Dörrautomat selber bauen | Dörren ohne Strom | Bauanleitung

Dörrautomat selber bauen

Eine der ältesten, aber auch heute noch topaktuellen Formen der Haltbarmachung von Obst und Gemüse ist das Trocknen oder auch Dörren. Moderne Backöfen oder ein spezieller Dörrautomat sorgen für einen raschen und nahezu sichergestellten Erfolg. Doch es geht auch einfacher und ganz ohne Strom. Mit unserer Bauanleitung können Sie Ihren eigenen Dörrautomat ohne Strom Schritt für Schritt selber bauen.

Dörrautomat selber bauen

Wir wollen uns eine Vorrichtung bauen, in der sich Obst und Gemüse mit Hilfe von Wärme trocknen lässt. Dabei soll gänzlich auf den Einsatz von Strom, Motoren, Ventilatoren etc. verzichtet werden, um einerseits ein ökologisch sinnvolles und zugleich aber auch ortsunabhängig einsetzbares Gerät zu erhalten.

Im Bereich der ohne Strom arbeitenden Dörrautomaten existieren zahlreiche unterschiedliche Modelle, die sich teils gering, teils deutlich voneinander unterscheiden. Unsere Bauanleitung ergibt einen Dörrautomat mit mehreren Etagen und entnehmbaren Dörrschubladen. Die Zuluftführung und -erwärmung erfolgt über einen separaten Zuluftkanal, so dass das Dörren selbst ohne direkte Sonneneinstrahlung erfolgt. So werden optimale Ergebnisse erzielt und Sie müssen beim Dörrgut keine Abstriche durch das Selber Bauen des Automaten in Kauf nehmen.

Bevor es mit dem Bauen losgeht, verschaffen wir uns gute Voraussetzungen für den Bau. Dazu gehört ein geeigneter Arbeitsbereich, sowie das richtige Werkzeug. Nicht vergessen sollten Sie außerdem die Auswahl des richtigen Materials. Es kann das selber bauen deutlich erleichtern und ergibt letztlich ein zufriedenstellendes und dauerhaftes Ergebnis:

Werkzeug

Mit dem richtigen Werkzeug fällt die Arbeit nur halb so schwer. Deshalb sollten folgende Dinge unbedingt zur Hand sein:

  • Akkuschrauber mit Holzbohrersatz und Senker
  • Schraubendreher
  • Hammer
  • Handsäge, z.B. Fuchsschwanz
  • Meterstab
  • Winkelmaß oder Geodreieck
  • Bleistift
  • Schleifpapier, ca. 100er Körnung

Tipp: Wer an Stelle eines klassischen Fuchsschwanzes auf eine japanische Zugsäge zurückgreift, erzielt damit sehr maßhaltige und feine Schnitte bei geringem Kraftaufwand. Durch die umgekehrte Sägerichtung Zug statt Schub kann das Blatt deutlich feiner ausfallen und den Schnitt störende Verwindungen des Blattes bleiben aus.

Material

Holz

  • 3 Stk. Leimholz Fichte, d=18mm, 0,40×0,50m (A – Wände)
  • 1 Stk. Leimholz Fichte, d=18mm, 0,44×0,45m (B – Tür)
  • 1 Stk. Leimholz Fichte, d=18mm, 0,40×0,22m (C – Boden)
  • 1 Stk. Leimholz Fichte, d=18mm, 0,50×0,50m (D – Dach)
  • 1 Stk. Leimholz Fichte, d=18mm, 0,40×0,86m (E – Boden Schacht)
  • 2 Stk. Leimholz Fichte, d=18mm, 0,10×0,86m (F – Seiten Schacht)
  • 4 Stk. Kantholz Fichte 3x3cm, l=0,80m (G – Beine)
  • 2 Stk. Latte 2x3cm, l=0,50m (H – Halter Schacht)
  • 8 Stk. Leisten 10x20mm, l= 0,39 (I – Rahmen quer)
  • 16 Stk. Leisten 10x20mm, l=0,37 (J – Rahmen längs + Auflagen)

Tipp: Jeder Baumarkt bietet heute den Zuschnitt von Holz an. Lassen Sie sich die Einzelteile direkt im Markt auf die gewünschten Maße zusägen, so dass Ihr Aufwand für den Zuschnitt im Folgenden nur noch sehr gering ausfällt! Zwar wollen wir den Automaten selber bauen, jedoch darf man dabei gerne die Annehmlichkeiten unserer Zeit in Anspruch nehmen. Schließlich bauen wir das Gerät ja auch nicht komplett ohne Strom!

