Krankheiten an Weinreben

Weinreben (Vitis) sind nicht nur sehr dekorativ, sie spenden Schatten, verschönern Hauswände und bringen mit etwas Glück, Jahr für Jahr leckere Trauben hervor. Ob gelb, grün, blau oder rosafarben, Trauben aus eigenem Anbau schmecken einfach am besten. Allerdings können Weinreben zahlreiche, mehr oder weniger hartnäckige Krankheiten zu schaffen machen. Dann ist es wichtig schnell zu reagieren und entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um eine Ausbreitung oder das Absterben einzelner Pflanzen zu verhindern.

Häufige Krankheiten an Weinreben

Einige Weinkrankheiten können großen Schaden anrichten und den Reben stark zusetzen. Andere wiederum stellen keine große Gefahr dar. Meist lassen sie sich an Blättern und Früchten der Weinreben erkennen und oft auch eindeutig den unterschiedlichen Weinkrankheiten zuordnen. Das macht es möglich, sie zügig und gezielt zu bekämpfen. Allerdings ist eine wirksame Bekämpfung häufig nur durch eine gute Vorbeugung möglich. Aber was sind die häufigsten Krankheiten der Weinrebe und wie lassen sie sich am wirkungsvollsten bekämpfen?

Echter und Falscher Mehltau

Echter Mehltau

  • Eine der gefährlichsten Krankheiten der Weinrebe
  • Wuchs an Mauern und Wänden kann einen Befall begünstigen
  • Krankheit befällt schon im Frühjahr alle grünen Pflanzenteile
  • Pilz entwickelt sich bei trockener Witterung besonders gut
  • Wird meist relativ spät erkannt
  • Erst, wenn sich Trauben nicht richtig entwickeln, sich dunkel verfärben und aufplatzen
  • Weitere Symptome sind dunkelgraue Verfärbungen an Blättern und einjährigen Trieben
  • Pilz überwintert in Knospen und bricht im nächsten Jahr wieder aus

Mehltau-Befall an einer Weinrebe

Falscher Mehltau

  • Nicht weniger gefährlich
  • Bevorzugt, im Gegensatz zu echtem Mehltau, anhaltende Nässe
  • Tritt vorwiegend dort auf, wo er nicht vor Regen geschützt ist
  • Entwickelt sich auf den Blattunterseiten
  • Zeigt sich in Form eines weißen Pilzrasens
  • Auch die Trauben können befallen sein

falscher Mehltau an der Blattunterseite

Beide Arten von Mehltau lassen sich auf ähnliche Weise bekämpfen. Man sollte damit bereits beim Austrieb beginnen, indem man die Weinrebe mit Netzschwefel spritzt. Vorbeugend, mehrmals im Jahr und über mehrere Jahre angewandt, kann er eine Infektion verhindern. Der Schwefel vernichtet nahezu alle Insekten im Weinstock, leider auch die nützlichen. Bei einem anfänglichen Befall sollten alle befallenen Pflanzenteile entfernt und die Weinreben ausgedünnt werden.

Roter Brenner

Bei dem sogenannten Roten Brenner handelt es sich um eine Pilzkrankheit, die sowohl Blätter als auch Blütenstände befällt. Sie tritt insbesondere an steinigen, humusarmen, flachgründigen und trockenen Hanglagen auf.

  • Erste Symptome nach etwa 2-3 Wochen sichtbar
  • Etwa Ende Mai bis Anfang Juni, Befall der Blätter in Form von Flecken
  • Flecken bei hellen Sorten gelblich bis bräunlich, mit hellgrünem Rand
  • Bei roten Weinsorten, rubinrot mit gelbem Rand
  • Im weiteren Verlauf färben sich betroffene Bereiche braun und vertrocknen
  • Teilweise im Juli/ August ein erneuter Befall möglich
  • Nach häufigen Regenfällen, Gefahr eines erneuten Befalls besonders hoch
  • Dabei auch ein Befall der Blütenstände möglich
  • Befallene Blütenstände vertrocknen

Anfällig für diese Krankheit sind die meisten Rebsorten. Demzufolge sollten Weinreben vorbeugend, spätestens aber bei Befallbeginn, mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Die erste Behandlung sollte ab einer Trieblänge von ca. 10 cm erfolgen bzw. ab 4-5 voll entwickelten Laubblättern. Am besten spritzt man kurz vor Niederschlägen oder unmittelbar danach. In der Regel sind eine zweite und dritte Behandlung nötig, in Abständen von 8-10 Tagen.

Weinblätter mit Rotem Brenner

Tipp: Der Pilz überwintert in dem am Boden liegenden Rebenlaub. Wird das nicht restlos entfernt, ist die Infektionsgefahr im nächsten Jahr sehr hoch.

