Weinreben setzen mediterrane Akzente

Wein lässt sich nicht nur in ausgesprochenen Weinanbaugebieten kultivieren. Auch im heimischen Garten kann sich der eine oder andere Weinstock durchaus wohlfühlen und leckere Trauben hervorbringen. Sind die Standortbedingungen optimal und hält man sich an grundlegende Bedürfnisse der Pflanzen, kann so ein Weinstock sehr alt werden. Doch was, wenn er, aus welchen Gründen auch immer, an einen anderen Platz umgepflanzt werden muss und ist das überhaupt möglich?

Weinstock umpflanzen

Je älter der Stock, desto schwieriger das Umpflanzen

Einen Weinstock umzupflanzen ist grundsätzlich möglich. Allerdings gestaltet sich das Ganze umso schwieriger und riskanter je älter er ist und je länger er bereits an seinem Standort steht. Diese Pflanzen können nicht nur bis zu 10 Meter in die Höhe wachsen, auch ihre Pfahlwurzeln sind sehr kräftig und dringen mehrere Meter tief in den Boden vor. Je älter die Pflanzen sind, desto tiefer reichen sie in den Boden.

Weinrebe

Feinere Wurzeln werden kaum gebildet. In der Regel ist es nicht zu vermeiden, dass beim Versetzen eines Weinstockes immer ein Großteil der Wurzeln verloren geht, man müsste sie praktisch opfern, um den Wein überhaupt aus der Erde zu bekommen. Dennoch sollte man natürlich versuchen, so viel Wurzelmasse wie möglich zu erhalten. Ist das Versetzten nicht unbedingt notwendig, sollte man im Sinne der Pflanze besser darauf verzichten. Ist das nicht möglich, kommt es zuerst einmal auf den richtigen Zeitpunkt und eine gute Vorbereitung an.

Tipp: Wein sollte nicht in der Nähe von Stauden, Koniferen, Gehölzen oder anderen, alten Weinreben gepflanzt werden, der Wurzeldruck würde sie gegenseitig in ihrer Entwicklung behindern. Es gibt aber die Möglichkeit, mehrere Rebsorten zusammen in eine Pflanzgrube zu pflanzen (Köcherpflanzung).

Bester Zeitpunkt

Das Versetzen eines Rebstockes bringt eine Menge Stress für die Pflanze mit sich. Um den Stressfaktor nicht zusätzlich zu erhöhen, ist es ratsam, den besten Zeitpunkt hierfür abzuwarten. Aber wann ist der? Im Idealfall wählt man einen Tag im Herbst, wenn der Wein ohnehin geschnitten werden sollte.

Bereits im Herbst stellt die Weinrebe ihr Wachstum ein und geht in die sogenannte ‚Saftruhe‘ über, dann ist die beste Zeit für so ein schwieriges und aufwendiges Unterfangen wie das Verpflanzen. Gegebenenfalls kann man es auch auf den Spätwinter, sprich Januar/ Februar verschieben, aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Boden dann frostfrei ist, geht vermutlich gegen null.

Tipp: Für den Fall, dass man den Rebstock ausgräbt und dabei möglicherweise ruiniert, kann es ratsam sein, vorher ein paar Triebe für eine mögliche Vermehrung abzuschneiden und entsprechend bewurzeln zu lassen.

Weinstock umpflanzen: Anleitung

Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung kann den Stress während des Verpflanzens für Weinrebe und Gärtner wesentlich reduzieren. Aber wann sollte damit begonnen werden? Am besten beginnt man schon zwei bis drei Wochen vor dem eigentlichen Umpflanzen.

  • Wurzeln um den Stock herum abstechen
  • In Radius von etwa 50-80 cm
  • Am besten mit scharfem Spaten
  • Danach Wurzelballen mit Grabegabel oder Grabeforke etwas lockern
  • Wurzelbereich durchdringend und reichlich wässern
  • Im letzten Schritt Rebe zurück schneiden
  • Schnitt darf ruhig stärker ausfallen
  • Rückschnitt soll den Verlust an Wurzelmasse etwas ausgleichen

Weinrebe

Neuen Standort vorbereiten

Gegebenenfalls kann man anschließend den künftigen Pflanzbereich vorbereiten, indem man den Boden etwa zwei Spaten tief umgräbt, ihn gründlich auflockert, von sämtlichen Unkräutern befreit und mit reichlich Kompost anreichert. Dann lässt man ihn am besten bis zur Pflanzung ruhen. Im Idealfall bereitet man den neuen Standort bereits im Herbst des Vorjahres entsprechend vor und lässt ihn dann bis zum Herbst des darauf folgenden Jahres, also bis zur Pflanzung, ruhen.

