Wie giftig ist Stechapfel? Ist er meldepflichtig? Das ist zu beachten

Wie giftig ist Stechapfel?

Der Gemeine Stechapfel (Datura stramonium) ist im Garten kaum übersehbar. Seine großen trichterförmigen weißen oder veilchenblauen Blüten strahlen schon von weitem. Das Nachtschattengewächs (Solanaceae) ist während der Blütezeit zwar schön anzuschauen, verströmt einen lieblich-süßen Duft und lockt viele Insekten an, aber es ist bei weitem nicht so harmlos wie es den Anschein hat. Stechäpfel enthalten in all ihren Pflanzenteilen Giftstoffe. Ein Anbau im Garten sollte daher gut überlegt werden. Hier erfahren Sie, wie giftig der Stechapfel wirklich ist und ob es eine Meldepflicht gibt.

Stechapfel

Der einjährige Strauch ist auch unter verschiedenen anderen Bezeichnungen wie Dollkraut, Schlafapfel, Hexenkraut oder Teufelsapfel bekannt. Sehr häufig wird er dabei mit seinen größeren und weitaus farbenfroheren Verwandten, den Engelstrompeten (Brugmansia) verwechselt. Beide besitzen mehr oder weniger große Trichterblüten. Lediglich unterscheiden sich die Pflanzen hinsichtlich der Ausrichtung der Blüten und in der Größe. Denn der Stechapfel ist kleiner und zierlicher in seiner gesamten Form. Die stattlichen Engelstrompeten bestechen mit großen kopfüber hängenden Trichtern. Hingegen stehen bei Datura stramonium, wie der Stechapfel botanisch genannt wird, die Blüten aufrecht. Typisch für das Dollkraut sind die stachligen bis zu fünf Zentimeter großen Kugelfrüchte mit hunderten kleinen, schwarzen Samen. Beide Pflanzen gehören zu den Nachtschattengewächsen, sind giftig und mit Vorsicht zu behandeln.

Hinweis: Beim Umgang mit Datura stramonium sollten stets Handschuhe getragen werden. Der Pflanzensaft kann zu Hautreizungen führen. Gleiches gilt natürlich auch für die Engelstrompeten.

Ist der Stechapfel meldepflichtig?

Obwohl der Stechapfel in all seinen Pflanzenteilen giftig ist, hat er sich trotzdem zu einer beliebten Gartenpflanze entwickelt. Meist siedelt sich das Nachtschattengewächs von selbst in den Gärten an. Verbreitet wird der Samen durch Vögel, dem Wind oder durch verunreinigte Blumenerde. Trotz Giftigkeit ist die Kultur der einjährigen Gewächse nicht meldepflichtig.

An einem richtigen Standort hat das Gewächs sogar das Potenzial für eine attraktive Zierpflanze. Sie ist sehr anspruchslos, pflegeleicht und bei Insekten sehr beliebt. Auf der anderen Seite sind die Stechäpfel äußerst invasiv. Sie breiten sich durch Selbstaussaat rasend schnell aus. Daher ist es empfehlenswert, bereits vor der Samenreife die Pflanzen zu entfernen.

Stechapfel, Datura

Hinweis: Aufgrund der Giftigkeit aller Pflanzenteile sollte auf einen Anbau im Garten verzichtet werden, wenn im Haushalt Kleinkinder und Haustiere leben.

Wie giftig ist Stechapfel?

Hierzulande gehören diese Nachtschattengewächse zu den giftigsten Pflanzen. Hauptsächlich sind als Inhaltsstoffe in allen Pflanzenteilen die Alkaloide

  • Atropin
  • Scopolamin und
  • Hyoscyamin

enthalten. Besonders stark giftig sind die Wurzeln und die Samen des Stechapfels. Hier sind die Giftstoffe in einer sehr hohen Konzentration vorhanden. Jedoch können dabei der Wirkstoffgehalt und die Zusammensetzung je nach Witterung, Jahreszeit und Herkunft bzw. Standort der Pflanzen gewaltig stark schwanken. Aufgrund dessen muss nicht jede Dosierung gleich tödlich verlaufen. Die Giftkonzentration kann zwischen 0,2 und 0,4 Prozent variieren.

