Sind Stiefmütterchen winterhart? Vertragen sie Frost?

Garten-Stiefmütterchen wird auch Schöngesicht genannt

Jedes Jahr aufs Neue verzaubern Stiefmütterchen mit ihren großen Blüten in den verschiedensten Farben Gärten, Terrassen und Balkone. Bereits im zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein erscheint bei einer richtigen Pflege eine üppige Blütenpracht. Sie sind auch als Schöngeist oder Ackerveilchen bekannt und werden meist als zweijährige Pflanzen gezogen. In der Regel sind die, zu den ersten Blumen des Jahres zählenden, Stiefmütterchen winterhart. Jedoch sollte dabei einiges bedacht werden.

Sind Stiefmütterchen winterhart?

Stiefmütterchen oder auch Viola gehören zur Familie der Veilchen (Violaceae). Die einheimische krautige Pflanze kann eine Höhe zwischen 15 und 35 cm erreichen und einen Blütendurchmesser bis zu 6 cm. Es gibt viele Sorten und Farben, sogar lieblich duftende Stiefmütterchen. Die ersten Blüten erscheinen Ende März mitunter bis in den Oktober hinein. Dabei ist die Pflege noch nicht einmal sehr aufwendig. Lediglich muss darauf geachtet werden, dass die Pflanzen nicht vertrocknen. Weiterhin sollten sie alle paar Wochen gedüngt werden und ein Rückschnitt nach der ersten Blüte erfolgen. In milden Wintern bringen sie sogar vereinzelt Blüten hervor.

Durch Züchtung sind die unterschiedlichsten Farben, auch Blüten mit Mustern und gefransten Blütenrändern entstanden. Jedoch sind diese Züchtungen nur ein- meist aber zweijährige Sorten. Im Jahr der Aussaat erscheinen lediglich erste grüne Blätter, die auch im Winter ihre Farbe behalten. Erst im zweiten Jahr nach der Aussaat erscheinen dann die imposanten Blüten.

Stiefmütterchen, Viola

Tipp: Die Blüten der Stiefmütterchen sind essbar. Verwendung finden sie nicht nur als Dekoration bei Speisen und Getränken, sondern auch in Salaten und Süßspeisen.

Veilchen vertragen Frost

Von Natur aus sind Stiefmütterchen mehrjährig und winterhart. Das Gartenstiefmütterchen (Viola x wittrockiana) ist aus einer Kreuzung zwischen dem Wildstiefmütterchen (Viola tricolor), dem Altaistiefmütterchen (Viola altaica) und dem Sudetenstiefmütterchen (Viola lutea) entstanden. Alle drei Arten trotzen im Winter sehr niedrigen Temperaturen. Ebenfalls sind sie mehrjährig, was normal auch auf Viola x wittrockiana zutrifft. Jedoch wird die Zuchtform nach zwei Jahren in seiner Wuchsform recht unansehnlich.

Das Wildstiefmütterchen ist auf Wiesen, Brachflächen und Wegrändern in ganz Mitteleuropa zu finden. Es verträgt Temperaturen bis zu -30 °C . Die entstandene Zuchtform nimmt noch bei -23 °C keinen Schaden. Alle genannten Werte beziehen sich hierbei auf ganz normale, schneereiche Winter. Jedoch sind dazu entsprechende Voraussetzungen notwendig.

Tipp: Beim Kauf von Stiefmütterchen sollte immer auf widerstandsfähige Sorten geachtet werden.

Winterhärte beeinflussen

Die Winterhärte der Frühblüher kann durchaus positiv beeinflusst werden. Dazu zählen unter anderem

  • der Standort
  • Bodenbeschaffenheit
  • entsprechende Pflege

Standort sorgfältig wählen

Das Gartenstiefmütterchen ist bei seiner Standortwahl recht flexibel. Im Frühling gepflanzte Sorten bevorzugen einen halbschattigen Platz im Garten oder auch im Kübel auf der Terrasse. Hingegen lieben Herbstpflanzungen eher einen sonnigen Standort. Zweijährige und auch gegen Frost resistente Sorten vertragen einen sonnigen und auch halbschattigen Platz. Daneben ist auch eine Unterpflanzung unter laubabwerfenden Hecken und Sträuchern möglich.

Viola mit zweifarbiger Blüte

Tipp: An einem günstigen Standort verwildern die Frühblüher normalerweise durch Selbstaussaat selbst.

Bodenbeschaffenheit

Viola lieben einen Boden, der gut Feuchtigkeit aufnehmen kann. Das Substrat darf nicht zu nass, aber muss immer feucht sein.
Staunässe wird nicht vertragen. Schnell kann diese zu Wurzelfäulnis und Blattfleckenkrankheit führen. Vorteilhaft ist hier ein pH-Wert des Bodens zwischen 6,5 und 8. Ein frisch- feuchtes Erdreich kann die Winterhärte der Veilchen positiv beeinflussen.
Kulturen in Kübel oder Töpfen sollten stets an regengeschützten Plätzen verbracht werden.

Richtige Pflege

Eine entsprechende Pflege der Pflanzen garantiert, dass die Stiefmütterchen auch entsprechend winterhart sind. Dazu ist natürlich die Nährstoffversorgung für die Widerstandsfähigkeit, gerade bei Frost sehr wichtig. Die Beigabe von Kompost oder auch Hornspänen führt zu einer Langzeitversorgung von Nähstoffen. Weiterhin sollten ständig die verwelkten Blütenstände entfernt werden. Diese Maßnahme regt nicht nur eine neue Blütenbildung an, sondern hindert die Pflanze auch daran unnötig Energie zu vergeuden. Schlussendlich wird dadurch auch die Winterhärte nur noch weiter verstärkt.

