Weintraubenkerne einpflanzen | So ziehen Sie Weinreben aus Kernen

Weintraubenkerne einpflanzen

Weinreben im eigenen Garten sind ein Wunsch vieler Menschen. Für den Normalbürger ist es jedoch häufig etwas schwer, an einen Rebstock zu kommen, von dem ein Steckling zum Vermehren abgeschnitten werden kann. Aus diesem Grund fragen sich viele Gartenbesitzer, ob es möglich ist, über Weintraubenkerne im eigenen Garten eine der begehrten Pflanzen zu ziehen. Möglich ist es, jedoch ist der Zeitaufwand hoch und die Erfolgschance stark abhängig von zahlreichen Faktoren.

Auswahl der passenden Rebsorte

Weinreben (bot. (Vitis vinifera) sind Pflanzen, die in einer Vielzahl von Sorten angeboten werden und sich für unterschiedliche Zwecke eignen. Aus diesem Grund sollten Sie sich vorher einige Gedanken darüber machen, welche Rebsorte es denn sein soll. Folgende Punkte sind dabei ausschlaggebend:

Klima

Weinreben sind empfindliche Pflanzen, deren Vitalität und Ertrag stark von den klimatischen Bedingungen Ihrer Region abhängen. Viele Rebsorten sind nicht für den Anbau in Nord- oder Ostdeutschland geeignet, da die Winter nicht mild genug sind, doch gibt es spezielle Zuchtsorten, wie zum Beispiel Mitschurinski, die Temperaturen von bis zu -35 °C aushalten kann. Informieren Sie sich vorher, welche Rebsorten für Ihre Region geeignet sind, damit erfolgreich gezogene Jungpflanzen nicht sofort den Kälte- oder Nässetod sterben. Besonders viel Glück haben Sie in der Pfalz und Baden-Württemberg, da hier die Temperaturen milder als im Rest Deutschlands sind.

Verwendung

Rebsorten unterscheiden sich nicht nur in Bezug auf das bevorzugte Klima. Über die Jahrtausend lange Kultivierungsgeschichte wurden zahlreiche Sorten für die unterschiedlichsten Verwendungszwecke gezüchtet. Diese wären:

  • Keltertrauben
  • Tafeltrauben
  • Ziertrauben (nicht für den Verzehr bestimmt)
  • Rebsorten für die Herstellung von Rosinen

Sie sehen, es bietet sich Ihnen eine große Auswahl an Rebsorten. Das macht den Reiz der Traubenzucht über Traubenkerne aus. Rebstöcke an sich sind sehr teuer oder nur über befreundete Winzer zu bekommen. Kerne dagegen können Sie problemlos über einen Winzerbedarf, Agrarmärkte oder sogar Online-Shops für Saatgut bestellen. Ebenfalls bieten diese Gärtner, Baumschulen oder Winzer an, Sie müssen sich hier nur ein wenig erkunden. Sie können die Traubenkerne sogar im Ausland bestellen.

Weinreben setzen mediterrane Akzente

Tipp: Es ist möglich, Weintraubenkerne direkt aus Tafel- oder Weintrauben zu nutzen, jedoch werden dabei viele beschädigt, wenn Sie dabei nicht vorsichtig genug sind. Zudem ist das sehr viel Arbeit für eine kleine „Auslese“ Kerne, die sich kaum zum Einpflanzen lohnt.

Vorbereitung der Kerne

Nachdem Sie sich für eine Rebsorte entschieden haben und über das Saatgut verfügen, können Sie die Kerne vorbereiten. Nicht alle Weintraubenkerne sind nutzbar, da ein Teil während der Lagerung beschädigt wird oder sich schon im Vorfeld nicht verwenden lässt. Der nächste Schritt hilft dabei, diese Traubenkerne von den gesunden auszusortieren, damit Sie nur solche einpflanzen, die am Ende zu Weinreben führen können. Gehen Sie dabei wie folgt vor:

