Flieder schneiden – wann und wie geht’s? So verjüngen Sie alte Fliederbäume

Flieder schneiden zur richtigen Zeit

Flieder zählt zu den auserlesenen Ziergehölzen, die ohne einen Schnitt prachtvoll blühen. Gleichwohl gibt es wichtige Gründe, einen Fliederbaum zu beschneiden. Mitunter ist es sogar nicht zu vermeiden, einen Syringa vulgaris radikal zu verjüngen. Dieser grüne Ratgeber erläutert detailliert, wann und wie Sie es richtig machen. Unter welchen Voraussetzungen Sie einem alten Fliederbaum neuen Schwung verleihen mit einem Verjüngungsschnitt, finden Sie hier heraus.

Schnitt-Bedarf

Diese Kriterien signalisieren Schnitt-Bedarf

Solange Ihr Edelflieder alljährlich im Mai in voller Blüte steht, verursacht ein Rückschnitt mehr Schaden als Nutzen. Alle Flieder blühen an ihrem zweijährigen Holz, vorausgesetzt das Gehölz kann in Ruhe seine Knospen anlegen. Fallen bereits die einjährigen Triebe der Schere zum Opfer, ist die Hoffnung auf eine verschwenderische Blüte dahin.

Zumindest in den ersten 5 bis 7 Standjahren sollte in die natürliche Entwicklung nicht mit Schere und Säge eingegriffen werden. Kommt das Ziergehölz in die Jahre, signalisieren folgende Merkmale, dass jetzt ein Rückschnitt sinnvoll ist.

  • der Flieder wird zu groß
  • die Blüten erscheinen immer spärlicher
  • der Strauch oder die Krone verkahlt von innen her
  • das Gehölz verliert seine kompakte, dichte Wuchsform und fällt auseinander

Sofern Sie Fliedersträucher als Sichtschutzhecke kultivieren, ist jährliches Schneiden obligatorisch, sobald die Pflanzen die erwünschte Wuchshöhe erzielt haben. Der von Natur aus lockere Habitus hält nur dann neugierige Blicke von Ihrem Grundstück fern, wenn Sie die Hecke regelmäßig verschneiden.

Flieder mit dem richtigen Schneidwerkzeug verschneiden

Zeitpunkt für den Schnitt

Bester Zeitpunkt ist nach der Blüte

Trifft eines der genannten Kriterien für einen Form- und Erhaltungsschnitt an Ihren Flieder zu? Dann beeinträchtigen Sie die nächste Blüte am geringsten, wenn Sie das Gehölz unmittelbar nach der Blüte verschneiden. Wählen Sie einen milden, bedeckten und trockenen Tag im Juni. Zu dieser Zeit haben die einjährigen Triebe die Knospen für die nächstjährige Blüte noch nicht oder erst ansatzweise angelegt.

Liegt es in Ihrer Absicht die Krone am Fliederbaum oder den Strauch lediglich auszulichten, empfehlen wir als Zeitpunkt die laublose Zeit. Hat ein Syringa vulgaris im Spätherbst sein Laub abgeworfen, haben Sie einen ausgezeichneten Blick auf das Gerüst. Somit können Sie in der Zeit zwischen November und Februar eine fundierte Entscheidung treffen, in welchem Ausmaß dieser Schnitt erfolgen sollte.

Anleitung für den Schnitt

Anleitung für die richtige Schnittführung

Legen Sie sich bitte stabiles Schneidwerkzeug bereit, da Sie es bei Flieder mit einem der härtesten Holzarten zu tun haben. Nicht nur scharf, sondern auch desinfiziert sollten Säge und Schere sein. Indem Sie die Klingen mit hochprozentigem Alkohol abreiben, werden eventuelle Krankheitserreger zuverlässig entfernt.

