Pilzkrankheiten an Bäumen: 10 Pilze am Obstbaum bekämpfen

Pilzkrankheiten an Obstbäumen

Schon während der Blüte im Frühjahr freut sich der Gärtner auf eine reiche Obsternte. Allerdings sind Äpfel, Birnen und Co. in Gefahr, wenn insbesondere durch falsche Pflege, einen ungeeigneten Standort oder während feuchter Sommer sich Pilzkrankheiten rasant ausbreiten. Nur wenn das Schadbild früh erkannt wird, helfen baum- und obstschonende Gegenmaßnahmen. Chemische Spritzmittel hingegen sollten vor allem im Hobbygarten sowie auf der Streuobstwiese die Ausnahme bleiben.

Pilzkrankheiten ab Bäumen

Ursachen

Pilze und Bäume gehen schon seit jeher eine oft unverzichtbare, manchmal jedoch auch fatale Allianz ein. Während viele Waldpilze zusammen mit manchen Baumarten eine für beide Partner ebenso wertvolle wie überlebensnotwendige Symbiose leben, verursachen andere Pilze am Obstbaum schwerwiegende Krankheitsbilder. Bei diesen Arten ist der Erreger oft nicht mit bloßem Auge zu erkennen, lediglich die Symptome und die Folgen seines Eindringens und Wachsens sind dem Betrachter sichtbar.

Pilzkrankheiten treten selten „einfach so“ auf, sondern haben immer eine Ursache. Diese gilt es zu erkennen und zu beseitigen, um das Problem in den Griff zu bekommen und die befallenen Bäume erfolgreich zu behandeln. Infektionen mit unerwünschten pilzlichen Erregern treten vor allem bei diesen Gelegenheiten auf:

  • Feuchtigkeit: etwa in regenreichen Sommern oder feuchten Wintern
  • Verletzungen: beispielsweise in Folge eines Rückschnitts bei feuchter Witterung
  • Frost: wenn bei starkem Frost und gleichzeitig Sonnenschein die Rinde aufplatzt, können Pilze eindringen
  • Blüte: pilzliche Erreger infizieren die Obstbaumblüte, Krankheit zeigt sich oft erst bei der Fruchtreife
  • Laub: infiziertes, im Herbst liegen gelassenes oder zum Mulchen verwendetes Laub überträgt Pilzsporen
  • Rückschnitt: selten beschnittene Bäume entwickeln dichte Kronen, die aufgrund von nicht abtrocknender Feuchtigkeit einen Nährboden für Pilzkrankheiten bilden
  • Pflanzabstand: geringer Pflanzabstand befördert pilzliche Infektionen

Des Weiteren infizieren Pilze bereits im Vorfeld geschädigte Bäume besonders häufig. Obstgehölze, die durch einen ungeeigneten Standort und/ oder nicht bedarfsgerechte Pflege geschwächt sind, gehören zur Risikogruppe für einen fungiziden Befall: Schließlich haben die natürlichen Abwehrmechanismen dieser Bäume den Erregern nichts mehr entgegenzusetzen.

Prunus avium, Vogel-Kirsche, Süßkirsche
Prunus avium, Vogel-Kirsche, Süßkirsche

Vorbeugen

Wer die Ursachen von möglichen Pilzkrankheiten kennt, kann diesen durch entsprechende vorbeugende Maßnahmen entgegentreten. Dazu gehören vor allem diese:

  • Einhaltung des empfohlenen Pflanzabstandes
  • Wahl eines geeigneten Standortes (sonnig, geschützt, nicht zu feucht)
  • regelmäßiger Rückschnitt zwecks Auslichtung
  • Behandlung von Schnittwunden (z. B. durch Bestreichen mit Baumharz)
  • Entfernung und Entsorgung des Herbstlaubs (gegebenenfalls über den Hausmüll)
  • bedarfsgerechte Pflege (Gießen, Düngen)
  • Überversorgung dabei ebenso schädlich wie Unterversorgung

Weiterhin sollten Sie beim Rückschnitt der Obstbäume stets nur scharfes und stets desinfiziertes Schnittwerkzeug verwenden, um eine Übertragung von einem Baum zum anderen auf diesem Weg zu unterbinden. Hierzu eignet sich beispielsweise eine mindestens 70 %ige Alkohollösung.

Tipp: Manche Obstsorten sind gegenüber bestimmten Pilzkrankheiten besonders empfindlich. Anstatt diese immer wieder aufs Neue zu bekämpfen, wählen Sie bei der Pflanzung besser von vornherein resistente Züchtungen. Das gilt beispielsweise für schorfresistente Apfelsorten, für mehltaufeste Stachelbeersorten oder gegen Monilia wenig empfindliche Süß- und Sauerkirschen.