Schwarzfleckenkrankheit

Die auch als Triebnekrose bekannte Schwarzfleckenkrankheit wird ebenfalls durch einen Pilz verursacht. Der befällt alle lebenden, grünen Pflanzenteile und zeigt sich insbesondere an Trieben und Blättern. Ein Befall tritt meist ab Juni auf und wird durch einen niedrigen pH-Wert des Bodens, zu viel Feuchtigkeit und eine zu hohe Stickstoffversorgung begünstigt. Am häufigsten ist er in Regionen mit hohem Niederschlagsaufkommen zu beobachten.

  • Erste Anzeichen, auf den noch im Wachstum befindlichen Blättern zu erkennen
  • Sie weisen leichte bronzeartige Verfärbungen auf
  • Die bleiben meist unbemerkt
  • Sichtbare Symptome treten erst später auf
  • In Form von punktförmigen Aufhellungen und Deformierungen an den Blättern
  • Unterhalb befallener, verholzter Teile der Rebe, bilden sich schorfartige Nekrosen
  • Als Nekrose wird absterbendes Pflanzengewebe bezeichnet
  • Können grundsätzlich auch an allen grünen Pflanzenteilen auftreten
  • Infizierte Trauben färben sich dunkelblau bis schwarz
  • Bei starkem Befall verkrüppeln die stammnahen Triebe
  • Pilz wächst im Winter in, bis dahin unbeschädigte Teile der Rinde ein
  • Ab Februar in den weißen Rindenteilen, kleine schwarze Punkte erkennbar
  • Punkte sind die Sporenlager des Pilzes

Da dieser Pilz sowohl im ein- und mehrjährigen Holz als auch auf der Rinde überwintert, ist es wichtig, alle befallenen Teile herauszuschneiden. In der Regel ist eine Stockverjüngung auf unterhalb des betroffenen Holzes am Wein ratsam. Der Stamm wird dann in diesem Bereich wieder neu aufgebaut.

Das am Wein entfernte, befallene Holz sollte im Hausmüll entsorgt, bestenfalls aber verbrannt werden. Zusätzlich können Fungizide zur Behandlung eingesetzt werden, die man möglichst vor einem Niederschlag oder bei nasskalter Witterung ausbringt. Mit der ersten Behandlung beginnt man bei Knospenaufbruch bzw. dem Sichtbarwerden erster grüner Triebspitzen. Nach etwa zehn Tagen sollte eine weitere Behandlung erfolgen.

Tipp: Für die erste Austriebsspritzung eignen sich zugelassene Pflanzenschutzmittel auf der Basis von Schwefel sehr gut.

Grünfäule

Grünfäule ist ein Fäulniserreger, der vor allem bei feucht-warmer Witterung an Weinreben auftritt und vorwiegend in Jahren, in denen die Beerenreife sehr früh eintritt. Befallen werden Trauben, die aus unterschiedlichen Gründen verletzt oder beschädigt wurden. Sei es durch Wespen- oder Vogelfraß, Hagelschlag, gedrückte, aufgeplatzte Beeren, Wurmbefall oder Sonnenbrand.

  • Betroffene reife Beeren am Wein färben sich hellbraun
  • Wenig später, zunächst weiße, dann blaugrüne pustelförmige Sporenlager zu erkennen
  • Grünfäule tritt oft gemeinsam mit Botrytisbefall (Grauschimmel) und Essigfäule auf
  • Befallene Trauben müssen unbedingt entfernt werden
  • Können ansonsten das Lesegut gefährden
  • Fungizide mit ausreichender Wirkung gegen Grünfäule gibt es nicht

Demzufolge hat die Vorbeugung auch beim Bekämpfen dieser Krankheit eine besondere Bedeutung. Die sieht so aus, dass man Verletzungen der Trauben möglichst vermeiden, und durch regelmäßige Schnittmaßnahmen am Wein, für eine gute Belüftung der Reben sorgen sollte. Gegenbebenfalls kann eine teilweise Entblätterung der Traubenzone sinnvoll sein. Darüber hinaus lässt sich die Infektionsgefahr durch die Bekämpfung von Botrytis mindern.

Grünfäule an Weintrauben

Grauschimmel

Grauschimmel gehört zu den Weinkrankheiten, die durch Pilze, insbesondere die der Pilzgattung Botrytis hervorgerufen werden, und tritt vor allem in feuchten und kühlen Spätsommern auf. Besonders anfällig sind Weinsorten, die sehr dichte Trauben bilden. An geschützten Stellen ist er jedoch relativ selten zu finden.

Liegt ein Befall vor, zeigt der sich an schwarzbraun verfärbten Stellen an jungen Trieben, Blättern, Stielen und Trauben. Blätter und Trauben welken und faulen. Auch befallene Knospen färben sich braun. Befallene Pflanzenteile sollten konsequent herausgeschnitten werden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Darüber hinaus bestäubt man wiederholt Blätter und Triebe mit Urgesteinsmehl.