An einem humusreichen und feuchten Platz können die Veilchen unbesorgt an Ort und Stelle im Garten belassen werden. Sie sind hier ausreichend winterhart und es sind keine zusätzlichen Vorkehrungen notwendig.

Tipp: Bei strengen Frösten rollen die Pflanzen die Blätter ein und die Blüten werden geschlossen. Sie glätten sich wieder und die Öffnung der Blüten erfolgt bei einer milderen Witterung.

Vorsicht bei Kahlfrösten

Während der Winterzeit freuen sich die Veilchen über eine Schneedecke. Diese wirkt isolierend und bietet dadurch einen Schutz vor Kahlfrösten. Kahlfröste ohne Schneedecke, aber klirrender Kälte können bei den Frühblühern Schäden verursachen. Durch einige Vorkehrungen können diese vermieden werden:

  • Abdeckung aus Laubschicht, Stroh, Nadelreisig oder Rindenmulch
  • alternativ Verwendung von atmungsaktivem Gartenvlies
  • zusätzlichen Schutz bietet eingezogene Laub der Pflanzen
  • Rückschnitt der Pflanzen im Oktober bodennah

Der Winterschutz sollte erst entfernt werden, wenn die Temperaturen dauerhaft über Null Grad liegen, in der Regel also Ende Februar, Anfang März. Bei höheren Temperaturen kann es sonst schnell dazu kommen, dass sich Kondenswasser unter der Abdeckung bildet. Infolge können sich Schimmel und Fäulnis ausbreiten.

Tipp: Auf alle Fälle zur Abdeckung keine Folie verwenden. Diese ist luftdicht und die Sauerstoffzufuhr wird unterbrochen. Bei Sonneneinstrahlung bildet sich ein feucht-warmes Mikroklima, welches das Wachstum von Pilz- und Schimmelsporen positiv beeinflusst.

Gießen nicht vergessen

Gerade bei Kahlfrost ist das Gießen der Stiefmütterchen unerlässlich, auch wenn sie als winterhart gelten. Eine Schneedecke bietet den Pflanzen nicht nur einen Schutz bis über -20 °C, sondern sie sorgt auch für eine ausreichende Feuchtigkeit. Gerade bei Frost ohne Schneedecke kann bei den Veilchen ein Trockenstress entstehen:

  • Wurzeln können bei tiefgefrorenem Boden keine Feuchtigkeit aufnehmen
  • Pflanzen würden vertrocknen
  • Abhilfe schafft Wässerung an milden Tagen bei Beet- und auch Kübelpflanzen
  • bei Kübelpflanzen darf Wurzelballen nicht austrocknen
  • keine Düngung zwischen September und März

Überwinterung im Kübel

Stiefmütterchen im Balkonkasten und Kübel bedürfen besondere Maßnahmen zur Überwinterung. Der Wurzelballen benötigt einen besonderen Schutz, da aufgrund der dünnen Gefäßwände schnell Frostschäden auftreten können. Er darf niemals ganz austrocknen. Vorbeugende Maßnahmen können Abhilfe schaffen:

  • Umhüllung der Kübel mit Noppenfolie, Zeitungspapier oder Vlies
  • Kübel auf isolierende Unterlage stellen (Holz, Styropor)
  • Kübel mit Laub, Stroh, Holzwolle, Sägemehl oder Nadelreisig abdecken
  • nach Möglichkeit Kübel an schützende Südwand des Hauses stellen

Allerdings können Kübel mit einem Durchmesser unter 30 cm dennoch Frostschäden nehmen. Hier hilft dann nur die Unterbringung in ein frostfreies, aber kaltes Winterquartier, unter 10 Grad. Zuvor sollten die Pflanzen aber bodennah zurückgeschnitten werden. Dadurch werden Krankheiten und Schädlingsbefall vermieden.

Garten-Stiefmütterchen mit lila Blütenfarbe

Tipp: Zur Erhöhung der Winterhärte der Stiefmütterchen sollte ab Juli eine kaliumreiche Düngung erfolgen, beispielsweise mit Beinwelljauche. Das Kalium verbessert die Photosynthese, stärkt die Gewebezellen und senkt den Gefrierpunkt.

Wenn die Pflanzen ausreichend winterhart sind, überstehen sie auch problemlos den Wechsel zwischen Tau- und Frostwetter.

Selbstgezogene Pflanzen vertragen mehr Frost

Im Herbst gekaufte Pflanzen sind besonders kälteresistent. Hingegen sind im Frühjahr im Handel angebotene Veilchen eher sehr kälteempfindlich. Eine Alternative dazu sind durch Aussaat selbst gezogene Pflanzen. Diese werden im Sommer, im Mai bis Juni für die Blüte im Frühjahr ausgesät. Diese Pflanzen sind besonders

  • robust
  • ausdauernd mit einer üppigen Blüte
  • äußerst winterhart

Tipp: Beim Samenkauf sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass es sich um eine ausreichend winterharte Sorte handelt. Die Farbe sollte dabei eher im Hintergrund stehen.