Silberfische: Wie entstehen Silberfischchen? Woher kommen sie?

Silberfischchen auf Holzarmatur

Flitzt ein kleines, silberfarbenes Etwas durch Ihre Wohnräume, handelt es sich vermutlich um ein Silberfischchen, das Sie wahrscheinlich schnellstmöglich loswerden möchten. Doch was ist das eigentlich genau? Wie entstehen Silberfische? Und vor allem: Wie kommen die seltsamen Wesen ins Haus? Präzise Antworten auf diese Fragen liefert der folgende Beitrag.

Silberfischchen im kurzen Porträt

Weltweit existieren etwa 425 verschiedene Fischchenarten – eine davon bilden die Silberfische. Alle Fischchen gehören einer speziellen Insektengattung an, die im Fachjargon als Zygentoma bezeichnet wird. Diese umfassende Spezies bevölkert die Erde seit schätzungsweise 300 Millionen Jahren. Damit gehören die Fischchen zu den ältesten Tieren unseres Planeten. Ein Silberfischchenleben dauert durchschnittlich zwei bis fünf, manchmal sogar sechs, sieben oder acht Jahre.

Optische Eigenschaften

Silberfische sind flache, flügellose Insekten mit auffällig langen, fadenförmigen und berührungsempfindlichen Antennen am Vorderleibs- und Hinterleibsende. Als Hauptcharakteristikum fungiert allerdings die dichte Beschuppung, die den ausgewachsenen Tieren ihren silberglänzenden Auftritt verleiht. Weiterhin haben Silberfische kleine Komplexaugen. Das menschliche Sehorgan kann das seiner kleinen Widersacher jedoch nicht wahrnehmen. Apropos klein: Silberfischchen werden inklusive Anhänge bis zu 22 Millimeter lang.

Infobox, die wesentlichen Merkmale im Überblick:

  • Schuppenfarbe: silberglänzend
  • vorderer Anhang: 2 Tastfühler
  • hinterer Anhang: 3 Schwänze
  • Länge ohne Anhänge: ca. 1 cm
  • Länge mit Anhängen: ca. 2,2 cm

Aufbau eines Silberfischchens

Richtiger Name

Eine Frage des richtigen Namens

Nimmt man es ganz genau, ist es falsch, Silberfischchen als Silberfische zu betiteln. Schließlich werden die Wesen nicht den Wassertieren, sondern den Insekten zugeordnet. Dass überhaupt von Fischchen die Rede ist, liegt angesichts der schwimmähnlichen Bewegungen der Kerbtiere allerdings nahe.

Der wissenschaftliche Name des Silberfischchens lautet Lepisma saccharina – und ist Programm: Ins Deutsche übersetzt bedeutet die Bezeichnung so viel wie „Zuckergast“. Tatsächlich zeigt das kleine Tierchen großes Interesse an allem, was Zucker enthält. Aber nicht nur…

Lebensweise der Silberfische

Die Lebensweise von Silberfischen

Menschen finden Silberfische in der Regel eklig und möchten am liebsten nichts mit den Insekten zu tun haben. Dennoch schleichen sich die Tiere nicht selten in die privaten Räumlichkeiten, um dort ihren Alltag zu vollziehen. Letzterer setzt sich im Wesentlichen aus Nahrungssuchen, Fressen und Fortpflanzen zusammen.

Was Silberfische fressen

Der Speiseplan von Silberfischen gestaltet sich überraschend vielfältig. Neben den angesprochenen zuckrigen Lebensmitteln schätzen die Wesen auch stärkehaltige Stoffe sowie verschiedene Dinge, bei denen Sie vermutlich nie darauf kommen würden, dass man Interesse haben könnte, sie zu verschlingen. Gemeint sind tote Hausstaubmilben, Überreste anderer Insekten und Schimmelpilze sowie menschliche Hautschüppchen und Haare. Zudem knabbern die Fischchen gerne an Textilien und Papier. Anders als die meisten sonstigen Lebewesen können sie nämlich Zellulose verdauen.