So verläuft die Schnittführung vorbildlich:

  • alle verwelkten Blüten zurückschneiden bis zum ersten Blattpaar
  • sämtliche abgestorbenen, kümmerlichen Äste auf Stamm schneiden
  • von zu eng stehenden oder sich reibenden Zweigen den schwächeren abschneiden
  • zu lange Triebe um ein Viertel beschneiden, sodass mindestens 4 Augen am Zweig verweilen
  • die Schere wenige Millimeter über einem Blattknoten oder einer Knospe ansetzen

Flieder fachgerecht verschneiden

Um einen Flieder kontinuierlich zu verjüngen, schneiden Sie alle 2 bis 3 Jahre die beiden ältesten Äste bis auf 20 cm ab. Auf diese Weise beugen Sie einer Vergreisung wirksam vor, sodass Sie einen prachtvollen Fliederbaum niemals radikal verschneiden müssen. Das Ausputzen der verwelkten Blüten ist schon ab der ersten Blütezeit ratsam, damit auch ein junger Flieder keine Kraftreserven in das Wachstum von Samenständen investiert. Beschränken Sie dabei den Rückschnitt bitte stets auf den unbeblätterten Bereich unterhalb der verwelkten Blüten.

Keine Wasserschosser

Keine Chance den Wasserschossern

Kultivieren Sie in Ihrem Garten einen veredelten Fliederbaum, besteht dieser aus zwei Segmenten. Auf einer Wildunterlage wurde ein edler, blütenreicher Edelflieder aufgepfropft. Diese Methode ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits profitiert der Edelreis von der Wuchskraft und Resistenz der Wildunterlage.

Andererseits treiben kontinuierlich Wildtriebe aus der Unterlage aus, um das edle Segment zu überwuchern. Diese Wasserschosser entfernen Sie bitte, sobald sie Ihnen ins Auge fallen. Statt sie zu schneiden, reißen Sie steil aufwärts wachsende Triebe mit einem beherzten Ruck ab. Auf diese Weise verbleibt kein Geweberest, aus dem sich ein neuer Wassertrieb auf den Weg machen kann.

Wurzelschößlinge abstechen

Wurzelschößlinge abstechen und nicht schneiden

Der nicht veredelte, Gemeine Flieder neigt dazu, sich mit Wurzelausläufern invasiv auszubreiten. In Verbindung mit dieser Vermehrungstaktik sprießen aus seinen Ausläufern selbst noch in großer Entfernung vom Baum oder Strauch Wurzelschößlinge. Diese unterliegen nicht der normalen Schnittführung im Frühsommer.

Flieder einen Formschnitt geben

In der Regel haben sie erst im Herbst eine auffällige Wuchshöhe erreicht. Abschneiden oder ausreißen behebt das Problem nicht. Stattdessen stechen Sie den betreffenden Wurzelausläufer mit dem Spaten ab und graben den Schößling mitsamt seiner eigenen Wurzeln aus.

Sonderfall Verjüngungsschnitt

Wird über Jahre oder Jahrzehnte hinweg kein einziger Form- und Erhaltungsschnitt durchgeführt, vergreist das Gehölz zusehends. Mit Blick auf die gewaltige Wuchskraft eines Flieders, sollten Sie nicht gleich die Flinte ins Korn werfen und eine Rodung in Betracht ziehen. Indem Sie einen alten Fliederbaum oder Strauch radikal zurückschneiden und verjüngen, verleihen Sie ihm neuen Schwung. Im Gegensatz zum normalen Formschnitt, ist in diesem Fall die winterliche Saftruhe als Termin sinnvoll.

So gehen Sie fachgerecht vor:

  • in der Zeit zwischen November und Februar einen frostfreien Tag wählen
  • als Werkzeug eine stabile, frisch geschärfte Säge und eine Amboss-Astschere bereitlegen
  • die 3 bis 4 jüngsten Haupttriebe zurückschneiden bis auf eine Höhe von 20 bis 30 cm
  • lle übrigen, alten Triebe bodennah respektive auf Astring beschneiden

Fliederstrauch zurückschneiden

Mithilfe der 3 bis 4 Leittriebe bauen Sie in der Krone und im Strauch ein neues Gerüst auf. In den beiden folgenden Jahren fällt die Blüte aus, da die Knospen-tragenden Zweige sich erst entwickeln müssen. Gleichwohl schneiden Sie im Herbst nach dem Verjüngungsschnitt alle kümmerlichen Neutriebe je Leitast ab und belassen lediglich die beiden kräftigsten und bestplatzierten Seitenäste.

Bei Bedarf wiederholen Sie diese Maßnahme im Herbst des darauffolgenden Jahres, bis sich ein harmonisches Grundgerüst am Flieder entwickelt hat. Nach der ersten Blüte mündet der Verjüngungsschnitt dann in die normale, zurückhaltende Schnittführung für einen Syringa vulgaris.

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