Der Konsum dieser Pflanze, hauptsächlich der Samen und Laubblätter, kann sehr schnell zu gesundheitlichen Problemen führen. Bereits die Aufnahme von 0,3 g der Giftstoffe können lebensbedrohlich sein. Normal liegt die tödliche Wirkung von Scopolamin bei einer Dosierung von 50 g, jedoch kann in Zusammenwirkung mit den anderen Inhaltsstoffen schon eine weitaus geringere Dosis zu Vergiftungserscheinungen und schließlich zum Tod durch Atemlähmung führen. So kann die Einnahme von vier bis fünf Blütenblättern bei Kindern tödlich verlaufen. Noch gefährlicher sind die kleinen schwarzen Samen. Bereits fünf bis zehn Körner bringen eine tödliche Dosis.

Hinweis: Die Kultur des Stechapfels ist im Garten nicht verboten und nicht meldepflichtig. Die einjährige Pflanze sollte jedoch stets richtig entsorgt werden und keine Pflanzenteile zum Verzehr kommen.

Vergiftung durch Stechapfel

Mitunter kann es zu einer versehentlichen Einnahme von Stechapfelblättern oder Samen kommen. In den meisten Fällen allerdings kommt es zu einer Vergiftung durch die Inhaltsstoffe dieser Pflanze bei Jugendlichen, welche die Pflanzenteile absichtlich konsumieren. Die Stechapfelblätter und auch Samen werden gerne weltweit als Ersatz für Rauschmittel und Halluzigene verwendet. Nach der Einnahme treten in den meisten Fällen nach wenigen Minuten bis hin zu einer Stunde die ersten Beschwerden auf. Aufgrund einer verlangsamten Darmbewegung kann sich der Zustand auch bis zu zwei Tagen hinziehen.

Die enthaltenen Alkaloide sind für ihre anticholinergen Eigenschaften bekannt. Mit anderen Worten sie heben bestimmte Wirkungen des Parasympathikus, einem Teil des vegetativen Nervensystems, auf. Es kommt zu Unkontrollierbarkeit, Rauschzuständen und diversen Vergiftungserscheinungen. In jeder Hinsicht ist daher auf alle Fälle vom Einsatz als Rauschmittel aufgrund der hohen Toxizität und schlechten Kontrollierbarkeit abzuraten. Generell sollten jedoch natürlich von allen Rauschmitteln die Finger gelassen werden. Bereits eine niedrige Dosierung kann starke Vergiftungserscheinungen mit den unterschiedlichsten Symptomen hervorrufen.

Stechapfel, Datura ferox

Hinweis: Die Vergiftung kann durch gleichzeitigem Alkoholgenuss ebenfalls noch verschlimmert werden. Daneben führt ein häufiger Missbrauch dieser „Droge“ schnell zu einer Abhängigkeit.

Symptome erkennen

Aufgrund der unterschiedlichen Konzentration der enthaltenen Giftstoffe kann zum einen eine Dosierung schlecht eingeschätzt werden und auf der anderen Seite können sich die auftretenden Symptome bei einer Vergiftung sehr unterschiedlich äußern. Je nach Menge des aufgenommenen Giftes und in Abhängigkeit der betroffenen Person kommt es zu mehr oder weniger starken Reaktionen. Bei einem Verdacht auf die Einnahme von Dollkraut sollte dabei auf folgende Anzeichen geachtet werden:

  • Hautreizungen
  • erhöhte Temperatur
  • weite Pupillen und Lichtempfindlichkeit
  • Muskelzuckungen, Krämpfe und Bewegungsstörungen
  • Unruhe und erhöhte Erregung
  • Schluck- und Sprachstörungen
  • Seh- und Gleichgewichtsstörungen
  • Herzrhythmusstörungen und Bewusstlosigkeit
  • niedriger Blutdruck und erhöhter Puls
  • Aggressivität, Tobsuchtsanfälle und Streitlust
  • Durst, trockener Mund
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verstopfung und Blasensperre
  • Rededrang oder Schläfrigkeit

Bei einer sehr hohen Dosierung kommt es zu starken Rauschzuständen verbunden mit einer Sinnestäuschung, Verwirrtheit, Bewusstseinseintrübung und optischen Halluzinationen. In einem akuten Rausch kann es daher schnell zu einem sogenannten Horrortrip, sprich Angstreise, kommen. Dieser wird begleitet von Angstzuständen, Panikanfällen, Weinkrämpfen, Verlust der Selbstwahrnehmung, ausgeprägtem Verfolgungswahn bis sogar hin zur Todesangst. Die Anzeichen treten meisten nach zwei bis vier Stunden nach der Einnahme auf und können dabei mehrere Tage lang anhalten. Hauptsächlich eine Weitung der Pupillen ist dabei über verschiedene Tage zu beobachten. Im schlimmsten Fall kommt es zum Tod durch Atemlähmung.

