 10 Kammern
  • Bestäubung: Insekten
  • Früchte: Kapselfrucht, Beeren
  • Samen: ölhaltig, stärkehaltig, Endosperm

Arten

  • Azorenglockenblume (bot. Azorina vidalii)
  • Lilienglöckchen (bot. Adenophora liliifolia)
  • Berenice arguta
  • Ziestblättrige Teufelskralle (bot. Phyteuma betonicifolium)
  • Efeu-Moorglöckchen (bot. Hesperocodon hederaceus)
  • Gewöhnliche Türkenglocke (bot. Michauxia campanuloides)
  • Kretische Rutenglockenblume (bot. Petromarula pinnata)
  • Ballonblume (bot. Platycodon grandiflorus)
  • Schopfteufelskralle (bot. Physoplexis comosa)
  • Blaues Halskraut (bot. Trachelium caeruleum)
  • Alpen-Glockenblume (bot. Campanula alpina)
  • Lanzettblättrige Glockenblume (bot. Campanula baumgartenii)
  • Niedrige Glockenblume (bot. Campanula cochleariifolia)
  • Kleiner Frauenspiegel (bot. Legousia hybrida)
  • Venus-Frauenspiegel (bot. Legousia speculum-veneris)
  • Ausdauerndes Sandglöckchen (bot. Jasione laevis)
  • Berg-Sandglöckchen (bot. Jasione montana)
  • Kanaren-Glockenblume (bot. Canarina canariensis)
  • Dangshen (bot. Codonopsis pilosula)
  • Raukenblättrige Glockenblume (bot. Campanula alliariifolia)
  • Männertreu, Lobelia erinus, Blaue Lobelie – Pflege-Anleitung

    Der wunderschöne Männertreu eignet sich sehr gut, um Lücken im Beet zu füllen. Mehr als das leuchtet dieses Glockenblumengewächs in faszinierend blauen Blüten. Unermüdlich öffnen sich zauberhafte Blüten den ganzen Sommer und füllen manche Ecken, die ansonsten kahl bleiben würden. Als Lobelia erinus bekannt sollten Sie wissen, dass alle Pflanzenteile für Mensch und Tier giftig sind.

  • Ballonblume, Platycodon grandiflorus – Pflege der Ballonpflanze

    Die Ballonblume verdankt ihren ungewöhnlichen Namen den auffälligen Blütenknospen, die an kleinformatige Ballons erinnern. Die Zierpflanze gehört zur weitverbreiteten Familie der Glockenblumengewächse. Ursprünglich ist die Ballonblume in diversen asiatischen Ländern beheimatet, sie kommt aber auch mit den hiesigen Standortbedingungen zurecht. Die krautige Staude ist ebenfalls unter der botanischen Bezeichnung Platycodon Grandiflorus bekannt. Die Ballonblüten können einen Durchmesser von bis zu 10 cm erreichen und sind im Fachhandel in unterschiedlichen Farbnuancen zu erhalten.

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