Raublattgewächse, Boraginaceae – Steckbrief, Merkmale und Arten

Vergissmeinnicht, Myosotis

Bei den Raublattgewächsen (bot. Boraginaceae), auch Borretschgewächsen genannt, handelt es sich um eine Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Boraginales, die sich in der Gruppe der Lamiiden (Euasteriden I) mit bis zu 156 Gattungen befinden. Diese enthalten etwa 2.740 Arten und sind verbreitet in der gemäßigten Zone und den Tropen. Einige Arten innerhalb der Familie dienen dem Menschen als Zierpflanze, auch wenn sie aufgrund ihrer Behaarung nicht mit der bloßen Hand gehandelt werden sollten.

Raublattgewächse

Niedrigere Klassifizierungen

Die niedrigeren Klassifizierungen der Raublattgewächse geben einen direkten Einblick in die Zusammenstellung der inneren Systematik und wie sich diese aufeinander auswirken. Innerhalb der Familie finden sich sechs Unterfamilien.

  • Lennooideae: 2 – 3 Gattungen, 7 Arten
  • Wasserblattgewächse (bot. Hydrophylloideae): 17 Gattungen, 225 Arten
  • Ehretioideae: 8 – 11 Gattungen, 170 Arten
  • Cordioideae: 3 – 4 Gattungen, 330 Arten
  • Heliotropioideae: 4 – 8 Gattungen, 405 Arten
  • Lithospermeae: 10 Triben, 6 Untertriben, 112 Gattungen, 1.600 Arten, etwa 35 Gattungen ohne Zuordnung zu einem Tribus, die Gattung (Trigonotis) ohne Zuordnung zu einem Untertribus

Innerhalb der Familie finden sich zwei Unterfamilien, deren eigentliche Stellung innerhalb der Raublattgewächse noch nicht gesichert sind.

  • Hydrophylloideae
  • Lennooideae

Speziell die Hydrophylloideae waren vor der Einfügung in die Raublattgewächse eine eigene Familie, der die Arten der folgenden Familien eingegliedert wurden.

  • Ellisiaceae
  • Eutocaceae
  • Hydrophyllaceae
  • Sagoneaceae

Aufgrund ihres großen Verbreitungsgebiets werden häufig weitere Familien eingegliedert, die frühere Zuordnungen etwas schwierig machen können. So wie die Gattung der Hoplestigma, die heute zur Unterfamilie der Cordioideae gehören, davor aber eine eigene Familie darstellten.

Vegetative Merkmale

In Bezug auf die vegetativen Merkmale sind diese nicht so unterschiedlich ausgeprägt wie die generativen. Das macht es einfach, sie von anderen Pflanzenfamilien zu unterscheiden und ebenfalls die Gattungen und Unterfamilien innerhalb der Boraginaceae, da einige Triben besonders charakteristische Formen aufweisen.

Die Merkmale:

  • Wuchsform: krautig, Baum, Sträucher, Halbsträucher, Lianen, Wurzelparasit (chlorophylllos)
  • Lebenszyklus: einjährig, ausdauernd mehrjährig, langsam wachsend, immergrün, sommergrün,
  • Wuchshöhen: 30 cm – 2.500 cm
  • viele Arten wachsen stark in die Breite
  • Stängel und Blätter behaart
  • Behaarung wird aus Zystolithen gebildet, die aus Ablagerungen von Siliciumdioxid und Calciumcarbonat bestehen
  • Haare wirken reizend auf die Haut
  • Wirkung verstärkt sich bei älteren Pflanzen
  • Behaarung findet sich vor allem bei Arten aus Mitteleuropa
  • einige Arten tragen keine Haare und sind dagegen völlig kahl
  • Laubblätter: wechselständig, einfach, ganzrandig, obovat, fein, weich, sitzend, gestielt, pfeilförmig, den Stängel umfassend, lanzettlich
  • Blattrand: glatt, gezähnt
  • je nach Art werden Nebenblätter ausgebildet

Generative Merkmale

Während die Raublattgewächse in Bezug auf die vegetativen Merkmale eher einheitlich erscheinen, sind die Blüten und Früchte unterschiedlicher und die spezifische Art meist sofort erkennbar. Dabei unterscheiden sich vor allem einzelne Unterfamilien stark voneinander, doch weisen sie im Grunde die gleiche Morphologie auf.

