giftig Fingerhut

Der Fingerhut (Digitalis) ist während seiner Blüte wirklich hübsch anzusehen. Bevorzugt wächst er recht üppig in lichten Wäldern. Allerdings wurde er in den letzten Jahren auch zu einer beliebten Zierpflanze. Daher sind die dekorativen Gewächse bereits in vielen Gärten heimisch geworden. Gerade zur Blütezeit verzaubern sie mit ihren fingerhutähnlichen Blüten in Purpurrot, Weiß oder Gelb. Im Umgang mit diesen Pflanzen ist jedoch Vorsicht geboten, denn sie sind ebenso gefährlich wie schön.

Giftpflanze des Jahres 2007

Der häufigste Vertreter aus der Familie der Wegerichgewächse ist hierzulande der“ Rote Fingerhut“ (Digitalis purpurea). Es handelt sich hierbei um eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr erscheinen lediglich in einer am Boden befindlichen Rosette wechselständig stehende, eiförmig bis lanzettliche Grundblätter mit gekerbtem Blattrand. Sie können eine Länge bis 20 Zentimeter erreichen und sind an ihrer Blattunterseite filzig grau behaart.

Erst im zweiten Jahr wächst dann aus der Blattrosette ein bis zu 150 Zentimeter hoher Blütenstängel mit wechselständig sitzenden Blättern. Zwischen Juni und August erscheinen dann am Ende des Stängels glockige Röhrenblüten, die in einer Traube zusammenstehen. Die Blütenfarbe reicht von purpurfarben über weiß bis hin zu gelb. In den Blütenkapseln werden unzählige feine schwarze Samen gebildet. Um eine Selbstaussaat zu vermeiden, sollte diese vor der Reife entfernt werden, sonst können die Pflanzen sehr schnell verwildern.

Auch wenn diese dekorativen Pflanzen einzeln oder in Gruppen gepflanzt ein richtiger Hingucker im Garten sind, haben sie es in sich. Alle Pflanzenteile sind hochgiftig nicht nur für Menschen, sondern auch für Hunde, Katzen und andere Tiere. Im Jahre 2007 wurde der Fingerhut deshalb zur Giftpflanze des Jahres gewählt.

Hinweis: Es besteht aufgrund der Ähnlichkeit der Blätter eine Verwechslungsgefahr mit Borretsch und Beinwell. Auch die Königskerze weist vor der Blüte einige gemeinsame Merkmale auf.

Blätter am giftigsten

Beim Fingerhut sind alle Pflanzenteile giftig. Jedoch ist in den Stängeln und Blättern die höchste Konzentration an Giftstoffen enthalten. Es heißt nun nicht, dass die Samen und Blüten weniger gefährlich für die Gesundheit sind. Auch hier sind toxische Stoffe vorhanden. Ein Verzehr kann in jedem Fall eine tödliche Wirkung nach sich ziehen.

Hauptsächlich sind in allen Teilen der Pflanze Digitalis sowie Digitoxin enthalten. Diese Toxine wirken auf den Herzrhythmus ein. Je nach aufgenommener Dosis kann es mehr oder weniger schnell zum Herzstillstand und im schlimmsten Fall zum Tod kommen.

Die Konzentration der Giftstoffe in den einzelnen Pflanzenteilen schwankt je nach Tages- und auch Jahreszeit. Die Werte können dabei zwischen 0,1 und 1,0 Prozent schwanken, wobei am Nachmittag die Konzentration weitaus höher ist als wie am Vormittag.

Fingerhut

Hinweis: Obwohl die Blätter giftig sind, finden sie äußerliche Anwendung in Form von Umschlägen, um eine Wundheilung zu fördern.

Geringe Dosis ausreichend

Der Umgang mit dem giftigen Fingerhut muss stets vorsichtig erfolgen. Schon die Berührung der Pflanze mit bloßen Händen kann schnell zu Hautreizungen führen. Daher ist es ratsam, bei der Arbeit mit diesen Gewächsen Handschuhe zu tragen. Natürlich muss hier dringend auch vom Verzehr einzelner Pflanzenteile abgeraten werden. Da sie allesamt giftig sind, kann es je nach Höhe der aufgenommenen Giftstoffe zu leichteren Vergiftungen und im schlimmsten Fall zum Tod kommen.