  • fühlen Sie alle Traubenkerne zwischen Ihren Fingern
  • diese sollten sich fest und nicht biegsam anfühlen
  • ebenso sollte der Endosperm sichtbar sein
  • dieser ist entweder in einer gräulichen oder weißen Farbe gehalten
  • sortieren Sie die Weintraubenkerne aus, bei denen der Endosperm nicht zu sehen ist
  • dieser Vorgang benötigt recht viel Zeit, da Sie hier sehr genau vorgehen müssen
  • anschließend geben Sie die Kerne in ein Wasserbad
  • alle Weintraubenkerne, die an der Wasseroberfläche schwimmen, werden entsorgt oder für einen anderen Zweck verwendet
  • sieben Sie diese mit einem feinen Sieb ab
  • nur die auf den Boden gesunkenen Kerne werden für die Anzucht der Weinreben genutzt
  • waschen Sie die nutzbaren Weintraubenkerne gründlich ab, um möglichen Schmutz zu entfernen

Weintraubenkerne

Stratifikation

Nun haben Sie die Kerne zur Verfügung und müssen diese auf die Aussaat vorbereiten. Dieser Vorgang dauert im Vergleich mehrere Monate, denn die Traubenkerne benötigen einen Kältereiz, um überhaupt austreiben zu können. Weichen Sie das Saatgut nun in desinfiziertem Wasser über einen Zeitraum von 24 Stunden ein. Sie können hierfür alternativ eine 0,2-prozentige Kaliumnitratlösung verwenden. Diese hebt die natürliche Keimung der Weintraubenkerne auf, bis der nächste Kältereiz kommt. Lassen Sie das Saatgut nun über den oben genannten Zeitraum ziehen. Nach dem Einweichen werden die Traubenkerne stratifiziert:

  • bester Zeitpunkt für die Stratifikation ist Ende November oder Mitte Dezember
  • füllen Sie feuchten Sand und das vorbehandelte Saatgut in einen Gefrierbeutel
  • drehen Sie die Tüte in einen Zylinder oder eine Wurst und verschließend Sie diese gut
  • legen Sie diese in das Gemüsefach des Kühlschranks für einen Zeitraum von acht bis zwölf Wochen
  • die Lagerzeit ist abhängig von der Dauer Ihres Winters
  • je früher der Winter bei Ihnen vorbei ist, desto kürzer dauert die Lagerung

Nach diesem Zeitraum sind die Weintraubenkerne nun bereit für die Keimung. Ein längerer Kältereiz wird nicht benötigt. Achten Sie aber während der Lagerung darauf, dass der Sand nicht austrocknet und geben Sie gegebenenfalls etwas Wasser hinzu, denn nur so kann den Kernen das Gefühl gegeben werden, dass sie über den Winter in der Erde verbleiben.

Tipp: Sie könnten die Traubenkerne sogar mehrere Jahre lang auf diese Weise lagern, da sie in diesem Zustand nicht schlecht werden.

Aussaat

Bei der Aussaat müssen Sie sehr genau vorgehen, damit Sie die Weintraubenkerne richtig einpflanzen. Damit das Saatgut ankeimen kann, benötigen Sie ein mageres Substrat, das eine hochwertige Qualität aufweist. Schon die Weintraubenkerne verlangen ein gutes „Terroir“, wie es der Winzer nennen würde. Je besser die Qualität, desto effektiver kann das Saatgut keimen und Sie können sich am Ende über die Keimlinge zum Einpflanzen in Töpfe oder ins Freie freuen. Die Aussaat gelingt auf die folgende Weise:

1. Anzuchtgefäße

Wählen Sie zur Anzucht kleine Töpfe oder ein Anzuchtgefäß aus. Diese füllen Sie mit dem Substrat und geben in jedes Gefäß ein paar Traubenkerne hinein, die Sie in einer Tiefe von etwa einem Zentimeter einpflanzen. Anschließend feuchten Sie das Substrat mit einer Sprühflasche an.

2. Standort

Ermöglichen Sie den Kernen einen warmen Standort mit konstanten 20 °C, ohne das es zu trocken ist. Aufgrund der Empfindlichkeit auf Kälte ist ein Minigewächshaus sehr zu empfehlen, da Heizungswärme in vielen Fällen zu trocken ist.

3. Dauer

Sobald das Saatgut seinen Platz im Minigewächshaus bezogen hat, verbleiben Sie dort für einen Zeitraum von zwei bis acht Wochen. Die endgültige Dauer der Keime hängt stark von der Rebsorte, dem Substrat und der Temperatur ab, die den Kernen über diesen Zeitraum gewährt wird. Halten Sie das Substrat für die Weinreben-Keimlinge immer feucht und verzichten Sie auf eine direkte Sonneneinstrahlung. Dennoch sollte der Standort hell genug sein.

