Was tun bei einem Hornissenstich? Erste Hilfe in 6 Schritten

Drei Hornissenstiche haben das Potential, einen Erwachsenen zu töten. Dieser Spruch ist noch heute bekannt und hält sich hartnäckig in den Köpfen der Menschen. Zwar sind Hornissen mit einem mächtigen Stachel ausgestattet, jedoch handelt es sich bei den großen Insekten um äußerst friedliche Tiere. Falls Sie oder Ihre Angehörigen von einer oder mehreren Hornissen gestochen wurden, sollten Sie dennoch unbedingt Erste Hilfe anwenden, um die Symptome zu lindern.

Hornissenstich

Wie gefährlich ist ein Hornissenstich?

Hornissen haben einen schlechten Ruf. Die Faltenwespen der Gattung Vespa sind im Vergleich zu Wespen und Bienen deutlich größer mit Ausmaßen zwischen 2,5 Zentimetern für Arbeiterinnen und 3,5 Zentimetern für Königinnen. Durch die Körpergröße und ihre Ähnlichkeit zu Wespen wirken sie auf den Menschen gefährlich und aggressiv. Jedoch handelt es sich bei Hornissen um äußerst friedliebende Tiere, die nur in Ruhe gelassen werden wollen und seltener stechen als ihre Verwandtschaft. Zudem ist ein Hornissenstich in den meisten Fällen ungefährlicher als der einer Biene oder Wespe.

Hornisse, Vespa crabro
Hornisse, Vespa crabro

Toxizität

Der Giftgehalt des Hornissengiftes ist geringer als der von Wespen und Bienen. Das heißt, die Stiche sind nicht so gefährlich wie bei den kleineren Verwandten. Jedoch enthält das Gift eine äußerst hohe Menge an Acetylcholin. Acetylcholin sorgt für die Schmerzen, die durch den Stich verursacht werden. Aufgrund des Acetylcholingehalts schmerzen Hornissenstiche deutlich intensiver als die einer Wespe, dafür klingt der Schmerz aber schneller ab.

Giftmenge

Da der Stachel mit einer Länge von 3,4 bis 3,7 Millimetern sehr lang ist, dringt dieser tiefer in die Haut ein. Da er aber nicht in der Haut verbleibt, wird nur eine geringe Menge Gift über den Stich injiziert. Zudem regulieren Hornissen die Giftmenge, da sie nicht so viel zur Verfügung haben und dieses zur Verteidigung bereithalten müssen. Es ist nicht bekannt, ab wie vielen Stichen der Vespa crabro, der einzigen in Mitteleuropa einheimischen Art, eine letale Dosis eintritt.

Bei der Orientalischen Hornisse (Vespa orientalis) sind zum Beispiel etwa 300 Stiche notwendig, um einen Menschen mit tödlichem Ausgang zu vergiften.
Zudem stechen Hornissen nur äußerst selten. Da sie nicht zu den aggressivsten Insekten gehören, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, bevor ein Stich erfolgt. Zwei Szenarien sind dabei zu nennen:

  • das Nest wird bedroht
  • Hornisse wird gequetscht und kann nicht flüchten

Hornissen-Nest

Allergische Reaktion

Den Tieren geht es rein ums Überleben der Kolonie. Das heißt, wenn Sie sich von den Nestern fernhalten und die Tiere bei der Futtersuche nicht stören, werden Sie nicht gestochen. Vor allem Menschen mit einer Allergie auf Insektengift sollten diese Sicherheitsmaßnahmen beachten. Die Allergene im Hornissengift können zu einer Vielzahl von allergischen Reaktionen führen:

  • brennender Schmerz um die Stichstelle
  • Schwellungen
  • Rötungen
  • Atemnot

Je nach Intensität der Allergie kommt es innerhalb kurzer Zeit zur Nesselsucht oder einer starken Atemnot bis zum Tod. Dafür reicht in extremen Fällen nur ein Stich aus. Die Symptome bei Allergikern und gesunden Menschen sind gleich, nur werden gesunde Gestochene nicht von Atemnot oder Nesselsucht geplagt. Sie müssen jedoch aufpassen, nicht ins Gesicht, den Mund, Rachen oder Hals gestochen zu werden. Das kann ebenfalls zu Atemnot führen, da das Gift dort am stärksten wirkt. Jede Schwellung kann sich dabei negativ auf Ihre Atmung auswirken. Mit den unten folgenden Informationen können Sie nach einem Hornissenstich sofort Erste Hilfe leisten.

Tipp: Im Vergleich zu Wespen fliegen Hornissen Menschen nicht an und halten eher Abstand. Aus diesem Grund stechen die Tiere in vielen Fällen nur durch eine direkte Bedrohung durch den Menschen oder deren Haustiere.

