Heidekrautgewächse, Ericaceae – Steckbrief, Merkmale und Arten

Heidekrautgewächse, Ericaceae
Heidekrautgewächse, Ericaceae

Heidekrautgewächse (Ericaceae) kommen nahezu weltweit vor, wobei sie in kalten und gemäßigten Zonen der Erde am weitesten verbreitet sind. Bei den hierzulande heimischen Arten handelt es sich fast ausschließlich um holzige und vorwiegend immergrüne, selten auch Laub abwerfende Pflanzen bzw. Sträucher und Zwergsträucher. Anderenorts gibt es zudem einige kletternde oder krautige Arten. Diese Pflanzen gehen in der Regel eine Symbiose mit Bodenpilzen ein, die für eine bessere Versorgung mit Wasser und Nährstoffen sorgen und die ohne diese Gewächse nicht lebensfähig wären.

Heidekrautgewächse

Einige Arten werden aufgrund ihres hohen Gehaltes an ätherischen Ölen, Bitter- und Gerbstoffen als Heil- und Arzneipflanzen genutzt. Andere wiederum enthalten toxische, also giftige Substanzen. Darüber hinaus werden Heidekrautgewächse in Zier- und Nutzpflanzen unterschieden. Typische Vertreter unter den Nutzpflanzen sind Heidelbeere, Preiselbeere und Bärentraube. Botanisch lassen sich diese Gewächse in die Ordnung der Heidekrautartigen (Ericales) einordnen.

Niedrigere Klassifizierungen

Mit rund 4.000 Arten und etwa 126 Gattungen sind Heidekrautgewächse, mit Ausnahme der Dauerfrostzone, in allen Höhenlagen und Klimazonen zu finden. Selbst im tropischen Tiefland gedeihen einige wenige Arten. Man unterteilt sie in acht Unterfamilien und 24 sogenannte Triben (Rangstufe zwischen Unterfamilie und Gattung). Die Familie der Ericaceae gehört zur Ordnung der Heidekrautartigen und den bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida). Seit Kurzem zählen auch die einst eigenständigen Pflanzenfamilien der Krähenbeerengewächse (Empetraceae), der Fichtenspargelgewächse (Monotropaceae) und die der Wintergrüngewächse (Pyrolaceae) zur Familie der Heidekrautgewächse.

Vegetative Merkmale

  • Heidekrautgewächse (Ericaceae) meist verholzende, immergrüne Pflanzen
  • selten Laub abwerfende Sträucher, kleine Bäume, Lianen oder Epiphyten
  • sie bilden Rhizome (Sprossachsensysteme), Ausläufer (Stolonen) oder verholzende Knollen
  • letztere können Durchmesser von bis zu einem Meter aufweisen
  • Sprossachsen etwa die Form eines Bleistiftes, teilweise auch geflügelt
  • Teile der Pflanzen häufig behaart oder schuppig
  • Behaarung hat unterschiedliche Funktionen
  • sie variiert in Dichte, Form und Größe
  • Blätter schmal, fast nadelartig mit wachsartiger Oberfläche, immer ungeteilt
  • Anordnung der Blätter wechselständig, zweizeilig oder spiralförmig
  • seltener gegenständig oder wirtelig
  • Blattstiele fehlen teilweise ganz oder unterscheiden sich
  • einfache Blattspreite ist krautig oder ledrig
  • sie variiert von sehr klein bis sehr groß
  • Blattränder bei den meisten Arten glatt oder mehr oder weniger eingerollt
  • weniger oft auch gekerbt oder gezahnt
  • keine Nebenblätter vorhanden
  • junge Blätter vieler Arten weisen rötliche Färbung auf

Generative Merkmale

  • Blüten klein bis groß, weiß, gelb bis hin zu dunkelrot
  • fast ausnahmslos zwittrig, meist duftlos und in Trauben angeordnet
  • ausschließlich die Gattung Epigaea ist zweihäusig, getrennt geschlechtlich
  • Blüten beim Tribus Rhodoreae sind zygomorph (mit zwei spiegelgleichen Hälften)
  • vier bis sieben, meist fünf freie oder verwachsene Kelchblätter
  • drei bis sieben meist verwachsene Kronenblätter
  • oft mit Nektar bildendem, prominenten Diskus (ringförmige Wulst am Blütenboden)
  • Diskus bestehend aus zwei Kreisen mit jeweils 4 – 5 freien oder verwachsenen Staubblättern
  • teilweise ausgebildete Sporne
  • Staubbeutel verfügen über Poren
  • meist 4 – 5 Fruchtblätter vorhanden
  • Fruchtblätter zu synkarpen, ober- bis unterständigen Fruchtknoten miteinander verwachsen
  • jedes Fruchtknotenfach enthält viele Samenanlagen
  • kopfige, seltener auch schwach gelappte Narbe
  • Fruchtformen sind Kapselfrüchte, Steinfrüchte, Beeren, selten auch Nussfrüchte
  • Frucht teilweise mit fleischigen Kelchblättern
  • jede Frucht mit mehreren Fruchtfächern
  • die meisten Arten besitzen viele Samen je Frucht bzw. Fruchtfach

Arten

Nutzpflanzen

  • Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)
  • Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea)
  • Moosbeere (Vaccinium oxycoccos)
  • Rauschbeere (Vaccinium uliginosum)
  • Echte/Immergrüne Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi)

Zierpflanzen

  • Gemeines Heidekraut/Besenheide/Sommerheide (Calluna vulgaris)
  • Gemeine Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi)
  • Alpenazalee (Loiseleuria procumbens)
  • Moosheide (Phyllodoce caerulea)
  • Glockenheide (Erica tetralix)
  • Kleines Wintergrün (Pyrola minor)
  • Rosmarinheide (Andromeda polifolia)
  • Lorbeerrose / Berglorbeer (Kalmia latifolia)
  • Goldgelbe Alpenrose (Rhododendron aureum)
  • Sumpfporst (Rhododendron tomentosum)
  • Schneeheide/ Winterheide (Erica carnea)
  • Prachtglocke (Enkianthus campanulatus)
  • Blaubeeren/Heidelbeeren anbauen – Pflanzen, Schneiden und Erntezeit

    Blaubeeren finden selbst in kleinen Gärten immer ein Plätzchen. Über mehrere Wochen im Jahr bilden sie eine Vielzahl aromatischer und gesunder Früchte. Sogar die glockenähnlichen Blüten und das Herbstlaub sind sehr dekorativ. Im Garten werden überwiegend Sorten der Kulturheidelbeere angebaut, seltener wilde Heidelbeeren. Für die wesentlich kleineren Waldheidelbeeren sind die Bedingungen im heimischen Garten in der Regel nicht optimal.

  • Zimmerazalee – Pflege & Überwintern der Azaleen als Zimmerpflanze

    Zimmerazaleen werden oft als "Blumensträuße im Topf" bezeichnet. Dies liegt an ihrer üppigen Blüte, die uns in den grauen und trüben Wintermonaten erfreut. Leider werden die Pflanzen nach der Blütezeit oft entsorgt. Dabei wird die Zimmerazalee sehr alt und entwickelt bei richtiger Pflege auch im Folgejahr viele Blüten.

  • Rhododendron – Pflege von A-Z – Grundlagen + Expertenwissen

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