Bevor Sie den Weinstock auspflanzen bereiten Sie die Pflanzgrube am neuen Standort vor:

  • Je nach Stärke des Wurzelbereichs, entsprechend große Pflanzgrube ausheben
  • Grube sollte etwa der anderthalbfachen Größe des Wurzelballens entsprechen
  • Sie sollte aufgrund der langen Pfahlwurzeln vor allem tief sein
  • Wurzel muss locker hineinpassen, ohne gedrückt oder gequetscht zu werden
  • Kurz vor dem Einpflanzen, gegebenenfalls etwas nachbessern
  • Erdaushub wenn möglich, mit Steinmehl oder Algenkalk anreichen

Umpflanzen

Haben Sie den neuen Standort entsprechend vorbereitet, kann die Weinrebe ohne große Pause direkt wieder eingepflanzt werden, ohne sie unnötigem Stress auszusetzen.

  • Unmittelbar vor dem Ausgraben nochmals wässern
  • Vorbereiteten Bereich um den Stamm herum abstechen
  • Am äußeren Rand dieses Bereichs, einen kleinen Graben freilegen
  • Sollte etwa eineinhalb Spaten tief sein
  • Vom Rand ausgehend Wurzel freilegen
  • Immer schräg nach unten in Richtung Stamm graben
  • Weinstock mit so viel Wurzelmasse wie möglich ausgraben
  • Pfahlwurzel in einer Tiefe von etwa 1 m, evtl. mit Säge kappen
  • Vor Einpflanzen am neuen Standort, Wurzeln etwas einkürzen
  • Mögliche Verletzungen oder Quetschungen wegschneiden
  • Zum Schneiden nur scharfe Schnittwerkzeuge verwenden
  • Rebstock kräftig zurückschneiden, falls nicht schon vor dem Ausgraben erfolgt
  • Ausgegrabenen Weinstock zum neuen Standort transportieren

Nachdem man den Boden der neuen Pflanzgrube mit einer dicken Drainageschicht aus Splitt oder Kies ausgestattet hat, gibt man eine Schicht Erde hinein und setzt die Weinrebe mittig ein. Anschließend füllt man mit Erdaushub auf. Damit keine Hohlräume im Bereich der Wurzel zurückbleiben, ist es sinnvoll, während des Auffüllens mit Erde den Rebstock hin und her zu bewegen.
Nach dem Auffüllen die Erde festtreten und reichlich wässern nicht vergessen. Die Veredlungsstelle sollte nach dem Einsetzen etwa 4-5 cm über dem Boden liegen. Möglicherweise kann es sinnvoll sein, die Rebe anfangs leicht anzuhäufeln, ähnlich wie man das bei Rosen macht. Im Frühjahr müssen Sie das Angehäufelte aber wieder entfernen. Mit etwas Glück reicht die an der Weinrebe verbliebene Wurzelmasse aus, dass die Pflanze gut anwächst und auch wieder Früchte trägt.

Tipp: Weinreben sind aufgrund ihres kletternden Wuchses auf eine geeignete Rankhilfe oder ein sogenanntes Spalier angewiesen. Das kann frei stehend oder ein an einer Hauswand fixiert sein.

Weinrebe mit grünen Trauben

Pflege nach dem Umsetzen

Die richtige Pflege direkt nach dem Umsetzen ist Voraussetzung dafür, dass die Pflanze an ihrem neuen Standort überhaupt anwächst bzw. Fuß fasst und sich in der Folge gut erholen und üppig wachsen kann. Dabei spielt insbesondere die Wasserversorgung eine entscheidende Rolle. Dementsprechend sollten Sie die Rebe in den ersten sechs Wochen nach dem Umpflanzen, je nach Wetterlage, etwa alle 2-3 Tage reichlich und durchdringend wässern.

Um die Wärme länger im Boden zu halten und ihn vor Austrocknung zu schützen ist es ratsam, den Wurzelbereich zu mulchen, idealerweise mit Grasschnitt, Traubenkernen, gehäckseltem Rebholz oder der Asche von Rebhölzern. Diese Mulchschicht muss regelmäßig erneuert werden. Auch beim Mulchen ist darauf zu achten, die Veredlungsstelle nicht zu bedecken, sie muss frei bleiben. Eine Düngung ist in normalem Gartenboden nicht erforderlich.

Bewertung: 4.8/5.. Aus 4 Stimmen.
Bitte warten...