Wenn sich ein Silberfisch beispielsweise ein T-Shirt „schnappt“, das schon ewig ganz unten im Wäschekorb liegt und lange nicht mehr in den Genuss einer Maschinenreinigung gekommen ist, schabt er mit seinem winzigen Mundwerkzeug an der Oberfläche des Kleidungsstücks. Entdecken Sie plötzlich kleine schwarze Kotspuren oder gelbliche Verfärbungen auf dem Shirt, so deutet dies darauf hin, dass ein Fischchen am Werk war.

Silberfischchen Nahrung

Auch auf Ihre Bücher oder andere wichtige Papiere sollten Sie gut aufpassen. Das Material ist buchstäblich ein gefundenes Fressen für die Insekten. Wiederum „nagen“ sie an der Oberfläche desselben und grasen es dabei regelrecht ab. Meist knabbern die Fischchen um die Druckerschwärze herum, doch manchmal müssen auch die gefärbten Bereiche dran glauben.

Wissenswert: Wird es nicht vorher vom Menschen vernichtet, kann ein erwachsenes Lepisma saccharina mehr als 300 Tage ohne jegliche Nahrung durchstehen – das ist fast ein ganzes Jahr.

Entstehung von Silberfischen

Die Entstehung beziehungsweise Fortpflanzung von Silberfischchen lässt sich am besten mit den Adjektiven „ausführlich“, „indirekt“ und „riskant“ beschreiben. Im Dunklen eröffnen die Insekten das Paarungsgehabe. Den Beginn macht das Männchen mit einer Art Tanz. In der Folge laufen das Männchen und das Weibchen erregt umher.

Das Männchen verpackt sein Sperma zu einem kleinen Bündel und deponiert dieses mehr oder weniger schutzlos auf dem Boden – lediglich ein Gespinst aus Seidenfäden darüber errichtend. Anschließend lockt es sein Weibchen in die Nähe des Samenbündels (Spermatophore). Die Silberfischdame gleitet unter dem Seidengespinst hindurch und nimmt mit ihrem Eiablegeapparat (Ovipositor) die wertvolle Fracht auf. Die eigentliche Befruchtung ereignet sich dann im Inneren des Weibchens.

Während ihrer fortpflanzungsfähigen Phase legt die Silberfischfrau 50 bis 150 leicht bräunlich gefärbte Eier. Frisch geschlüpfte Fischchen haben die typischen silberfarbenen Schuppen noch nicht. Sie sehen eher dunkelgrau bis schwarz aus. Erst nach der dritten Häutung tritt der metallische Glanz zutage. Geschlechtsreif ist ein Silberfisch ungefähr nach der achten Häutung. Danach ereignen sich immer noch bis zu vier Häutungen pro Jahr, da die Insekten kontinuierlich ein kleines Stück wachsen.

Interessant: Den Silberfischen dient auch die während des Wachstums abgestoßene Haut als Nahrung.

Silberfischchen bekämpfen

Je nach Umgebung entwickeln sich die Neugeborenen innerhalb von vier Monaten bis drei Jahren zu erwachsenen, geschlechtsreifen Silberfischen. In einem normalen Haushalt dauert der Prozess ungefähr ein Jahr. Im Übrigen durchlaufen Silberfische keine Metamorphose im engeren Sinne (Umwandlung der Larvenform zum Adultstadium) und pflanzen sich bis zu ihrem Ableben fort.

Bedingungen für ein zufriedenes Silberfischleben

Silberfischchen können den erläuterten Aktivitäten nicht unter allen Umständen nachgehen. Vielmehr müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Nur dann haben die Tiere die Möglichkeit, zufrieden zu fressen und sich erfolgreich fortzupflanzen.

Wärme als essenzieller Faktor

Für die Entstehung und das Überleben von Silberfischen ist Wärme ein essenzieller Faktor. Die Temperatur muss bei 20 bis 30 Grad Celsius liegen. Andernfalls ist es den Insekten zu kalt und sie fühlen sich nicht wohl.