Grauschimmel an Weintrauben

Tipp: Vorbeugend sollte, zum Schutz vor Krankheiten, auf ausreichende Pflanzabstände geachtet und der Wein regelmäßig verschnitten werden. Pflanzen stärkende Mittel machen den Wein widerstandsfähiger.

Essigfäule

Verantwortlich für die Bildung von Essigfäule sind Essigsäurebakterien und Hefepilze, die dafür sorgen, dass Fruchtfleisch und Saft der Trauben vergären. Sie ist die Folge von vorausgegangen Verletzungen der Trauben, wobei es nur zu einer Infektion kommt, wenn ausreichend Zucker und Feuchtigkeit auf der Traubenhaut sind.

  • Befallene Trauben geben einen intensiven Essiggeruch ab
  • Im Endstadium färben sie sich rötlich-braun
  • Kurze Zeit später sind sie hohl
  • In und an den Beeren, häufig Essigfliegen zu finden
  • Die können zur Ausbreitung dieser Krankheit beitragen
  • Eine direkte Bekämpfung, bei der Essigfäule nicht möglich
  • Die beste Bekämpfung ist wieder eine gute Vorbeugung
  • Vorbeugende Maßnahmen, gleichen denen der Grünfäule

Essigfäule an Weinreben

Tipp: Sowohl ganze Trauben als auch Traubenteile am Wein, die von der Grün- oder Essigfäule befallen sind, sollten nicht zu früh entfernt werden, denn das würde den Infektionsdruck auf die verbleibenden Beeren erhöhen.

Schwarzfäule

Auch die Schwarzfäule zählt zu den Weinkrankheiten. Ähnlich wie Grün- und Essigfäule tritt auch sie vorwiegend in Gebieten auf, in denen es im Frühjahr und Frühsommer zu einem erhöhten Niederschlagsaufkommen kommt. Blätter und Triebe befallener Reben haben kleine, scharf abgegrenzte, helle Flecken mit dunkelbrauner Umrandung. Auf abgestorbenem Gewebe sind kleine, glänzende, schwarze Punkte, die Fruchtkörper des Pilzes, zu sehen. Die Trauben haben zunächst blasse Flecken, die sich später rotbraun und schließlich schwarz verfärben und absterben. Auch unreife Beeren haben helle rötlich-bräunliche Flecken, sie trocknen innerhalb weniger Tage ein. Zurück bleiben Fruchtmumien, auf denen die Fruchtkörper sitzen, in denen der Pilz überwintert.

Gegen Schwarzfäule gibt es keine wirksamen zugelassenen Pflanzenschutzmittel. Auch die Wirkung von Kupfer und Schwefel ist nur begrenzt. Eine besonders hohe Infektionsgefahr geht von verwahrlosten, nicht mehr bewirtschafteten Weinbergen in der Nähe aus. Um Schwarzfäule effektiv zu bekämpfen, ist das Roden derartiger Flächen empfehlenswert. Zudem sollten Fruchtmumien bei der Lese aussortiert und entsorgt, sowie durch regelmäßige Schnittmaßnahmen für eine gute Durchlüftung der Reben gesorgt werden.

Schwarzfäule an Wein

Esca-Krankheit

Am Ausbruch der Esca-Krankheit sind mehrere Pilze beteiligt. Symptome dieser Krankheit können während der kompletten Vegetationsdauer auftreten, vorwiegend jedoch ab dem Hochsommer und in älteren Weingärten. Das Krankheitsbild kann akut oder chronisch sein.

  • Bei akuter Form sterben plötzlich Blätter und Trauben ab und vertrocknen
  • Bei der Chronischen, zwischen Hauptadern der Blätter, unterschiedlich große helle Flecken
  • Fleckige Bereiche sterben später ab
  • Übrig bleibt meist ein schmaler grüner Streifen, entlang der größeren Blattader
  • Grünstreifen bei Weißweinsorten gelb umrandet, bei roten Sorten, weinrot
  • Blätter vertrocknen und fallen frühzeitig ab
  • Auf den Trauben bräunlich-violette bis graue Flecken zu erkennen
  • Noch junge Beeren schrumpfen

Spezielle Mittel zur Bekämpfung gibt es auch hier nicht. Insbesondere bei jungen Reben kann eine Stammsanierung sinnvoll sein. Dazu werden sie im Winter bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten. Anfallendes Schnittgut sollte im Hausmüll entsorgt oder verbrannt werden. Wie bei den meisten Weinkrankheiten ist auch bei der Esca-Krankheit, Vorbeugung der beste Schutz.

Esca-Krankheit am Wein

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