Bei einem erwachsenen Menschen kann schon der Verzehr von 2,5 Gramm Blätter durchaus eine tödliche Wirkung haben. Also mit anderen Worten es reichen schon zwei Blätter des Fingerhuts aus, um an Herzstillstand zu sterben. Bei Kindern und Babys reicht dabei schon eine sehr geringe Dosierung aus. Gerade bei Kindern stellen die Blüten und Blätter eine besondere Gefahr dar. Schnell können diese beim Spielen in den Mund gesteckt werden. Dazu kommt auch noch eine Gefährdung durch Bienen oder Hummeln, welche sich gern in den Blüten tummeln.

Giftig für Tiere

Nicht nur für Menschen, sondern auch für Katzen, Hunde und andere Tiere wie Hamster, Kaninchen, Vögel und Pferde kann der Fingerhut bei Verzehr zum tödlichen Verhängnis werden. So können bereits

  • bei Pferden 25 Gramm getrocknete oder 100 bis 200 Gramm frische Blätter und
  • bei großen Hunden 5 Gramm getrocknete Blätter

zum Tod führen. Mitunter wird hier eine Vergiftung durch Digitalis meist viel zu spät erkannt, so dass jegliche Hilfe zu spät kommt. Daher sollten die Tiere stets gut beobachtet werden, um bei den ersten auffälligen Anzeichen sofort den Tierarzt aufzusuchen.

Hinweis: Nicht für alle Tiere wirkt das Gift des Fingerhuts tödlich. So sind Hummeln, Bienen, Schmetterlinge und auch Wespen gegen die Digitalisglykoside immun. Sie besuchen mit Vorliebe die Blüten dieser Pflanzen und lieben den Nektar.

Vergiftung zeitig erkennen

Je nach Menge des aufgenommenen Giftes kann es zu einer leichten Vergiftung oder aber zum Tod kommen. Es ist daher unbedingt wichtig, auf auftretende Symptome nach dem Kontakt mit Digitalis zu achten. Diese können sein

  • Übelkeit und Erbrechen
  • blutiger, wässriger Durchfall
  • Sehstörungen und Taumeln
  • Benommenheit und Halluzinationen
  • blasse, gereizte Schleimhäute
  • Zittern und Lähmungserscheinungen

Diese Anzeichen können auf eine Digitalisvergiftung hinweisen, treten aber auch bei anderen Vergiftungen auf. Typisch für eine Vergiftung durch das Gift des Fingerhuts sind daneben eine verringerte Pulsfrequenz unter 50 Schläge pro Minute. Diese kann dann schlagartig auf 20 Pulsschläge pro Minute absacken. Gleichzeitig steigt der Blutdruck in die Höhe. Es kommt schließlich zu Herzrhythmusstörungen und ohne ärztliche Hilfe unweigerlich zum Tod durch Herzstillstand.

Schon bei den ersten Anzeichen sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Das gilt für Mensch und Tier. In diesem Moment entscheidet jede Minute über Leben und Tod. Im Fall des Erbrechens sollte dieses mitgenommen werden, wie auch wenn möglich vorhandene Pflanzenteile. Als erste Hilfe vor Ort sollte dem Betroffenen viel Flüssigkeit in Form von Wasser zugeführt werden.

Fingerhut

Tipp: Falls im Haushalt Kleinkinder und Haustiere leben, sollte diesen der freie Zugang zu Fingerhutgewächsen verwehrt werden. Am besten werden diese Pflanzen dann aus dem heimischen Garten verbannt.

Digitalis als Medizin

Schon im Altertum wusste man von der giftigen, aber auch heilenden Wirkung des Fingerhuts. Damals war er als „Frairie`s Herb“ bekannt. Er wurde zur Behandlung von sogenannten „verhexten“ Kindern eingesetzt, die meist tödlich endete. Später im Mittelalter wurde er als Brech- und Abführmittel verwendet, teilweise auch hier mit tödlichen Folgen. Erst im Jahre 1786 entdeckte schließlich William Withering, ein Schotte, die herzstärkende Wirkung.

Heute findet hauptsächlich der Rote Fingerhut Verwendung bei der Herstellung von medizinischen Digitalispräparaten, indem die giftigen Digitalisglykoside isoliert werden. Digitalis ist zwar giftig, aber gleichzeitig auch tonisierend und herzstärkend. Bei Einsatz wird der Herzmuskel gekräftigt und der Herzschlag beeinflusst. Anwendungsgebiete liegen bei

  • Angina pectoris
  • Herzschwäche
  • Herzrhythmusstörungen und
  • Herzrasen

Die Einnahme solcher Mittel darf nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Von einem Selbstversuch sollte strikt Abstand genommen werden, denn eine präzise Dosierung ist recht schwierig. Die Grenze von einer heilenden zu einer tödlichen Wirkung ist hier sehr eng gesteckt.