Die Merkmale:

  • Blütenstand: Doppelwickel, endständig, seltener seitenständig
  • einige Arten behaart, vor allem in Mitteleuropa
  • Blüten: zwittrig, radiärsymmetrisch, fünfzählig, eine Art (Echium) zygomorph
  • Kelchblätter: grundständig
  • Kronblätter: verwachsen, röhrenförmig, stieltellerförmig, Schlundschuppen
  • Schlundschuppen: gestülpt nach innen, Kronröhre wird verengt oder verschlossen
  • Staubblätter: 5 in 1 Kreis, fertil, tetrazyklisch, verwachsen mit den Petalen, setzen an der halben Länge des Kronblatts an
  • Fruchtblätter: 2 – 5
  • Fruchtknoten: oberständig, 4 Klausen, geteilt durch falsche Scheidewände
  • Frucht: Klausenfrucht, seltener Steinfrucht, Kapselfrucht
  • Klausenfrucht entwickelt sich in den meisten Fällen als Nuss, zerfallen bei manchen Arten in Teilfrüchte, schwarz, glatt, glänzend, schief eiförmig

Arten

  • Choriantha popoviana
  • Halacsya sendtneri
  • Huynhia pulchra
  • Scharfkraut (bot. Asperugo procumbens)
  • Großblättriges Kaukasusvergissmeinnicht (bot. Brunnera macrophylla)
  • Ackerkrummhals (bot. Lycopsis arvensis)
  • Ausdauernde Ochsenzunge (bot. Pentaglottis sempervirens)
  • Himmelsherold (bot. Eritrichium nanum)
  • Gedenkemein (bot. Memoremea scorpioides)
  • Frühlings-Nabelnüsschen (bot. Omphalodes verna)
  • Vergissmeinnicht (bot. Myosotis)
  • Fukientee (bot. Carmona microphylla)
  • Myosotidium hortensia
  • Vanilleblume (bot. Heliotropium arborescens)
  • Echter Steinsame (bot. Lithospermum officinale)
  • Schweiz-Lotwurz (bot. nosma helvetica)
  • Dalmatien-Lotwurz (bot. Onosma visianii)
  • Schmalblättriges Lungenkraut (bot. Pulmonaria angustifolia)
  • Echtes Lungenkraut (bot. Pulmonaria officinalis)
  • Herzblättriger Beinwell (bot. Symphytum cordatum)
  • Große Wachsblume, Cerinthe major: Pflege von A-Z | Ist sie giftig?

    Die Große Wachsblume ist eine aparte Blume und stammt aus Südeuropa. Dort ist die Pflanze vor allem im Mittelmeergebiet verbreitet und deshalb an warme und helle Standortbedingungen gewöhnt. Da das Gewächs keine besonders großen Ansprüche beim Standort und bei der Pflege stellt, lässt sich dieses ohne Probleme in den hiesigen Breitengraden kultivieren. Aufgrund der ungewöhnlichen Form und der intensiven Farbgebung, fällt die Große Wachsblume im Gartenbeet als Rarität auf.

  • Steinsame, Lithodora diffusa – Arten, Standort und Pflege

    Steinsamen sind ansprechende Gewächse aus dem alpinen Raum Südeuropas und erfreuen sich bei Gärtnern aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit größter Beliebtheit. Die Blüten in verschiedenen Farben sorgen für Farbtupfer im Garten, denn das Raublattgewächs lässt sich gut für die Bepflanzung von Steingärten und Einfassungen nutzen, sowie als üppig wachsender Bodendecker. Beim Steinsame handelt es um ein immergrünes Gewächs, das häufig als Staude angeboten wird, obwohl es sich um ein Zwerggehölz handelt.

  • Borretsch, Borago officinalis – Steckbrief und Bilder

    Borretsch ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Raublattgewächse. Die aus dem Mittelmeerraum stammende Pflanze wurde, mit Beginn des Mittelalters, in den Klostergärten Zentraleuropas kultiviert. Borretsch wird auch als Gurkenkraut bezeichnet, da es den Geschmack frischer Gurken aufweist.

  • Vanilleblume, Heliotropium arborescens, Heliotrop – Pflanzen und Pflege

    Die Vanilleblume blüht eigentlich vom Frühsommer bis in den späten Herbst hinein, und diese Blume ist äußerst dekorativ. Die Blüten können weiß sein, aber meist haben sie eine hellblaue, mittelblaue oder gar blauviolette Färbung. Heliotropium arborescens hat immer viele kleine Blüten, die doldenförmig wachsen und sehr dicht stehen können. Die Pflanze  ist noch viel zu wenig verbreitet und zu unbekannt, wenn man bedenkt, wie gut sie sowohl optisch als auch olfaktorisch auf Balkon und Terrasse wirkt. Sogar im Freibeet kann die Vanilleblume in Europa gehalten werden, solange sie zum Überwintern ins Haus gebracht wird. Die Pflanze hat ihren Namen von dem betörenden Vanilleduft, den die Blüten verbreiten.

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