Symptome & Erste Hilfe

Das Behandeln eines harmlosen Hornissenstichs ist leichter als gedacht. Im Vergleich zu Mücken- oder Zeckenstichen merken Sie es sofort, wenn eine Hornisse Sie gestochen hat, da die Schmerzen höllisch sein können. Neben dem intensiven Schmerz, der stärker ist als der einer Wespe, ist ein Stich neben den oben genannten Symptomen noch an weiteren visuellen Anzeichen zu erkennen:

  • Schwellung rötet sich
  • roter Punkt in der Mitte (Einstichstelle)
  • Hof in weiß um die Einstichstelle
  • wird heiß
  • einige Tage anhaltender Juckreiz
  • Schwellungen können so groß wie Hagelkörner sein

Je nach Intensität des Stiches und Stelle am Körper hält die Schwellung bis zu 24 Stunden an. In dieser Zeit sollten Sie nicht am Stich kratzen, da es sonst zu einer offenen Wunde kommen kann, was die Gefahr von Infektionen erhöht. Sobald ein Stich erfolgt ist, sollten Sie so schnell wie möglich agieren, um die Schmerzen zu lindern und wenn nötig Fachpersonal zu kontaktieren.

Erste Hilfe Maßnahmen

Beim Behandeln von Hornissenstichen helfen folgende Maßnahmen:

1. Desinfizieren

  • Desinfektionsspray für die Haut direkt oder über ein Wattepad anwenden

2. Kühlen

  • Wunde kann sehr heiß werden, juckt und brennt
  • Drang zum Kratzen sehr hoch
  • kühle Umschläge, Eiswürfel oder eingewickelten Kühlakkus verhindert dies
  • Alternativ Gels oder Stifte aus Apotheke oder Drogerie mit kühlender Wirkung nutzen

3. Salben

  • Systral und Fenistil  schränken Produktion der Histamine ein
  • unterdrücken Juckreiz und das Brennen.
  • bei besonders schmerzhaften Stichen nach dem Kühlen auftragen

4. Umschläge

  • Quarkwickel oder Umschlag mit Aluminiumdiacetat (essigsaure Tonerde)
  • um betroffene Stelle wickeln und dort einige Zeit verbleiben lassen

5. Im Notfall Arzt aufsuchen

Wurde die Person außen oder innen an den folgenden Stellen gestochen, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen:

  • Hals
  • Rachen
  • Mund

Der Arzt sorgt dafür, dass Schwellungen nicht die Atemwege blockieren und es zum Ersticken kommt. Bedecken Sie notfalls den Hals des Betroffenen mit einem eiskalten Umschlag und verabreichen Sie Eiswürfel. Die Eiswürfel werden gelutscht und lindern mögliche Schwellungen, während der Umschlag vor möglichen Schwellungen im Hals schützt.

Im Notfall Arzt aufsuchen

6. Allergiker

Handelt es sich bei der gestochenen Personen um einen Allergiker, ist schnelles Handeln wichtig. Kontaktieren Sie sofort den Notarzt und weichen Sie nicht von der Seite des Allergikers. Verabreichen Sie entsprechende Medikamente, wenn die Allergie im Voraus bekannt war.

Falls die Symptome des Stichs nach 48 bis 72 Stunden nicht abklingen sollten, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Die Möglichkeit einer Infektion ist dann recht groß.

Tipp: Wenn Sie von einem gestreiften Insekt gestochen wurden und der Stachel in Ihrer Haut verbleibt, handelt es sich ausschließlich um einen Bienenstich. Im Vergleich zu Wespen, Hornissen und Hummeln verfügt der Hinterleib von Bienen nicht über genügend Muskelmasse, um den Stachel im Abdomen zu behalten, was schließlich zum Verenden der Tiere führt.

Alternative: Stichheiler

Im Gegensatz zur oben genannten Erste Hilfe Maßnahmen bei einem Hornissenstich sollten Sie über die Verwendung eines Stichheilers nachdenken. Diese bieten sich sehr gut für Allergiker an, da diese die Allergene davor zurückhalten, sich weiter über die Blutbahn auszubreiten, was der Grund für eine allergische Reaktion ist. Die Stichheiler behandeln die Stichstelle über zwei unterschiedliche Funktionsweisen:

1. Elektrisch

Elektrische Stichheiler sind meist günstiger. Sie erzeugen elektrische Impulse, die den Transport der Giftstoffe aufhalten. Dafür legen Sie diesen direkt auf die Stichwunde und er zieht das Gift über die Impulse aus dem Körper. Jedoch ist diese Methode recht zeitaufwendig, da er zwischen 20- und 30-mal angewandt werden muss. Zudem fühlt sich jede Betätigung an wie ein kleiner Stich, da es sich um Elektrizität handelt. Elektrische Stichheiler sind nicht sonderlich gut für Allergiker geeignet, da sie deutlich zu lange brauchen.

2. Thermisch

Thermisch wirkende Stichheiler nutzen eine hohe Temperatur im Bereich von 50 °C, um die Eiweißbestandteile innerhalb des Giftes zu neutralisieren. Sie lassen sich ebenfalls direkt auf der Stichstelle ansetzen und erhitzen diese für einen kurzen Augenblick. Durch thermische Stichheiler können Sie einen Stich sofort behandeln, da er nur eine Anwendung benötigt, um die gefährlichen Allergen zu zerstören. Das macht sie besonders effektiv für Allergiker und Kinder, damit der Schmerz schneller nachlässt.

Ein großer Vorteil an den Stichheilern ist ihre kompakte Größe. Sie werden meist in Stiftgröße angeboten und lassen sich ideal in einem Erste Hilfe-Set, dem Auto oder einer Handtasche verstauen. Dadurch haben Sie das Gerät schnell parat.

Hornissen im Rolladenkasten

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