Sonstiges

  • Tiefschwarzer Lack, alternativ tiefschwarze Klebefolie, ca. 0,60×1,00m
  • 1 Acrylglasscheibe, 0,40×0,76
  • Schrauben 4x40mm mit Senkkopf
  • Schrauben 3x20mm mit Senkkopf
  • 1 Bandscharnier, Länge 0,45m
  • Fliegengitter oder anderes Kunststoffgitter
  • 1 Stk. Dachpappe ca. 55x55cm, oder alternativ UV-beständige Folie
  • Heftstifte, z.B. so genannte Dachpappe-Nägel
  • 1 Magnettürschließer für Möbeltürchen
  • 1 einfacher Schubladen- oder Möbelgriff

Dörrautomat selber bauen – Anleitung

Vorbemerkungen: Für eine schönere Optik und eine geringere Gefahr von Abplatzungen sollten alle Kanten der Holzteile mit einem feinen Schleifpapier gebrochen werden. Außerdem sollten alle Schraubenlöcher vor dem Eindrehen der Schraube vorgebohrt und angesenkt werden, da Nadelholz bei ungebohrten und ungesenkten Löchern zum Splittern oder Reißen neigt. Für das Vorbohren eignet sich bei 4mm Schrauben ein 1,5mm- oder 2,0mm-Bohrer. Diese Arbeitsschritte werden im Folgenden aber nicht mehr im Einzelnen aufgeführt, sondern verstehen sich als selbstverständliche Vor- bzw. Nebenleistung.

1. Zuluftkanal

Wir beginnen bei der Erstellung des Zuluftkanals. In ihm wird die zuströmende Luft ohne Strom erwärmt. Daher ist er eine unabdingbare Voraussetzung für das Dörren, ohne die Früchte nicht direkt der Sonne auszusetzen:

  • Teile F an jeweils einem Ende im 45 Grad-Winkel abschrägen, dazu an einer Kante 10cm abmessen und vom Punkt zum Ende der gegenüberliegenden Kante zusägen
  • Seitenteile F mit längerer Kante jeweils bündig auf Boden E aufsetzen
  • Boden E jeweils viermal gleichmäßig über gesamte Länge mit Seitenteilen F verschrauben
  • Innenseite der entstandenen U-Form deckend schwarz streichen
  • Alternativ: Boden und Seiten des U mit schwarzer Klebefolie auskleiden
  • Acrylglasscheibe auf kürzere, freie Kanten der Seitenteile auflegen
  • Scheibe über gesamte Länge gleichmäßig viermal in Seitenteile verschrauben

Zuluftschacht für Dörrautomat bauen

Achtung: Acrylglas neigt unter Hitzeentwicklung zur Verformung. Die Löcher sollten daher nur mit geringer Drehzahl vorsichtig vorgebohrt werden!

2. Gehäuse/ Zuschnitt

Nachdem der Zuluftkanal fertig ist, machen wir uns an die Erstellung des Gehäuses. In ihm finden das Obst oder Gemüse zum Dörren Platz. Vor dem Bauen steht dabei der Zuschnitt der Wände, um dem späteren Dach eine geringe Neigung zu verleihen:

  • 2 Wände A jeweils an einer 40cm-Kante abschrägen
  • dafür an einer 50cm-Kante 2cm von der Ecke einwärts messen
  • von diesem Punkt zur gegenüberliegenden Ecke schräg zusägen

3. Gehäuse/ Montage

  • Boden C flach auf Boden oder Tisch legen
  • 2 Wände A auf die verbliebene 40cm-Kante stellen, an den 22cm-Seiten des Bodens bündig an einem Ende anlegen und seitlich in 22cm-Kante hinein verschrauben (zweimal verschrauben je Seite)
  • 3. Wand A am Ende ohne Boden senkrecht zwischen die bereits verschrauben Wände einstellen und ebenfalls jeweils 3 Mal über gesamte Höhe gleichmäßig verschrauben
  • Dach mit allseitig gleichem Überstand auf schräge Oberseite auflegen und je Wand in gleichmäßigem Abstand zweimal verschrauben
    Es entsteht ein U aus 3 Wänden, wobei der Boden am offenen Ende des U bündig anliegt, innen dagegen ein „Loch“ aufweist.

Dörrautomat selber bauen

4. Beine und Zuluftkanal

Damit aus der geschaffenen Kiste ein Dörrautomat werden kann, verbinden wir nun den Zuluftkanal mit dem Korpus und stellen die gesamte Konstruktion auf sichere Beine:

  • Beine G an oben abgeschrägten Wänden jeweils außen mit 4 Schrauben gleichmäßig über Kontaktfläche verteilt verschrauben
  • Achtung: Hier entweder Löcher in Kanthölzern halbe Tiefe in Größe Schraubenkopf vorbohren, oder Schrauben 4×45 oder 3x50mm verwenden!
  • Überlappung Beine und Korpus 25cm, freier Beinüberstand nach unten 55cm
  • An Seiten Zuluftkanal seitlich Linie parallel zur schrägen Stirnseite mit Abstand 5cm aufzeichnen
  • Luftkanal bis zur Linie durch Loch im Boden in Korpus einschieben und je Seite zweimal von außen verschrauben
  • Latten H auf ca. halber Höhe der Beine innenseitig der Beine und außenseitig am Schacht anlegen und einfach an den Beinen und zweifach am Schacht verschrauben

Beine und Zuluftkanal montieren

Hinweis: Der Halter H ist nicht unbedingt erforderlich. Er stabilisiert den Schacht jedoch im Korpus, so dass er beim Bewegen des Dörrautomaten seine Verschraubungen am Korpus nicht durch sein eigenes Gewicht aus dem Holz zieht.

