Wie überwintern Marienkäfer? Wie Sie ihnen beim Winterschlaf helfen

Wer im Herbst die Natur aufmerksam beobachtet, wird auf Hauswänden, Pflanzen und Balkongeländern viele Marienkäfer sehen. Denn nun ist die Zeit gekommen, in welcher die kleinen Glücksbringer nach geeigneten Winterquartieren suchen. Da Marienkäfer nur in Ausnahmefällen alleine überwintern, finden sie sich zu Gruppen und sogar großen Schwärmen zusammen, um Schutz vor der kalten Jahreszeit zu finden. Außerdem finden sie in großen Ansammlungen auch ihren Geschlechtspartner für den Frühling und können so den Fortbestand der Art sichern.

Arten und Fressverhalten

Die Familie der Marienkäfer (Coccinellidae) besteht aus etwa 4.000 Arten. Hierzulande sind gut 70 Arten heimisch. Die bekannteste Art ist der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata). Die Insekten ernähren sich überwiegend von Blatt- und/ oder Schildläusen, aber auch Spinnmilben, Wanzen und die Larven von Käfern- und Blattwespen stehen auf ihrem Speisezettel. Sie gehören zu den Nützlingen und werden für die biologische Schädlingsbekämpfung gezüchtet.

Überwintern

Die kalte Jahreszeit übersteht Coccinellidae, je nach Art, in Form von Winterschlaf oder -starre. Fällt die Umgebungstemperatur auf ungefähr 12 °C, verlangsamt sich die Atmung und Herzschlag der kleinen Käfer und sie fallen in den Winterschlaf. In die Winterstarre fallen die Tiere, wenn die Außentemperatur auf null Grad Celsius und darunter fällt. Die Körpertemperatur beträgt dann so um die null Grad und alle wichtigen Organe arbeiten auf „Sparflamme“. Arten, die nicht in die Winterstarre verfallen, schützen sich durch Fettpolster vor den frostigen Temperaturen. Außerdem rücken sie eng aneinander, um sich gegenseitig zu wärmen.

Nahrungssuche

Um durch den Winter zu kommen, legen jene Marienkäferarten, die nicht in eine Winterstarre verfallen, Fettdepots an, von welchen sie den Winter über zehren. Steigen im Winter die Temperaturen auf ungefähr 8 °C für längere Zeit an, erwachen die kleinen Käfer und begeben sich auf Nahrungssuche. Und dieses natürliche Verhalten kann für die Käfer tödlich enden, da sie im Winter keine Nahrung finden, und ihre Fettreserven zu früh verbraucht werden.

Winterquartiere

Marienkäfer bevorzugen für den Winterschlaf Hohlräume, denn dort können sie es sich so richtig gemütlich machen. Wichtig ist, dass das Quartier warm und feucht ist. Deshalb sind für sie Mauerritzen oder Dachsparren ein guter Platz zum Überwintern. Aber nicht nur am Haus finden die Glücksbringer passende Winterquartiere. Auch im Garten können Sie den kleinen Käfern einen idealen Unterschlupf für die kalte Jahreszeit bieten. So nutzen Marienkäfer beispielsweise gerne einen Laubhaufen zum Überwintern. Weitere ideale Winterquartiere für die kleinen Käfer sind:

  • Baumhöhlen
  • Baumrindenspalten
  • höheres Gras
  • Insektenhotels
  • unter Moosschichten oder unter Steinen
Insektenhotel als Winterquartier
Insektenhotel

Überwinterungshilfen

Wer keinen Garten hat, kann den Insekten auf dem Balkon eine Überwinterungshilfe bieten. Dazu bohren Sie in eine etwa 10 mal 10 Zentimeter große Holzkiste ein Einflugloch mit einem Durchmesser von etwa 80 Millimeter. Das Innere der Holzkiste legen Sie mit Holzwolle und/ oder Herbstlaub aus. Ein Wasserschutz an der Oberseite der Kiste schützt die Insekten vor Regen.

Tipp: Damit die kleinen Käfer das Winterquartier auch finden, sollten Sie es erhöht aufstellen. Am besten stecken Sie es mit einem stabilen Stab in einen Balkonkasten oder Pflanzenkübel.

Überwinterung in menschlichen Wohnräumen

Sind Herbst und Winter aus der Sicht der Glücksbringer kalt, dann bleiben sie bis zum nächsten Frühjahr in ihrem Winterquartier. Steigt die Temperatur an, dann verlassen sie das Winterquartier und begeben sich auf Nahrungssuche. Denn das wärmere Wetter signalisiert den Marienkäfern, dass der Frühling gekommen ist. So kann es vorkommen, dass sich Marienkäfer bei der winterlichen Nahrungssuche auch in menschliche Wohnräume verirren. Da sie dort jedoch keine Nahrung finden, ist dies keine gute Option für die kleinen Käfer. Außerdem steigt ihre Aktivität mit jedem Grad Celsius, was wiederum dazu führt, dass ihre Fettreserven noch schneller verbraucht werden.

Deshalb helfen Sie verirrten Marienkäfern am besten, wenn Sie sie wieder nach draußen bringen. Denn dort verfallen sie, sobald die Temperaturen wieder sinken in den Winterschlaf. Damit die kleinen Käfer nicht erfrieren, sollten Sie sie in der Nähe eines geeigneten Winterquartieres aussetzen.

Marienkäfer, Coccinellidae

Tipp: Ist der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen sehr groß, dann sollten Sie den Glücksbringern eine Möglichkeit bieten, sich an die Außentemperaturen zu gewöhnen. Dafür eignet sich ein geschützter Schuppen oder der Wintergarten.

Aussetzen

Gehen Sie beim Fangen und Aussetzen vorsichtig mit den kleinen Käfern um. Haben ich mehrere der kleinen Käfer in ihre Wohnräume verirrt, können Sie die Insekten auch mit Staubsauger und einer Socke mit Gummibündchen fangen:

  • Bündchen auf das Ende des Saugrohres stülpen
  • Restliche Socke als Fangnetz ins Innere des Saugrohrs drücken
  • mit ganz schwacher Sauleistung die Tiere aufsaugen
  • Socke verschließen
  • Staubsauger abstellen
  • Socke vorsichtig aus dem Saugrohr ziehen
  • Käfer an einer geeigneten Stelle durch das vorsichtige Schütteln der Socke aussetzen

Marienkäfer auf Forsythie

Hausüberwinterung

Besteht keine Möglichkeit, die Tiere auszusetzen, dann können Sie ihnen auch ihre Wohnung als Winterquartier anbieten. Allerdings müssen Sie dann auch für entsprechende Nahrungsquellen sorgen. Eine Möglichkeit ist es, die Tiere in die Nähe von Pflanzen zu bringen, die während der Überwinterung von Blattläusen bzw. Spinnmilben heimgesucht werden. Ist diese Nahrungsquelle versiegt, dann sollten Sie im Handel spezielle Aufzuchtsets für Marienkäfer kaufen. Sie enthalten Nahrung, die auch für adulte Käfer geeignet ist.

Tipp: Eine Hausüberwinterung sollte nur in Notfällen durchgeführt werden, da sie nicht dem natürlichen Lebenszyklus der Insekten entspricht.

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