Hinweis: Da die Einnahme des Rauschmittels in der Regel mit einem Kontrollverlust einhergeht, ist Vorsicht geboten, da dann auch ein erhöhtes Unfallrisiko besteht.

Erste Hilfe

Sobald eine Vergiftung erkannt wurde, muss schnellstens eine intensivmedizinische Behandlung im Krankenhaus erfolgen. Dazu gehört

  • eine Magenspülung
  • Verabreichung von Aktivkohle
  • Gabe von Benzodiazepinen und Neuroleptika und
  • intravenöser Flüssigkeiten

Da nun nicht immer gleich ein Krankenhaus in der Nähe ist, müssen erste Maßnahmen vor Ort ergriffen werden. Natürlich ist unbedingt die Verständigung eines Notarztes erforderlich. Alternativ kann auch je nach Zustand des Betroffenen selbst schnellstens ein Transport ins nächstgelegene Krankenhaus erfolgen. Weitere Maßnahmen sind

  • Informationszentrale gegen Vergiftungen in Bonn kontaktieren
  • nach Absprache mit Arzt Gabe von Aktivkohle
  • ständige Kontrolle der lebensnotwendigen Funktionen

Oft wird auch als erstes Hilfsmittel die Gabe von starkem schwarzen Kaffee oder Eichenrinden-Tee angegeben. Allerdings kann dadurch nicht auf eine intensive ärztliche Behandlung verzichtet werden.

Stechäpfel als Medizin

Schon vor vielen Tausend Jahren war die narkotische und auch schädigende und giftige Wirkung des Stechapfels bekannt. Oft wurden sie aufgrund ihrer halluzinogenen Wirkung bei rituellen Handlungen eingesetzt. In Europa fanden erstmals im 18. Jahrhundert durch den Wiener Arzt Anton von Stoerck Teile dieser Pflanze ihren Einsatz offiziell als Medikament. Sehr häufig wurde es als Krampflöser bei Asthma, Bronchitis und Keuchhusten als ein auswurfförderndes Mittel verwendet. Aufgrund der

  • beruhigenden
  • krampflösenden
  • hustenstillenden und
  • schmerzstillenden

Wirkung wurde es auch gerne gegen Nervosität, Neuralgien, Augenverletzungen, Infektionskrankheiten und äußerlich gegen Rheuma eingesetzt. Zur Behandlung wurden dabei nur Blätter und Samen verwendet.

Auch heute noch werden in Osteuropa und Westasien Pflanzenteile dieses Gewächses gern in der Medizin angewandt. In Westeuropa kommt diesem jedoch keine große Bedeutung mehr zu. Verwendung findet es nur noch in genau abgegrenzten Indikationsgebieten, allerdings nicht in herkömmlicher Form, sondern nur isolierte und synthetisch veränderte Auszüge des Nachtschattengewächses. Der stark wirkende Inhaltsstoff Scopolamin wird hier isoliert und chemisch verändert. Gute Wirkung zeigen solche Mittel besonders bei Asthma, krampfartigen Schmerzen des Magen-Darm-Trakts oder der Gebärmutter.

Stechapfel, Datura

Hinweis: Arzneimittel, welche Wirkstoffe des Stechapfels enthalten, sind verschreibungspflichtig. Die Verwendung ist daher nur unter ärztlicher Aufsicht gestattet. Von einer Selbstmedikation ist dringend abzuraten.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag keinesfalls einen Arztbesuch ersetzt. Es besteht keine Gewährleistung auf Richtigkeit medizinischer Aussagen.
Ausführliche Informationen zur ersten Hilfe bei Vergiftungen und wichtige Angaben zu den Giftnotrufzentralen finden Sie hier.