Die Bedeutung der Feuchtigkeit

Wärme allein reicht jedoch nicht aus. Zusätzlich brauchen die Silberfische eine relative Luftfeuchte von 80 bis 90 Prozent. Das heißt etwa in Bezug auf die Gier nach Papier, dass Sie sich um Ihre gut geschützten Bücher in Schränken und (trockenen) Regalen nicht zu sorgen brauchen.

Nur solche Produkte, die lange Zeit in feuchter Umgebung aufgeschlagen herumgelegen haben oder versehrte Einbände offenbaren, reizen die kleinen Wesen. Das Prinzip lässt sich auch auf Kleidung übertragen. Frische, trockene Wäsche im sauberen Schrank ignorieren Silberfischchen. Sie begeistern sich nur für Kleidungsstücke, die ihr Dasein in feuchten Gefilden fristen.

Bevorzugte Räume

Bevorzugte Räume der Insekten

Aus den genannten Voraussetzungen und kulinarischen Vorlieben ergibt sich, dass Silberfische in verschiedenen von Menschen bewohnten Räumlichkeiten durchaus gute Lebensbedingungen vorfinden. Vor allem sind dies natürlich die Feuchträume – also Badezimmer sowie Toilette, sollte Letztere separat untergebracht und gut beheizt sein. Auch die Küche wird freudig erkundet. Dort halten sich die Insekten bevorzugt unter dem Kühlschrank auf.

Silberfischchen auf dem Fußboden

Wie kommen sie in Räume

So kommen die Insekten ins Haus

Na gut, Silberfischchen fühlen sich in menschlichen Gebieten also behaglich. Doch wie kommen sie überhaupt ins Innere eines Hauses oder einer Wohnung?

Ritzen und Spalten in Altbauten

Durch ihre geringe Größe haben Silberfische kaum Schwierigkeiten, dorthin zu gelangen, wo sie hin möchten. Sie passen problemlos durch kleine Ritzen, Spalten und Undichtigkeiten im Mauerwerk, wie sie insbesondere in Altbauten gang und gebe sind.

Fenster und Türen

Mitunter machen sie es auch wie Menschen und verschaffen sich durch geöffnete Türen oder Fenster Zugang zu privaten Räumlichkeiten. Dort checken sie die Lage und entscheiden aufgrund des Nahrungsangebots, ob es sich lohnt, etwas länger zu bleiben.

Silberfischkolonie

Gründung einer Silberfischkolonie

Fällt die Inspektion positiv aus, lassen sich die Silberfischchen in den Räumen nieder und pflanzen sich fort. Es entsteht eine Silberfischkolonie. Spätestens dann sollten Sie reagieren, wenn Sie Ihr Heim nicht langfristig mit den Insekten teilen wollen. Praktische Tipps zu geeigneten Hausmitteln, mit denen Sie die Fischchen loswerden können, finden Sie hier.

Silberfischchen mit Hausmitteln bekämpfen

Silberfischchenkolonie

Das Verhalten von Silberfischen

Gemeinhin bewohnen Silberfischchen Rohr- und Wasserleitungen. Diese Bereiche sind feucht und warm – und bieten den Insekten demnach optimale Lebensbedingungen. In die Zimmer der Wohnung oder des Hauses begeben sie sich normalerweise nur dann, wenn sie ausreichend feuchtwarme Ecken und dunkle Ritzen als Versteckoptionen am Tag entdecken. Apropos dunkle Ritzen: Silberfische sind düster veranlagte Tiere. Sie scheuen das Licht und machen die Räume meist nur in den späten Abendstunden, nachts und früh morgens unsicher.

Feinde der Fischchenvertreter

Das Silberfischchen hat nicht nur den Menschen zum Feind, der es unbedingt loswerden will. Auch mit dem Gemeinen Ohrwurm (Forficula auricularia) kommt das Lepisma saccharina nicht gut aus. Zudem läuft der Silberfisch stets Gefahr, von einer Spinne vertilgt zu werden.

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