Nachtfalter-Arten - Titel

Von den vielen Schmetterlingsarten in Deutschland gehören rund 95 Prozent zu den Nachtfaltern. Durch ihr meist gut getarntes Aussehen nimmt sie aber kaum jemand wahr.

Auf den Punkt gebracht

  • es gibt rund 3700 Schmetterlingsarten in Deutschland
  • über 3500 davon sind Nachtfalter
  • nicht alle davon sind tatsächlich nachtaktiv
  • die meisten Arten sind gut getarnt
  • einige tagaktive Nachtfalter sind auch auffällig gefärbt

Häufige Nachtfalter-Arten

Wie der Name bereits andeutet, sind Nachtfalter vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Dieses Leben in der Dunkelheit hat seine Vorteile, denn der Großteil der Fressfeinde und Nahrungskonkurrenten sind nachts nicht unterwegs. Nachtfalter sind meist unscheinbar gefärbt, um sich tagsüber besser tarnen zu können. Die nachtaktiven Schmetterlinge brauchen auch gar keine auffällige Flügelfarbe, um einen Partner anzulocken, denn die Weibchen produzieren Sexuallockstoffe. Diese Pheromone können die männlichen Falter schon aus großer Entfernung wahrnehmen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen von dieser Regel. Denn obwohl sie perfekt ans Nachtleben angepasst sind, sind etliche Nachtfalter-Arten am Tag aktiv. Unter den Nachtfaltern gibt es unzählige Familien und Unterfamilien. Ein paar der wichtigsten mit den typischen Vertretern möchten wir Ihnen vorstellen.

Bärenspinner (Arctiidae)

Zu den Bärenspinnern, einer Unterfamilie der Eulenspinner, zählen nicht nur unscheinbar gefärbte Arten, sondern auch viele farbenprächtige Exemplare mit einer Warntracht in Form von feuerroten oder leuchtend orangefarbenen Hinterflügeln. Einige Spezies imitieren sogar das Aussehen anderer Insekten und verlieren somit das charakteristische Erscheinungsbild eines Schmetterlings völlig. Zum größten Teil sind die Bärenspinner nachtaktiv. Ihren Namen tragen die Falter wegen der starken, langen Behaarung ihrer Raupen, die zur (rein mechanischen) Abwehr ihrer Fressfeinde dient.

Blutbär und Gelber Fleckleibbär
Links: Blutbär; Rechts: Gelber Fleckleibbär
  • Blutbär/Jakobskrautbär (Tyria jacobaeae)
  • Brauner Bär (Arctia caja)
  • Gelber Fleckleibbär/Gelbe Tigermotte (Spilosoma lutea)
  • Rotkragen-Flechtenbärchen (Atolmis rubricollis)
  • Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria)
  • Schönbär (Callimorpha dominula)
  • Wegerichbär (Arctia plantaginis)

Birkenspinner (Endromidae)

Die Familie der Birkenspinner umfasst nur eine einzige Art, den Birkenspinner (Endromis versicolora). Diese Nachtfalter-Art kommt bei uns in hellen, warmen Birkenwäldern vor, von denen sich seine Raupen ernähren. Ab Ende Februar schlüpfen die fuchsbraunen Falter mit den cremeweißen Highlights auf den Flügeln. Während der männliche Falter tagaktiv ist, fliegt das Weibchen ausschließlich in der Nacht. Nahrung kann der mit 50 bis 70 mm Flügelspannweite erreichende Birkenspinner nicht aufnehmen. Aus diesem Grund leben diese Nachtfalter in der Regel nur ein paar Tage und müssen sich mit der Fortpflanzung besonders beeilen.

Birkenspinner
Birkenspinner

Eulenfalter (Noctuidae)

Die weltweit artenreichste Schmetterlingsfamilie sind die Eulenfalter, hierzulande sind um die 500 Arten bekannt. Ihrem Namen getreu sind Eulenfalter fast alle in der Dämmerung und nachts unterwegs. Die meisten Arten haben einen lang gestreckten, aber kräftigen und robusten Körperbau mit graubrauner Musterung. Etwas auffälliger ist die Zackeneule (Scoliopteryx libatrix) gefärbt. Ihre Flügel enthalten verschiedene orangefarbene und rostrote Farbtöne.