Weinrebe mit grünen Trauben
Weinrebe mit grünen Trauben

Pikieren

Lassen Sie die Weintraubenkerne nach dem Einpflanzen ziehen. Sobald die Keimlinge eine Höhe von acht Zentimetern erreicht haben, werden Sie pikiert.
Das Pikieren ist wichtig, um nur die kräftigsten Weinreben-Keimlinge zu nutzen, aus denen Sie vollständige Rebstöcke ziehen können. Zum Pikieren benötigen Sie:

  • Töpfe mit einem Durchmesser von 10 cm
  • hochwertige Pikiererde
  • Pikierholz

Die Anzahl der Töpfe ist abhängig von der Menge der kräftigen Keimlinge. Checken Sie diese daher zuvor auf Vergeilungen oder einen schwachen Wuchs. Somit können Sie in etwa abschätzen, wie viele Pflanzgefäße Sie am Ende benötigen. Auch für die Pikiererde sollten Sie auf ein hochwertiges Substrat setzen, um den Traubenkernen die besten Wachstumsvoraussetzungen zu bieten. Gehen Sie beim Pikieren wie folgt vor:

1. Füllen Sie die Töpfe zur Hälfte mit dem Substrat. Achten Sie darauf, dass die Erde schon locker sitzt, damit die Pflanzen atmen können.

2. Drücken Sie vor dem Einpflanzen eine kleine Mulde in das Substrat. In diese wird anschließend der Keimling gesetzt, der sich dadurch schnell einen Halt suchen kann.

3. Nun nehmen Sie vorsichtig einen der Keimlinge aus dem Anzuchtgefäß und untersuchen die Wurzeln. Nur Keimlinge mit gesunden Wurzeln sollten zur weiteren Anzucht ausgewählt werden, da diese die besten Wuchschancen haben.

4. Setzen Sie den Keimling nun in die Pikiererde. Dabei sollte die Pflanze so weit in die Erde reichen, dass die Erde an die ersten Blätter heranreicht. Dadurch kann sich der Keimling entspannt weiterentwickeln.

5. Nach dem Einpflanzen in die Pikiertöpfe ziehen Sie die Keimlinge weiterhin bei 20 °C im Haus.

Tipp: Falls Sie kein Minigewächshaus zur Verfügung haben, mit denen Sie die Weinreben ziehen können, bespannen Sie die Anzuchtgefäße mit Klarsichtfolie und setzen sie auf eine Wärmematte. Dadurch erzielen Sie den gleichen Effekt.

Weinrebe

Auspflanzen

Ab einer Höhe von 30 Zentimetern und einer Menge von fünf bis sechs gesunden Blättern ist es endlich soweit: Sie können die jungen Weinreben nun aus dem Haus in den Garten einpflanzen. Ab dieser Größe ist es kein Problem mehr für die einstigen Traubenkerne, an der frischen Luft weiterzuwachsen. In diesem Alter können Sie sogar die Witterung überleben.

Das Pflanzen der Jungpflanzen gestaltet sich recht einfach. Standort und Boden sollten wie folgt beschaffen sein:

  • Lichtbedarf: sonnig (6 – 8 Stunden Vollsonne pro Tag)
  • Pflanzabstand: 2,5 cm
  • pH-Wert: unterschiedlich je nach Sorte, meist zwischen 5,5 und 7,0
  • durchlässig mit einer guten Drainage
  • Sand oder Kompost zur Auflockerung fester Bodentypen verwenden

Bedenken Sie: der ursprüngliche Bodentyp nimmt Einfluss auf den Geschmack der Reben. So ist ein kalkhaltiger Boden anders im Aroma als ein Boden mit viel Ton. Pflanzen Sie die jungen Weinreben nun ein und düngen Sie diese danach mit einem passenden Dünger. Sie können sich auf die ersten Erträge ab dem dritten oder vierten Jahr der Pflanzung freuen.

Weinrebe mit Trauben
Weinrebe mit Trauben

Tipp: Sie werden am Ende vielleicht überrascht sein, was aus Ihren Kernen gewachsen ist. Traubenkerne haben es so an sich, dass sie Gene anderer Rebsorten tragen, was zu interessanten Experimenten führen kann.

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