Darf man nassen Rasen mähen oder nicht?

nassen Rasen mähen

Vielen Hobbygärtnern zählt der Rasen zu den liebsten und am intensivsten umsorgten Bereichen im heimischen Garten. Umso kontroverser werden Themen rund um Pflege und Unterhalt dieser Grünfläche diskutiert. Immer wieder Zentrum zahlreicher Diskussionen ist die Frage, ob man nassen Rasen mähen darf, oder ob man der Grasfläche durch das Rasenmähen in nassen Zustand eher schadet als nutzt.

Mähen oder nicht?

Schon die zahlreichen Diskussionen in Foren und anderen digitalen Austauschbereichen zeigt, dass es auf die Frage nach dem Rasenmähen bei Nässe wohl nicht die eine, allgemeingültige Musterlösung gibt. Doch schauen wir uns die einzelnen Aspekte für die Entscheidungsfindung einmal näher an:

Was bedeutet nass?

Zunächst einmal sollten Sie sich mit der Frage befassen, was denn überhaupt „nass“ in Bezug auf Ihren Rasen bedeutet. Unstrittig dürfte sein, was den eigentlichen Rasen selbst in nassem Zustand charakterisiert:

  • Mit Wassertropfen benetzte Grashalme
  • Zwischen den Grashalmen stehende Wassertropfen
  • Feuchter, oder gar nasser Boden im Wurzelbereich

Daneben stellt sich aber die Frage, ob „nur“ der Rasen nass ist, das Wetter zum Mähzeitpunkt dagegen bereits trocken und mitunter sogar sonnig ist, oder ob beim Mähen Regen fällt.

Mähen bei Regen

Rein biologisch bzw. botanisch betrachtet, stellt der Rasenschnitt bei Regen keinerlei Problem für die Pflanzen dar. Ganz im Gegenteil. So lange es regnet, sind die Umgebungsbedingungen so, dass einerseits eine zu intensive Austrocknung der Schnittstellen und somit eine Schädigung der Grashalme vermieden wird. Durch das Ausbleiben zu intensiver Sonneneinstrahlung werden auch Verbrennungen im Bereich er Pflanzenverletzung einigermaßen sicher verhindert. Andererseits sorgt das Mikroklima bei Regen zwischen den Grashalmen dafür, dass auch Krankheitserreger und Pilze nicht zu einfach über die Schnittwunden in die Rasenpflanzen einwandern und diese schädigen können.

Mähen bei nassem Rasen und Sonne

Einen nassen Rasen in Kombination mit trockenem Wetter sollten Sie dagegen nur unter bestimmten Bedingungen mähen. Bei bedecktem Himmel stellt der Eingriff für die Pflanzen kaum ein Problem dar und kann dem Schnitt eines trockenen Rasens gleichgesetzt werden.

Anders sieht es dagegen aus, wenn ein nasser Rasen auf pralle Sonne trifft. Sicherlich haben Sie schon von der Sonnenlicht fokussierenden Wirkung von Wassertropfen gehört. Was die Haut des Menschen im Freibad oder am Meer rasch verbrennt, kann auch durch den Schnitt geschädigte Pflanzen rasch und nachhaltig schädigen.

Das bedeutet in der Folge, dass Sie aus biologischer Sicht einen nassen Rasen grundsätzlich mähen können, so lange es nicht bei intensiver Besonnung erfolgt.

TIPP: Behalten Sie im Hinterkopf, dass Sie Ihren Rasen deshalb nicht nur bei bedecktem Himmel kürzen dürfen. Denn natürlich ist auch am frühen Morgen oder am späten Nachmittag die Sonneneinstrahlung deutlich reduziert, so dass Sie ihn hier durchaus auch bei wolkenlosem Himmel mähen können.

Technische Aspekte

Rasenmäher

Nun kommt es aber selbstverständlich nicht nur auf die Rasenpflanzen an. Denn rund um den Rasenschnitt haben Sie mit zahlreichen „technischen“ Aspekten zu tun, die ebenfalls zu einer Entscheidung für oder gegen das Mähen eines nassen Rasens führen können:

Der Rasenmäher

Dass der Rasen selbst mit einem Schnitt in nassem Zustand meist klarkommt, ist nun geklärt. Allerdings ist es damit alleine noch nicht getan. Denn schließlich gelingt kein Grasschnitt ohne Technik.

Ganz allgemein gesprochen verändert ein Grashalm seine Widerstandsfähigkeit auch durch Nässe nicht, so dass das technische Gerät durchaus in der Lage sein sollte, auch nasse Grashalme zu kürzen. Aber:

  • Schnelles Zusetzen des Mähers wegen durch Nässe klebenden Grasschnitt
  • Schlechtere Erreichbarkeit der Grashalme für die Messer, wenn Halme durch Gewicht des Wassers niederliegen
  • Gefahr von Einsinken der Räder oder Festfahren angetriebener Rasenmäher in aufgeweichtem Boden
  • Erschwerte Aufnahme des Rasenschnitts
  • In der Folge: geringere Belüftung des Rasens und erhöhte Gefahr von Schimmel und Fäulnis, sowie Ansiedelung von Moosen etc.

Der Boden

Neben dem technischen Gerät spielt aber auch der Boden eine Rolle bei der Entscheidung für oder gegen den Rasenschnitt bei Regen. Denn entgegen den Rasenpflanzen selbst verändert er sich bei Feuchtigkeit oder gar Nässe tatsächlich in wesentlichen Gesichtspunkten:

  • Geringerer Halt für Wurzelwerk, somit leichterer Auszug der Pflanzen aus dem aufgeweichten Boden durch Mähmesser
  • Zunehmende Verdichtbarkeit durch Feuchte
  • In der Folge: hohe Bodenverdichtung durch Befahrung mit Rasenmäher bei Nässe
  • Als Resultat: geringere Bodendurchlüftung, schlechtere Niederschlagsversickerung, allgemeine nachteiligere Versorgung der Pflanzen

HINWEIS: Nicht bei jedem nassen Rasen muss auch der Boden durchfeuchtet sein. Prüfen Sie vor der Entscheidung über den Mähprozess zunächst mit dem Finger, wie trocken oder nass das Erdreich ist. Selbst bei nassem Rasen kann bei nur mäßig feuchtem Boden diesbezüglich bedenkenlos gemäht werden.