Die 10 häufigsten Pilzkrankheiten am Obstbaum erkennen

Es gibt zahllose pilzliche Schaderreger, die jedoch bevorzugt nur bestimmte bzw. einander verwandte Obstarten befallen. Andere wiederum finden sich ausschließlich am Beeren- oder am Kernobst. Einige wenige Krankheitserreger sind jedoch regelrechte Generalisten und machen vor keinem Obstbaum Halt. Dazu gehört etwa die weit verbreitete Monilia-Fruchtfäule. An dieser Stelle erläutern wir kurz die 10 häufigsten fungiziden Krankheiten am Obstbaum, wie Sie diese erkennen und bekämpfen können.

1. Apfelschorf

Die durch den Pilz Venturia inaequalis verursachte Schorfkrankheit befällt vornehmlich Apfelbäume, kann jedoch auch an Birnen, Kirschen und Pfirsichen auftreten. Die Krankheit zeigt sich durch braun-schwarz gefleckte Blätter, die alsbald abgeworfen werden sowie später sternförmige Risse auf den Früchten. Die Früchte sind grundsätzlich noch genießbar, faulen allerdings schnell und lassen sich daher nicht lagern.

Schorf tritt vor allem nach einem milden und feuchten Frühjahr auf sowie wenn die Bäume aufgrund eines ungenügenden Rückschnitts zu dicht wachsen und daher schlecht abtrocknen. Pflanzen Sie bevorzugt resistente bzw. unempfindliche Sorten. Einen befallenen Obstbaum behandeln Sie mit einem kupferhaltigen Fungizid, zudem sollte das Falllaub unbedingt entfernt und entsorgt werden – die Pilzsporen überwintern hierin.

Apfelschorf

2. Birnengitterrost

Der Birnengitterrost befällt ausschließlich Birnenbäume, die nach einer Infektion ab Mai auffällige, warzenförmige und gelbbraun gefärbte Stellen auf den Blättern entwickeln. Die Krankheit beeinträchtigt jedoch nicht nur die Laubentwicklung, sondern auch das Wachstum und die Fruchternte. Schneiden Sie befallene Bäume stark bis ins gesunde Holz zurück und entsorgen Sie das Schnittgut über den Hausmüll bzw. verbrennen Sie es. Da der verursachende Pilz auf benachbarten Wacholderbüschen überwintert, sollten Sie diese ebenfalls entfernen.

Birnengitterrost

3. Blattbräune

Die Blattbräune erkennen Sie am namensgebenden braunen Blattwerk, das vorzeitig mitten im Sommer abgeworfen wird. Die Früchte infizierter Bäume sind nicht genießbar und ebenso wie das befallene Laub so früh wie möglich zu entfernen und zu entsorgen – aber auf keinen Fall über den Kompost! Ein kräftiger Rückschnitt ist unumgänglich. Der Erreger befällt vor allem Kirschen, Aprikosen und Quitten, manchmal jedoch auch Apfel- und Birnenbäume.

Blattbräune an einem Quittenblatt
Blattbräune an einem Quittenblatt

4. Mehltau

Auch Mehltaukrankheiten sind an Obstbäumen häufig. Dabei unterscheidet der Gärtner allerdings zwei Formen: Der Echte Mehltau, auch als Schönwettermehltau bezeichnet, tritt vornehmlich bei warmer Witterung und Sonnenschein auf. Er zeigt sich durch einen weißlichen Pilzrasen auf Blättern und Trieben, der sich mit den Fingern leicht abwischen lässt. Der Falsche Mehltau hingegen zeigt sich in kühlen und regnerischen Sommern, wenn das Laub keine Möglichkeit zum Abtrocknen hat und die Pilzsporen dadurch eindringen können.

Der sogenannte Apfelmehltau zeigt sich schon früh an den jungen Blättern, da er direkt am Baum in dessen Blattschuppen überwintert. Entfernen Sie die befallenen Blätter und spritzen Sie die Bäume mehrmals im Abstand von jeweils mehreren Tagen mit einer Mischung aus Vollmilch/ Rohmilch und Wasser (1 Teil Wasser, 5 Teile Milch) oder Molke und Wasser (Verhältnis 1:1). Hilft dieses Hausmittel nicht, können Sie ein Fungizid verwenden. Bevorzugen Sie bei der Pflanzung gegen Mehltau resistente Apfelsorten.