Achateule und Liguster-Rindeneule
Links: Achateule; Rechts: Liguster-Rindeneule
  • Achateule (Phlogophora meticulosa)
  • Braune Tageule (Euclidia glyphica)
  • Gammaeule (Autographa gamma)
  • Liguster-Rindeneule (Craniophora ligustri)
  • Pfeileule (Acronicta psi)
  • Schwarzes C (Xestia c-nigrum)

Glucken (Lasiocampidae)

Die auch als Wollraupenspinner bezeichneten Nachtfalter haben ihren Namen von der Sitzhaltung vieler Falterarten aus der Familie. Ihre Vorderflügel legen die Glucken wie Dachziegel um ihren dicken Leib und erinnern damit an brütende Hennen. Ausgewachsene Glucken leben nur ein paar Tage.

Kleine Pappelglucke und Eichenspinner
Links: Kleine Pappelglucke; Rechts: Eichenspinner
  • Kleine Pappelglucke (Poecilocampa populi)
  • Kleespinner (Lasiocampa trifolii)
  • Eichenspinner (Lasiocampa quercus)

Hinweis: Die Raupen der Glucken besitzen Brennhaare, die ein Nesselgift enthalten.

Schwärmer (Sphingidae)

Schwärmer gehören zu den besten Fliegern unter den Schmetterlingen. Der Windenschwärmer (Agrius convolvuli) schafft es auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h und Spitzengeschwindigkeiten von sagenhaften 100 km/h. Schwärmer saugen im Schwirrflug scheinbar im Stillstand mit ihrem langen Rüssel wie Kolibris den Nektar aus, ohne die Blüte dabei zu berühren. Eines der bekanntesten Beispiele in unseren Gärten ist das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum). Oft ist der aufrollbare Saugrüssel länger als der Körper des Nachtfalters selbst. Viele Schwärmer-Arten wie das Taubenschwänzchen und der Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos) kommen eigentlich aus Südeuropa oder Afrika und besuchen uns lediglich im Sommer zur Paarungszeit. Weitere besondere Schwärmer in Deutschland:

Abendpfauenauge und Mittlerer Weinschwärmer
Links: Abendpfauenauge; Rechts: Mittlerer Weinschwärmer
  • Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata)
  • Kiefernschwärmer (Sphinx pinastri)
  • Mittlerer Weinschwärmer (Deilephila elpenor)
  • Pappelschwärmer (Laothoe populi)

Spanner (Geometridae)

Die Spanner sind eine der artenreichsten Nachtfalter-Familien. Allein in Deutschland sind über 400 Nachtfalter-Arten beheimatet, allerdings sieht man sie sehr selten, da sie recht versteckt leben. Charakteristisch für die Spanner ist ihr für Nachtfalter untypischer Körperbau, der eher lang und schlank wie bei Tagfaltern aufgebaut ist. Die meisten Spanner sind so gut getarnt, dass sie in ihrem Lebensraum selbst beim genauen Hinsehen nicht auszumachen sind. Zu den Ausnahmen zählt beispielsweise der Gelbspanner (Opisthograptis luteolata) mit seinen zitronengelben Flügeln. Fast alle Spanner breiten ihre Flügel in Ruhestellung flach aus, sodass die Hinterflügel zu sehen sind.

Ampferspanner und Gitterspanner; Nachtfalter-Arten
Links: Ampferspanner; Rechts: Gitterspanner
  • Ampferspanner/Rotrandspanner (Timandra comae)
  • Birkenspanner (Biston betularia)
  • Braunbinden-Wellenstriemenspanner (Scotopteryx chenopodiata)
  • Gitterspanner (Chiasmia clathrata)
  • Rauten-Rindenspanner (Peribatodes rhomboidaria)
  • Weißbindiger Nadelwaldspanner (Hylaea fasciaria)

Hinweis: Einige wenige Arten wie der Kleine Frostspanner (Operophtera brumata) sind auch in der kalten Jahreszeit aktiv.

Trägspinner (Lymantriinae)

Eine der vielen Unterfamilien der Eulenfalter sind die Trägspinner. Sie werden auch als Schad- oder Wollspinner bezeichnet, da einige Arten als Schädlinge in der Land- und Forstwirtschaft auftreten. So kommen periodisch Massenvermehrungen beispielsweise beim Schwammspinner (Lymantria dispar) vor, sodass es an den befallenen Bäumen oder Sträuchern zum Kahlfraß kommt.