5. Dörrschubladen

Damit der Dörrautomat nicht nur ohne Strom, sondern auch effizient funktioniert, soll der geschaffene Innenraum möglichst gut ausgenutzt werden. Das gelingt durch die Verwendung von mehreren schubladenartigen Ebenen für das Dörrgut:

  • Jeweils zwei Leisten I und zwei Leisten J zu einem viereckigen Rahmen 37x39cm zusammenfügen
  • Latten bei Eckverbindungen übereinander Legen und durch beide Latten hindurch mit 3x20mm-Schrauben verbinden
  • Rechte Winkel der Ecken mit Winkelmaß oder Geodreieck sicherstellen
  • Rahmen mit 37cm-Latten nach oben legen
  • Fliegengitter oder Netz über Rahmen und an den Seiten nach unten ziehen und mit Heftstiften im Rahmen befestigen, ca. alle 3 bis 4 Zentimeter ein Heftstift
  • Rahmen umdrehen, so dass Netz und 37cm-Latten unten liegen unten liegen
  • Vorgang noch dreimal wiederholen, so dass insgesamt vier Schubladen entstehen.

Dörrschubladen bauen

Hinweis: Es ist auch möglich, ein feines Drahtgeflecht, oder sogar Hasengitter als Tragelement für die Schubladen zu verwenden. Allerdings neigt Metall im Laufe der Zeit durch die Flüssigkeit vom Dörren des Obsts zum Rosten. Außerdem kann beispielsweise verzinkter Draht geschmacklich auf das Dörrgut abfärben und sich so nachteilig auswirken. Bauen Sie Ihre Einschubfächer daher möglichst mit lebensmitteltechnisch unbedenklichen Kunststoffnetzen oder -geweben!

6. Einbau Schubladen und Tür

Nun wird der Dörrautomat mit einer Tür versehen und wir bauen die Schubladen ein:

  • Innen im Gehäuse an beiden Seitenwänden je 4 Leisten J wie folgt montieren:
  • Montage jeweils parallel zum Boden, mit flacher (2cm breiter) Seite auf Seitenwand
  • Unterste Leiste 7cm über Boden (Unterkante Leiste gleich Oberkante eingeschobener Zuluftschacht)
  • Alle folgenden Leisten mit Abstand 10cm untereinander (Oberkante zu Oberkante)
  • Alle Leisten je dreimal über gesamte Länge gleichmäßig verschrauben
  • Schrauben 3x20mm verwenden
  • Tür B entlang einer 45cm-Kante mit Bandscharnier versehen
  • Tür auf offene Korpusseite auflegen, dabei Unterkante bündig setzen
  • Bandscharnier am Korpus verschrauben
  • Magnetschließer und Türgriff ca. in Türmitte anbauen

Schubladen in den Dörrautomat einbauen

7. Nacharbeiten

Jetzt ist der eigentliche Dörrautomat fertig. Es fehlen nur noch einige kleinere Nacharbeiten, bis das Dörren beginnen kann:

  • Dach mit Dachpappe belegen
  • Pappe allseitig um Dachrand umschlagen und mit Heftstiften alle 3 bis 5 Zentimeter fixieren
  • Eventuell Boden des Dörrautomaten innen mit Klebefolie belegen, um abtropfenden Saft besser entfernen zu können
  • Alternativ: Schwarze Farbe vom Zuluftkanal mehrlagig auftragen
  • Rest Fliegengitter oder Netz über unteren Einlass des Zuluftkanals ziehen und ebenfalls festheften

Hinweis: Der untere Abschluss des Zuluftkanals muss nicht sein. Aber gerade dann, wenn das meiste Obst zum dörren frisch aus dem Garten kommt, sind viele Insekten unterwegs, die die geballte Ansammlung an Süßem ebenfalls gerne nutzen wollen. Das Gitter hilft, den in der Sonne abgestellten Automaten sicher vor Wespen, Käfern und anderen unerwünschten Besuchern zu schützen.

Nun ist es geschafft. Der Dörrautomat ohne Strom ist fertig. Nach dem Bauen können Sie nun die Schubladen mit Obst oder Gemüse befüllen und in das Gehäuse einschieben. Richten Sie den Automaten so aus, dass der Zuluftkanal in Richtung Sonne weist. Die schwarze Farbe sorgt für die gewünschte Erwärmung. Die Warmluft steigt im Kanal auf bis in das Gehäuse mit dem Obst. Von unten kann neue Luft zur Erwärmung nachströmen. Am Spalt über der Tür kann die nun feuchte, immer noch warme Luft abziehen. Es mag zwar etwas länger dauern, aber unter Zuhilfenahme von Sonne und Kamineffekt gelingt Dörrobst und -gemüse ganz ohne Strom um Handumdrehen.