Mehltau an einer Apfelblüte

5. Monilia-Fruchtfäule

Die durch Pilze der Gattung Monilia verursachte Fruchtfäule befällt nahezu alle in Deutschland angebauten Obstarten. Symptome der Krankheit sind die charakteristischen Faulstellen mit den runden Schimmelpolstern. Die Früchte sind nicht mehr genießbar und sollten unbedingt entfernt und mit dem Hausmüll entsorgt werden. Um der Monilia-Fruchtfäule vorzubeugen, sollten Sie eventuell übrig gebliebene Früchte (sogenannte „Fruchtmumien“) keinesfalls über die Wintermonate hängen lassen, sondern ebenso wie das Laub noch im Herbst entsorgen.

Monilia-Fruchtfäule

6. Obstbaumkrebs

Der häufig und bei vornehmlich Apfel- und Birnenbäumen auftretende Obstbaumkrebs wird durch Pilze der Art Nectria galligena verursacht. Er tritt vor allem in an Niederschlägen reichen Regionen auf. Typische Merkmale einer Infektion sind:

  • eingefallene, braunrote Flecken an der Rinde
  • aufplatzende Rinde
  • verdorrende Zweige und Triebe
  • Wulstbildung

Die Krankheit lässt sich nur durch die vollständige Entfernung befallener Pflanzenteile bekämpfen, wobei Sie größere Wunden nach einem Rückschnitt mit einem Wundverschlussmittel behandeln sollten. Um eine erneute Ansteckung zu vermeiden, entsorgen Sie das Schnittgut sowie befallene Früchte sowie das Falllaub.

Obstbaumkrebs an einem Apfelbaum
Obstbaumkrebs an einem Apfelbaum

7. Rotpustelkrankheit

Vor allem Steinobst der Gattung Prunus wie Pflaumen und Aprikosen, aber auch Kirschen und alle Kern- und Nussobstsorten können von Erregern der Rotpustelkrankheit befallen werden. Diese dringen durch abgestorbene Pflanzenteile – etwa im Winter zurückgefrorene Zweige und Äste oder Fruchtmumien – in lebende Bäume ein und greifen von hier aus gesunde Pflanzenpartien an. Zur Vorbeugung sollten Sie abgestorbene Äste und Zweige immer wegschneiden und dabei keine Aststummel zurücklassen.

Rotpustelkrankheit, Nectria cinnabarina

8. Rußfleckenkrankheit

Zeigt sich an reifen Früchten ein schwarzer, rußartiger Belag, so handelt es sich um die Rußfleckenkrankheit. Die Flecken befinden sich nur oberflächlich auf der Fruchtschale und können durch gründliches Waschen entfernt werden. Nach der Entfernung können Sie infiziertes Obst bedenkenlos essen. Die Krankheit lässt sich nicht bekämpfen, lediglich durch entsprechende Maßnahmen vorbeugen. Befallenes Obst sollte immer entfernt werden.

Rußfleckenkrankheit

9. Sprühfleckenkrankheit

Die so genannte Sprühfleckenkrankheit zeigt sich nur an Süß- und Sauerkirschen. Die Behandlung erfolgt durch den Einsatz von pflanzlichen Stärkungsmitteln, die Sie im Fachhandel erwerben oder selbst ansetzen können. Allgemein als wirksam zum Bekämpfen von Pilzkrankheiten hat sich beispielsweise Ackerschachtelhalmbrühe erwiesen, die allerdings frühzeitig und vorbeugend eingesetzt werden muss.

Der Erreger der Sprühfleckenkrankheit überwintert immer im Falllaub und infiziert die Bäume im darauffolgenden Frühjahr etwa zur Zeit der Blüte erneut. Aus diesem Grund ist schon im Herbst das alte Laub sorgfältig einzusammeln und zu entsorgen.

Sprühfleckenkrankheit an der Süßkirsche

10. Verticillium-Welke

Im Gegensatz zu vielen anderen pilzlichen Erregern dringen Verticillium-Pilze nicht über die Blätter oder Verletzungen der Rinde bzw. des Holzes in den Obstbaum ein, sondern vom Boden aus. Sie dringen durch Verletzungen der Wurzeln in die Leitungsbahnen vor und verstopfen diese, so dass betroffene Obstbäume schlagartig zu welken beginnen. Die Welkeerscheinungen treten zunächst an einzelnen Zweigen auf, greifen jedoch alsbald auf den ganzen Baum über. Eine Rettung ist in der Regel nicht möglich, so dass nur die Rodung bleibt. Die Verticillium-Welke wird meist durch einen zu feuchten Untergrund bzw. Staunässe verursacht.

Verticillium im Astschnitt
Verticillium im Astschnitt

Tipp: Pilzkrankheiten lassen sich vermeiden, indem Sie die Bäume nicht bei Regen bzw. allgemein feuchter Witterung schneiden. Auch bei Frost sollte die Gartenschere besser im Schuppen bleiben.