Goldafter und Nonne; Nachtfalter-Arten
Links: Goldafter; Rechts: Nonne
  • Buchen-Streckfuß (Calliteara pudibunda)
  • Goldafter (Euproctis chrysorrhoea)
  • Nonne (Lymantria monacha)
  • Schwan (Euproctis similis)
  • Schlehen-Bürstenspinner (Orgyia antiqua)

Widderchen (Zygaenidae)

Viele von uns haben vielleicht schon Widderchen auf Disteln oder anderen violetten Blüten gesehen und gar nicht gewusst, dass die Insekten zu den Nachtfaltern gehören. Widderchen, auch Blutströpfchen genannt, fliegen fast alle nur bei Sonnenschein. Ihre Flügel haben nicht die charakteristische Nachtfalterform, sondern sind etwa doppelt so lang wie breit und insgesamt abgerundet. Viele von ihnen haben dunkle Flügel mit roten Flecken, sogenannten Blutströpfchen, die Vögel auf ihre Giftigkeit hinweisen.

Sumpfkleehorn-Widderchen und Thymian-Widderchen; Nachtfalter-Arten
Links: Sumpfkleehorn-Widderchen; Rechts: Thymian-Widderchen
  • Sechsfleckenwidderchen (Zygaena filipendulae)
  • Sonnenröschen-Grünwidderchen (Adscita geryon)
  • Sumpfkleehorn-Widderchen (Zygaena trifolii)
  • Thymian-Widderchen (Zygaena purpuralis)

Zahnspinner (Notodontidae)

Zahnspinner gibt es weltweit in knapp 3000 Arten. Die meisten von ihnen leben in den tropischen Gebieten. Nur 34 dieser Nachtfalter-Arten kommen auch bei uns vor. Namensgebend für die Zahnspinner ist ein nach unten gerichteter „Zahn“ an der Innenseite der Vorderflügel. Unter den Zahnspinnern fallen viele Arten durch ihre außergewöhnliche Raupenform auf, die wie winzige skurrile Drachen oder Urzeittierchen aussehen. Der wohl bekannteste Zahnspinner ist wohl der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea). Trotz seines unscheinbaren Aussehens hat der Nachtfalter es in den letzten Jahren in aller Munde geschafft, weil die Brennhaare seiner Raupen eine Gesundheitsgefahr für Menschen darstellen.

Buchengabelschwanz  und Palpen-Zahnspinner; Nachtfalter-Arten
Links: Buchengabelschwanz; Rechts: Palpen-Zahnspinner
  • Buchen-Zahnspinner (Stauropus fagi)
  • Buchen-Gabelschwanz (Furcula furcula)
  • Eichen-Zahnspinner (Peridea anceps)
  • Großer Gabelschwanz (Cerura vinula)
  • Palpen-Zahnspinner (Pterostoma palpina)
  • Zickzackspinner (Notodonta ziczac)

Häufig gestellte Fragen

Woran erkennt man Nachtfalter?

Die Form der Fühler ist bei Nachtfaltern anders als bei Tagfaltern. Während Tagfalter keulenförmige Fühler mit einer Verdickung am Ende aufweisen, sind die Fühler bei Nachtfaltern nach vorne hin zugespitzt. Einige männliche Falter besitzen auch gefiederte Fühler. Zudem klappen sie ihre Flügel nicht nach oben zusammen, sondern falten sie in der Regel flach über dem Rücken nach hinten.

Was fressen Nachtfalter?

Die meisten Nachtfalter-Arten sind sowohl als Raupe als auch als adulter Schmetterling auf wenige Pflanzen spezialisiert, von denen sie sich ernähren. Einige Arten haben jedoch keine Mundwerkzeuge ausgebildet und sind daher nicht in der Lage, überhaupt Nahrung zu sich zu nehmen. Ihr einziges Ziel ist die Fortpflanzung.

Wie alt werden Nachtfalter?

Üblicherweise leben die ausgewachsenen Falter ein paar Wochen. Einige Spezies ohne Mundwerkzeuge schaffen nur wenige Tage. Sie halten ihren Stoffwechsel nur durch die Fettreserven aufrecht, die sie sich als Raupe angefressen haben. Besonders alt werden solche Schmetterlingsarten, die als Falter überwintern. Sie fliegen oft mehrere Monate, bevor sie sterben.